Ateliers Henri Chapron war ein französischer Karosseriehersteller, der in Levallois-Perret bei Paris ansässig war. Das Unternehmen wurde 1919 von Henri Chapron (* 30. Dezember 1886 in Nouan-le-Fuzelier; † 14. Mai 1978 in Paris) gegründet. In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg war Chapron bevorzugter Karosserielieferant für Delage und Delahaye; in der Nachkriegszeit erlangte das Unternehmen Berühmtheit vor allem durch seine Sonderaufbauten für die Citroën DS, zu denen diverse Cabriolets gehören. In seinem Wappen führte das Unternehmen einen stilisierten Kapaun.Chapron ähnelt dem französischen Wort Chapon, was übersetzt Kapaun bedeutet. Zugleich wird damit eine Verbindung zum Hahn hergestellt, der in der französischen Symbolik besondere Bedeutung hat. Von 1920 bis 1985 fertigte Chapron mehr als 10.000 Fahrzeugaufbauten.
Unternehmensgeschichte mini|Delahaye Type 135 MS mit Chapron-Karosserie (1947) mini|Majesty: Chapron-Umbau eines Citroën DS Im März 1919 gründete Henri Chapron das Unternehmen Ateliers Henri Chapron, das im Herbst 1920 den Geschäftsbetrieb aufnahm. Es war anfänglich in dem Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine ansässig; 1923 verlegte Chapron den Sitz ins benachbarte Levallois-Perret, wo das Unternehmen größere, von Gustave Eiffel konstruierte Hallen bezog. In den ersten Jahren beschäftigte sich das Unternehmen damit, Militärfahrzeuge aus dem Ersten Weltkrieg mit Karosserien zu versehen, die eine zivile Nutzung ermöglichten. Ab 1923 karossierte Chapron gebrauchte und neue Chassis vom Typ Ford Model T mit standardisierten Coupé- und Torpedo-Aufbauten. Wenig später begann Chapron mit der Fertigung von Aufbauten für Delage. 1927 war das Unternehmen so stark gewachsen, dass es 340 Beschäftigte hatte und drei Fahrzeuge pro Tag auslieferte. Infolge der Weltwirtschaftskrise sank die Zahl der Beschäftigten zu Beginn der 1930er Jahre um etwa die Hälfte, wuchs aber in den folgenden Jahren wieder auf das bisherige Niveau. Dazu trug auch eine geschäftliche Präsenz in Großbritannien bei, die über den Londoner Delage-Importeur sichergestellt wurde. 1935 schloss Chapron einen Vertrag mit Delahaye, der die Existenz seines Unternehmens mittelfristig sicherte: Delahaye bot künftig die bei Chapron gefertigten, weitgehend standardisierten Karosserien als Werksaufbauten an. Insbesondere Chaprons Karosserien für den Delahaye Type 135 erwiesen sich als Erfolg. Neben den Kleinserienaufbauten fertigte Chapron weiterhin auf Kundenwunsch einzelne individuelle Karosserien. Der Schwerpunkt lag auch hier auf Chassis französischer Hersteller.
Im Zweiten Weltkrieg stellte Chapron die Fertigung von Karosserien komplett ein. Unmittelbar nach Kriegsbeginn ließ Chapron zahlreiche nicht vollständig fertigstellte Fahrzeuge sowie Blechteile und Werkzeuge in seinen Geburtsort in der zentralfranzösischen Region Sologne überführen, wo sie für die nächsten Jahre in verschiedenen Kellern versteckt wurden.
Nach Kriegsende nahm Chapron die Produktion in den alten Werksanlagen wieder auf. Dabei hatte das Unternehmen ebenso wie seine Konkurrenten mit sich ändernden Verhältnissen zu kämpfen. Hierzu gehörte unter anderem die wirtschaftliche Schwäche Frankreichs in den frühen Nachkriegsjahren, aufgrund derer die Nachfrage nach exklusiven Luxusfahrzeugen sehr begrenzt war. Zwar fertigte Chapron nach wie vor Coupé- und Cabrioletkarosserien für Delage und Delahaye; der Umfang der Vorkriegsproduktion wurde indes nicht mehr erreicht. Delage und Delahaye stellten die Automobilproduktion 1953 bzw. 1957 komplett ein; eine Verbindung zu Hotchkiss bzw. Grégoire Sport war ebenfalls nicht von Dauer. Der im Laufe der 1950er Jahre vollzogene Wechsel der Automobilhersteller zu selbsttragenden Karosserien erschwerte Chapron zusätzlich die Arbeit, da sie individuellen Aufbauten enge Grenzen setzten. Wie Letourneur et Marchand wandte sich Chapron in dieser Zeit vor allem der Fertigung spezieller Ausführungen der Renault Frégate zu; hinzu kamen zahlreiche Einzelaufträge in- und ausländischer Kundschaft.
