Die ArmeeArmee und Großherzogliche Polizei bilden in Luxemburg gemeinsam die sogenannte Öffentliche Macht () im Sinne des ersten Artikels des Gesetzes über die Organisation des Militärs vom 23. Juli 1952. Luxemburgs () umfasst die Streitkräfte des Großherzogtums Luxemburg. Sie besitzt eine ca. 900 Mann starke, ausschließlich leichtbewaffnete, Freiwilligenarmee. Die luxemburgische Armee ist in ein Infanteriebataillon mit zwei Aufklärungskompanien gegliedert. Mit einer dieser beiden Kompanien beteiligt sich Luxemburg am Eurokorps.

Obwohl ein Bataillon üblicherweise von einem Bataillonskommandeur, meist im Rang eines Oberstleutnants, seltener dem eines Majors, geführt wird, führt der luxemburgische Kommandeur trotz der geringen Truppenstärke seit dem 1. Februar 2013 den Rang eines Generals.

Übersicht Die Armee Luxemburgs ist in die NATO integriert und im Rahmen ihres verfassungsmäßigen Auftrages organisiert und ausgebildet. Der Wehrdienst ist freiwillig; seine Ableistung erleichtert allerdings den Zugang zu einer Laufbahn im Staatsdienst (z. B. Polizei, Zoll, Strafvollzug). Trotz geringer Kapazitäten beteiligt sich Luxemburg an internationalen Friedensmissionen auf dem Balkan (NATO-Einsatz KFOR im Kosovo, EUFOR in Bosnien-Herzegowina oder EU-Einsatz in Mazedonien) sowie an der ISAF-Mission in Afghanistan mit zwölf Soldaten.Luxemburg rüstet auf In: Luxemburger Wort. 16. April 2018. Außerdem ist Luxemburg an den UN-Missionen im Libanon, Sudan und im Kongo beteiligt.

Zur solidarischen Unterstützung Frankreichs nach den Terroranschlägen in Paris im November 2015 hatte Luxemburg im gleichen Jahr angekündigt, seine Streitkräfte in Mali zu verdoppeln, nämlich von einem auf zwei Soldaten. Dies hat für internationalen Spott gesorgt.

Die Organisation der Luxemburgischen Armee geht auf das Gesetz vom 29. Juni 1967 zurück. Eigene Marine und Luftwaffe besitzt Luxemburg nicht, arbeitet jedoch sicherheitspolitisch eng mit seinem Nachbarland Belgien zusammen. Die luxemburgischen Streitkräfte haben ein Airbus-A400M-Militärtransportflugzeug bestellt; dieses sollte jedoch – weil es sich nicht lohnen würde, einen militärischen Bereich am Luxemburger Flughafen einzurichten – in Brüssel stationiert und vom NATO-Mitglied Belgien gewartet werden. Zwischenzeitlich stand das gesamte Projekt vor einem möglichen Totalausfall.

Im Augenblick sind drei Transportpiloten im „15ième Wing“ der belgischen Luftstreitkräfte bei Melsbroek integriert, insgesamt wurden sechs Piloten ausgebildet. Das Transportflugzeug A400M wurde im Oktober 2020 ausgeliefert und kostet 196 Millionen Euro. Die geplante Lebensdauer beträgt 35 Jahre und zusätzlich werden pro Jahr etwa 12 Millionen Euro aufgewendet, so dass das Projekt rund 620 Millionen Euro kosten wird. Das Flugzeug ist in Melsbroek (Belgien) stationiert und wird sowohl für zivile wie militärische Zwecke zur Verfügung stehen.

mini|hochkant|Leitwerk einer AWACS-Boeing mit Luxemburger Kennzeichen

Die Aufklärungsflugzeuge der NATO vom Typ E-3A Sentry (AWACS) sind in Luxemburg registriert, weil Luxemburg sich ebenfalls an dem Projekt des Verteidigungsbündnisses beteiligen wollte, aber kein Personal stellen konnte.

