Die Wohlgesinnten ist ein Tatsachenroman des Schriftstellers Jonathan Littell, der eine fiktive Biographie mit realen Ereignissen und Personen des Holocausts verbindet.
Der Amerikaner mit französischem Pass verfasste das 900 Seiten (deutsche Ausgabe 1400 Seiten) umfassende Werk in französischer Sprache. Es erschien im August 2006 unter dem Titel Les bienveillantes bei Éditions Gallimard in Paris und war auf Anhieb eine publizistische Sensation. Littell wurde, nachdem er bereits im Oktober von der Académie française mit dem Romanpreis prämiert worden war, am 6. November 2006 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Bis Ende 2007 wurden von der französischen Ausgabe 700.000 Exemplare verkauft.Les vingt événements de 2008: Jonathan Littell récidive. In: Le Figaro, 2. Januar 2008 Die deutsche Ausgabe des Romans erschien am 23. Februar 2008 im Berlin Verlag,, FAZ.NET-Kulturkalender der sich die Übersetzungsrechte für 450.000 Euro sicherte.Martina Meister: In: Literaturen, 2006, Nr. 12 Die deutsche Startauflage von 120.000 Exemplaren war laut Verlag durch Vorbestellungen nahezu ausverkauft;NS-Roman startet mit Mammutauflage. In: Focus, 22. Februar 2008 reale Verkaufszahlen gibt es bisher allerdings nicht. In Israel ist das Buch im Mai 2008 auf Hebräisch erschienen. Ein Tel Aviver Verlag hat für 50.000 US-Dollar die Rechte erworben, was für Israel ein Rekordbetrag ist.Joseph Croitoru, in: FAZ, 30. Juli 2008
Der Titel bezieht sich auf den letzten Teil der Orestie von Aischylos mit dem Titel Die Eumeniden (deutsch: Die Wohlgesinnten). Aischylos redet damit jene auch als Erinnyen bezeichneten Rachegöttinnen aus der griechischen Mythologie auf wohlmeinende Weise an, um ihren Zorn zu beschwichtigen.Florence Mercier-Leca: Die Wohlgesinnten, auf diewohlgesinnten.de vom Berlin-Verlag
Personen Fiktive Personen Dr. jur. Maximilian Aue Ich-Erzähler des Romans ist der ehemalige SS-Offizier Dr. iur. Maximilian Aue, der im Frankreich der 1980er-Jahre als Fabrikleiter lebt und seine Erinnerungen, insbesondere an die Zeit bei der SS während des Zweiten Weltkriegs, niederschreibt.
Aue, Jahrgang 1913, stammt aus dem Elsass, seine Mutter war Französin, sein Vater Deutscher, der bei den Freikorps im Baltikum kämpfte. Aue beherrscht Deutsch und Französisch. Aues Mutter ließ schließlich den Vater für tot erklären und heiratete erneut: den Franzosen Aristide Moreau. Max Aue, der von seinem Vater nur sehr wenig weiß, sieht diese Heirat als Verrat an seinem Vater, den er seiner Mutter nie mehr verzeihen wird. Außerdem hasst er seine Mutter und seinen Stiefvater Moreau, weil diese ihn von seiner Zwillingsschwester getrennt haben, nachdem sie entdeckt hatten, dass Max zu seiner Schwester Una (lat. die „Eine“) eine inzestuöse Beziehung hat. Diese ist zum Zeitpunkt der Geschehnisse im Buch mit dem (fiktiven) Komponisten Karl Berndt Egon Wilhelm Freiherr von Üxküll verheiratet.
Aue erklärt seine Homosexualität damit, dass für ihn nach seiner großen Liebe zu seiner Schwester keine andere Frau mehr in Frage kommt. Seine spätere Frau nach dem Krieg, mit der er Zwillinge hat, liebt er nicht. In die SS trat er ein, um sich an seiner französischen Mutter zu rächen. Seine Homosexualität muss Aue in der SS geheim halten, kann aber gelegentliche bösartige Gerüchte nicht verhindern und muss sich von Heinrich Himmler sein Junggesellendasein vorhalten lassen.
Er steigert sich im Verlaufe des Romans – wie Aue andeutet, vielleicht auch wegen der Kriegsereignisse – immer stärker in seiner Phantasie in diese vergangene Beziehung zu seiner Schwester und in den Hass auf seine Mutter hinein.
Im Krieg kommt Aue an wichtigen osteuropäischen Kriegsschauplätzen zum Einsatz. Er führt mit den Einsatzgruppen einen grausamen Vernichtungskrieg gegen Juden und andere „Feinde“, erlebt Pogrome und die Massenerschießung von Babyn Jar, die Schlacht von Stalingrad und das Konzentrationslager Auschwitz, zuletzt die Eroberung Berlins durch die Rote Armee, bevor er fliehen kann.
Er beschreibt den Holocaust als Täter, erlebt Eichmann, Himmler und viele andere weniger prominente Nazis auch von ihrer privaten Seite.
