Das Kabinett Hertling amtierte unter Kaiser Wilhelm II. vom 1. November 1917 bis zum 3. Oktober 1918. Es war das erste Kabinett des Kaiserreiches, das nach Beratung der Mehrheitsparteien im Reichstag zustande kam. Die Sozialdemokraten traten nicht in das Kabinett ein, weil sie die ohnehin schwierige Regierungsbildung nicht erschweren wollten. Sie unterstützten das Kabinett aber im Parlament.
Reichstagsmehrheit Georg von Hertling war der erste Kanzler der in seiner Regierungszeit von den Mehrheitsfraktionen im Reichstag, also der SPD, des Zentrums, der FVP und der NLP, unterstützt wurde. Er gehörte zum rechten Flügel des katholischen Zentrums und war gegen eine Parlamentarisierung des Reiches. Der linke Flügel des Zentrums um Matthias Erzberger war gegenteiliger Meinung, während die breite Mitte des Zentrums Rücksicht auf den rechten Flügel nehmen wollte, aber auch die Wünsche unter katholischen Arbeitern nach Demokratisierung sah. Die Mitte wollte der Parlamentarisierung keine Steine in den Weg legen und ergriff selbst keine Initiative, um eine Spaltung des Zentrums zu verhindern. Hertlings Kanzlerschaft wurde möglich, weil das Zentrum und die Linksliberalen Rücksicht auf die zurückhaltenden Kräfte nahmen. Diese konnten sich an eine Regierungsweise gewöhnen, bei der das parlamentarische Prinzip stärker als vorher zum Tragen kam. In der Regierung wurden erstmals Vertreter des Zentrums, der FVP und der NLP aufgenommen. Die Sozialdemokraten traten nicht in das Kabinett ein, weil sie die ohnehin schwierige Regierungsbildung nicht erschweren wollten. Sie unterstützten das Kabinett aber im Parlament.Manfred Rauh: Die Parlamentarisierung des Deutschen Reiches, Droste Verlag: Düsseldorf 1977, S. 383/384 und 386.
Zusammensetzung
Kabinett Hertling 1. November 1917 bis 3. Oktober 1918 Reichskanzler rahmenlos|zentriert|100px Georg von HertlingZentrumVizekanzler rahmenlos|zentriert|100px Karl Helfferichbis 9. November 1917 parteiloser Konservativer rahmenlos|zentriert|100px Friedrich von Payer FVPAuswärtiges Amt rahmenlos|zentriert|100px Richard von Kühlmannbis 9. Juli 1918 parteilos rahmenlos|zentriert|100px Paul von Hintze parteilos Inneres rahmenlos|zentriert|100px Max Wallraf parteiloser Konservativer Justiz Paul von Krause parteiloser Nationalliberaler Marine rahmenlos|zentriert|100px Eduard von Capelle parteilosWirtschaft rahmenlos|zentriert|100px Rudolf Schwanderbis 20. November 1917parteilos Hans Karl von Stein zu Nord- und Ostheimparteilos Ernährung Wilhelm von Waldow parteiloser Konservativer Post Otto Rüdlin parteilos Schatz rahmenlos|zentriert|100px Siegfried von Roedern parteilos Kolonien rahmenlos|zentriert|100px Wilhelm Solf parteiloser Liberaler
Quelle Regenten und Regierungen der Welt, Band 2,3. Neueste Zeit: 1492–1917, bearb. von Bertold Spuler; 2. Aufl., Würzburg, Ploetz, 1962.
Siehe auch Georg von Hertling#Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident Chronologie des Ersten Weltkrieges#1917
Einzelnachweise
Hertling