mini|SOS-Knopf in einem VW e-Golf

eCall (Kurzform für emergency callEuropäische Kommission: eCall: Time saved = lives saved) ist ein von der Europäischen Union vorgeschriebenes automatisches Notrufsystem für Kraftfahrzeuge, das die Hersteller seit dem 31. März 2018 über Anforderungen für die Typgenehmigung zur Einführung des auf dem 112-Notruf basierenden bordeigenen eCall-Systems in Fahrzeugen und zur Änderung der Richtlinie 2007/46/EG in alle neuen Modelle von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen einbauen müssen.eCall: Automatischer Notruf für Verkehrsunfälle ab 2015 Pflicht in Autos Im Fahrzeug montierte Geräte melden einen Verkehrsunfall automatisch an die einheitliche europäische Notrufnummer 112 und sollen durch die rascher initiierten Rettungsmaßnahmen die Zahl der Verkehrstoten senken. eCall ist ein wichtiges Projekt der eSafety-Initiative der Europäischen Kommission.

Geschichte Im Jahr 1982 testete die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in der Bundesrepublik Deutschland ein ähnliches Notrufsystem für Kraftfahrzeuge, auch Auto-Notruf-System genannt. Dabei handelte es sich um ein kleines Notfunkgerät für Kraftfahrzeuge, das bei Unfällen die Rettungszeit verkürzen und damit auch zu verminderten Unfallfolgen und zur Rettung von Menschen beitragen sollte. Das Unternehmen AEG-Telefunken entwickelte beispielsweise mit AutoNotfunk ein Notfunkgerät, das im Armaturenbrett von Kraftfahrzeugen integriert werden konnte, und bei einem Unfall wurde per Funk die jeweilige zuständige Rettungsleitstelle informiert. Das Funksignal sollte dabei von einer Relaisstation empfangen und der Standort des Kraftfahrzeugs mittels Peilmasten ermittelt werden. Die Kosten der hierfür notwendigen Einrichtung eines bundesweiten Netzes von Peilmasten und der Ausrüstung der Rettungsleitstellen wurden auf eine Milliarde DM geschätzt. Mit dem Auto-Notruf-System sollten dabei die herkömmlichen Notrufsäulen ergänzt werden, und im Jahr 1984 sollte die Antenne inklusive Montage rund 500 DM je Fahrzeug kosten. Das System konnte sich aber nicht durchsetzen.

Im Jahr 2000 initiierte das Medizinforschungsinstitut ISM (Institute of Applied Science in Medicine) Salzburg mit 11 Partnern aus Forschung und Industrie ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt für die Förderprogramme der Europäischen Union: Mit Projekt AIDER sollten an das Call-Center nicht nur Ort und Schwere eines Unfalls über multiple Sensoren und 360°-TV-Kamera per Funk übertragen werden, sondern auch Vitalparameter verletzter Insassen über berührungsfreie bzw. nicht-invasive Sensoren. Die erhobenen Daten sollten mit Hilfe eines im Projektrahmen entwickelten medizinischen Triage-Software Systems ausgewertet und an Notärzte im anfliegenden oder anfahrenden Rettungswesen übertragen werden. Zusätzlich war eine Audio- und Video-Verbindung zum verunfallten Auto herzustellen. Das Triagesystem sollte auch bei Verletzten in mehreren am Unfall beteiligten Fahrzeugen Hinweise auf die Schwere der Verletzungen geben und eine Reihung vorschlagen. Das von ISM bei Mercedes-Daimler vorgeschlagene Projekt wurde von dort an FIAT-Turin weitergereicht und schließlich unter Führung von FIAT von der EU bewilligt und zwischen 2001 und 2004 mit einem Fördervolumen von ca. € 5 Mio. durchgeführt.Accident Information and Driver Emergency Rescue, Accident Information and Driver Emergency Rescue | AIDER | Project | Fact Sheet | FP5 | CORDIS | European Commission, https://cordis.europa.eu/project/id/IST-2000-28058 Der gesamte Projektumfang wurde bislang nicht wirtschaftlich umgesetzt.EU-Projekt AIDER Accident Information and Driver Emergency Rescue System (€4,883,146) 5th framework, IST, no.28058, https://ludwig-m-auer.eu/en/list-of-projects/ , https://ludwig-m-auer.eu/en/presentation-project-aider/