Erst mit der Markteinführung der Citroën DS ergab sich für Chapron wieder eine sichere Auftragslage. Chapron fertigte einerseits von 1960 bis 1972 im Werksauftrag eine standardisierte Cabriolet-Version der „Déesse“, die über Citroën-Händler vertrieben wurde. Daneben entstanden zahlreiche eigenständige Karosserieversionen, zu denen zwei- und viersitzige Cabriolets und Coupés sowie viertürige Limousinen gehörten. Durch die Herstellung von DS-Abwandlungen konnte Chapron bis 1970 Gewinne erwirtschaften. Mit dem Auslaufen der DS-Fertigung zu Beginn der 1970er Jahre brach auch bei Chapron die Produktion ein. Zeitgleich zog sich der inzwischen 86-jährige Henri Chapron aus dem Unternehmen zurück. 1972 übernahm seine zweite Ehefrau Françoise die Leitung des Betriebes. Es gelang ihr nicht, die „Déesse“-Versionen in wirtschaftlich belastbarer Weise zu ersetzen. Zwar fertigte Chapron einige Cabriolet- und Limousinenversionen des neuen Citroën SM; ungeachtet des Umstandes, dass sie einiges Aufsehen erregten, blieben sie aber Einzelstücke. Nach dem Tod Henri Chaprons 1978 fertigte das Unternehmen noch einige offene oder verlängerte Versionen des Citroën CX und des Peugeot 604. Der Schwerpunkt lag allerdings inzwischen auf der Reparatur von Klassikern, auf der Panzerung von Serienfahrzeugen und auf der Installation höherwertiger Innenausstattungen. Damit ließ sich das Unternehmen nicht auf Dauer halten. 1985 wurden die Ateliers Henri Chapron infolge einer Insolvenz aufgelöst.
Der Stil Chaprons Henri Chapron selbst gestaltete nur wenige der Karosserien seines Unternehmens. Seit den späten 1920er Jahren war Marcel Devarenne Chaprons Designer. In der frühen Nachkriegszeit gestaltete in erster Linie Carlo Delaisse die Chapron-Karosserien, der zuvor Chefdesigner bei Letourneur et Marchand gewesen war. In der Vorkriegszeit galten Chaprons Entwürfe als elegant und zurückhaltend; sie hoben sich von den zu dieser Zeit ausladenden, barocken Formen der Konkurrenzbetriebe Saoutchik und Figoni & Falaschi ab; zudem galt die handwerkliche Ausführung als hochwertig. Chapron konkurrierte in stilistischer Hinsicht mit Vanvooren und A. Guilloré. Diese Werke hatten einen vergleichbaren Kundenkreis, hatten aber geringere Produktionskapazitäten als Chapron. Der in Cannes ansässige Carrossier Brandone imitierte bei einigen seiner Aufbauten, die für die Kundschaft der Côte d’Azur bestimmt waren, die Linien Chaprons.
Modellgeschichte Delage mini|Delage Type D.8 Cabriolet Chapron-Karosserie (1936) Seit 1923 stellte Chapron Karosserien für Delage her, einen französischen Hersteller von Oberklasseautomobilen. Von besonderer Bedeutung war insbesondere der 1929 vorgestellte Delage Type D.8. Chapron entwarf bis in die späten 1930er Jahre hinein diverse Cabriolets, Coupés und Limousinen, die jedenfalls zeitweise offiziell über die Delage-Händler vertrieben wurden. In den frühen 1930er Jahren war Chapron bei vielen Entwürfen bemüht, die Motorhaube optisch zu strecken, um so den Eindruck besonderer Sportlichkeit zu erwecken. Zu diesem Zweck waren an den Seiten der Motorhauben auffällige Entlüftungsöffnungen vorgesehen, die teilweise bis zum vorderen Anschlag der Türen reichten. Auf mehreren Ausstellungen erhielten Chaprons Aufbauten für den D8 Auszeichnungen.
Neben der schwerpunktmäßigen Einkleidung von Delage- und Delahaye-Chassis entstanden bei Chapron in den 1930er Jahren auch einzelne Aufbauten für Talbot, Hotchkiss und Hispano-Suiza. 1934 fertigte er erstmals eine Staatskarosse für den französischen Präsidenten Albert Lebrun.
