Die Abtei Sainte-Marie de Valmagne ist ein ehemaliges Zisterzienserkloster bei Villeveyrac im Arrondissement Montpellier des Départements Hérault in der Region Okzitanien in Südfrankreich, rund 13 km östlich von Pézenas, knapp 40 Kilometer nordöstlich von Béziers, etwa 30 Kilometer südwestlich des Zentrums von Montpellier und etwa 8 Kilometer nördlich des Étang de Thau.

Geschichte Gründung Edition Gaud 11, rue Brulard, 77950 Moisenay, Die Abtei von Valmagne. ISBN 2-84080-037-3 Deutsche Ausgabe, Broschüre S. 1–49. (S. 1–20)

Im Jahr 1138 riefen die mächtigen Lehnsherren von Cabrières (Hérault) die Mönche des Benediktinerklosters von Ardorel (Nähe Castres) auf, in der Diözese Agde ein Kloster zu gründen. Ardorel gehörte zu Fontevrault in der Diözese Albi. Es war damals für die zahlreichen Mönche zu klein geworden und so folgten viele ihrer Brüder unter der Leitung des Abtes Foulques dem Ruf und machten sich auf den Weg über die Berge von Lacaune und Espinouser ans Mittelmeer.

Einen geeigneten Ort für ihr Bauvorhaben fanden sie nördlich des Etang du Thau auf einem Ödland von etwa 24 Kilometern Durchmesser, das Tortoriera oder Toutourière hieß und nur von wilden Tieren besiedelt war. Dort gab es nahe der kräftig sprudelnden „Diana-Quelle“ einen Lehensbezirk mit dem Namen „Vallis Magna“ (großes Tal) oder Villa Magna (großes Haus). So wird auch angenommen, dass einige der Marmorsäulen aus dem Kapitelsaal einer ehemaligen römischen Villa stammen, nämlich dieser „Villa Magna“. Die Lage war durch zackig aufragende Felsklippen vor den kräftigen Nordwinden geschützt. Außerdem befand sich in unmittelbarer Nähe die Römerstraße „Via Domitia“, die in der Antike die Provinz „Gallia Narbonensis“ mit dem römischen Reich verband und gleichzeitig die schnellste Landverbindung zwischen Rom und der iberischen Halbinsel war. mini|hochkant=0.5|Benedikt von Nursia, Ordensvater der Benediktiner

Das Jahr 1138 gilt heute als Gründungsjahr und Raimond I. Trencavel, Vizegraf von Béziers (gestorben 1167) als Hauptstifter und Gründer der Abtei Sainte Marie von Valmagne.

An der Landstiftung beteiligten sich neben Raimond I. eine Reihe frommer Bürger aus der Umgebung. Schon bald bestätigte der Vizegraf die Stiftung mit ihren Rechten. Sein Vater, Bernard Aton IV., hatte bereits das Kloster Ardorel gestiftet und Raimond selber war von Benediktinermönchen unterrichtet und erzogen worden. Im Jahr darauf, am 25. August 1139, verlieh der Bischof Raimond von Agde der Schenkung Gesetzeskraft. Die Abtei sollte sich den Ordensregeln des Benedikt von Nursia unterwerfen und der Obrigkeit von Ardorel und Cadouin im Périgord zu unterstellen.

Valmagne war also ursprünglich als Benediktinerkloster gegründet worden. Doch bereits 1144, nur sechs Jahre später, begann sich der zweite Abt Peter um einen Anschluss an Cîteaux zu bemühen, das Ursprungskloster der Zisterzienser. Seit Robert von Molesme (auch Robert von Cîteaux genannt) im Jahr 1098 das Novum Monasterium, das neue Kloster und später Citeaux gegründet hatte, erlebte der noch junge Orden einen ungeheuren Aufschwung. Frommes Ziel der Zisterzienser war die Rückkehr zu den ursprünglichen Regeln des heiligen Benedikt, wie Armut, Buße und Zurückgezogenheit. mini|hochkant=0.5|Wappen des Zisterzienserordens mini|hochkant=0.6|links|Das Kloster Citeaux im 16. Jahrhundert

Anschluss an Cîteaux Der Anschluss Valmagnes an Cîteaux vollzog sich nicht ohne besondere Probleme. Abt Peter bat Papst Eugen III. im Namen seiner Mönche, Valmagne von dem Gehorsamkeitsgelübde gegenüber den Äbten von Ardorel und Cadouin zu entbinden, was schon im Jahr 1145 geschah. Der Papst unterstellte Valmagne von da an dem Zisterzienserkloster Bona Vallis (= Bonnevaux), im Dauphiné. Doch die beiden Äbte gaben die aufstrebende Abtei Valmagne nicht ohne Widerstand auf. Ihr Hauptstifter Raimond I. Trencavel unterstützte Abt Peter. Seine Mutter allerdings, die an der Stiftung Ardorels durch ihren Mann maßgeblich beteiligt gewesen war und aus dieser Verbundenheit heraus Valmagne an Ardorel angeschlossen sehen wollte, war gegen ihren Sohn.