Im Jahr 2001 wurde das Projekt im Rahmen des deutschen Jugend-forscht-Wettbewerbs als europäisches Notrufsystem erstmals vorgestellt., Jugend forscht, 2001. Abgerufen am 4. Juli 2012.GSM-Schutzengel (GSM Guardian Angel) Notrufdienst, GSM-Schutzengel 2001. 4. Juli 2012 abgerufen werden. Daraufhin wurde das Projekt verzögert, bis es schließlich im Jahr 2011 erneut durch die Europäische Kommission aufgegriffen wurde.EU Automobil verabschiedet Notrufe Dienst eCall, Telecom Papier, 8. September 2011. Abgerufen am 16. November 2011. Da sich der Start des Systems immer wieder verzögerte, setzen einige Automobilhersteller wie Volvo, BMW und Peugeot auf eigene, kostenpflichtige (Teil-)Lösungen.BR-online – Bayern 2: , 14. September 2010. Im März 2016 wurde der Unfallmeldedienst (UMD) vorgestellt, der von der Versicherungswirtschaft, IBM und Bosch entwickelt wurde. Dieses System besteht aus einem Stecker, der an den Zigarettenanzünder angeschlossen wird, und einer Smartphone-App. Bei einem Unfall erkennt der Stecker mit Hilfe von Sensoren den Aufprall und sendet diese Information an das Smartphone. Über die dort installierte App wird anschließend eine Notrufzentrale alarmiert. Die Unfallmeldung kann bei Bedarf auch manuell ausgelöst werden, etwa bei einer Panne.

In Österreich bestanden im Jahr 2012 zwei verschiedene Notrufpartner, der ÖAMTC sowie eine Versicherungsgesellschaft. Zum Zeitpunkt waren etwa 50.000 Fahrzeuge allein beim ÖAMTC angeschlossen.Neuer Anlauf für Rettungssystem eCall in den Salzburger Nachrichten abgerufen am 6. Oktober 2012.

Die Europäische Kommission beschloss am 8. September 2011 die Einführung für alle Neuwagen ab Januar 2015. In der Empfehlung der Kommission werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Mobilfunkbetreiber die eCall-Anrufe vorrangig weiterleiten und keine Gebühren erheben.Pressemeldung Europäische Kommission: Lebensrettende Notrufsysteme in Pkw bis 2015 Die Europäische Kommission hat im Jahr 2013 einen konkreten Vorschlag zur Einführung und Ausgestaltung vorgelegt.Vorschlag für einen Beschluss des Europäischen Parlaments und des Rates über die Einführung des interoperablen EU-weiten eCall-Dienstes COM(2013) 315 final – 2013/0166 (COD) vom 13. Juni 2013, online. Das Europäische Parlament hat darüber beraten und einen Vorschlag am 15. April 2014 im Plenum des Europäischen Parlaments angenommen.Bericht über den Vorschlag für einen Beschluss des Europäischen Parlaments und des Rates über die Einführung des interoperablen EU-weiten eCall-Dienstes (COM(2013)0315 – C7-0173/2013 – 2013/0166(COD)), Ausschuss für Verkehr und Fremdenverkehr, Berichterstatter: Philippe De Backer A7-0482/2013. Am 8. Mai 2014 hat auch der Rat den mit dem Europäischen Parlament erarbeiteten Beschluss angenommen.Pressemitteilung 9353/14 vom 8. Mai 2014 (englisch).

Aufgrund der weiterhin bestehenden datenschutzrechtlichen Bedenken hatte sich die Annahme weiter verzögert. Der Rat hat am 10. Dezember 2014 einen Vorschlag angenommenangenommener Vorschlag vom 17. Dezember 2014. für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über Anforderungen für die Typgenehmigung zur Einführung des bordeigenen eCall-Systems in Fahrzeuge und zur Änderung der Richtlinie 2007/46/EG. Nach dieser Einigung zwischen Rat und Europäischem Parlament wurden die Autohersteller ab dem 31. März 2018 verpflichtet, alle neuen Modelle (Typenzulassungen) mit dem eCall-System auszustatten. Das eCall-System wählt kostenfrei unionsweit die einheitliche Notfallnummer 112 und alarmiert automatisch die Rettungskräfte bei einem schweren Verkehrsunfall. Im Hinblick auf den kontrovers diskutierten Datenschutz ist vereinbart, dass die durch eCall verwendeten Daten zu keinerlei anderen Zwecken verwendet werden dürfen. Daher müssen die Hersteller sicherstellen, dass die Daten im internen Speicher automatisch und kontinuierlich gelöscht werden.

In Vorarlberg sind von 2021 auf 2025 die eCalls von 428 auf 1093 angestiegen. Der Großteil sind versehentliche Auslösungen. Um straffrei zu bleiben, muss der Rückruf am Fahrzeugtelefon angenommen und der Fehlalarm erklärt werden. Sollte eine eCall-Auslösung ohne tatsächlichen Notfall erfolgen und kein Rückruf-Kontakt herstellbar sein, kann nach dem Sicherheitsgebührengesetz eine Gebühr vorgeschrieben werden.

