Der Gütermarkt ist in der Volkswirtschaftslehre ein Markt, auf dem als Handelsobjekte Güter und Dienstleistungen gehandelt werden. Die Gütermärkte sind weltweit innerhalb jeder Volkswirtschaft die wichtigsten Märkte. Auf ihnen werden Güter und Dienstleistungen angeboten und nachgefragt.Andreas Wellmann/Jürgen Hünseler, Makroökonomik, 2003, S. 51 Zu den Gütern gehören die Konsumgüter, die dem Konsum (Gebrauch oder Verbrauch) der Verbraucher dienen, und Investitionsgüter, die für die Investition bei Unternehmen verwendet werden.Clemens Büter, Außenhandel, 2013, S. 150 Entsprechende Teilmärkte sind der Konsumgütermarkt und der Investitionsgütermarkt. Die Umsatzerlöse des gesamten Dienstleistungssektors werden – bis auf einige Ausnahmen – dem Gütermarkt zugerechnet.
Marktteilnehmer des Gütermarkts sind Unternehmen, Privathaushalte, der Staat und seine Staatsunternehmen sowie Exporteure und Importeure (offene Volkswirtschaft). Zuweilen wird für Zwecke der Marktanalyse das Ausland ausgeklammert (geschlossene Volkswirtschaft).
Weder die klassische Nationalökonomie noch die neoklassische Theorie haben sich mit einer umfassenden Marktanalyse der Gütermärkte befasst, weil das Saysche Theorem besagt, dass sich unter optimalen Marktbedingungen jedes Angebot seine Nachfrage selbst schafft.Robert Richert, Makroökonomik - Schnell erfasst, 2007, S. 20
Marktstruktur Auf dem Gütermarkt steht das Güterangebot der Güternachfrage gegenüber. Die Preisbildung erfolgt einheitlich durch Gegenüberstellung von Angebot und Nachfrage. Kommt ein Umsatz zustande, wechseln die Handelsobjekte als Güterströme vom Güterangebot zur Güternachfrage, wobei als Gegenleistung der Güterpreis als Geldstrom umgekehrt vom Nachfrager zum Anbieter verläuft.
Güterangebot Das Güterangebot stammt von den Herstellern, vom Handel und aus dem Import.Jean-Paul Thommen (Hrsg.), Lexikon der Betriebswirtschaft, 2008, S. 281 Liegt beispielsweise aufgrund eines sehr hohen Preisniveaus ein Angebotsüberschuss oder eine Nachfragelücke am Gütermarkt vor, kommt es über einen Preissenkungsprozess zu einer allmählichen Steigerung der Güternachfrage.Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Wirtschaftstheorie, 2013, S. 234 Dieser Verlauf wird in der Angebotskurve graphisch visualisiert.
Güternachfrage Die Güternachfrage erfolgt durch die Privathaushalte (Konsumgüter), aber auch durch Hersteller (Nachfrage nach Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, nach Halbfertigfabrikaten, nach Vorleistungsgütern, nach Zwischenprodukten, nach Fertigerzeugnissen wie Waren für die Kantine, Büromaterial für die Büros und Nachfrage nach Investitionsgütern). Auch der Handel (Einzelhandel und Großhandel) ist Nachfrager, gleichzeitig als Wiederverkäufer auch AnbieterNorbert Konegen (Hrsg.), Wirtschaftspolitik für Politikwissenschaftler, 1994, S. 89; ebenfalls gehört der Export zur Güternachfrage (des Auslands). Liegt beispielsweise aufgrund eines sehr niedrigen Preisniveaus ein Nachfrageüberhang oder eine Angebotslücke am Gütermarkt vor, kommt es über einen Preissteigerungsprozess zu einer allmählichen Steigerung des Güterangebots.Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Wirtschaftstheorie, 2013, S. 234 Dieser Verlauf wird in der Nachfragekurve graphisch visualisiert.