Grégoire Sport mini|Grégoire Sport Zwischen 1956 und 1962 fertigte das Unternehmen einige Karosserien für den Grégoire Sport.Der Grégoire Sport war ein technisch ambitioniertes Frontantriebsprojekt des französischen Ingenieurs Jean-Albert Grégoire, das auf eine Konstruktion aus dem Jahr 1947 zurückging (Grégoire R). Eine Serienversion wurde ab 1949 von Hotchkiss unter der Bezeichnung Hotchkiss-Grégoire vermarktet. Der Grégoire Sport war eine Weiterentwicklung dieses Modells, die Jean-Albert Grégoire unter eigenem Namen vertrieb. Die Karosserie für den Grégoire Sport entwarf Chaprons Designer Carlo Delaisse. Bedingt durch den weit vorn positionierten Motor hatte das Fahrzeug einen für die damalige Zeit ungewöhnlich langen vorderen Überhang, den Dalaisse durch einen großen Kühlergrill zu kaschieren versuchte. Der erste Prototyp entstand im Januar 1956; er war für eine Automobilausstellung in Detroit vorgesehen. Vor der Verschiffung in die USA wurde der Prototyp bei einem schweren Unfall auf einer öffentlichen Straße in Frankreich erheblich beschädigt. Chapron gelang es, die Karosserie innerhalb von drei Wochen rechtzeitig für die Ausstellung neu aufzubauen.Der sehr teure Grégoire Sport war kein wirtschaftlicher Erfolg. In den nächsten Jahren entstanden nur wenige Exemplare. Einige Quellen gehen von insgesamt fünf Fahrzeugen aus – vier Cabriolets und ein Coupé –, andere nehmen eine Produktion von 10 bis 15 Autos an.Dominique Pagneux: Henri Chapron. Carrosserie française, ETAI, Boulogne-Billancourt, 2002, ISBN 2-7268-8602-7, S. 151.
Sonderaufbauten für die Citroën DS mini|150px|Citroën und Chapron Nach dem Krieg entstand eine enge Zusammenarbeit mit Citroën. Auf der Basis der 1955 erschienenen, aus damaliger Sicht revolutionären Citroën DS (Déesse) entwickelte und stellte Chapron ab 1958 Cabrioletversionen her, die zunächst ausschließlich unter eigenem Namen vertrieben wurden. Im Laufe der Zeit kamen unterschiedliche Coupéversionen und individuelle Limousinen auf DS-Basis hinzu. Ab 1961 schließlich fertige Chapron im Auftrag Citroëns auch die sogenannten Werkcabriolets (Cabriolets Usines), die über das Händlernetz Citroëns vertrieben wurden und sich von Chaprons eigenen Cabriolets in zahlreichen Details unterschieden. In allen Fällen gehen die Formen der Umbauten auf Carlo Delaisse zurück. Die Werkscabriolets waren standardisiert und folgten technisch und stilistisch den jeweiligen Serienversionen der DS-Limousine. Chaprons eigene Cabriolets hingegen waren im Bereich der Fahrgastzelle und der Heckpartie individuell gestaltet und berücksichtigten – wenn auch in Grenzen – Kundenwünsche. Die Cabriolets Usines erreichten deutlich größere Stückzahlen als Chaprons eigene Modelle; etwa 110 Chapron-Cabriolets stehen mehr als 1300 Cabriolets Usines gegenüber.
Cabriolet Usine
mini|Ein spätes Cabriolet Usine 1961 begann die offizielle Zusammenarbeit mit Citroën. Chapron entwickelte auf der Grundlage eines Entwurfs des DS-Designers Flaminio Bertoni eine zweitürige Cabriolet-Karosserie, die über das Citroën-Händlernetz vertrieben wurde. Bis 1971 wurden von diesem Typ 1365 Exemplare hergestellt.
Die Werkscabriolets nutzten eine von Citroën gelieferte DS-Plattform, die die gesamte Mechanik, die vorderen Kotflügel, die Windschutzscheibe und die Räder umfasste. Chapron verwendete das ungekürzte Chassis, verstärkte aber diverse Elemente im Bodenbereich. Die Türen der serienmäßigen Limousine wurden um 18 cm verlängert; die hinteren Kotflügel fertigte Chapron neu an. Die Werkscabriolets übernahmen – anders als die von Chapron selbst vermarkteten eigenen Cabriolets – die Windschutzscheibe des Serienmodells in unveränderter Höhe.Dominique Pagneux: Henri Chapron. Carrosserie française, ETAI, Boulogne-Billancourt 2002, ISBN 2-7268-8602-7, S. 114.
Chapron-Cabriolets