Funktion und Technik von eCall mini| Bei einem Unfall wird ein Notruf (eCall) an die Euronotrufnummer 112 ausgelöst, der einen Minimaldatensatz direkt an eine Notrufzentrale (PSAP – Public Safety Answering Point) absetzt, und gleichzeitig eine Sprachverbindung für den Fall aufbaut, dass ein Insasse des Unfallautos noch sprechen kann. eCall ist automatisch und manuell auslösbar. An einem Knopf im Auto könnten auch Zeugen eines schweren Unfalls den Notruf auslösen.

Der Minimaldatensatz (Minimum Set of Data, msd) enthält in der seit dem Jahr 2020 aktuellen dritten Version folgende Basisdaten:

msd-Version Nachrichtenkennung (Nummer der Übertragungswiederholung) automatische oder manuelle Aktivierung oder Testanruf Positionsvertrauenswürdigkeit (Genauigkeit zu 95 % ± 150 m) Fahrzeugtyp Fahrzeugkennung (FIN) Fahrzeugenergiespeicherart Unfallzeitpunkt Fahrzeugposition Fahrtrichtung (wichtig auf Autobahnen und in Tunneln) zwei Fahrzeugpositionen der letzten 15 Sekunden (es dürfen dabei keine Rückschlüsse auf die Fahrzeuggeschwindigkeit möglich sein) optional: Anzahl der Fahrzeuginsassen optional: weitere fahrzeugrelevante Daten (z. B. Anzahl der Überschläge, Batterietemperatur bei Elektrofahrzeugen, externe Referenz zu Datenblättern etc.)

Die eCall-Infrastruktur musste seit dem 1. Oktober 2017 bereitstehen. Der neue Service steht kostenfrei zur Verfügung. Alle in der EU neu zugelassenen Automodelle müssen seit April 2018 mit eCall ausgerüstet sein.

Hersteller Zu den Herstellern von eCall-Systemen gehören u. a. LEAR Corporation, Bosch, die Continental AG,, Pressemitteilung auf continental-corporation.com Magneti Marelli,, Pressemitteilung auf magnetimarelli.com Valeo,peiker.de: Pressemitteilung vom 4. Oktober 2011: Harman und novero.

Sonstige Aspekte Die Einführung von eCall bedingt unter anderem die Ausstattung von Fahrzeugen mit einem Galileo-heise.de: EU-Rat verabschiedet letzte Eckpunkte für Auto-Notruf eCall, abgerufen am 2. März 2015 und GSM-Modul, einer Antenne sowie einem zusätzlichen Steuergerät, in dem die eCall-Funktion implementiert ist. Deshalb wird eCall auch als Wegbereiter für die Verkehrstelematik bei privaten Verbrauchern gesehen, da viele der für eCall nötigen Einbauten die gleichen sind, die auch für andere telematische Anwendungen benötigt werden. Mit dem eCall könnte somit zugleich in jedem Fahrzeug eine technische Plattform für Zusatzdienstleistungen etabliert werden. Denn die Verordnung sieht vor, dass parallel oder aufbauend auf dem bordeigenen eCall-System umfangreiche Zusatzdienste angeboten werden können.Volker Lüdemann, Christin Sengstacken: Lebensretter eCall: Türöffner für neue Telematik-Dienstleistungen In: RDV 4/2014, S. 177–182 Auch für Mobilfunkanbieter ergeben sich hier neue Geschäftsfelder, da die für eCall nötige SIM-Karte optional auch kostenpflichtige Telematikdienste ermöglichen könnte. Die Einwahl in ein Mobilfunknetz im europaweit geplanten eCall-System erfolgt erst unmittelbar nach dem Unfall, so dass keine Bewegungsprofile von Fahrzeugen anfallen, die ggf. auf Basis der Telekommunikations-Überwachungsverordnung gespeichert würden.

Anwendung im Motorrad mini|BMW R12: Der eCall Button ist unter der mit SOS beschriften Klappe Seit dem Jahr 2017 ist eCall auch bei BMW Motorrad im Einsatz; es kann generell auch nachgerüstet werden. Die Systemanforderungen unterscheiden sich zum Pkw, weil Superbikes Schräglagen bis zu 60° fahren und Geländemotorräder hohen Vertikal- und Längsbeschleunigungen unterliegen. Außerdem sind im Motorrad weniger Sensoren verbaut, die einen Unfall sicher detektieren. Das Motorrad besitzt am Lenker einen vor Fehlbedienung geschützten Schalter mit Simkarte, Lautsprecher und Mikrofon und eine im Fahrzeug integrierte 6–Kanal Sensorbox von Bosch.