Teilmärkte Der Gütermarkt ist ein Begriff der Makroebene, der sich auf der Mikroebene in viele Teilmärkte aufgliedern lässt. Diesen Teilmärkten ist gemeinsam, dass auf ihnen überwiegend ein bestimmtes Handelsobjekt umgesetzt wird, wobei durchaus markttypische Handelsbräuche eingesetzt werden.Horst Hanusch/Thomas Kuhn, Einführung in die Volkswirtschaftslehre, 1992, S. 65
Markt Handelsobjekt Preis Agrarmarkt Agrarprodukte Agrarpreise Arbeitsmarkt Arbeit Arbeitsentgelt Bankenmarkt Finanzprodukte Habenzins, Sollzins, Bankgebühr Energiemarkt Energie Gaspreis, Ölpreis, Strompreis Faktormarkt Produktionsfaktoren Faktorpreise Gesundheitsmarkt Gesundheitsgüter Krankheitskosten Gütermarkt Güter und Dienstleistungen Güterpreis Geldmarkt Geld, Geldmarktpapiere Geldmarktzins Goldmarkt Gold Goldpreis Immobilienmarkt Gewerbe- und Wohnimmobilien Kaufpreis/Immobiliarmiete/ Bodenrente/Pacht Kapitalmarkt Kapital, Wertpapiere Kapitalmarktzins Kreditmarkt Kredite Kreditzins Medienmarkt Medienprodukte Kaufpreise Rohstoffmarkt Rohstoffe Rohstoffpreise Verkehrsmarkt Verkehrsleistungen Tarife Versicherungsmarkt Versicherungsschutz Versicherungsprämien
Auch Dienstleistungen werden als Teilmärkte des Gütermarkts angesehen und werden jeweils als Handelsobjekte betrachtet. Teile des Verkehrsmarktes werden statistisch nicht dem Gütermarkt zugeordnet, sondern als eigenständiger Zweig „Transport und Verkehr“ separiert.
Marktgleichgewicht Das Marktgleichgewicht auf dem Gütermarkt heißt Gütermarktgleichgewicht. Es liegt vor, wenn das Güterangebot für Konsum- und Investitionszwecke mit der Güternachfrage für Konsum- und Investitionszwecke übereinstimmt:Brigitte Hewel/Renate Neubäumer, Volkswirtschaftslehre, 2005, S. 284 . Der diesem Marktgleichgewicht zugrunde liegende Preis heißt Gleichgewichtspreis. Dabei müssen sich die Determinanten der Güternachfrage (Einkommen, Zahlungsbereitschaft, Preisniveau, Marktzins) gerade so einstellen, dass diese gleich groß ist wie das Güterangebot.Jean-Paul Thommen (Hrsg.), Lexikon der Betriebswirtschaft, 2008, S. 282
Gütermarkt in der Mikroökonomie Allgemeines Der Gütermarkt in der Mikroökonomie besteht im Gegensatz zum Faktormarkt in der Makroökonomie nur aus einzelnen Gütern und nicht aus der Gesamtheit der Güter einer Volkswirtschaft. Daher wird stets nur ein spezieller Gütermarkt betrachtet. Zum Beispiel der Markt für Flachbildschirme. Hierbei kann es weitere Eingrenzungen geben. Zum Beispiel Flachbildschirme mit bestimmten Ausstattungsmerkmalen.
Darstellung miniatur|zentriert|300px| Obige Darstellung zeigt das Marktgleichgewicht auf dem mikroökonomischen Gütermarkt. Punkt stellt den Marktpreis dar, wo sich angebotene und nachgefragte Menge treffen.
Auswirkungen von Veränderungen Auf dem mikroökonomischen Gütermarkt können mehrere Einflüsse Veränderungen hervorrufen. Ein praktisches Beispiel wäre die Preissenkung bei neuen Produkten im Zeitverlauf. Nimmt man hier wieder die Flachbildschirme, stellt man fest, dass diese vor einigen Jahren noch wesentlich teurer waren. Die Nachfrage war sehr hoch. Damit war der Preis entsprechend hoch, da das Gleichgewicht auf diesem Markt weiter nach oben verschoben war.
Nachfolgende Grafik zeigt diese Entwicklung: miniatur|zentriert|300px| Zu sehen ist die veränderte Nachfragekurve, die nach oben verschoben ist und somit zu einem höheren Gleichgewichtspreis an führt. Stellt man sich hier die Entwicklung des Preises bei Flachbildschirmen vor, ergibt sich daraus folgendes mikroökonomisches Szenario:
Als diese Technik noch sehr neu war, gab es eine entsprechend höhere Nachfrage, da kaum jemand solche Geräte besaß. Die Nachfragekurve traf somit die Angebotsfunktion am Punkt . Mit der Zeit sank allerdings die Nachfrage, da immer mehr Käufer solche Geräte besaßen. Dadurch verschob sich die Nachfragekurve nach unten und führte zu einem neuen Gleichgewicht in . Dort ist der Preis der Geräte offensichtlich niedriger, ebenso wie die produzierte Menge. Dieses Beispiel funktioniert selbstverständlich nur unter der Annahme einer konstanten Angebotsfunktion, die sich der Nachfrage der Konsumenten nicht anpasst.
Gütermarkt in der Makroökonomie Allgemeines Der Gütermarkt in der Makroökonomie umfasst alle Märkte einer Volkswirtschaft. Auf ihnen werden Güter und Dienstleistungen gehandelt, nach einer Definition der Europäischen Kommission Waren und Dienstleistungen; die Summe aller Märkte wird hier als Produktmärkte bezeichnet. Auf diesen Märkten wird das komplette aggregierte Angebot und die aggregierte Nachfrage zusammengefasst. Angebot umfasst alle in einer Volkswirtschaft angebotenen Güter. Aggregierte Nachfrage umfasst dementsprechend die gesamte Nachfrage nach Gütern in einer Volkswirtschaft.
