mini|Rosaflamingos (Nahaufnahme) mini|Auffliegende Rosaflamingos Der Rosaflamingo (Phoenicopterus roseus) ist eine Art aus der Familie der Flamingos (Phoenicopteridae). Er kommt in Teilen von Afrika, Asien und Süd-Europa vor.
Rosaflamingos brüten in individuenreichen Kolonien auf flachen Inseln an ausgedehnten, flachen, schlammigen Stränden an Salzseen oder Meeresbuchten. Geeignete Standorte müssen einen Schutz vor Störungen und dem Eindringen von Prädatoren und gleichzeitig Zugang zu Nahrungsgründen bieten. Die Zahl der international bedeutsamen Brutkolonien beträgt auf Grund dieser hohen Anforderungen weltweit nicht mehr als 30.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 12.
Der weltweite Bestand wird auf rund 500.000 Individuen geschätzt, davon kommen rund 90.000 in Europa vor. Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 76 f. Auf Grund mangelnder Daten lassen sich keine weltweiten Bestandstrends für diese Art angeben. In der Camargue als einem der wichtigsten europäischen Brutgebiete betrug die Zahl der Brutpaare von 1947 bis 1960 nie mehr als 4000, seit dem Beginn der 1990er Jahre brüten dort mehr als 10.000 Brutpaare. Der Bestand fluktuiert jedoch jährlich sehr stark. So brüteten 1999 11.000 Paare, im darauf folgenden Jahr dagegen 22.200.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 281 f.
Seit den 1980er Jahren werden in Europa Rosaflamingos auch in Regionen beobachtet, in denen sie in der Regel nicht vorkommen. Dabei handelt es sich um den Norden Frankreichs, die Niederlande, Dänemark und Deutschland. Diese Rosaflamingos waren und sind mit Chile- und Kubaflamingos vergesellschaftet, bei denen es sich mit Sicherheit um Gefangenschaftsflüchtlinge handelt. Die Herkunft der Rosaflamingos ist unklar. Da wilde Rosaflamingos aber äußerst selten mehr als 500 Kilometer nördlich der Mittelmeerküste beobachtet werden, scheint es sicher, dass es sich bei den ursprünglich beobachteten Rosaflamingos ebenfalls um Gefangenschaftsflüchtlinge handelt.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 281 f. Im Zwillbrocker Venn an der Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden haben Rosaflamingos mittlerweile auch erfolgreich Nachwuchs großgezogen. Es handelt sich um die nördlichste Brutkolonie dieser Art.
Beschreibung mini|Rosaflamingo bei Walvis Bay Der Rosaflamingo ist die größte Art der Flamingos, durchschnittlich 120–140 cm groß (davon machen allein die Beine 40–50 cm aus). Im Schnitt sind Männchen etwas größer und schwerer als Weibchen. Ausgewachsene Männchen haben eine Flügellänge von durchschnittlich 43 Zentimetern und wiegen 2,7 Kilogramm. Weibchen haben eine Flügellänge von 40 Zentimetern und wiegen 2,1 Kilogramm.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 31.
Das Gefieder adulter Vögel ist überwiegend rosa-weiß, die Flügeldecken sind rot und die Hand- und Armschwingen schwarz. Die Beine sind bei völlig ausgewachsenen Rosaflamingos vollkommen rosa. Der Schnabel ist rosa mit scharf abgegrenzter schwarzer Spitze. Form und Ausdehnung dieser Schwarzfärbung ist individuell unterschiedlich. Es wird für möglich gehalten, dass Jungvögel ihre Elternvögel an der Form der schwarzen Schnabelspitze erkennen können.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo. 2007, S. 161.
Dunenjunge und Entwicklung zum Alterskleid Das Dunenkleid frisch geschlüpfter Rosaflamingos ist kurz und dicht. Die Körperoberseite ist hellgrau und die Körperunterseite ist weißlich. Die Zügel sind nackt. Sie haben zu diesem Zeitpunkt eine Körperlänge von etwa 22,5 Zentimetern und wiegen zwischen 73 und 98 Gramm.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 159. Nach etwa vier Wochen entwickelt sich ein zweites, dann dunkelgraues Dunenkleid. Das erste Jugendkleid entwickelt sich ab der sechsten Woche. Die Beine der Küken sind zunächst sehr kurz, wodurch die Jungen an Gänseküken erinnern. Bis zum Ende der zweiten Lebenswoche ist der Schnabel noch kurz und gerade. Erst dann beginnt er sich nach unten zu krümmen. Der Schnabel ist zunächst leuchtend rosa mit einer schwarzen Spitze, später wird er matter und grau.Collin Harrison, Peter Castell: Jungvögel, Eier und Nester der Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens. 2. Auflage. Aula, Wiebelsheim 2004, ISBN 3-89104-685-5, S. 57.
