Neuenhausen ist ein Ortsteil der Stadt Grevenbroich im Rhein-Kreis Neuss in Nordrhein-Westfalen.
Daten
Kfz-Kennzeichen: GV, ab 1. Juli 1956 – auslaufend Landkreis, ab 1970 Kreis Grevenbroich. NE, seit 1. Januar 1975. Kennung im Geschichtlichen Ortsverzeichnis (GOV): NEUSENJO31HB
Geografie Neuenhausen befindet sich am linken Niederrhein. Der Stadtteil selbst liegt im Städtedreieck Düsseldorf – Köln – Mönchengladbach.
Neuenhausen wird im Westen begrenzt durch die L361 (Neuenhausener Straße), im Norden durch die B 59, im Osten durch die Vollrather Höhe (; höchster Punkt) und im Süden durch den Welchenberg.
Geschichte Nach Aufzeichnungen des Landdechants und Pfarrers H. H. Giersberg gehört Neuenhausen zu den ältesten Ortschaften des Dekanates Grevenbroich. Er schätzt die Entstehungszeit des Dorfes auf das 10. Jahrhundert. Damit wäre Neuenhausen älter als Grevenbroich, wo sich erst im 11. Jahrhundert um die bereits bestehende Burg ein Dorf bildete.
Die Kirche in Neuenhausen, die 1888 durch einen Neubau ersetzt wurde, war eine der ältesten des Kreises. Erste Zeugnisse des Ortes gehen auf das Jahr 962 zurück, allerdings ist nicht sicher, ob Neuenhausen unter dem Namen „Bruoche“ tatsächlich gemeint war. Dass die alte Kirche um 1300 im „liber valoris“ bereits als Pfarrkirche erscheint, lässt jedoch auf ein längeres Bestehen des Ortes schließen. Das adelige Cäcilienstift in Köln war Grundherr des Dorfes. Bis zur Säkularisation übte die Äbtissin auch das Patronatsrecht dort aus. Schon 1288 kommt ein Advocatus Gottfried in Neuenhausen vor.
Die Anfänge des Dorfes sind schwer zu durchschauen. Die erste Nachricht stammt aus dem Jahre 962; in ihr erscheint allerdings nicht der Name Neuenhausen. Am 25. September dieses Jahres überwies Erzbischof Bruno dem Kölner Stift St. Cäcilien eine Reihe von Gütern, darunter eine Hufe (lat. Mansus, eine Bauernstelle) „in villa Bruoche“ (im Dorf Broich). Eine spätere Hand hat vermutlich gegen Ende des 11. Jahrhunderts über der Zeile „et aecclesiam“ (und die Kirche) hinzugefügt. Deshalb darf man davon ausgehen, dass das hier genannte Broich – und nicht ein anderer der vielen gleichnamigen Orte – die Keimzelle von Neuenhausen war; denn die Äbtissin von St. Cäcilien war in Neuenhausen Grund- und Kirchenherrin.
Vermutlich war Broich der tiefer gelegene Ortsteil mit dem Zentrum Pötzplatz (Brunnenplatz). Dafür spricht auch die Lage der Kirche an der Nahtstelle zwischen Unter- und Oberdorf. Der Name Neuenhausen bezog sich wahrscheinlich ursprünglich nur auf das Oberdorf, weil es sich um einen typischen Rodungsnamen handelt. Dem entspricht auch die Struktur der neuen Siedlung: Sie zog sich den Villehang hinauf und war ausgesprochen kleinteilig und planmäßig angelegt, was bis heute erkennbar geblieben ist. Hier wurden also Kleinbauern angesetzt, überzählige Leute aus der Umgebung, die sich durch Rodung des Waldes eine kleine selbständige Existenz aufbauen konnten. Der Fronhof (Herrenhof, althochdt. fro = Herr; davon abgeleitet fronen, frönen sowie Fronleichnam = Leib des Herrn) der Grundherrschaft von St. Cäcilien lag oberhalb des Dorfes Neuenhausen in einer geschlossenen großen Ackerflur; hier entstanden nach 1950 große Eigenheimsiedlungen.