Während seines Aufenthalts in Antibes in Frankreich bei seiner Mutter und seinem Stiefvater werden beide auf ungeklärte Art und Weise ermordet. Deshalb nehmen die Kriminalbeamten Clemens und Weser seine Spur auf. Sie bleiben ihm bis zuletzt auf den Fersen, obwohl sie als Kriminalpolizisten ebenfalls zur SS gehören und Himmler Aue, weil „rassenrein, von einigen alpinen Einflüssen abgesehen“, für unschuldig hält (oder wegen Aues Bedeutung halten will). Da Aue letztlich weder wegen Muttermordes noch wegen seiner Beteiligung am Völkermord gerichtet wurde, ist er, nach Meinung eines Kommentators, zu einem endlosen Verfolgtwerden durch die Erinnerung verdammt und er bekennt: „Die Vergangenheit ist nie vorbei“.
Dr. Thomas Hauser Durch Dr. Thomas Hauser kommt Aue zum SD, einer Unterabteilung der SS. Hauser ist der Prototyp des SS-Mannes: Er wirkt gerissen und zynisch. Sein Weltbild ist vom Führerprinzip bestimmt, er ist nicht intellektuell und schöngeistig, sondern versucht mit allen Mitteln, seine Karriere voranzutreiben. Er scheint immer einen Ausweg parat zu haben und rettet Aue mehrfach das Leben, stets auf Kosten anderer.
Die Beziehung Hausers zu Aue wird nicht völlig geklärt, Hauser hat aber Respekt vor Aue.
Durchgehendes Motiv ist die Frage der Beförderung: Immer dann, wenn Aue – oft unerwarteterweise – befördert wird und einen höheren Dienstgrad erlangt, ist ihm Hauser bereits wieder einen Schritt voraus. Am Ende in Berlin, kurz vor dem Zusammenbruch des Reiches, betrügt Aue ihn, tötet seinen Freund und stiehlt die französischen Pässe, mit deren Hilfe Thomas fliehen wollte.
Dr. Mandelbrod Aue erklärt, dass Mandelbrod, wie Alfred Rosenberg, trotz des jüdisch klingenden Namens, aus alter deutscher Familie stamme. Sein Vater arbeitete einst für Mandelbrod, deshalb ist ihm dieser freundlich gesinnt. Mandelbrods Geschäftskompagnon ist „Herr Leland“. Beide halfen Aues Familie nach dem Verschwinden des Vaters. Mandelbrod und „Herr Leland“ sind einflussreiche Industrielle, gehören zum Freundeskreis Himmler und sind im Führungsstab der Reichsgruppe Industrie. Außerdem sitzen sie in der Reichsvereinigung Kohle. Aues Freund Thomas deutet geheimnisvoll an, dass die beiden mächtiger als die SS sein könnten.
Mandelbrod gibt sich als fanatischer Nationalsozialist. Dessen Prinzipien hätten eigentlich die Juden entdeckt, der Begriff „Nationalsozialismus“ sei von Moses Hess geprägt worden. Aufgrund ihrer reinen Rasse seien die Juden die einzigen ernst zu nehmenden Gegner des deutschen Volkes. Sie müssten daher völlig ausgerottet werden. Als Aue diese Ansichten von Mandelbrod seinem Freund Thomas berichtet, hält es dieser für möglich, dass Mandelbrod solches nur deshalb verbreitet, weil man damit im NS-Staat besser vorankomme.
Die Beschreibung Mandelbrods trägt teilweise phantastische Züge. Er scheint ein unnatürlich hohes Alter erreicht zu haben, kann sich nur noch in einem Elektrofahrzeug fortbewegen, wird von drei blonden Damen in schwarzen SS-Uniformen betreut, die sich gegenseitig wie Klone gleichsehen. Außerdem macht er mit starken Blähungen seinen Besuchern das Leben schwer.
Kriminalpolizisten Clemens und Weser Sie verdächtigen Aue, seine Mutter und seinen Stiefvater ermordet zu haben, und verfolgen ihn, ähnlich Erinyen, bis zum Schluss. Sie gehören, wie die gesamte Kriminalpolizei, zur SS.
Reale Personen Neben fiktiven Figuren treten im Roman reale Personen des nationalsozialistischen Regimes auf wie als besonders bekannte Personen Adolf Eichmann, Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich, Hans Frank, Auschwitzkommandant Rudolf Höß und Adolf Hitler (dem der Protagonist im Führerbunker in die Nase beißt) oder weniger bekannte wie Theodor Oberländer. Der Schriftsteller Ernst Jünger hat einen kurzen Auftritt.
