Die Wächter-Romane sind eine phantastische Romanreihe des russischen Autors Sergei Lukjanenko. Sie schildert den Kampf zwischen den Kräften des Lichts und der Dunkelheit, der nach einem langen Waffenstillstand wieder entflammt und dabei vorwiegend im heutigen Russland ausgetragen wird. Hauptakteure des Romans sind die Angehörigen der verfeindeten Tagwache und Nachtwache, die ursprünglich die Einhaltung der Waffenruhe überwachten.

Die Romane dienten als Vorlage für die bisher erfolgreichsten russischen Filme, Wächter der Nacht – Nochnoi Dozor (2004) und seinen Nachfolger Wächter des Tages – Dnevnoi Dozor (2006).

Publikationsgeschichte

Der erste Band der Reihe, Wächter der Nacht (russ. Originaltitel: Ночной дозор; Transkription: Notschnoj dosor), erschien erstmals 1998 und wurde in Russland schnell zu einem Bestseller, vor allem im Zuge der erfolgreichen Verfilmung. Sergej Lukjanenko ließ dem Roman daraufhin zwei Fortsetzungen folgen: Wächter des Tages (russ. Originaltitel: Дневной дозор; Transkription: Dnewnoi dosor) im Jahr 2000 sowie Wächter des Zwielichts (russ. Originaltitel: Сумеречный дозор; Transkription: Sumeretschny dosor) im Jahr 2005. Im April 2007 erschien der vierte Band unter dem Titel Wächter der Ewigkeit (russ. Originaltitel: Последний дозор Transkription: Posledni dosor, wörtlich „Die Letzte Wache“). Eine Fortsetzung, die Kurzgeschichte Die kurzen Wächter (Transkription: Melki dosor), wurde von Sergei Lukjanenko im Sommer 2007 in einem russischen Sammelband mit Namen „Mify megapolisa“ (Мифы Мегаполиса) veröffentlicht. Im Dezember 2012 erschien Teil 5 Wächter des Morgen (russ. Originaltitel: Новый дозор Transkription: Nowy dosor, wörtlich „Die neuen Wächter“) und im März 2015 erschien der letzte Teil der Reihe Die letzten Wächter.

Die Romane wurden international vermarktet und in viele Sprachen übersetzt. Ins Deutsche wurden sie ab dem Jahr 2005 vom Heyne Verlag in einer Übersetzung von Christiane Pöhlmann veröffentlicht.

Eine neue Romanreihe Die Wächter startete im September 2015 mit Licht und Dunkelheit (russ. Originaltitel: Школьный надзор Transkription: Schkolny Nadsor, wörtlich „Die Schulaufsicht“). Im März 2016 erschien der zweite Band mit dem Titel Dunkle Verschwörung (russ. Originaltitel: Печать сумрака Transkription: Petschat Sumraka, wörtlich „Siegel des Zwielichts“) gefolgt von Nacht der Inquisition (russ. Originaltitel: Участковый Transkription: Utschastkowy, wörtlich „Der Abschnittsbevollmächtigte“) im Juli desselben Jahres.

Der Mitautor von Wächter des Tages, Wladimir Wassiljew, veröffentlichte 2003 „Bewahrer des Chaos“, ein weiteres Werk aus dem Wächter-Universum. Anfang 2009 erschien das Buch im deutschsprachigen Raum, ebenfalls im Heyne Verlag in einer Übersetzung von Christiane Pöhlmann.

Handlung

Unter der normalen Menschheit leben unerkannt die Anderen, übernatürlich begabte Männer und Frauen, Magier, Gestaltenwandler und Vampire. Die Anderen unterteilen sich in Lichte und Dunkle, die sich in ihrer Lebensweise unterscheiden. Zunächst scheint es so, dass Lichte Gutes tun, und sich für Menschen oder ein höheres Ziel aufopfern, während Dunkle nur an sich selbst denken. Ab dem zweiten Band, in welchem die Dunklen die Hauptpersonen stellen, zeigt sich, dass die unterschiedlichen Ansichten und Vorgehensweisen der beiden Gruppierungen nicht eindeutig mit 'Gut' und 'Böse' identifiziert werden können.

Lange Zeit vor dem Beginn der Handlung aus Wächter der Nacht herrschte Chaos durch die Aktivitäten zwischen den anderen, welche sich früher noch nicht in Lichte und Dunkle unterteilten. Durch die Konflikte zwischen Lichten und Dunklen entstand viel Leid, welches den Fortbestand der anderen bedrohte. Daher wurde zwischen den dunklen Anderen und lichten Anderen ein großer Vertrag geschlossen. Fortan sollte jeder Mensch, der das Potential eines Anderen hat (und somit dieser Gruppe besonders begabter Menschen zugehörig ist), seine Seite frei wählen dürfen. Ist diese Entscheidung einmal getroffen wird sie nur in äußerst seltenen Fällen geändert. Der Große Vertrag, in dem alle relevanten Grundsätze dieses Handels festgehalten sind verbiete den Anderen offene Feindseligkeiten sowie Angriffe und Interventionen gegen Menschen (sofern diese nicht lizenziert sind). Da Vampire und Tiermenschen nur durch den direkten Verzehr menschlichen Blutes bzw. Fleisches überleben können, werden Ihnen von der Nachtwache, per Losverfahren, Menschen zugeteilt.

