mini|Einweihung der dt. Botschaft in Paris 1963 Manfred Otto Klaiber (* 8. Juni 1903 in Grafenberg; † 16. Juli 1981 in Stuttgart) war ein deutscher Diplomat.

Leben Manfred Klaiber war der Sohn des schwäbischen Pfarrers und Literaturhistorikers Theodor Klaiber (1870–1921) und dessen Frau Helene, geb. Barth (1878–1950). Er besuchte das Karls-Gymnasium in Stuttgart und studierte Jura in Berlin und Tübingen. Er war seit dem Sommersemester 1921 Mitglied der Studentenverbindung Akademische Gesellschaft Stuttgardia Tübingen.Jürg Arnold: Stuttgardia Tübingen 1869–1994. Geschichte der Akademischen Gesellschaft Stuttgardia. Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein, Stuttgart 1994, S. 399. Nach der Promotion 1925 wurde er 1926 in den Auswärtigen Dienst einberufen. Seine ersten Stationen waren Paris als Legationssekretär der deutschen Botschaft und 1933 in gleicher Eigenschaft an der Botschaft von Pretoria. Zum 1. Oktober 1934 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.872.171).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/20410286

Zeit des Nationalsozialismus In der Zeit des Nationalsozialismus war Klaiber Vizekonsul am deutschen Generalkonsulat in Batavia und ab 1939 unter Joachim von Ribbentrop als Gesandtschaftsrat an der Botschaft in Ankara eingesetzt.H.D. Heilmann, Aus dem Kriegstagebuch des Diplomaten Otto Bräutigam. In: Götz Aly u. a. (Hrsg.): Biedermann und Schreibtischtäter. Materialien zur deutschen Täter-Biographie, Institut für Sozialforschung in Hamburg: Beiträge zur nationalsozialistischen Gesundheits- und Sozialpolitik 4, Berlin 1987, S. 165 Anm. 9. Ein 1987 veröffentlichtes Buch gab Klaiber eine Mitverantwortung für die Versenkung der Struma, ein mit 769 jüdischen Flüchtlingen gechartertes Schiff, das am 25. Februar 1942 im Bosporus havariert sein soll. Diese Aussage geht wiederum zurück auf eine Behauptung aus der ostdeutschen Publikation Aus dem Tagebuch eines Judenmörders von 1956.Ausschuß für deutsche Einheit (Hrsg.): Aus dem Tagebuch eines Judenmörders. Berlin-Ost 1956, S. 35. Die ganze Behauptung kommt ohne Quellenbelege aus und berichtet nebulös von "Einblickname eines Gewährsmannes in türkische Akten". 1965 kam dagegen eine in einem westdeutschen Historiker Jürgen Rohwer veröffentlichte Untersuchung des Vorfalles zu dem Schluss, dass die Struma vielmehr durch das sowjetische U-Boot Schtsch-213 – und nicht etwa durch ein deutsches SchnellbootDeutsche Schnellboote wurden beginnend erst ab Anfang April 1942 von Hamburg über die Elbe bis Dresden, dann Landweg bis Ingolstadt und anschließend die Donau abwärts zum Schwarzen Meer überführt – torpediert und versenkt worden ist.Jürgen Rohwer (Hrsg.): Die Versenkung der Jüdischen Flüchtlingstransporter Struma und Mefkure im Schwarzen Meer, Historische Untersuchung; Bernard & Graefe Verlag, Frankfurt, 1965. Ab November 1942 war er in Belgrad beim „Bevollmächtigten des AA beim Militärbefehlshaber in Serbien“ und ab 1944 in Wien in der Dienststelle des AA für Griechenland, Serbien, Albanien und Montenegro tätig.

Nachkriegszeit In seinem Spruchkammerverfahren konnte Klaiber Persilscheine von Außenamtskollegen vorweisen, die ihm bescheinigten, dass er serbischen Gestapo-Häftlingen in Belgrad geholfen habe sowie jüdischen Flüchtlingen in der Türkei; zudem verlegte er seinen Parteieintritt in das Jahr 1936, so dass er im Januar 1947 als „Entlasteter“ entnazifiziert wurde.Norbert Frei: Im Namen der Deutschen. Die Bundespräsidenten und die NS-Vergangenheit 1949–1994. München : Beck, 2023, S. 26 Seit Mai 1947 war Klaiber im württembergisch-badischen Staatsministerium tätig und ab 1948 als Ministerialrat Bevollmächtigter bei der Verwaltung des Vereinigten Wirtschaftsgebietes in Frankfurt am Main.

Zwischen 1949 und 1957 war er Chef des Bundespräsidialamts und brachte dort seine ehemaligen AA-Kollegen und NSDAP-Mitglieder Luitpold Werz und Günther Wawretzko als Referatsleiter unter.Norbert Frei: Im Namen der Deutschen. Die Bundespräsidenten und die NS-Vergangenheit 1949–1994. München : Beck, 2023, S. 27 Klaiber erhielt 1953 den Titel eines Staatssekretärs. 1957 wurde Klaiber mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Von 1957 bis 1963 war er Botschafter in Rom, anschließend bis 1968 Botschafter in Paris.

Er heiratete 1939 Ruth, geb. Staengel (1910–1991). Aus der Ehe gingen ein Sohn und zwei Töchter hervor. Sein Sohn Klaus-Peter Klaiber (* 1940) wurde ebenfalls Diplomat.

Veröffentlichung Si può parlare di un miracolo nell'economia germanica? : Discorso pronunciato a Roma, il 28 gennaio 1959, nella sede del Banco di Roma, sotto gli auspici del Centro italiano di studi per la riconciliazione internazionale, Rom 1959

Weblinks

Lebenslauf. In: Gerhard Köbler: Wer ist wer im deutschen Recht, S. 278 (Online-Version) Eintrag In: Gerhard Köbler: Wer war wer im deutschen Recht (Online-Version)

Literatur Maria Keipert (Red.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Herausgegeben vom Auswärtigen Amt, Historischer Dienst. Band 2: Gerhard Keiper, Martin Kröger: G–K. Schöningh, Paderborn u. a. 2005, ISBN 3-506-71841-X.

Weblinks

Manfred Otto Klaiber im Informationssystem für Baden-Württemberg (LEO-BW)

Einzelnachweise

Kategorie:Jurist (Nationalsozialismus) Kategorie:Deutscher Botschafter in Italien Kategorie:Deutscher Botschafter in Frankreich Kategorie:Chef des Bundespräsidialamtes Kategorie:Jurist im auswärtigen Dienst Kategorie:Person (deutsche Besetzung Jugoslawiens 1941–1945) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband Kategorie:Träger des Verdienstordens der Italienischen Republik (Großkreuz) Kategorie:Träger des Phönix-Ordens (Großkreuz) Kategorie:Träger des Ordens vom Aztekischen Adler (Großkreuz) Kategorie:Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens am Bande für Verdienste um die Republik Österreich Kategorie:Träger des Falkenordens (Großkreuz) Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Großkreuz) Kategorie:Korporierter (Studentenverbindung) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1981 Kategorie:Mann Kategorie:Ministerialrat (Deutschland)