mini|Kloster Habsthal (um 1933) Das Kloster Habsthal, eigentlich Benediktinerinnenkloster Unserer Lieben Frau Habsthal, ist ein von Benediktinerinnen geführtes Kloster in Habsthal, einem Teilort Ostrachs im baden-württembergischen Landkreis Sigmaringen.
Das Kloster, das an der Oberschwäbischen Barockstraße, am Oberschwäbischen Pilgerweg und am „Habsthaler Jakobsweg“ von Bad Saulgau nach Pfullendorf, einer Etappe des Via Beuronensis, liegt, ist ein wenig bekanntes barockes Kleinod in Oberschwaben. Es gehört der Schweizerischen Benediktinerinnenföderation an.
Geschichte mini|Karte mit den Besitzungen des Klosters um 1600 mini|Kloster Habsthal (Ansicht von 1671) mini|Karte „Grundriss des Kameralgutes Habsthal und Abteilungen desselben in drei Höfen, namentlich St. Crescentia-, St. Aloisi- und St. Xaveri-Hof“ (1781) mini|Kloster Habsthal (Aquarell um 1830) Das Kloster hat seinen Ursprung in der Stadt Mengen. Dort taten sich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts einige Frauen zusammen, um in klösterlicher Weise miteinander zu leben. Diese Mengener Beginengemeinschaft war im damaligen Amtshaus – dem heutigen Gasthof Lamm – ansässig.Vera Romeu: Himmelfahrt. 750 Jahre sind für die Klosterschwestern ein guter Grund zum Feiern. In: Schwäbische Zeitung vom 19. Mai 2009 Sie pflegten Kranke, versorgten Arme und kümmerten sich um Waisenkinder.Vera Romeu: Kloster Habsthal. Viele Gäste feiern mit dem Klosterdorf. In: Schwäbische Zeitung vom 23. Mai 2009
Die Frauen erhielten schon bald kirchliche Anerkennung und suchten sich dann über Beziehungen Stifter für die Gründung eines neuen Klosters. Diese fanden sie in Pfalzgraf Hugo IV. von Tübingen und König Rudolf von Habsburg, die ihnen Grundstücke und Gebäude in Habsthal zur Verfügung stellten.
Die Frauen zogen im Jahr 1259 von Mengen nach Habsthal. Dort schlossen sich wiederum wohl über Beziehungen mit dem Dominikaner Johannes von Ravensburg dem Dominikanerorden an. Als Dominikanerinnen lebten sie fortan nach den Regeln des heiligen Dominikus, hielten strenge Klausur und pflegten das Chorgebet.
Sie hatten offenbar guten Zulauf und wurden immer wieder mit Grundstücken, ja sogar mit ganzen Höfen beschenkt. Das Kloster konnte in den Gemarkungen Habsthal, Rosna und Bernweiler eine kleine Herrschaft aufbauen und besaß dort die Niedere Gerichtsbarkeit.
1806 löste Napoleon den Konvent auf. Das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen erhielt durch die Rheinbundakte (Art. 23) die Besitzungen der Klöster Habsthal und Wald. Fürst Anton Aloys ließ die Klosterfrauen unter großen Einschränkungen im Kloster weiterleben; es waren eine Priorin, 17 Ordensfrauen und drei Laienschwestern.
Das Dominikanerinnenkloster wurde 1840 aufgehobenDehio (2011), S. 267 und die Klostergebäude als Bildungsanstalt für angehende Lehrer benutzt. Von 1856 bis 1875 war in Habsthal eine Straf- und Korrekturanstalt untergebracht. 1892 erwarben Benediktinerinnen aus dem schweizerischen Hermetschwil im Kanton Aargau das Klostergebäude. Die Nonnen errichteten den Sitz der Äbtissin sowie das Noviziat in Habsthal. Ordinarius der Ordensgemeinschaft ist seit 2020 Prior Peter Stuefer aus der Abtei Muri-Gries in Südtirol.
