Bischofswiesen ist eine Gemeinde im Landkreis Berchtesgadener Land im äußersten Südosten des bayerischen Regierungsbezirks Oberbayern. Kreisstadt und nächste größere Stadt ist Bad Reichenhall, die nächste Großstadt innerhalb Deutschlands ist München.
Geographie Geographische Lage Die Gemeinde gehört zum Regierungsbezirk Oberbayern und ist Teil der hochalpinen Region Berchtesgadener Land im Süden des Landkreises Berchtesgadener Land. Gemeinsam mit den benachbarten Gemeinden Berchtesgaden, Marktschellenberg, Ramsau bei Berchtesgaden und Schönau am Königssee liegt Bischofswiesen innerhalb der geomorphologischen Einheit Berchtesgadener TalkesselMarkt Berchtesgaden – Flächennutzungsplan mit Landschaftsplanung, Kapitel: 2.6 Schutzgut Landschaft; Umweltberichte vom 6. März 2014 bis 6. März 2016, PDF-Datei S. 16 von 48 Seiten, online unter gemeinde.berchtesgaden.de und ist nahezu völlig von den Berchtesgadener Alpen umgeben, deren Gebirgsstöcke sich wiederum im Osten, Süden und Südwesten ins österreichische Bundesland Salzburg erstrecken.
Die Bischofswieser Ache (auch Bischofswiesener Ache genannt) entsteht kurz vor dem Gemeindeteil Winkl durch den Zusammenfluss des bedeutenderen rechten Frechenbachs und seines zuletzt Mausbach genannten linken Oberlaufstrangs. Sie mündet, nachdem sie das Gemeindegebiet von Bischofswiesen von Nordwest nach Südost und die Tristramschlucht durchflossen hat, beim Gmundberg in die Ramsauer Ache. Auf weiten Strecken wird sie bis zur Mündung von der Bahnstrecke Bad Reichenhall–Berchtesgaden begleitet.
Die Gemeinde ist etwa 5 km nordwestlich von Berchtesgaden entfernt, 13 Kilometer südlich von Bad Reichenhall, 25 Kilometer von Salzburg, 140 Kilometer südöstlich von München und 200 Kilometer nordöstlich von Innsbruck. Siehe „Daten/Zahlen/Fakten“ unter „Allgemeine Infos“
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden auf deutscher Seite gehören wie Bischofswiesen selbst zum Landkreis Berchtesgadener Land. Im Norden Bayerisch Gmain, im Nordwesten Schneizlreuth, dem sich im Südwesten Ramsau bei Berchtesgaden, im Süden Schönau am Königssee und im Südosten Berchtesgaden sowie im Osten das gemeindefreie Gebiet Schellenberger Forst anschließen. Im Nordosten stößt die Gemeinde an die deutsch-österreichische Staatsgrenze mit den dahinterliegenden österreichischen Gemeinden Großgmain und Grödig.
Gemeindegliederung miniatur|Blick auf die Bischofswieser Gnotschaft Stanggaß mit Watzmann und Hochkalter Die Gemeindeteile oder Gnotschaften, wie die lokale Bezeichnung lautet, sind nachstehend aufgelistet, mit Einwohnerzahlen zum Stichtag der letzten Volkszählung am 25. Mai 1987:
Gnotschaft bis 1803Gemeinde ab 1817 Gnotschafterbezirkebis 1803 Gnotschaftenab 1817 Neuere Siedlungen Einwohnerzahlen(1987) Bischofswiesen 1. Gnotschafterbezirk Loipl 209 2. Gnotschafterbezirk Stanggaß 1279 3. Gnotschafterbezirk Strub Böcklweiher 1650 4. Gnotschafterbezirk Bischofswiesen 3031 5. Gnotschafterbezirk Winkl 356 6. Gnotschafterbezirk Engedey Ilsank, Stangersiedlung u. Im Stangenwald 508 Am 1. Juli 1982 wurde das vergleichsweise kleine gemeindefreie Gebiet Berchtesgadener Bürgerwald im Südwesten der Gnotschaft Loipl (gegenüber der zur Nachbargemeinde Ramsau gehörigen Gnotschaft Schwarzeck mit dem Toten Mann) aufgelöst. Der Löwenanteil mit 258,9 Hektar wurde nach Bischofswiesen eingegliedert (zwei Hektar wurden in die Nachbargemeinde Ramsau bei Berchtesgaden eingegliedert).