Das für adulte Individuen typische Federkleid wird erst nach mehreren Jahren erreicht. Jungvögel und subadulte Vögel unterscheiden sich durch eine Reihe von Merkmalen von den vollkommen ausgewachsenen Vögeln. Die kräftig rosafarbenen Beine entwickeln die meisten Rosaflamingos erst im 40. Lebensmonat. Jungvögel haben schwarze oder graue Beine, erst ab dem 20. Lebensmonat zeigen sich erstmals rosafarbene Töne auf den Beinen. Ein ähnliches Altersmerkmal ist die Schnabelbasis. Bis zum Alter von 15 Monaten ist diese frei, ab ca. dem 35. Lebensmonat ist sie blass rosa und ab dem 40. Lebensmonat kräftig rosa.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 25.
mini|Rosaflamingo (im Jugendkleid)
Mauser Die Mauser des Rosaflamingos ist noch nicht abschließend untersucht. Nach jetzigen Erkenntnissen kann sich der Mauserverlauf jedoch von Population zu Population stark unterscheiden.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 26. Unterschiede gibt es unter anderem bei der Mauserfrequenz oder darin, ob es sich um eine Vollmauser oder eine allmähliche Mauser des Gefieders handelt. Es ist auch noch nicht abschließend untersucht, wie die Mauser von der Fortpflanzungszeit beeinflusst wird.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 27.
In der gemäßigten Klimazone fällt die Schwingenmauser in den Sommer. Eine Vollmauser würde zu einer Flugunfähigkeit von bis zu vier Wochen führen. Diese Form der Mauser ist nur solchen Populationen möglich, die ihre Nahrungsgründe nicht fliegend erreichen müssen. Solche Bedingungen bieten unter anderem der Tengizsee in Kasachstan und der Urmiasee im Iran. In der Camargue werden von den meisten Vögeln die Schwungfedern nacheinander gemausert, so dass ihre Flugfähigkeit erhalten bleibt. Für einen kleinen Teil der Population wird jedoch eine Mauser beobachtet, die zu einer zeitweiligen Flugunfähigkeit führt.
Stimme Der Ruf des Rosaflamingos ist ein gänseähnliches Tröten.
Flug links|mini|Rosaflamingo beim Start ohne Anlauf (Südafrika) mini|Flugbild Rosaflamingos müssen in der Regel mehrere Meter laufen, bevor sie sich in die Luft erheben können. Nur bei stärkerem Gegenwind können sie ohne Anlauf starten. Im Flug sind Hals und Füße ausgestreckt. Die Flughöhe ist abhängig von der Windrichtung. Bei Gegenwind fliegen sie häufig nur knapp über der Wasseroberfläche, bei Rückenwind dagegen fliegen sie in großer Höhe. In der Luft schlagen sie kontinuierlich mit den Flügen, nur landende Rosaflamingos gehen in einen Gleitflug über.
Verbreitung und Lebensraum Rosaflamingos kommen in tropischen oder gemäßigten Klimazonen unweit der großen Wüsten dieser Welt vor. Ihre Verbreitung ist stark von der Verfügbarkeit von Nahrung abhängig. Sie sammeln sich in Brackwasser, Salzgewässern oder alkalinen Gewässern, wo sich die nur wenigen Arten der Wirbellosen, die sie fressen, in großer Zahl vermehren. Diese Gewässer werden typischerweise saisonal trocken, da sie sich in offenen Landschaftstypen wie Wüsten oder Steppen mit einer hohen Verdunstungsrate befinden und typischerweise in einer Klimazone liegen, wo der geringe Niederschlag zwischen Herbst und Frühling fällt.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 69. Während Dürreperioden ziehen die Flamingos zu permanenteren Gewässern wie beispielsweise Küstengewässern.