Die Äbtissin verfügte noch 1550 über die niedere Gerichtsbarkeit in Neuenhausen. Darüber erfahren wir aus einem Weistum (einer Rechts-Weisung) der Schöffen: Die Äbtissin wird als Grundherrin anerkannt, aber der Herzog von Jülich als Schirmherr, Vogt (Richter) und „Gewaltherr“. Er richtet über „Gewaltsachen“ bis hin zur Todesstrafe. Zu dieser Zeit waren die zu St. Cäcilien gehörenden Höfe wohl schon seit längerem nicht die einzigen im Dorfe. Es gab auch einen Hof der Kölner Johanniter – kommende St. Johannes und Cordula, und das Weistum bestimmte: Schöffen, die keine Stiftsgüter besitzen, sollen einen finanziellen Ersatz für ihre Mühen von denen erhalten, die zwar solche Güter innehaben, aber das Schöffenamt nicht übernehmen können oder wollen. In dieser Bestimmung spiegelt sich, dass das Landgericht, dem der Vogt vorsaß, aus dem Hofesgericht des Stifts entstanden war.
Bis 1930 war Neuenhausen eine eigenständige Gemeinde. Im Zuge der kommunalen Neugliederung des Düsseldorfer Regierungsbezirks wurde Neuenhausen ein Stadtteil Grevenbroichs.
Entlang der Erft haben sich schmale Terrassenleisten entwickelt, die bevorzugte Siedlungsstandorte gegenüber der früher mäandrierenden Erft und ihrer sumpfigen Niederung waren und sind. Ebenso war der Welchenberg (letzter nördlicher Ausläufer der Ville) eine bevorzugte Siedlungsstätte, von der das restaurierte Gut Welchenberg bzw. das ehemalige Kloster erhalten geblieben sind.
Im Rahmen des Landeswettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ gewann Neuenhausen 1995 eine Bronzemedaille und einen Sonderpreis. Ein Stein mit eingelassener Tafel erinnert noch heute an der Ecke Willibrordusstraße – Königslindenstraße an diese Auszeichnung.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Bevölkerung 2991 2975 2980 3044 3031 3077 3137 3144 3163 3158
Kultur und Sehenswürdigkeiten Pfarrei und Kloster Welchenberg Der Name Walchen, Walen oder Welsche ist vermutlich abgeleitet von dem Namen der keltischen Volcae. Der Welchenberg beherbergte ein Heiligtum, in dem vermutlich die Matronen verehrt wurden. Die Pfarrkirche Welchenberg, dem hl. Willibrord geweiht, findet erste Erwähnung im Jahre 1308 und wurde im 18. Jahrhundert durch einen Neubau ersetzt. Die Pfarrei bestand bis zum 15. Jahrhundert und wurde durch das Kloster Welchenberg abgelöst. Das Kloster wurde 1427 oder kurz zuvor errichtet. Es handelte sich um eine Niederlassung des Dritten Ordens vom hl. Franziskus (Tertiarier), gestiftet vielleicht durch Graf Wilhelm von Limburg als Herrn von Bedburg, der den Mönchen auch die Pfarrkirche Welchenberg übertrug. Das Kloster, das dem hl. Willibrord geweiht war, bestand bis zur Säkularisation 1802; in diesem Jahr verfügte es über sieben Priester und zwei Laienbrüder. Über die älteren Kirchen- und Klostergebäude ist nichts bekannt. 1696 wurde, vermutlich nach Kriegszerstörungen, ein neuer Gebäudekomplex errichtet, von dem der Konventsbau nach durchgreifender Restaurierung heute durch die Firma RWE genutzt wird; die Wirtschaftsgebäude wurden dagegen abgebrochen. Dieses Schicksal erlebte, allerdings viel früher, auch die 1750/51 neu errichtete Klosterkirche. Schon 1811 wurde sie in einem Besitzverzeichnis für Welchenberg nicht mehr aufgeführt. Der Hochaltar und zwei Beichtstühle fanden in der Kirche von Allrath eine neue Heimstatt. Ein Chorkreuz des 15. Jahrhunderts und ein großes Ölgemälde mit einer Darstellung des hl. Willibrord von 1659 kamen in die Kirche von Neuenhausen. Ein Stuckrelief von der Decke des ehemaligen Refektoriums (Speisesaal) wurde 1964 in die Pfarrkirche von Brühl-Pingsdorf transloziert.