Am 1. Januar 2010 wurde ein Großteil des gemeindefreien Gebiets Bischofswiesener Forst eingegliedert. Dadurch vergrößerte sich die Gemeindefläche von 34,64 km² auf 62,14 km². Das unbewohnte eingegliederte Gebiet bildet seither eine Gemarkung innerhalb der Gemeinde Bischofswiesen.
Geschichte Urgnotschaft des Klosterstifts Berchtesgaden Grundherr der Wiesen war ursprünglich der Bischof von Salzburg, was den Ortsnamen Bischofswiesen erklärt. Am 8. Mai 1155 kam es zu einem Gütertausch zwischen Erzbischof Eberhard I. von Salzburg und dem Propst des Klosterstifts Berchtesgaden Heinrich I., und der Erzbischof erhielt für das „pratum Bisvolfeswisen“ einen Hof in Landersdorf bei Oberwölbling.Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke, Band 1. Salzburg 1815; S. 62–63 (). Das Kerngebiet des Berchtesgadener Landes bzw. die Ländereien im direkten Umfeld des Klosterstifts umfassten nach diesem Gütertausch den „geschlossenen ursprünglichen Waldbezirk“ innerhalb des Berchtesgadener Talkessels.
Im Zuge des 1377 ausgestellten Landbriefs von Propst Ulrich WulpJoseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 2, ab S. 27 f. wurde Bischofswiesen mit seinen bis 1817 namenlosen sechs „Gnotschaftsbezirken“ vermutlich schon ab Ende des 14. Jahrhunderts zu einer der acht „Urgnotschaften“ des Berchtesgadener Landes,Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 2, ab S. 145 f. das 1380 zur Reichsprälatur Berchtesgaden und 1559 zur reichsunmittelbaren Fürstpropstei Berchtesgaden erhoben worden war. Erste schriftliche Erwähnung als Gnotschaft, deren Zuständigkeitsbereich die einstigen bäuerlichen Anwesen ungefähr auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Bischofswiesen umfasste, findet Bischofswiesen im ersten Steuerbuch des Berchtesgadener Landes von 1456.Zu „Urgnotschaften“ und Steuerbuch siehe Manfred Feulner: im Auftrag der Blaskapelle Maria Gern. Literatur und Quellen: berchtesgadeninfo.de, Marktarchiv Berchtesgaden, Abt. Maria Gern.Dieter Albrecht: Fürstpropstei Berchtesgaden – Statistische Übersicht nach dem Stand von 1698. I. Land- und Pfleggericht Berchtesgaden. Kapitel: Gnotschaft Bischofswiesen In: Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 7, München 1954, S. 28 u. 29. → Siehe zu diesem Absatz auch den Abschnitt: Geschichte in Fürstpropstei Berchtesgaden
Säkularisation, Anschluss an Bayern Nach der Säkularisation von 1803 verlor das Berchtesgadener Land seine politische Eigenständigkeit als Fürstpropstei, darauf folgten kurz hintereinander drei Herrschaftswechsel. Ab 1803 war das neugegründete Kurfürstentum Salzburg Herr über das „Land Berchtesgaden“, nach dem Frieden von Pressburg 1805 das Kaiserreich Österreich und 1809 für kurze Zeit Napoleons Frankreich. 1810 wurde das Berchtesgadener Land schließlich dem Königreich Bayern angegliedert.Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 3, ab S. 121 f. Mit der Neuordnung Europas wurde Bischofswiesen wie alle anderen Gnotschaften des Berchtesgadener Landes unter der direkten Zuständigkeit des Landgerichts Berchtesgaden ab 1810 erst dem Salzachkreis und ab 1817 dem Isarkreis des Königreichs Bayern angegliedert, der seit 1838 Oberbayern heißt. Im Jahr 1868 erfolgte eine Unterteilung des Regierungsbezirks Oberbayern und die Eingliederung des Ortes in das Bezirksamt Berchtesgaden. Die bisherigen Gnotschaftsbezirke der „Urgnotschaft“ werden bis zum heutigen Tag als „Gnotschaften“ bezeichnet. → Siehe zu diesem Absatz auch den Abschnitt: Nach der Säkularisation in Fürstpropstei Berchtesgaden
1817 wurde für die Soleleitung von Berchtesgaden über Ramsau nach Bad Reichenhall von Georg Friedrich von Reichenbach in der Siedlung Ilsank ein Brunnhaus mit der von ihm bereits 1810 entwickelten Wassersäulenhebemaschine eingerichtet, die zum höher gelegenen Brunnhaus Söldenköpfl einen Höhenunterschied von 360 m zu überwinden vermochte. Die Reichenbachpumpe war von 1817 bis 1927 in Betrieb, danach wurde sie durch eine Änderung der Streckenführung nicht mehr benötigt. Die alte Soleleitung von Berchtesgaden über Ramsau nach Bad Reichenhall. Auf dem alten Soleleitungsweg sind u. a. in Ilsank noch heute die seinerzeit genutzten Holzrohre (Deicheln) zu sehen.