Grundlegend gibt es verschiedene Größen, die starken Einfluss auf den Gütermarkt haben. Dies wäre zum Beispiel das Bruttoinlandsprodukt.
Inhalte des Gütermarktes in der Makroökonomie Marktstrukturen Sämtliche klassischen volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren werden auf Faktormärkten gehandelt, und zwar die Arbeit auf dem Arbeitsmarkt, Güter und Dienstleistungen auf dem Gütermarkt, der Boden auf dem Immobilienmarkt und das Kapital auf dem Kapitalmarkt.
Markt Angebot Nachfrage Arbeitsmarkt Arbeitsnachfrage Arbeitsangebot Gütermarkt Güterangebot Güternachfrage Geldmarkt Geldangebot Geldnachfrage Kapitalmarkt Kapitalangebot Kapitalnachfrage Kreditmarkt Kreditangebot Kreditnachfrage Immobilienmarkt Angebot an Wohn- und Gewerbeimmobilien, Agrar- und Waldflächen Nachfrage
Während Arbeits- und Bodenangebot stark von Natureinflüssen abhängen (Witterung, Bodenbeschaffenheit), wird das Güterangebot in hohem Maße von wirtschaftlichen Erwägungen beeinflusst.Wolfgang Heller, Theoretische Volkswirtschaftslehre, 1927, S. 144
Güternachfrage Die Güternachfrage berechnet sich wie folgt: , ist hierbei die Güternachfrage, die sich aus den folgenden Bestandteilen ergibt. Zum einen aus dem Konsum . Dieser hängt von vielen Faktoren ab, aber am meisten von dem Einkommen. Daher berechnet sich der Konsum aus:
ist hierbei der Konsum, wenn das verfügbare Einkommen Null wäre. Anders ausgedrückt: der Mindestkonsum (ein Individuum muss trotz eines Einkommens in Höhe von Null essen). bezeichnet weiterhin die marginale Konsumquote (oder auch Konsumneigung). Diese stellt dar, wie viel des verfügbaren Einkommens zu Konsumzwecken verwendet wird. Ein Wert von 0,6 der Konsumquote bedeutet so z. B., dass von jedem zusätzlich verdienten Euro 60 Cent für Konsum verwendet werden. Das verfügbare Einkommen verringert sich allerdings noch um die Steuer . (Investitionen): Die Variable wird als exogen behandelt. Das bedeutet, dass sie vorgegeben wird. Zwar werden Unternehmen mehr investieren, wenn ihr Absatzvolumen zunimmt etwa für neue Maschinen usw., jedoch wird diese Variable in dem Modell als gegeben angenommen. Sonst wäre es nicht möglich, die Veränderungen des Einkommens auf die Güternachfrage richtig darzustellen, da jede Veränderung des Einkommens und damit auch des Konsumverhaltens eine Veränderung der Investitionen nach sich zieht. (Staatsausgaben): Auch die Staatsausgaben werden als gegeben hingenommen (exogen). Dies hat allerdings verschiedene Gründe, da die Ausgaben des Staates keinerlei Regelmäßigkeiten unterliegen. (Exporte): Die Variable bezeichnet die Exporte auf dem Gütermarkt. (Importe): Die Variable bezeichnet die Importe auf dem Gütermarkt.in Anlehnung an Olivier Blanchard/Gerhard Illing, Makroökonomie, 2003
Güterangebot Das Güterangebot richtet sich nach den errechneten Variablen der Güternachfrage. Es ist daher abhängig von der marginalen Konsumquote, dem Einkommen, den Investitionen und den Staatsausgaben sowie Ex- und Importen. Es verhält sich bei einer Veränderung nicht konstant. Es handelt sich um einen Multiplikatoreffekt. Sind die Produktionsfunktion sowie Güter- und Faktorpreise gegeben und betreibt ein Unternehmen Gewinnmaximierung, so lässt sich das gewinnmaximale Güterangebot bestimmen. Das Unternehmen in vollständiger Konkurrenz verändert sein Güterangebot solange, bis die Grenzerlöse den Grenzkosten entsprechen:Horst Siebert/Oliver Lorz, Einführung in die Volkswirtschaftslehre, 2007, S. 203 . Der Grenzerlös ist definiert als die Veränderung des Gesamterlöses bei Verkauf einer zusätzlichen Mengeneinheit, die Grenzkosten sind die durch die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit entstehenden Kosten.
Darstellung