Das Kloster und die Ortschaft Habsthal feierten über Christi Himmelfahrt, 21. und 22. Mai 2009, 750-jähriges Bestehen mit Erwin Teufel und weiterer Prominenz aus kirchlichen, adligen und politischen Kreisen. Geleitet wird das Kloster seit 2010 von der aus dem Schwarzwald stammenden Priorin Kornelia Kreidler OSB. Das Klostergebäude wies im Dachstuhl große Schäden auf, so dass Sanierungsarbeiten dringend erforderlich waren. Ein Förderverein wurde dafür gegründet. Seit 2014 sind die Dach- und Fassadensanierung abgeschlossen; seit 2013 betreibt die Klostergemeinschaft mit Hilfe von Ehrenamtlichen einen Klosterladen.Vera Romeu: 750-jähriges Jubiläum. Kloster reklamiert mehr Wahrnehmung. In: Schwäbische Zeitung vom 23. April 2009
Die vorletzte Nonne, Sr. Walburga, starb Ende 2022Todesanzeige im Mitteilungsblatt der Gemeinde Ostrach., P. Pius Agreiter, seit 1975 Spiritual des Klosters, starb Ende 2024,Nachruf im Mitteilungsblatt der Gemeinde Ostrach sodass seitdem für die letzte Nonne und die Gäste des Klosters nur noch unregelmäßig eine Messe gefeiert wird.Michael Hescheler: Kloster-Pater gestorben: Jetzt bleibt die letzte Schwester allein zurück. Schwäbische Zeitung, 13. Dezember 2024, abgerufen am 1. April 2025.
Liste der Äbtissinnen und Priorinnen Als Äbtissinnen, Priorinnen, Subprorinnen, Chorfrauen (C), Laienschwestern (L) und Novizinnen (N) des Klosters Habsthal sind bekannt: Datum Äbtissin / Priorin Anmerkung Subpriorin C / L / N ~ 1490 Brigitte von Hornstein (P) 1685 17 / 14 / ? 1697–1714 Maria Augustina Lippin (P) aus Bregenz, * um 1663 M. Josepha Schwarzin 21 / ≥ 4 / 1 (1697) 1724–1758 Maria Theresia Schirdtim (P) auch Schietin aus Überlingen, * um 1684 Amanda Lauinger 17 / 3 / 1 (1722) 1783–1791 M. Conrada Egger/in (P) aus dem Allgäu 1791–1801 Creszenzia Örtlin (P) Conrada Egger/in 1801–1825 M. Conrada Egger/in (P) aus dem Allgäu; † 1825 Creszenzia Örtlin 14 / 4 / 2 (1803) 1806 Auflösung des Konvents. 17 / 3 / ? 1841 Die sieben überlebenden Dominikanerinnen müssen das Kloster verlassen. Σ = 7 1892 Die ersten neun Benediktinerinnen aus Hermetschwil ziehen in Habsthal ein. 2 / - / 7 1892–1898 M. Gertrudis Stocker (P) 1898–1903 M. Gertrudis Stocker (Ä) Erste Äbtissin von Hermetschwil-Habsthal Σ = 24 1903–1918 M. Benedikta Deupoz (Ä) 1918–1943 M. Margareta Baiker (Ä) 1943–1985 M. Scholastika Beil (Ä) Σ = ≥ 22 (1979) 1986–1990 M. Raphaela Nowak (P) aus Hamburg Trennung der beiden Klöster Hermetschwil und Habsthal; Kloster Habsthal wird zum unabhängigen Konventualpriorat erhoben 1990–2010 Walburga Wolf (P) aus Gleiwitz seit 2010 Kornelia Kreidler (P) aus dem Schwarzwald, 57 (2021);mit ihr nur noch Schwester Walburga im Kloster (bis 2022) Σ = 5 (2009)Σ = 3 (2015)Σ = 2 (2021)
Gebäude Klostergebäude Das Klostergebäude wurde im 13. Jahrhundert nach dem St. Gallener Planschema als Vierflügelanlage mit geosteter Kirche errichtet. An seiner nordwestlichen Ecke befindet sich leicht abseits ein barocker Ölberg um 1520.Dehio (2011), S. 268
Klosterkirche mini|Klosterkirche mini|hochkant|Blick zum Chor mini|hochkant|Portal der Klosterkirche mit Fresko von Pater Tutilo Die Klosterkirche St. Stephan wurde 1650 nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg nach Plänen von Jodokus Beer z. T. neu aufgebaut und erweitert. Die barocke Ausstattung wurde 1750 vollendet; sie zeigt sich nun als Saalkirche mit gerade geschlossenem Chor. St. Stephan birgt eine Menge künstlerischer Schätze und verdeutlicht in den Kunstwerken die Marienverehrung, die im Mittelpunkt ihrer fast 600 Jahre ansässigen Theologie stand. Dies widerspiegelt sich heute noch in der barocken Ausstattung der Kirche. In der Barockzeit beauftragten die Dominikanerinnen berühmte Meister, so hat zum Beispiel der Maler Gottfried Bernhard Göz, der der Wallfahrtskirche Birnau zu ihrer Pracht verhalf, in Habsthal das Deckenfresko gestaltet. Der Stuck stammt von Joseph Anton Feuchtmayer, Franz Joseph Spiegler hat eines der Marienbilder gemalt.Kunst kann Theologie vermitteln. In: Schwäbische Zeitung vom 4. Juli 2008 Über dem Nonnenchor befindet sich die Marienverehrung durch Dominikanerinnen, im Langhaus der Heilige Dominikus und im Chor die Verehrung der Heiligen Eucharistie durch die vier Erdteile. Zur Ausstattung zählen der um 1750 entstandene Hochaltar, des drehbare Tabernakel mit der darin gezeigten Abendmahlsszene mit einer plastischen Gruppe von Christus und den Aposteln. Die Altarblätter zeigen die Gründungsgeschichte des Klosters, das Martyrium des Heiligen Stephanus sowie der Heiligen Rosa von Lima. Sie sind ein Werk von Matthäus Zehender von 1691. Das Seitenaltargemälde im Langhaus mit der Vermählung der Heiligen Katharina wurde 1747 durch Spiegler geschaffen.
