Als Generalstab wird in der deutschen Militärgeschichte häufig die Gesamtheit aller speziell ausgebildeten Generalstabsoffiziere bezeichnet, die der obersten militärischen Führung zuarbeiten. Andererseits wird damit auch eine bestimmte Dienststelle bezeichnet, die höchste militärische Kommandobehörde vieler Streitkräfte. Ihr Leiter ist der Generalstabschef. Der Generalstab ist heute in den meisten Ländern dem Verteidigungsministerium nachgeordnet. Die entsprechende Kommandobehörde von Seestreitkräften ist in vielen Staaten der Admiralstab bzw. die Admiralität. mini|Der Große Generalstab der Königlich Preußischen Armee 1870/71

Aufgaben Der Generalstab setzt die Aufträge der politischen Führung in militärische Maßnahmen um. Zu den Aufgaben eines Generalstabs können gehören:

Personalplanung militärische Spionage Einsatzplanung Einsatzführung Mobilmachungs- und Aufmarschplanung Logistik Ausbildung Streitkräfteplanung

Vorgeschichte Anstoß für die Entwicklung von Generalstäben war das verstärkte Aufkommen stehender Heere in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Heere waren bereits im Dreißigjährigen Krieg so stark geworden, die Kriegsschauplätze so ausgedehnt, dass es für den Souverän schwierig wurde, allein zu befehligen. In Preußen, in England unter Richard Cromwell, in Österreich und anderen süddeutschen Staaten wurden zu dieser Zeit Frühformen von Generalstäben eingerichtet.

Das Bild wandelte sich endgültig, als mit der Französischen Revolution der Krieg der Fürsten und Könige zum Volkskrieg wurde und Massenheere an verschiedenen, oft weit auseinander gelegenen Schauplätzen kämpften. Damit war es unmöglich geworden, dass ein Feldherr allein befehligte und jetzt war ein Feldzug, bei dem Millionen Soldaten zu mobilisieren waren, nicht mehr aus dem Augenblick heraus zu organisieren.

Entstehung und Bedeutung des Generalstabs in Deutschland Preußen Der Große Kurfürst organisierte seinen Generalquartiermeisterstab Ende des 17. Jahrhunderts nach dem Muster der schwedischen Armee. Die Aufgabe des Stabes war es, den Ingenieursdienst der Armee zu betreuen, die Marschrouten zu überwachen und Lager und befestigte Stellungen auszuwählen.

In Preußen kam mit Blick auf die Erfolge Friedrichs des Großen eine entsprechende Entwicklung der Heeresorganisation nur langsam voran. So entwickelten sich Vorläufer des Generalstabs im 18. Jahrhundert und wurden 1803 durch Christian von Massenbach und Levin von Geusau konkret. Vor allem Massenbach setzte sich für ein militärisches Organ ein, das nicht mehr nur Hilfsaufgaben löste. In diesem Zug bildete sich aus der lockeren Schar von Adjutanten und Ingenieuroffizieren, die seit 1787 als Generalquartiermeisterstab firmierte, wenigstens auf dem Papier eine bürokratische Organisation, zuständig für Landesaufnahme, Militärwissenschaften und Operationsplanung. Ausschlaggebend dürften auch die Erfolge Napoleons gewesen sein, der in Frankreich bereits auf einen Stab von Fachleuten zurückgriff, den man einen Generalstab im Sinne der Neuzeit nennen konnte.

In Preußen kam der Gedanke aber erst nach der Niederlage gegen Frankreich im Rahmen der Preußischen Heeresreform nach 1806 zum Durchbruch. Gerhard von Scharnhorst entwarf als Vertreter einer Gruppe junger, reformorientierter Offiziere weitreichende Pläne. Dazu gehörte die Auflösung des alten Quartiermeisterstabs und die Schaffung eines Kriegsministeriums und 1808 eines Generalstabs als Organ des Ministeriums. Als Eingangsschule dazu gründete Scharnhorst die Preußische Kriegsakademie. Über die Generalstabsoffiziere bei den ebenfalls neu formierten Truppenbrigaden verfügte der Generalstab über Kommunikationskanäle in das Heer hinein.

Wenige Jahre nach seiner Gründung, in den Befreiungskriegen 1813–1815, trat der preußische Generalstab erstmals in Aktion. Dessen Chef Scharnhorst hatte den Operationsplan für die preußische Armee entworfen, nach seinem Tod führte August Neidhardt von Gneisenau sein Werk fort. Paris wurde 1814 nach Gneisenaus Plan genommen.