Vertreter des Lichts arbeiten in den lokalen Standorten der Nachtwachen, welche nachts die Aktivitäten der dunklen überwacht und einige Vertreter der Finsternis arbeiten in den lokalen Standorten der Tagwachen, welches tagsüber die Aktivität der lichten überwachen. Die meisten Anderen führen ein, zeitlich unbefristetes, Leben als unauffällige Menschen und beteiligen sich nicht an den Intrigen der Wachen. Große Wachen werden geleitet von hohen Anderen, welche durch geschickte Intrigen versuchen einen Vorteil gegenüber der Gegenseite zu erlangen. Aktivitäten von Anderen, die den Großen Vertrag verletzen, werden von den Wachen registriert und sanktioniert. Über den beiden Seiten wacht einzig die Inquisition, eine Organisation in welcher sowohl lichte als auch dunkle Vertreter zusammenarbeiten. Die Aufgabe der Inquisition ist, Verstöße gegen den großen Vertrag zu verurteilen, magische Artefakte sicherzustellen und somit das Gleichgewicht der Kräfte zu wahren.

Band 1: Wächter der Nacht In der ersten Geschichte „Das eigene Schicksal“ wird der Nachtwache-Ermittler Anton Gorodezki auf ein wilderndes Vampirpaar aufmerksam, das sich seit einer Woche in Moskau herumtreibt. Anton bekommt den Auftrag, sie zu finden und zu verhaften. Auf seinem Streifzug begegnet er einer Frau, die mit einem mächtigen Fluch belegt wurde. Anton entschließt sich, ihr zu helfen, und versucht, den Fluch mit seinem Amulett aufzuheben, was jedoch nicht gelingt. Er merkt sich die Aura der Frau und macht sich weiter auf die Jagd nach den Vampiren. Schließlich hört er deren „Ruf“ und folgt ihrem Opfer, einem Jungen. Als er auf die Vampire stößt, kommt es zu einem Kampf. Der Vampir wird getötet, die Vampirin kann verletzt entkommen. Boris Ignatjewitsch, sein Chef, erklärt ihm im Traum seinen nächsten Auftrag: Erstens, den Jungen, der sich als nicht initiierter Anderer herausstellt, zu finden und ihn vor der Vampirin zu schützen. Und zweitens, die verfluchte Frau zu finden und zu beschützen. Denn der auf ihr lastende Fluch ist so stark, dass bei seinem Durchbruch nicht nur ganz Moskau zerstört werden würde, sondern eine Katastrophe globalen Ausmaßes stattfinden würde. Diese Frau wird später zur Geliebten Antons und soll zu einer großen Zauberin ausgebildet werden.

Im zweiten Teil, „Der eigene Kreis“, werden Morde an Dunklen durch einen nicht-initiierten Anderen begangen. Anton Gorodezki wird von den Wächtern des Tages verdächtigt, die Morde begangen zu haben. Boris Ignatjewitsch, der Chef der Moskauer Nachtwache, vertauscht Antons Körper mit dem der Zauberin Olga, um Anton vor einer mutmaßlichen Intrige zu schützen. Als Anton aber zu unvorsichtig wird, findet ihn die Tagwache alleine vor einem ermordeten Dunklen. Anton muss den „Wilden“ finden, um sein Leben zu retten. Zuerst tauschen er und Olga ihre Körper wieder zurück. Danach trifft Anton auf einen Wächter des Tages, der ihn verhaften will. Anton aber überwältigt und zwingt ihn, seinen Auftrag zu verraten. Dieser Auftrag beinhaltet den Tod Antons. Daraufhin erschießt Anton den Dunklen. Kurz danach trifft er im Zwielicht auf einen „gefallenen“ Anderen. Er verweist ihn auf den Moskauer Fernsehturm Ostankino. Anton geht dorthin und muss einen weiteren Wächter des Tages töten. Dort erfährt er, wer der Schlüssel zu dem Ganzen ist: Jegor, der kleine Junge. Er macht sich auf die Suche nach ihm und findet ihn gerade noch rechtzeitig. Denn der Wilde hat bereits seinen magischen Dolch gezogen. Anton hält ihn auf und verwickelt ihn in ein Gespräch. Aber der Wilde lässt sich nicht von seinem Vorhaben abbringen. Es kommt zu einem Kampf. Der Wilde, der Maxim heißt, stößt Anton seinen Dolch in die Brust. Wider Erwarten stirbt Anton nicht, denn der Dolch wirkt nur gegen Dunkle Andere. Boris Ignatjewitsch, der Chef der Nachtwache, erscheint und bietet Maxim an ein Inquisitor zu werden – ein Anderer, der den Großen Vertrag überwacht und jegliche Verstöße dagegen bestraft.