Im Jahr 1159, einundzwanzig Jahre nach der Gründung durch die Benediktiner, verfügte Papst Hadrian IV. den endgültigen Anschluss Valmagnes an Citeaux. Um nun die Mönche mit den Regeln der Zisterzienser vertraut zu machen und sie darin zu unterweisen, kamen Mönche aus Bonneveaux nach Valmagne, überprüften die Stiftungsurkunden und kontrollierten, ob das Kloster den von Bernard von Clairvaux geforderten Bedingungen entsprach: absolute Einsamkeit, Wasser, fruchtbarer Boden. Denn die ausdrücklichen Forderungen an ein Zisterzienserkloster lauteten: Das Kloster soll innerhalb seiner Mauern alles Notwendige enthalten, wie Trinkwasser, eine Mühle, einen Garten und Werkstätten verschiedener Handwerker, damit vermieden wird, dass die Mönche die Einfriedung verlassen müssen.

Gemäß der Charta der Barmherzigkeit des dritten Abtes von Citeaux, Etienne Harting, galt für alle Ordensbrüder das Gebot der vollkommenen Gleichheit: „mögen wir auch körperlich in alle Himmelsrichtungen verstreut sein, so bleiben wir jedoch in unseren Seelen vereint…, damit in unseren Taten keiner vom anderen abweicht, sondern jeder mit derselben Barmherzigkeit nach denselben Regeln und Gebräuchen lebe.“

Romanisches Abteigebäude Auf dem höchsten Punkt des Geländes wurde den Regeln entsprechend die Abteikirche für achtzig Mönche errichtet. Obwohl die Mönche in den unterschiedlichsten Handwerksberufen, vom Schneider, über den Zimmermann bis zum Schmied, ausgebildet waren, um möglichst viel reparieren und herstellen zu können, konnte man jedoch nicht gänzlich auf die Mitwirkung externer Fachkräfte verzichten. Gerade bei dem Neubau eines so großen Klosters, musste man auf die Mithilfe von externen Bauhandwerkern und Hilfskräften aus der Umgebung setzen, besonders benötigte man einen werkskundigen Steinmetz.

Von den Bauwerken der romanischen Kirche sind keine Bauwerksreste oder Dokumente bekannt. Dem entgegen sind große Teile des romanischen Klosters heute noch erhalten, so etwa der ganze Ostflügel der Konventsgebäude (von der Sakristei bis zu den ehemaligen Arbeitsräumen der Mönche), der südliche Abschnitt des Westflügels (Räume der Laienbrüder) und vermutlich die rundbogigen Arkaturen des Kreuzgangs. Möglicherweise gehörte der ehemalige Keller im nördlichen Bereich des Westflügels zu diesem Bauabschnitt. Über die Existenz weiterer romanischer Bauteile, etwa im Süden oder Westen des Kreuzgangs oder im Obergeschoss geben die Quellen keine Auskunft. Das gilt auch für die ursprüngliche Überdeckung des vermutlich eingeschossigen Kreuzganges. mini|hochkant|links|Idealplan eines Zisterzienserklosters, ähnlich Boyle Abbey

Die Abteikirche sollte so schlicht wie möglich gestaltet sein, auf dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes. Im Süden der Kirche schloss sich der Kreuzgang an, der dreiseitig von Konventsgebäuden umschlossen wurde. Sein Ostflügel beherbergte das Armarium (Bibliothek), die Sakristei, den Kapitelsaal, das Parlatorium (Sprechzimmer, auch Behandlungsraum für Kranke), und das Skriptorium. In seinem Obergeschoss befand sich das Dormitorium, von dem vielleicht ein separater Raum für den Abt abgetrennt war, mit einem direkten Zugang in die Kirche über eine Treppe. Im Südflügel waren das Calefactorium (Wärmeraum), das Refectorium (Speisesaal) der Mönche und die Küche untergebracht. Der südliche Bereich des Westflügels war den Laienbrüdern und gelegentlichen Gästen vorbehalten. Die Laienbrüder waren damit dem basse-cour, dem landwirtschaftlichen Bereich, am nächsten zugeordnet.