Willibrordus-Heilbrunnen Am Waldrand gelegen und etwas abseits vom Wege liegt verborgen ein kleiner Brunnen, über dem ein altes Kreuz und ein Standbild der Gottesmutter Maria stehen. Ein Stück hinter dem Brunnen beginnt ein leichter Anstieg, der sich bis zum höchsten Punkt des Welchenberges zieht. mini|Willibrordusbrunnen am Welchenberg Der Ursprung seines Namens ist ungeklärt. Eine Theorie besagt, dass der Name von einem heidnischen Gott namens Walchus abgeleitet wurde. Die Ableitung von „mons walchi“ bis hin zum Welchenberg ist jedoch vage. Eine andere Vermutung ist, dass der Name von den Kelten stammt, die beim Anblick des Berges „Welch ein Berg!“ riefen. Im Volksmund wird der Willibrordusbrunnen auch "Worvelterpötzje" genannt.
Der kleine Brunnen erhielt seinen Namen vom heiligen Willibrord (658–739). Dieser war ein englischer Missionar und kam auf seinem Weg von der Maas zum Rhein am Welchenberg vorbei und versuchte, auch dort den christlichen Glauben zu verbreiten. Aus diesem Grund baute er ein Kloster. Um den Menschen eine weitere Pilgerstätte zu schaffen, bohrte Willibrord um 709 n. Chr. der Sage nach mit seinem Bischofsstab in den Boden und ließ eine Quelle entspringen, der noch bis heute Heilkräfte zugesprochen werden. Kurz nach der Entstehung der Wasserstelle wurden Menschen, die vom christlichen Glauben überzeugt worden sind, dort getauft.
Neben seiner Funktion als Heil- und Taufbrunnen hat sich der Ort zu einer Pilgerstätte entwickelt. Nach dem Tod Willibrords kamen die Menschen insbesondere aus Echternach, wo er beerdigt wurde, um an dieser Stelle zu beten oder Buße zu tun.
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Quelle wegen Grundwasserabsenkungen zur Kohleförderung durch die Rheinbraun AG versiegt.
Haus Welchenberg mini|Haus Welchenberg Erbaut wurde es 1925/26 anlässlich der Tausendjahrfeier des Rheinlandes, mit der die Zugehörigkeit dieser Region zum Deutschen Reich und zu Preußen gefeiert wurde. Vermutlich auf Initiative des damaligen Landrates Dr. Aloys Vogel errichtete man ab dem 8. September 1925 ein Kindererholungsheim für den damaligen Kreis Grevenbroich auf dem Welchenberg. Der Bau wurde zu mehr als einem Viertel durch Spendengelder in Höhe von 20.000 Reichsmark finanziert. Im Sommer 1926 wurde das neue Heim für sozial, gesundheitlich und körperlich benachteiligte Kinder eröffnet. Unter der Leitung von Franziskanerinnen aus Salzkotten konnten bis zu 70 Kinder dort sechs Wochen untergebracht werden. Das Haus war mit vielerlei Spiel-, Sport- und Therapiemöglichkeiten ausgestattet. Bereits 1927/28 wurde es durch einen Anbau um eine Jugendherberge erweitert.
Die Weltwirtschaftskrise und die daraus resultierenden politischen Veränderungen erschwerten die Finanzierung des Hauses; 1932 lebten dort nur noch 20 Waisenkinder. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde es im August 1933 der NSDAP zur Verfügung gestellt und eine Gauführerschule errichtet. 1939 schließlich übereignete der Kreis das Haus komplett dem Düsseldorfer Gauleiter Staatsrat Friedrich Karl Florian, um auf diese Weise den Geldforderungen der Nationalsozialisten zu entgehen. Auch während des Kriegs wurde der Gauführerschulbetrieb am Welchenberg aufrechterhalten, parallel dazu waren dort Zwangsarbeiter untergebracht. Als die Amerikaner Neuenhausen am 3. März 1945 besetzten, nahm das Haus Welchenberg als letzte Bastion der Nationalsozialisten schweren Schaden und wurde anschließend von der Bevölkerung geplündert.
Nachdem dort übergangsweise polnische Zivilarbeiter und obdachlose Familien untergekommen waren, ging das Gebäude schließlich 1949 wieder in Kreisbesitz über und wurde zum Tuberkulose-Krankenhaus unter der Leitung Kölner Cellitinnen umgebaut, welches erst mit der Errichtung des neuen Grevenbroicher Kreiskrankenhauses Mitte der 1980er-Jahre überflüssig wurde.
Seit Mitte 1991, nach einem Umbau, dient das Gebäude als soziotherapeutische Einrichtung für alkoholkranke und tablettenabhängige Menschen.
Kultstätte Drei Linden und Gut Vollrath mini|Die Kultstätte Drei Linden (Dre Lengscher) auf der Vollrather Höhe.