mini|hochkant=1.5|Die höchste Vielfalt auf der Erde – „Megadiversität“ – kommt an den Hängen tropischer Gebirge wie hier in den montanen Regen-, Wolken- und Nebelwäldern der Ostanden Ecuadors vor

Als Megadiversität wird eine extrem hohe Artenvielfalt bzw. Biodiversität bezeichnet, die sich weltweit auf eine kleine Anzahl von Gebieten beschränkt.

Megadiversity-Länder mini|hochkant=1.5|Diese Karte zeigt die siebzehn Megadiversity-Länder

Die Naturschutzorganisation Conservation International entwickelte 1988 das Konzept der Megadiversity-Länder (). Das erstrangige Kriterium für die Einstufung als Megadiversitätsland war der Endemismus auf der Ebene von Arten, Gattungen und Familien: Es müssen mindestens 5.000 Arten endemischer Pflanzen vorkommen; das heißt ausschließlich in einen bestimmten Gebiet entstandene und nur dort existierende, räumlich eng begrenzte und damit potentiell gefährdete Pflanzenpopulationen. Das zweite Kriterium ist die Existenz von Meeresökosystemen. Neben diesen beiden Kriterien wurde grundsätzlich auch die Zahl endemischer Tiere, die allgemeine Artenvielfalt und die Biodiversität auf höherer Ebene (also auch die Vielfalt der Ökosysteme und insbesondere das Vorhandensein von Ökosystemen des tropischen Regenwaldes) betrachtet.

Die 17 zu Megadiversity-Ländern erklärten Staaten beherbergen über 70 % der auf dem Land lebenden Arten.Megadiverse Countries Biodiversity A-Z, abgerufen am 30. Dezember 2018. Die meisten dieser Länder befinden sich in den Tropen.Russell A. Mittermeier, Patricio Robles Gil, Cristina Goettsch Mittermeier (Hrsg.): Megadiversity: Earth’s Biologically Wealthiest Nations. Cemex, Mexiko 1997. Sowie: Biodiversity Hotspots. Australische Regierung Am 17. Februar 2002 trafen sich in Cancún Vertreter von zwölf Megadiversityländern. Diese unterzeichneten die Erklärung von Cancún (engl. , LMMC). Der Erklärung schlossen sich bis 2003 zwei weitere Staaten an. (PDF; 28 kB) United Nations Industrial Development Organization, 25. Juni 2003

Kontinent Land bekannte endemische Tierart/Tiergruppe Afrika Demokratische Republik Kongo Bonobo Afrika Südafrika Kappapagei Afrika Madagaskar Lemuren Asien Indonesien Orang-Utan Asien Indien Nilgauantilope Asien Malaysia Malaysia-Tiger Asien Volksrepublik China Großer Panda Asien Philippinen Tamarau, Philippinen-Koboldmaki Ozeanien/Australien Papua-Neuguinea Riesenbaumratten Ozeanien/Australien Australien Koala Nordamerika Mexiko (inkl. der karibischen Inseln) Dreifarben-Kaiserfisch Nordamerika Vereinigte Staaten Wald-Klapperschlange Südamerika Brasilien Nördliches Kugelgürteltier Südamerika Kolumbien Türkiskronkolibri Südamerika Ecuador inkl. der Galápagos-Inseln Darwinfinken Südamerika Peru Kotosh-Graslandmaus Südamerika Venezuela Méridazaunkönig

Megadiversitätszentren mini|hochkant=3.65|zentriert|Die fünf artenreichsten Regionen der Erde Bezogen auf die Artenzahl von Gefäßpflanzen weist Wilhelm Barthlott fünf Megadiversitätszentren aus, in denen mehr als 5.000 Arten auf 10.000 km² vorkommen (Deutschland hat zum Vergleich je nach Region 500 bis 2.000 Arten pro 10.000 km²):Wilhelm Barthlott et al.: Geographische Muster der Gefäßpflanzenvielfalt im kontinentalen und globalen Maßstab. Erschienen in Erdkunde Bd. 61, H. 4 (Oktober bis Dezember 2007) S. 305–315, Tabelle S. 308, Online-Version. über 12.500 Arten (44 % endemisch) – Costa Rica bis Chocó (78.000 km² in Costa-Rica und Kolumbien von 0 bis 3.800 m ü. d. M.) rund 10.000 Arten (30 % endemisch) – Tropische Ost-Anden in Venezuela, Kolumbien, Ecuador und Peru (62.000 km² von 250 bis 3.500 m ü. d. M.) rund 9.000 Arten (39 % endemisch) – Nord-Borneo (57.000 km² in Malaysia und Indonesien von 0 bis 4.100 m ü. d. M.) über 6.000 Arten (75 % endemisch) – Mata Atlantica Brasiliens (50.000 km² von 0 bis 2.800 m ü. d. M.) über 6.000 Arten (33 % endemisch) – Neuguinea (87.000 km² in Indonesien und Papua-Neuguinea von 0 bis 4.500 m ü. d. M.)

Alle genannten Zentren liegen im Bergwald tropischer Hochgebirge und reichen daher von den Randgebieten der Tieflandregenwälder bis hinauf in die Zone der Wolken- und Nebelwälder. Aufgrund der großen Höhenunterschiede in feuchtheißen humiden Klimata kommt zwangsläufig eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Lebensräume auf geringer Fläche vor. Dies gilt in abgeschwächter Form auch für Bergländer in den Subtropen und der kühlgemäßigten Klimazone, wie man gut an der Weltkarte der Pflanzendiversität erkennen kann.

Siehe auch Biodiversitätskonvention (1992), Biodiversitäts-Hotspot, Biodiversität der Philippinen Cartagena-Protokoll (2000) Ökoton

Weblinks

Enquete-Kommission Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten (1999–2002): Schlussbericht, Kapitel 7.3.1.4: Ungleiche Verteilung der Biologischen Vielfalt, Bundestagsdrucksache 17/9200 vom 12. Juni 2002

Einzelnachweise

Kategorie:Biogeographie