Auf der Nonnenempore befindet sich die Orgel. Diese wurde 1907 von den Benediktinerinnen bei Gebr. Späth Orgelbau in Ennetach bestellt. Der Auftrag war eine Gegenleistung für das von der Pfarrgemeinde eingeräumte Recht, die Nonnenempore wieder für das Chorgebet benutzen zu dürfen. Die fast original erhaltene Orgel hat im Laufe der Jahrzehnte mehrere Restaurierungen erfahren, zuletzt im Jahre 2003 durch die Orgelbauwerkstatt Harald Rapp aus Ennetach. Dabei wurden die alten Zink- durch neue Zinn-Pfeifen ersetzt. Die Orgel besitzt nun 18 Register.Sr. Kornelia Kreidler OSB: Schätze der Paramentenkunst und andere Kostbarkeiten aus dem Benediktinerinnenkloster Unserer Lieben Frau Habsthal. Informationsbroschüre zur Ausstellung im Kloster Habsthal von Samstag, 8. September 2007 bis Sonntag, 14. Oktober 2007
Sonstiges Der 2013 vom Regisseur Sobo Swobodnik gedrehte Dokumentarfilm „Silentium – vom Leben im Kloster“ berichtet vom normalen Alltag im Kloster Habsthal. Der 84-minütige Film feierte am 9. Mai 2015 im Kulturkino Linse in Weingarten Premiere. Offizieller Kinostart in Deutschland war der 14. Mai 2015.Karlheinz Fahlbusch (kf): „Silentium“: Film über Leben im Kloster Habsthal geht unter die Haut. In: Südkurier vom 13. Mai 2015
Literatur
Johann Nepomuk von Raiser: Geschichte des Klosters Habsthal, vormals Mengen. In: Johann Daniel Georg Memminger (Hrsg.): Württembergische Jahrbücher für vaterländische Geschichte, Geographie, Statistik und Topographie, Jg. 1825, 2. Heft. Stuttgart/Tübingen 1826, S. 419–432. (Digitalisat) Karl Theodor Zingeler: Ordnungen, gebott und verbott für das Kloster Habsthal. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern, Bd. 10 (1876/77), S. 66–73. Karl Theodor Zingeler: Statuta und Ordnungen Klosters Habstall de anno 1521. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern, Bd. 10 (1876/77), S. 74–81. Karl Theodor Zingeler: Urkunden zur Geschichte des Klosters Habsthal. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern, Bd. 11 (1877/78), S. 35–80. Edward von Hornstein-Grüningen: Fragmente zur Geschichte des Klosters Habsthal. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern, Bd. 17 (1883/84), S. 55–58. Johann Adam Kraus: Lasten des Klosters Habsthal um 1700. In: Verein für Geschichte, Kultur- und Landeskunde Hohenzollern (Hrsg.): Hohenzollerische Heimat, 13. Jahrgang, Nr. 3/Juli 1963, S. 45–46.
Weblinks
Offizielle Website des Klosters Habsthal Klöster in Baden-Württemberg – Dominikanerinnenkloster Habsthal „Silentium – Vom Leben im Kloster“ mit Trailer bei moviepilot.de
Einzelnachweise
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