mini|hochkant|Norbert Leser, Gemälde von Ernst Bader 1987 Norbert Leser (* 31. Mai 1933 in Oberwart, Burgenland; † 31. Dezember 2014 in Eisenstadt, BurgenlandSozialphilosoph Norbert Leser gestorbenTodesfall – Sozialphilosoph Norbert Leser gestorben, Nachruf von Paul Sailer-Wlasits, Wiener Zeitung, 1. Januar 2015) war ein österreichischer Sozialphilosoph, bekannt vor allem durch seine kritische Beschäftigung mit der österreichischen Sozialdemokratie. Er lehrte von 1971 bis 1980 als Professor für Politikwissenschaft an der Universität Salzburg, anschließend hatte er bis 2001 einen Lehrstuhl für Gesellschaftsphilosophie an der Universität Wien inne.
Leben Norbert Leser wurde 1933 im Burgenland geboren, dem östlichsten österreichischen Bundesland, dessen erster Landeshauptmann nach 1945 sein Onkel Ludwig Leser war. Er studierte Rechtswissenschaften und Soziologie an der Universität Wien und promovierte 1958 zum Dr. iur.
Seine Habilitation für Rechts- und Staatsphilosophie erfolgte 1969 an der Universität Graz. Danach war er von 1971 bis 1980 erster Ordinarius für Politikwissenschaft in Österreich, und zwar an der Universität Salzburg; von 1980 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2001 lehrte er als Ordinarius für Gesellschaftsphilosophie an der Universität Wien. Ab 1984 leitete er das Ludwig-Boltzmann-Institut für neuere österreichische Geistesgeschichte.
Er war Mitglied des österreichischen PEN-Clubs.
Werk Bekanntheit erlangte er vor allem durch seine kritische Auseinandersetzung mit der österreichischen Sozialdemokratie und dem Austromarxismus. Seine Habilitationsschrift zu diesem Thema mit dem Titel „Zwischen Reformismus und Bolschewismus“ ist als Standardwerk anerkannt. Ein Anliegen war ihm auch die speziell in Österreich (historisch bedingt) schwierige Annäherung zwischen Sozialdemokratie und christlichem Glauben.
Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher und Beiträge in Zeitschriften und Sammelbänden. Seine philosophischen Schriften umfassen die Geschichte der politischen Ideen, Zeitgeschichte, Rechts- und Staatsphilosophie, Marxismus und Sozialdemokratie, Christentum und Katholizismus, Gottesfrage etc.
Die interdisziplinäre Breite seines Werkes, aber auch seine Bedeutung und Anerkennung wird speziell in der von seinem früheren Mitarbeiter Erwin Bader herausgegebenen Festschrift deutlich, an der 38 namhafte Wissenschafter von 16 Fachrichtungen und 14 Universitäten unterschiedlicher Staaten mitwirkten.
Leser starb am 31. Dezember 2014 in Eisenstadt. Er wurde am Hietzinger Friedhof bestattet.
Auszeichnungen 1967: Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis des Österreichischen Journalisten-Clubs 1978: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse 1991: Kardinal-Innitzer-Preis (Würdigungspreis für Geisteswissenschaften) 1992: Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1993: Leopold-Kunschak-PreisÖsterreichische Hochschulzeitung. Band 45, 1993, S. 37. 1999: Preis der Stadt Wien für Geisteswissenschaften Träger des Ehrenbandes der K.Ö.L. Maximiliana Wien
Werke Herausgeberschaft Werk und Widerhall, 1964 Religion und Kultur an Zeitenwenden, 1984 Heer-Schau, 1985 Macht und Gewalt in der Politik und Literatur des 20. Jahrhunderts, 1985 Theodor Herzl und das Wien des „Fin de siècle“, 1987 Österreichs politische Symbole, 1994 1927 – als die Republik brannte, 2002
Monographien Zwischen Reformismus und Bolschewismus, 1968 Die Odyssee des Marxismus, 1971 Jenseits von Marx und Freud, 1980 Das geistige Leben Wiens in der Zwischenkriegszeit, 1981 Grenzgänger, 2 Bde., 1981/82 Sozialphilosophie, 1984 Genius Austriacus, 1986 Salz der Gesellschaft, 1988 Von Leser zu Leser, 1992 Elegie auf Rot, 1998 „… auf halben Wegen und zu halber Tat …“ Politische Auswirkungen einer österreichischen Befindlichkeit, 2000 Gottes Türen und Fenster, 2001 Zeitzeuge an Kreuzwegen, 2003 Der Sturz des Adlers: 120 Jahre österreichische Sozialdemokratie, 2008 Skurrile Begegnungen – Mosaike zur österreichischen Geistesgeschichte, Vorwort William M. Johnston, 2011 Gott lässt grüßen – Wider die Anmaßung des Reduktionismus und Evolutionismus, Geleitwort Anton Zeilinger, 2013
Literatur Michael W. Fischer (Hrsg.): Norbert Leser, Bibliographie zu seinem 50. Geburtstag. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1983, ISBN 3-215-04568-0. Anton Pelinka, Alfred Pfabigan, Michael Potacs, Georg Rundel (Hrsg.): Zwischen Austromarxismus und Katholizismus. Festschrift für Norbert Leser. Braumüller, Wien 1993, ISBN 3-7003-1003-X. Erwin Bader (Hrsg.): Die Macht des Geistes. Festgabe für Norbert Leser zum 70. Geburtstag. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2003, ISBN 3-631-39134-X. Hubert Feichtlbauer: Der Fiaker-Traum des Philosophen. In: Die Furche. Nr. 22/2013. Madeleine Wolensky: „Von Leser zu Leser“. Norbert Leser und seine Bibliothek. In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen & Bibliothekare 56 (2003), 2, S. 43–46, .
Weblinks
Vorträge, Interviews und Radiobeiträge von und mit Norbert Leser im Online-Archiv der Österreichischen Mediathek
Einzelnachweise
Kategorie:Philosoph (20. Jahrhundert) Kategorie:Politischer Philosoph Kategorie:Politikwissenschaftler Kategorie:Hochschullehrer (Universität Graz) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Salzburg) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Wien) Kategorie:Sachbuchautor Kategorie:Politische Literatur Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Österreich) Kategorie:Essay Kategorie:Herausgeber Kategorie:Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied des Österreichischen P.E.N.-Clubs Kategorie:Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse Kategorie:Kardinal-Innitzer-Preisträger Kategorie:Anton-Wildgans-Preisträger Kategorie:Leopold-Kunschak-Preisträger Kategorie:Absolvent der Universität Wien Kategorie:Korporierter im KÖL Kategorie:Person (Burgenland) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Gestorben 2014 Kategorie:Mann