Zeit des Nationalsozialismus In der Stanggaß befand sich von 1937 bis 1945 die Reichskanzlei Dienststelle Berchtesgaden (auch Kleine Reichskanzlei genannt). Sie war im nationalsozialistischen Deutschen Reich ein zweiter Regierungssitz neben der Neuen Reichskanzlei in Berlin. Mit der Errichtung des Gebäudes war der Architekt Alois Degano beauftragt worden.
In der Strub wurde ab 1937 die heutige Jägerkaserne erbaut sowie eine von der NSDAP Mitte der 1930er Jahre eingerichtete BDM-ReichssportschuleHellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit – Ergänzungsband I. S. 273–274., die nach 1945 dann insbesondere lettischen Flüchtlingen als erste Unterkunft diente und seit 1951 als Altenheim („Lebenswelt Insula“) genutzt wird. Zur Insula-Kirche auf der Homepage der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Berchtesgadens
Das für den Ort zuständige Bezirksamt Berchtesgaden wurde 1939 in Landkreis Berchtesgaden mit gleichem Zuständigkeitsbereich umbenannt.
Nachkriegszeit Als Folge des Zweiten Weltkrieges nahm die Gemeinde Bischofswiesen Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reiches auf. Dadurch veränderte sich die Zusammensetzung der Bevölkerung Bischofswiesens deutlich. Insbesondere in der Gnotschaft Winkl wurden zahlreiche Heimatvertriebene, vor allem Deutschböhmen und Schlesier, in einem Barackenlager untergebracht, das 1944 aufgestellt und anfangs der Wehrmacht, nach 1945 zur Unterbringung von deutschen Kriegsgefangenen gedient hatte.Hellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Ergänzungsband I, 1982, S. 220–221. 1947 lebten in diesen Baracken 1.186, 1952 sogar 1.229 Personen. Sie bildeten den Grundstein für eine neue Siedlung, die nach und nach auch mit einer Schule und 7 Lehrkräften für 233 Kinder, einem Kindergarten mit 2 Kindergärtnerinnen für 46 Kinder sowie einem „Haus der offenen Tür“ für die Jugend ausgestattet wurde. Am 3. Dezember 1955 verkündete Ministerpräsident Wilhelm Hoegner die Auflösung des Lagers Winkl im Rahmen des Lagerauflösungsprogramms, das bis 1958 den Bezug von 48 Wohnungseinheiten am Böcklweiher sowie vom Wohnbauwerk 22 gebauten Klein- und Familienwohnungen in Winkl selbst ermöglichte. Danach wurden das Lager Winkl aufgelöst und auch die restlichen vier Großbaracken abgerissen.
Einwohnerentwicklung 1970 wurde für die Gemeinde ein Höchststand von 7736 Einwohnern verzeichnet. Seither nahm deren Anzahl mit kleineren Schwankungen immer weiter ab auf derzeit (Stand: 2025) 6997 Einwohner. Das entspricht für die Jahre 1970 bis 2025 einem Bevölkerungsrückgang von etwa 9,5 %.
Einwohnerentwicklung in Bischofswiesen von 1840 bis 2025Volkszählung bzw. Zensus EinwohnerBayerisches Landesamt für Statistik (Hrsg.): Statistik kommunal 2025 – Bischofswiesen 09 172 117, PDF S. 6 von 31 Seiten, siehe Angaben zu Zensus 2022, online unter statistik.bayern.de. 1. Dezember 1840 1340 1. Dezember 1871 1328 1. Dezember 1900 1567 16. Juni 1925 2074 17. Mai 1939 4573 13. September 1950 6637 6. Juni 1961 7166 27. Mai 1970 7736 25. Mai 1987 7033 9. Mai 2011 7386 15. Mai 2022 7112 Fortschreibung des Zensus 2022 EinwohnerBayerisches Landesamt für Statistik (Hrsg.): Einwohnerzahlen – Stand: 31. Dezember 2025. (PDF, S. 7 von 78 Seiten; 4,1 MB) Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke in Bayern. In: statistik.bayern.de. Bayerisches Landesamt für Statistik, Mai 2026, abgerufen am 21. Mai 2026 (Hilfe dazu) 31. Dezember 2025 6997
Geografisch-soziokulturelle Zuordnungen