Verbreitungsgebiet weltweit mini|Rosaflamingos auf Sizilien mini|Rosaflamingos in der Camargue mini|Rosaflamingos an der Algarve mini|Rosaflamingo im Zwillbrocker Venn mini|Rosa- und Zwergflamingos am Nakurusee in Kenia Das Verbreitungsgebiet des Rosaflamingos erstreckt sich vom Mittelmeerraum nach Osten über den Südwesten Asiens mit Kasachstan im Norden und Indien sowie Sri Lanka im Osten als Verbreitungsgrenzen. Sie kommen entlang der Küstengebiete des Persischen Golfs und von Äthiopien entlang des Rift Valleys bis in den Süden Afrikas vor. Ihr Vorkommen umfasst Madagaskar und reicht in westlicher Richtung bis nach Botswana und Namibia. Im tropischen Westafrika sind Rosaflamingos seltener, da es hier an geeigneten Habitaten fehlt. Vorkommen finden sich lokal in den Küstenregionen von Senegal, Sierra Leone, Liberia, Niger, Kamerun, Gabun und der Republik Kongo, die größten Vorkommen finden sich jedoch in Mauretanien, wo sie besonders häufig entlang der Banc d’Arguin sind. In den heißeren Regionen Afrikas und den Golfstaaten sowie Pakistan und dem Nordwesten Indiens ist der Rosaflamingo häufig mit dem Zwergflamingo vergesellschaftet. Im Rift Valley sind die Bestandszahlen des Zwergflamingos normalerweise größer als die des Rosaflamingos.
Die Zoologen Alan Johnson und Frank Cézilly argumentieren, dass aufgrund neuer Daten über die Wanderungsbewegungen von Rosaflamingos sich drei Subpopulationen unterscheiden lassen, die miteinander ständig in einem genetischen Austausch stehen. Dieses sind die Populationen im Westen des Mittelmeerraums und im Nordwesten Afrikas, die Populationen im Osten des Mittelmeerraums und im Südwesten Asiens sowie die Populationen im Osten und im Süden Afrikas.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 101.
Verbreitung in Europa In Europa finden sich Vorkommen des Rosaflamingos an der Atlantikküste Portugals (Mündungsbereich des Sado und des Tajo); kleinere Trupps werden weiter nördlich aber auch an der Atlantikküste Spaniens beobachtet. In Spanien finden sich die Hauptvorkommen im Bereich der Atlantikküste in den weiten Marschregionen vor Huelva, Sevilla und Cádiz, kleine Brutkolonien finden sich in Kastilien-La Mancha auch bis zu 200 Kilometer weit landeinwärts.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 70. Die wichtigste spanische Kolonie befindet sich im Naturschutzgebiet Laguna de Fuente de Piedra. Andere spanischen Vorkommen finden sich vereinzelt an der Mittelmeerküste (Cabo de Gata, Alicante und Mündungsgebiet des Ebro). Rosaflamingos sind auch regelmäßig auf den Balearen anzutreffen, allerdings immer in kleiner Zahl.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 71.
Entlang der französischen Mittelmeerküste werden alle geeigneten Marschgebiete von Rosaflamingos besiedelt, die bekanntesten Brutkolonien liegen in der Camargue. Auf Korsika kommen sie vereinzelt vor. Große Ansammlungen von Flamingos finden sich dagegen auf Sardinien; in den letzten Jahren wurden Rosaflamingos auch in Feuchtgebieten in der Toskana und an der Adriaküste in der Region Apulien beobachtet. An der östlichen Adriaküste kommen sie gelegentlich in Feuchtgebieten vom Süden Kroatiens bis nach Albanien und Griechenland vor. In Griechenland traten sie lange Zeit nur als Irrgäste auf, sie sind mittlerweile jedoch regelmäßig in großer Zahl auch in Nordmazedonien und Thrakien sowie auf den Ägäisinseln Kos, Samos, Lesvos, Limnos und Naxos am Ambrakischen Golf anzutreffen.Johnson und Cézilly: The Greater Flamingo, 2007, S. 71. Die Feuchtgebiete in der Nähe von Larnaka und Akrotiri, Zypern, sind für eine große Zahl von Rosaflamingos wichtige Stationen während des Winterhalbjahrs.
Wildlebende Rosaflamingos kommen in Deutschland seit 1986 im Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn an der Grenze zu den Niederlanden als Brutvögel vor. Dort wurden seit 1970 Flamingos verschiedener Arten gesichtet, wobei der erste Bruterfolg in das Jahr 1982 fiel. Die ersten Jungvögel des Rosaflamingos wurden dort im Jahre 1993 flügge. Während der Wintermonate halten sich die Flamingos in ihren Überwinterungsquartieren im Rhein-Maas-Delta in den Niederlanden auf. bei Biologische Station Zwillbrock.
Wichtige Verbreitungsgebiete außerhalb Europas