Eine der wesentlichen Arbeiten der Mönche, neben Gebet, Meditation und Kontemplation und den im Alltag erforderlichen handwerklichen Tätigkeiten, wurde im Skriptorium ausgeführt. So machte ein Teil der Mönche Niederschriften von Gebets- und Liedtexten, die für die gemeinschaftlichen Messfeiern benötigt wurden. So entstand nach und nach eine umfangreiche Chor- und Konventsbibliothek. Andere Mönche widmeten sich dem Kopieren aller überlieferten Texte aller Art und trugen damit dazu bei, dass sich zahlreiche historische Quellen und Texte erhalten haben.

Für den notwendigen Kontakt mit der Außenwelt, so etwa für die Arbeit auf dem Feld und im Weinberg, für das Vieh und alle Tätigkeiten, die außerhalb der Klostermauern erbracht werden mussten, gab es die sogenannten Laienbrüder, auch Konversen genannt (aus dem Lateinischen conversus), die Bauern aus der Gegend waren, die ihrem normalen Leben abgeschworen, aber kein Mönchsgelübde abgelegt hatten. Etliche von ihnen blieben den größten Teil des Jahres dem Kloster fern, von der Aussaat im Frühling über den Sommer bis zur Ernte im Herbst und lebten und arbeiteten in sogenannten Granges (Gutshöfen, Scheunen), landwirtschaftlichen Betrieben, die zum Kloster gehörten, aber auch viele Kilometer weit entfernt liegen konnten.

Aufstieg Valmagne vergrößerte sich, die Zahl der Mönche und Laienbrüder stieg und die räumliche Ausdehnung wuchs zusehends und beachtlich. Landschenkungen und sogenannte Privilegien, Begünstigungen und bevorzugte Nutzungsrechte, reihten sich hintereinander. Zum Beispiel erteilte der Graf von Roussillon das Recht, auf dem nahen Etang de Thau ein Fischerboot zu betreiben, Peter von Pézénas erlaubte das Mahlen des Getreides in seinen Mühlen und Weiteres. Valmagne erhielt Lehen von Marcouine, Fonduce, Valautre, und Veirac, Vorrechte in Cabrials, Mèze, Paulhan, Ganvern, und Loupian. Wilhelm von Montpellier erteilte allen Ordensangehörigen und insbesondere Valmagne Zollfreiheit in der ganzen Stadt, Jean Abbé erteilte 1175 die Abgabenfreiheit für sämtliche Ländereien von Raimond de Toulouse und die vier am Herault liegenden Mühlen von Paulhan. Valmagne wurde so umfangreich bedacht, dass es unmöglich ist, hier alles aufzuzählen. Es wurde dadurch zu einem der wohlhabendsten und mächtigsten Klöster in Südfrankreich.

In dieser Zeit standen die Klöster nicht nur unter dem Schutz des Heiligen Stuhls in Rom, sondern auch unter dem des Königs und der Landesherren. So befand sich Valmagne unter dem besonderen Schutz der Familie seines Gründers, Raimond Trencavel. Da diese Familie dem König von Mallorca, dem späteren König von Aragon, lehenspflichtig war, unterstand Valmagne damit automatisch auch dessen Schutz. Dies war im Mittelalter ein hochkompliziertes System und Geflecht aus gegenseitigen Abhängigkeiten, hierarchischen Strukturen und Protektionen.

Die frühe Zeit von Valmagne ist die eines ungeheuren Reichtums und der Expansion. Das 12. Jahrhundert wird das „Goldene Zeitalter“ der Zisterzienser genannt und ist Inbegriff für den Erfolg des Ordens schlechthin. mini|links|hochkant=0.5|Jakobspilger, Holzschnitt von 1568 mini|hochkant|Jakobsgrab, Santiago-de-Compostela

Der Bau des romanischen Klosters, der große Aufstieg und das Anwachsen des Reichtums Valmagnes fielen zusammen mit der Blütezeit der Wallfahrten zum Grab des Apostels Jakobus des Älteren in Santiago de Compostela in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, in der die Pilger jährlich zu Hunderttausenden über die Pyrenäen nach Süden zogen. In dieser Zeit organisierten vor allem Mönchsgemeinschaften, wie etwa die Zisterzienser, die Abwicklung der Wallfahrt. Es formierten sich vier Hauptrouten und ein Netz von Nebenrouten, an denen Kirchen, Klöster, Hospize, Herbergen und auch Friedhöfe entstanden oder erweitert wurden.

So war auch Valmagne eine recht bedeutende Station des Jakobsweges in Nähe der südlichsten Hauptroute der Via Tolosana, mit dem Ausgangsort Arles, über Toulouse und Oloron weiter südwestwärts durch Spanien, und die Mönchsgemeinschaft konnte mit seinem Kirchenneubau und dessen Reliquien an der Spendenwilligkeit der Jakobspilger teilhaben.

Blütezeit, Neubau einer großen gotischen Kirche Edition Gaud 11 (S. 20–29)