Nach den Befreiungskriegen wurde der Generalstab weiter entwickelt. Dazu gehörte die Erforschung der Kriegsgeschichte, die Planung möglicher Kriege entsprechend der politischen Lage, die Verbesserung von Landkarten, die Untersuchung von Verwaltungs- und Nachschubfragen und die Überwachung des Ausbaus des Straßennetzes nach militärischen Gesichtspunkten. Der Generalstab erhielt die Aufgabe, alle Personalfragen des Heeres zu bearbeiten und eine Mobilmachung vorzubereiten. Jeder Infanterie-Division wurde ein Generalstäbler als Verbindungsoffizier zugeteilt und die Auftragstaktik mit selbstständig entscheidenden Offizieren weiterentwickelt. Viele Staaten sandten Offiziere nach Berlin, damit sie die Arbeit des Großen Generalstabes studierten, oder baten um Entsendung preußischer Generalstäbler als Instrukteure.

Der preußische Erfolg in der Schlacht bei Königgrätz 1866 wird auch auf die Arbeit des Generalstabs unter Helmuth von Moltke zurückgeführt, auf deren Grundlage drei preußische Armeen getrennt in Böhmen einrückten und präzise erst auf dem Schlachtfeld zusammentrafen, um das gegnerische Heer zu schlagen.

Unter Moltke wurde ebenfalls 1866 mit der Einrichtung des Nachrichtenbüros im preußischen Generalstab die Grundlage für einen modernen Militärnachrichtendienst gelegt. Zuvor hatten solche Abteilungen lediglich für die Dauer von Kriegen oder Feldzügen bestanden und sich die Militärspionage ansonsten meist auf die weniger organisierten Werkzeuge der Militärattachés und Offiziers-Erkundungsreisen beschränkt. Das Nachrichten-Bureau blieb aber dauerhaft bestehen. 1889 erfolgte die Umbenennung in Abteilung III b.

Generalstabschefs Seit der Einführung der dienstlichen Bezeichnung:

Generalleutnant Friedrich Carl Ferdinand Freiherr von Müffling – 11. Januar 1821 bis 21. Januar 1829 General der Infanterie Johann Wilhelm von Krauseneck – 29. November 1829 bis 13. Mai 1848 General der Kavallerie Karl Friedrich Wilhelm von Reyher – 13. Mai 1848 bis 7. Oktober 1857 Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke – 29. Oktober 1857 bis 10. August 1888

Deutsches Reich Deutsches Kaiserreich mini|hochkant|Kaiser Wilhelm (Mitte) und seine Heerführer (Postkarte von 1915):Kluck, Emmich (Ecken oben links und rechts);Bülow, Kronprinz Rupprecht, Kronprinz Wilhelm, Herzog Albrecht, Heeringen (1. Reihe);François, Beseler, Hindenburg, Stein (2. Reihe);Tirpitz, Prinz Heinrich (3. Reihe);Lochow, Haeseler, Woyrsch, Einem (4. Reihe);Mackensen, Ludendorff, Falkenhayn, Zwehl (5. Reihe)

Der preußische „Generalstab der Armee“ führte mit zukommandierten Generalstabsoffizieren aus Sachsen, Württemberg und Bayern im „Großen Generalstab“ die militärische Planung im Reich durch. Diese war allerdings im Wesentlichen beschränkt auf die konkrete Aufmarschplanung für den Fall eines Krieges, die Planung des jährlichen Kaisermanövers sowie die Beobachtung ausländischen Militärs. Zugleich blieben die Kompetenzen des Generalstabs insbesondere in Friedenszeiten begrenzt, wodurch er auch die praktische Vorbereitung eines Krieges nur begrenzt betreiben konnte. So bestanden keine Weisungsbefugnisse gegen andere Teile der Militärverwaltung, keine Rechte zur Inspektion von Truppenteilen und keine Gestaltungsmöglichkeiten für die Personalstärke, Ausrüstung und Ausbildung (mit Ausnahme der Kriegsakademie) der Truppe sowie zur Besetzung von Offiziersstellen.Lukas Grawe: Planer, Mahner, Kriegstreiber: Der preußisch-deutsche Generalstab 1900 bis 1914. in: Gehirne der Armeen? Die Generalstäbe der europäischen Mächte im Vorfeld der Weltkriege. (= Krieg in der Geschichte. Bd. 118). Schoeningh, Paderborn u. a. 2023, ISBN 978-3-657-79195-8

Der Generalstab wurde unterteilt in den zentralen, den „Großen Generalstab“ in Berlin, die Truppengeneralstäbe bei den Korps-Kommandos bzw. Generalkommandos und die Generalstabsoffiziere bei den Divisionen. Der Chef des Großen Generalstabes nannte sich „Chef des Generalstabes“ und war gleichzeitig Fachvorgesetzter aller Generalstabsoffiziere. Schon in Preußen hatte der Generalstab seit Moltke eine besondere, auch politische Bedeutung.

