hochkant=1.4|mini|Luftaufnahme 2023 mini|hochkant|Johann Ernst zu Nassau-Weilburg: Unter seiner Herrschaft wurde das Schloss in seiner heutigen Form vollendet. mini|Der Ostflügel des Hochschlosses bei Nacht von der Lahn aus gesehen mini|Blick von Osten auf Schlosskirche und Hochschloss oberhalb der Lahn Das Schloss Weilburg ist eine der bedeutendsten barocken Schlossanlagen in Hessen. Auf einer Länge von 400 Meter erhebt es sich auf der Ostflanke eines zum Taunus gehörenden Bergspornes über der Lahn und bedeckt fast die Hälfte der Fläche der Weilburger Altstadt. Das 1545 bis 1590 erbaute Hochschloss zählt zu den am besten erhaltenen Renaissanceschlössern in Hessen. Der barocke Ausbau wurde an dieses Hochschloss angepasst, so dass sich heute das Bild eines einheitlichen Gebäudekomplexes ergibt. Die Hauptphase des barocken Ausbaus erfolgte von 1701 bis 1721 unter Graf Johann Ernst von Nassau-Weilburg und seinem Landesbaumeister Julius Ludwig Rothweil. Das Schloss ist heute eine Liegenschaft der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen und kann als Museumsschloss im Rahmen von Führungen besichtigt werden.
Politische Bedeutung Ausschlaggebend für die Lage Weilburgs war die günstige Lage auf einem Berg, der zu drei Viertel von der Lahn umflossen wird. Der Berg besteht aus massivem Schalstein (Tuff), Diabas und Trachyt und befindet sich in der Nähe der Mündung der Weil in die Lahn. Der Berg erhebt sich bis zu 40 m über das Lahnniveau.
Bereits bei der ersten Erwähnung der Stadt Weilburg im Jahre 906 unter dem Namen „Wilineburch“ unterhielten die Konradiner hier ein „Castellum“. Dieses diente als ein Sitz der Gaugrafen des Niederlahngaus. Konrad der Ältere wurde 906 hier begraben. Sein Sohn, König Konrad I., gründete 913 das Walpurgisstift. Er starb am 23. Dezember 918 in Weilburg. Auf dem Totenbett soll der kinderlose Regent Heinrich I. zu seinem Nachfolger bestimmt haben („Weilburger Testament“).
Nach dem Aussterben der Konradiner gelangten der Ort und das Castellum Weilburg durch mehrere Schenkungen an das Bistum Worms. mini|Kupferstich der Stadtansicht von der Westerwaldseite von Matthäus Merian 1655 Seit dem 12. Jahrhundert befand sich Weilburg in der Hand der nassauischen Grafen, die anfänglich als Vögte des Bistums Worms fungierten. König Adolf von Nassau kaufte 1294 den Ort und die Herrschaft Weilburg und verlieh ihr Stadtrechte. Weilburg diente danach immer wieder als Residenz einer Linie des walramschen Hauses Nassau.
Unter Johann-Ernst von Nassau-Weilburg wurden umfangreiche Bauarbeiten am Schloss Weilburg ausgeführt. Die Grafschaft Nassau-Weilburg umfasste zu dieser Zeit ca. 57 Quadratmeilen. Im Jahre 1741 verlegte Karl August von Nassau-Weilburg seine Residenz nach Kirchheimbolanden, wobei das Weilburger Schloss jedoch der Regierungssitz blieb.
Mit dem Verlust der linksrheinischen Landesteile Nassaus 1801 wurde Weilburg noch einmal für kurze Zeit Residenzstadt. Fürst Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg residierte hier bis zu seinem Tod 1816. Sein Sohn Wilhelm zu Nassau residierte als Herzog von Nassau ab 1817 in Schloss Biebrich, Wiesbaden.
Herzog Adolph von Nassau durfte nach der preußischen Annexion Nassaus von 1866 das Schloss Weilburg als eine von nur vier seiner nassauer Immobilien behalten. Mit der Ernennung des entmachteten Herzog Adolphs von Nassau, bedingt durch den nassauischen Erbfolgevertrag, wurde er 1890 zum regierenden Großherzog von Luxemburg. Somit ging Schloss Weilburg in Luxemburger Besitz über. Im Jahr 1935 verkaufte die regierende Großherzogin Charlotte von Luxemburg das Schloss an den Preußischen Staat. Als dessen Rechtsnachfolger ist das Land Hessen seit 1945 Eigentümer. Der bereits 1905 verstorbene Großherzog Adolph von Luxemburg, Herzog von Nassau wurde entsprechend seinem eigenen Wunsch zunächst in der Familiengruft auf Schloss Hohenburg (Lenggries/Bayern) beigesetzt. Als das Großherzogtum Luxemburg auch dieses Schloss verkaufte, wurde er 1953 in die Fürstengruft der Weilburger Schlosskirche umgebettet.