So erscheinen auch mehrere Angeklagte des späteren Einsatzgruppen-Prozesses. Viele dieser Personen hatten akademische Titel, die in dem Roman genannt werden.Die Intellektualität und Kultiviertheit der SS-Leute, wie sie in dem Roman beschrieben wird, blieb nicht ohne Kritik: Klaus Harpprecht in der FAZ vom 12. März „Seine [Littells] Kunstfigur Dr. Max Aue – es fand sich in Wirklichkeit in der SS kein Intellektueller von solch krimineller Energie und kein Mörder von solcher Kultiviertheit (es konnte sie nicht geben) – …“ mini|Paul Blobel, Juli 1947 SS-Gruppenführer Otto Ohlendorf – Todesstrafe, am 7. Juni 1951 hingerichtet SS-Brigadeführer Prof. Dr. Franz Six – 20 Jahre Haft, am 3. November 1952 vorzeitig entlassen und danach Marketingleiter bei Porsche-Diesel Motorenbau SS-Brigadeführer Dr. Dr. Otto Rasch – am 5. Februar 1948 wegen Krankheit aus dem Verfahren ausgeschieden SS-Standartenführer Paul Blobel – Todesstrafe, am 7. Juni 1951 hingerichtet SS-Standartenführer Willi Seibert – Todesstrafe, 1951 zu 15 Jahren Haft umgewandelt SS-Obersturmbannführer Werner Braune – Todesstrafe, am 7. Juni 1951 hingerichtet SS-Obersturmbannführer Adolf Ott – Todesstrafe, 1951 in lebenslängliche Haft umgewandelt, entlassen 9. Mai 1958. – Diese Person erscheint nicht. Es gibt im Roman aber einen „Untersturmführer Ott“, der, nachdem er eine Gräueltat begangen hat, von einem Sanitäter getötet wird. SS-Sturmbannführer Waldemar von Radetzky – 20 Jahre, 1951 entlassen SS-Obersturmführer Heinz Schubert – Todesstrafe, 1951 zu 10 Jahren Haft umgewandelt. Gilt im Roman als Nachfahre des Komponisten Franz Schubert.
Außerdem: Jurist und SS-Brigadeführer Dr. Walther Bierkamp SS-Standartenführer Erwin Weinmann SS-Hauptsturmführer Kuno Callsen (Prozess 1968 in Darmstadt) SS-Obersturmführer August Häfner – Zeuge im Einsatzgruppen-Prozess, 1968 in Darmstadt zu einer neunjährigen Haftstrafe verurteilt und 1976 entlassen. SS- und Polizeiführer Odilo Globocnik SS-Obergruppenführer Friedrich Jeckeln Generalmajor Kurt Eberhard General Werner von Gilsa Hauptmann Dr. phil. und Dr. theol. Hans Koch (Abwehr) Dr. Helmut Knochen SS-Brigadeführer Dr. med. Max Thomas. Aue stellt ihn vor als jemanden, der Englisch, Französisch, Griechisch und Latein spricht. Als promovierter Mediziner kümmert sich Thomas um die psychologischen Beschwerden der SS. Otto Bräutigam, hochrangiger Beamter im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete und später im Auswärtigen Amt Ernst-August Köstring, General und Beauftragter für Kaukasusfragen SS-Sturmbannführer Wolfgang Reinholz Im Zusammenhang mit der Entwicklung der Gaswagen tritt Dr. Widmann auf, der über Dr. Heeß und Heeß’ Amtschef SS-Gruppenführer Nebe berichtet. Ernst Jünger (Schriftsteller und Offizier) Bei Aues erstem Besuch im KZ Auschwitz trifft dieser auf den SS-Arzt Josef Mengele Richard Korherr, Verfasser des Korherr-Berichts für Heinrich Himmler Richard Glücks, SS-Gruppenführer und Leiter der Inspektion der Konzentrationslager Arthur Liebehenschel, Lagerkommandant des Stammlagers des Konzentrationslagers Auschwitz und im Krakauer Auschwitzprozess zum Tode verurteilt Gerhard Maurer, stellvertretender Leiter der Amtsgruppe D im SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt und im Krakauer Auschwitzprozess zum Tode verurteilt Enno Lolling, SS-Arzt im KZ Dachau und im KZ Sachsenhausen Oswald Pohl, SS-Obergruppenführer und Leiter des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamts, im Prozess gegen das Wirtschafts-Verwaltungshauptamt der SS zum Tode verurteilt Hermann Höfle, SS-Sturmbannführer und in führender Funktion an der Aktion Reinhardt beteiligt Konrad Morgen, SS-Richter, untersuchte Korruption in Konzentrationslagern Kurt Claasen, an der Aktion Reinhardt beteiligter SS-Hauptsturmführer Georg Wippern, an der Aktion Reinhardt beteiligter SS-Sturmbannführer Eduard Wirths, SS-Arzt im KZ Auschwitz Hedwig Höß, Gattin von Rudolf Höß Fritz Schmelter, Jurist und Beamter in der Organisation Todt Walter Schellenberg, SS-Brigadeführer Heinrich Müller, SS-Gruppenführer und Chef IV im RSHA