Nach der Reichseinigung baute Moltke den Einfluss der Generalstabs und seines Chefs aus und machte die Organisation zunehmend unabhängiger vom Kriegsministerium. 1872 erreichte er die Unterstellung der Kriegsakademie unter den Chef des Generalstabs. 1881 wurde die neue Position des Generalquartiermeisters geschaffen. Dieser diente als Stellvertreter des Chefs des Generalstabs. Erster Amtsträger war Alfred Graf von Waldersee. 1883 erhielt der Chef des Generalstabs zusammen mit den Kommandierenden Generalen und den Oberbefehlshabern Immediatrecht beim Kaiser als „Oberster Kriegsherr“ (Deutsches Reich) und „Chef der Armee“ (Preußen) und damit faktisch die Möglichkeit, militärische Entscheidungen vorbei an Kanzler und Reichstag zu treffen. Das gilt als eine der Keimzellen der Katastrophe des Ersten Weltkrieges, da die militärische Planung damit nicht zwangsläufig einer politischen Kontrolle unterworfen war (siehe hierzu auch: Primat der Politik). De facto setzten sich Reichskanzler und Minister in Konflikten mit den Generalstabschefs aber meist durch. Allerdings etablierten letztere in der Militärführung eine Kultur der strategischen Offensive und des Präventivkriegs, die sich durch den personellen Austausch über die Truppengeneralstäbe in das gesamte Heer hinein ausweitete. So entwickelte sich der Schlieffenplan zum einzigen Kriegsplan und geradezu zum Dogma, ohne dass maßgebliche Politiker des Reiches auch nur eingeweiht waren. Auch die Führung der Kaiserlichen Marine kannte diese Heeresplanung nicht.

Innere Gliederung Der „Große Generalstab“ gliederte sich in mehrere Abteilungen. Die genaue Anzahl veränderte sich mehrfach. So existierten im Jahr 1900 16 Abteilungen sowie die Abteilung III b als militärischer Nachrichtendienst. Im Wesentlichen waren die Zuständigkeiten wie folgt verteilt: 1. Abteilung für Russland 2. Abteilung als „deutsche“ Abteilung, auch Aufmarschabteilung genannt. Sie bestand aus zwei Sektionen. Die 1. Sektion hatte alle das deutsche Heer betreffenden Fragen zu bearbeiten, soweit sie seine kriegsmäßige Entwicklung in Friedenszeiten betrafen. Dazu gehört seine Ausbildung, Bewaffnung, Ausrüstung und Organisation. Ebenso erstreckte sich ihr Arbeitsgebiet auf den Grenzschutz und den Aufmarsch des Heeres im Mobilmachungsfall. 2. Sektion bearbeitete alle Fragen, die sich auf die Verteidigungsfähigkeit und Armierung deutscher Festungen bezogen. Später, ab ca. 1908, kam noch die technische Sektion dazu. Sie hatte sich mit der immer wichtiger werdenden Militärtechnik zu befassen. Eisenbahnabteilung 3. Abteilung befasste sich mit Frankreich und England 4. mit den Festungen dieser Staaten 5. mit Italien und Österreich-Ungarn 6. war die Manöverabteilung zur Planung der Kaisermanöver Abteilung Z, Zentralabteilung, unmittelbar dem Chef des Generalstabs unterstellt

Weitere Abteilungen hatten die Politik und das Militär der anderen Staaten der Erde aus der Presse, Diplomatie sowie Militär- und Agentenberichten zu beobachten sowie auszuwerten.

Weitere Abteilungen zur Unterstützung waren die Kriegsgeschichtliche Abteilung Abteilung Korps- und Generalstabsreisen Preußische Landesaufnahme

Diese hatte das Land trigonometrisch und topographisch zu vermessen, Karten anzufertigen und auf dem neuesten Stand zu halten. Ebenso hatte sie Karten vom Ausland zu sammeln und zu vervielfältigen.