In der letzten Geschichte „Im eigenen Saft“ bekommt Swetlana Nasarowa, Antons Geliebte, die Schicksalskreide – ein Artefakt, womit man das Schicksal eines Menschen verändern kann. Alles beginnt zunächst harmlos. Der Chef Boris Ignatjewitsch, auch Geser genannt, schickt fast alle Mitarbeiter der Nachtwache aus Moskau. Sie fahren alle zur Datscha von Tigerjunges, einer Tierfrau. Nachdem Anton begreift, dass Geser eine Operation plant, wobei Swetlana eine wichtige Rolle spielen soll, fährt er zurück nach Moskau. In seiner Wohnung trifft er auf Sebulon, den Chef der Moskauer Tagwache. Dieser erzählt ihm von der Schicksalskreide. Anton redet mit Geser und versucht vergeblich ihn zu überzeugen, dass er nicht hinnehmen will, dass Swetlana ihn verlässt. Denn wer die Schicksalskreide benutzt, verliert einen Teil seiner Persönlichkeit. Anton löst sich von der Bindung, die bis dahin mit seinem Mentor Boris Ignatjewitsch bestanden hat und streunt durch Moskau, um Kraft von den Menschen zu sammeln. Dabei erwischt er Alissa Donnikowa, eine dunkle Hexe, beim Benutzen eines Kraftprismas und somit einer Intervention dritten Grades. Anton nimmt sie fest. In ihrer Verzweiflung ruft Alissa Sebulon herbei. Dieser bietet Anton einen Kuhhandel an: Die Wächter des Tages werden eine Intervention bis einschließlich des zweiten Grades durch Anton tolerieren, wenn er Alissa nicht der Inquisition übergibt. Zögernd stimmt Anton dem Deal zu. Nachdem er genügend Kraft gesammelt hat, betritt er das Haus des Jungen Jegor, auf dessen Dach die Operation Gesers stattfinden soll. Dort oben findet Anton neben Geser, Swetlana, Sebulon und dem Inquisitor Maxim auch den Jungen vor. Es sieht also so aus, als würde Swetlana Jegors Schicksal umschreiben. In diesem Augenblick kommt ein Sturm auf. Geser rät Anton, den Sturm mit seiner Intervention aufzuhalten. Anton aber benutzt die Intervention, um eine Remoralisierung zu schaffen. Geser stellt sich vor Swetlana und Sebulon sieht sich schon als Sieger, als wider Erwarten Anton die Hände zu sich führt, um die Remoralisierung auf sich selbst zu lenken. Damit scheint Geser der Gewinner des „Spiels“ zu sein. Aber Swetlana ändert das Schicksalsbuch Jegors nur geringfügig. Sebulon lacht und geht weg. Erst später wird er erfahren, dass er reingelegt wurde: Während alle Dunklen Swetlana observierten, hatte Olga mit der anderen Hälfte der Schicksalskreide Swetlanas eigenes Schicksalsbuch umgeschrieben. Damit ist Gesers Plan aufgegangen.

Band 2: Wächter des Tages Dieses Buch beleuchtet die dunkle Seite der Anderen, die Antagonisten im vorhergehenden Roman werden zu Hauptfiguren, so wird dem Leser deutlich, dass es sich nicht um einen primitiven Gut-gegen-Böse-Kampf handelt, sondern um zwei grundverschiedene Philosophien.

Alissa Donnikowa, ein Mitglied der Tagwache, verliert bei einer Operation gegen die Nachtwache ihre magische Energie. Sebulon schickt sie auf eine Urlaubsreise, bei der sie ihre Energie regenerieren soll. Im Artek, in dem sie während ihres Aufenthalts arbeiten soll, lernt sie Igor, einen Wächter der Nacht, kennen, der aus ähnlichen Gründen wie Alissa im Artek verweilt und verliebt sich in ihn. Beiden fehlt die Fähigkeit (aus Mangel an Kraft und der daraus resultierenden Unfähigkeit, ins Zwielicht zu spähen) die Anwesenheit Anderer und ihre Herkunft zu spüren. Nachdem beide erkannt haben, dass sie eine Dunkle Hexe und Igor ein Lichter Magier sind, kommt es schließlich zu einer Konfrontation, in deren Verlauf Alissa stirbt.