Salicylaldehyd ist eine natürlich in einigen Pflanzen und Insekten vorkommende chemische Verbindung, die heute vielfach als Duftstoff und in der pharmazeutischen und chemischen Industrie Verwendung findet. Es leitet sich sowohl vom Benzaldehyd als auch vom Phenol ab. Die Struktur besteht aus einem Benzolring mit angefügter Aldehyd- (–CHO) und Hydroxygruppe (–OH) als Substituenten. Salicylaldehyd gehört zur Gruppe der Hydroxybenzaldehyde.

Geschichte Ungefähr um 1838 gelang es dem Schweizer Apotheker und Pharmazeuten Johann Pagenstecher, aus den Blüten von Mädesüß Salicylaldehyd zu gewinnen.

Vorkommen mini|links|Tomaten enthalten natürlicherweise Salicylaldehyd Salicylaldehyd kommt in Rooibos, Tee, Echtem Buchweizen, Echtem Mädesüß, Tomaten, Polei-Minzen, Virginischem Tabak und Tagetes minuta vor. Insekten (Blattkäfer) produzieren diese Verbindung in speziellen Drüsen gegen Fraßfeinde aus dem Salicin ihrer Wirtspflanzen.

Gewinnung und Darstellung Früher wurde Salicylaldehyd durch die Reimer-Tiemann-Reaktion (1876, frühe Carbenchemie) gewonnen.P. Rademacher: Organische Chemie IV. (PDF; 203 kB) Dabei werden Chloroform, Kaliumhydroxid und Phenol als Ausgangsstoffe benutzt. Heute wird als Verbesserung eine Phasentransferkatalyse verwendet.

rahmenlos|hochkant=1.2|zentriert|Darstellung von Salicylaldehyd durch die Reimer-Tiemann-Reaktion

Eigenschaften Salicylaldehyd besitzt gegenüber dem Phenol (9,99) einen deutlich niedrigeren pKs-Wert von 6,79; die elektronenziehende Aldehydgruppe (−M-Effekt) erhöht die Acidität; die phenolische OH-Bindung wird zunehmend polarisiert. Der Flammpunkt liegt bei 78 °C.

Verwendung Salicylaldehyd dient als Zwischenprodukt in der Farbstoff- und Arzneimittelindustrie sowie in 10%iger alkoholischer Lösung zum Nachweis von Ketonen (z. B. Aceton im Harn) und von Fuselölen im Alkohol. Außerdem wird er zur Herstellung von Schiffschen Basen, z. B. dem Komplexbildner N,N′-Bis(salicyliden)ethylendiamin (Abkürzung: salen), dessen Cobalt(II)-komplex (Salcomin) reversibel Sauerstoff binden kann, benutzt. Weiterhin wird es als Duftstoff in Parfüms eingesetzt.

Oxidation mit Wasserstoffperoxid ergibt Brenzcatechin (Dakin-Reaktion).

rahmenlos|hochkant=1.8|zentriert|Brenzcatechinsynthese

Cumarin wird mit der Perkinschen Synthese aus Salicylaldehyd und Essigsäureanhydrid hergestellt.

rahmenlos|hochkant=2.8|zentriert|Cumarinsynthese

Literatur Edwin A. Robinson: The reaction of dichloromethylene with water and with phenoxide ions (Reimer-Tiemann reaction). In: J. Chem. Soc., 1961, S. 1663–1671; doi:10.1039/JR9610001663. Karl Winterfeld: Praktikum der organisch-präparativen Pharmazeutischen Chemie. 6. Auflage. Steinkopff.

Einzelnachweise

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