Bauentwicklung Von dem „Castellum“ der Konradiner sind keine Bauspuren mehr vorhanden.
Unter Graf Johann I. von Nassau wurde um 1355–1359 eine neue Burg auf dem Bergsporn angelegt. Etwa 1359 bis 1369 wurde auch um die entstehende Stadt eine Stadtmauer errichtet, von der noch ein runder Wehrturm im Schlossgarten erhalten geblieben ist.
Unter Philipp III. von Nassau-Weilburg wurde um 1545 mit den Bauarbeiten am Hochschloss begonnen. Ursprünglich wurde der Ostflügel als einzelnes Wohnhaus über dem Palas der Burg errichtet. Später wurden West-, Süd- und Nordflügel ergänzt und das Schloss beständig umgebaut. Gleichzeitig mit dem Bau des Schlosses wurde eine Wasserleitung von der Westerwaldseite zum Schloss angelegt.
Die wichtigste Schlosserweiterung erfolgte unter Graf Johann-Ernst. Mit der ersten Bauordnung für die Stadt Weilburg wurde 1699 hierzu die notwendige Grundlage geschaffen. Ab 1703 wurde Julius Ludwig Rothweil mit der Bauleitung beauftragt. Die Bauarbeiten erweiterten das Schloss in alle Richtungen. Nach Norden wurde der Viehhof ergänzt, in dem die Schlossverwaltung untergebracht wurde. Im Westen wurde mit der Rentkammer und der neuen Kanzlei die Landesverwaltung im Schlosshof gebündelt. Im Süden wurden das Rathaus und die Kirche neu errichtet und in das Schloss integriert sowie die ausgedehnten Gartenterrassen angelegt. Auf der Baustelle sollen mehr als 720 Arbeiter und 41 Soldaten gearbeitet haben.
Gleichzeitig mit dem Ausbau des Schlosses wurde die Bebauung des Marktplatzes erneuert, die Vorstadt angelegt und eine umfangreiche Wasserversorgung errichtet. Weiterhin wurden unter Johann-Ernst die Wirtschaftshöfe Windhof und Wehrholz erneuert und die Alleen Limburger- und Frankfurter Straße angelegt.
Der Schlossbau führte zu so massivem Holzeinschlag in den Weilburger Wäldern, dass Fürst Karl August in der Bauordnung vom März 1734 die Verwendung von Bauholz stark einschränkte. Durch diese Maßnahme entwickelte sich Weilburg zu einem Zentrum des Stampflehmbaus.
Nach dem Ausbau unter Johann-Ernst erfolgten nur noch geringe Erweiterungen. Nördlich des Marstalls wurde 1743 bis 1746 noch die Heuscheune errichtet. Zwischen 1759 und 1763 wurde unterhalb des Schlossgartens das Landtor als repräsentativer Zugang zur Stadt von der Frankfurter Straße errichtet.
Zwei Ausbaukonzepte für das Schloss aus der Mitte des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts wurden nicht umgesetzt, sodass heute noch das barocke Schloss erhalten ist.
Seit 1998 heißt der Platz um das Landtor „König-Konrad-Platz“. Er wurde im Zuge der Teilortsumgehung Weilburg, Verkehrsfreigabe 2004, deutlich vergrößert.
Baubeschreibung hochkant=1.3|mini|Grundriss des Schlosses nach Luthmer 1907 Die äußere Form der Schlossanlage ist durch die Lage auf dem Weilburger Bergsporn bestimmt. Sie weist nicht wie andere Renaissance-Schlösser die Orientierung an einheitlichen Achsen aus.
Die Schlossanlage geht in der heutigen Form im Wesentlichen auf Julius Ludwig Rothweil zurück. Dieser gestaltete von 1702 bis 1721 das Schloss im Auftrag von Graf Johann Ernst zu einer Residenz im barocken Stil um. Die Bauarbeiten wurden schon vor der Berufung dieses bekannten Baumeisters begonnen. Das alte Hochschloss blieb im Wesentlichen erhalten, und die neuen Gebäude wurden um dieses herum errichtet.
Das gesamte Schloss weist eine einheitliche schlichte Fassade auf. Alle Gebäudeteile, einschließlich der Schlosskirche, haben einfache sandfarben verputzte Außenwände und sandsteinrot gefasste Fassadenelemente. Mit diesen sollten die Neubauten gestalterisch an das alte Hochschloss angepasst werden. Diese Außengestaltung entspricht der des 16. Jahrhunderts.
Hochschloss mini|Kupferstich des Hochschlosses Weilburg von Matthäus Merian 1655 vor dem Ausbau durch Johann Ernst zu Nassau-Weilburg mini|hochkant|Der Löwenbrunnen an seinem heutigen Standort im Schloßhof
Das Zentrum des Komplexes bildet die unregelmäßige Vierflügelanlage des Hochschlosses. Dieses wurde in mehreren Bauabschnitten errichtet. Der viereckige Innenhof des Hochschlosses ist wegen seiner besonderen Akustik im Sommer der Veranstaltungsort der Weilburger Schlosskonzerte. Hierher wurde im Jahr 1935 auch der Löwenbrunnen versetzt. Der 1704 errichtete Brunnen befand sich vorher am Marstall im Viehhof.
Ostflügel Der Ostflügel, auch Lahnflügel genannt, ist der älteste Gebäudeteil des heutigen Schlosses. Von 1533 bis 1539 wurde der Palas der alten Burg durch einen Wohnbau mit vorgelagertem Treppenturm ersetzt. Anfänglich wurde ein einfacher zweigeschossiger Wohnbau von Baumeister Nikolaus Schickedanz aus Frankfurt errichtet. In den Jahren 1661/1662 wurde der Ostflügel um eine Etage aufgestockt und der Treppenturm auf die heutige Höhe gebracht.
Die repräsentativen Wohnräume im Obergeschoss sind durch das höher gelegene Portal am Treppenaltan zu erreichen. Am Portal ist das Allianzwappen Philipps III. von Nassau-Weilburg und der Amalie von Isenburg-Büdingen angebracht.
Süd- und Westflügel Der Süd- und der Westflügel wurden in den Jahren 1540–1545 errichtet und ergänzten den Ostflügel zu einer nach Norden offenen Dreiflügelanlage. Baumeister dieser Erweiterung war der aus Heilbronn stammende Balthasar Wolff.
Der Südflügel enthielt im Erdgeschoss Wirtschaftsräume und repräsentative Festräume im Obergeschoss. Ursprünglich waren diese Räume auch über eine Außentreppe zu erreichen was noch heute durch deren Kragsteine im freigelegten Außenputz sichtbar ist. Im Westflügel waren im Erdgeschoss die Tordurchfahrt, die Wache und der Marstall untergebracht. Das Obergeschoss beherbergt weitere Wohnräume.
In den Jahren 1567–1572 wurde für den Westflügel der Stadtpfeiferturm als Treppenturm errichtet. An seinem Portal ist das Allianzwappen von Albrecht von Nassau-Weilburg und seiner Frau Anna Amalie von Nassau-Dillenburg zu erkennen. In der Turmkammer befand sich die Wohnung des Stadtpfeifers, der für die Musik in der Stadt verantwortlich war und zugleich die Aufgabe eines Türmers wahrnehmen musste.
Nordflügel mini|Arkadengang im Innenhof des Hochschlosses (Nordflügel)
Der Nordflügel des Hochschlosses wurde 1570–1572 errichtet. Hierzu beauftragte Graf Albrecht von Nassau-Weilburg den Baumeister Ludwig Kempf. Als einziger der Flügel des Hochschlosses weist der Nordflügel eine regelmäßige Fassadenstruktur aus Zwerchhäusern, Erkertürmen und Fensterbahnen auf.
Die Innenseite des Nordflügels erhielt 1572/1573 einen Arkadengang aus ionischen Marmorsäulen im Erdgeschoss. Der darüber liegende Gang im Obergeschoss wurde 1590 geschlossen und wird seitdem als „hölzerner Gang“ bezeichnet. Gleichzeitig wurde die Fassade mit den korinthischen Säulen versehen.
Zwischen 1580 und 1590 wurde mit dem „Grünen Bau“ die Anlage geschlossen. Dieser befindet sich zwischen dem Nord- und dem Ostflügel. Im späten 18. Jahrhundert wurde er zum Küchenstubenbau ausgebaut und erhielt die heutige Form.
Innenausstattung Trotz mehrfacher Umbauten im Inneren des Schlosses sind teilweise Ausmalungen aus der Barockzeit erhalten geblieben. Ein großer Teil dieser Malereien stammt von Georg Friedrich Christian Seekatz. Die Stuckarbeiten stammen von Andrea Gallasini.
Nachdem das Schloss 1935 an den Staat Preußen übergegangen war, wurde ein museales Konzept für das Hochschloss erarbeitet. Ein Problem ergab sich aus dem Umstand, dass das Schloss fast ohne Einrichtung übergeben wurde. Die vorherige Besitzerin, seinerzeit die regierende Großherzogin Charlotte von Luxemburg hatte vor dem Verkauf große Teile der Einrichtung nach Luxemburg bringen lassen. So mussten aus anderen Schlössern (Kassel-Wilhelmshöhe, Wilhelmsthal, Bad Homburg) Möbel nach Weilburg gebracht werden und zum Teil nach historischen Beschreibungen rekonstruiert werden.