Der Verteidigungshaushalt betrug im Jahr 2004 rund 208 Millionen Euro oder 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Luxemburgs ehemaliger Armee-Chef Michel Gretsch hob am 2. Mai 2014 hervor, dass man die militärische Bedeutung Luxemburgs nicht überschätzen dürfe. Er habe bei einer Gelegenheit festgestellt, dass Luxemburg aus US-Sicht als Teil des Saarlands gegolten habe. Luxemburg habe sich dies selbst zuzuschreiben: „Hier wurde immer nur von der Nato profitiert. Wir galten als Schmarotzer.“

Voraussetzungen zur Rekrutierung Um sich in der luxemburgischen Armee verpflichten zu können, muss man folgende Voraussetzungen erfüllen:

Die luxemburgische Staatsangehörigkeit oder die eines anderen EU-Mitgliedstaates besitzen und mindestens drei Jahre in Luxemburg wohnhaft sein. Zwischen 18 und 26 Jahren alt sein. Keine Krankheiten oder Behinderungen haben, die nicht mit dem Militärdienst zu vereinbaren sind. Die nötigen intellektuellen, moralischen und physischen Fähigkeiten besitzen.

Geschichte Miliz Die erste luxemburgische Armee entstand in Form einer Miliz am 8. Januar 1817 auf Anordnung durch Wilhelm I., König der Niederlande und erster Großherzog Luxemburgs. Die Miliz mit einer Stärke von rund 3.000 Mann musste bis 1840 ihren Dienst in der Niederländischen Armee leisten. Das erste Jahr der fünfjährigen Wehrpflicht umfasste einen ganzjährigen aktiven Dienst, wohingegen der Wehrpflichtige die folgenden vier Jahre lediglich für drei Monate mobilisiert wurde.

Während der belgischen Revolution (1830–1839) wurde die Wehrpflicht nicht angewandt.

Bundeskontingent (1841–1867) Das Bundeskontingent als Teil des Bundesheeres des Deutschen Bundes bestand in der Zeit, als Luxemburg zum Deutschen Bund gehörte. Nach dem preußischen Sieg im Deutschen Krieg von 1866 löste sich der Deutsche Bund auf und Frankreich versuchte Luxemburg zu annektieren. Das entfachte die Luxemburgkrise, die 1867 mit dem 2. Londoner Vertrag endete und in der Luxemburg für immer neutral erklärt und die Deutsche Bundesfestung Luxemburg geschleift wurde.Isabelle Yegles-Becker, Michel Pauly: Le démantelement de la forteresse. In: Der Luxemburg Atlas [sic] – Atlas du Luxembourg Köln 2009.

Jägerkorps (1867–1881) Am 10. September 1867 wurde durch einen Erlass des Großherzogs ein Jägerkorps (Corps de Chasseurs Luxembourgeois) gegründet, das eine Stärke von 1.568 Mann aufwies. Im Jahre 1881 erfolgte die Auflösung der Miliz.

Gendarmerie- und Freiwilligenkorps (1881–1940) mini|Das Luxemburger Korps der Gendarmen und Freiwilligen, um 1910 Am 16. Februar 1881 wurde das Corps des Gendarmes et Volontaires gegründet, was als Geburtsstunde der heutigen Luxemburger Armee gilt. Es umfasste anfangs eine Kompanie Gendarmen (125 Mann) und eine Kompanie Freiwilliger (250 Mann) sowie neun Offiziere. Obwohl Luxemburg während des Ersten Weltkrieges offiziell neutral war, dienten viele Luxemburger als Freiwillige in der französischen Armee. Im Jahre 1940 umfasste die Armee 13 Offiziere, 255 Gendarmen und 425 Freiwillige.

Situation im Zweiten Weltkrieg Bei der Invasion am 10. Mai 1940 stießen die deutschen Truppen auf keinen nennenswerten Widerstand, da die Luxemburger Freiwilligenkompanie in der Kaserne geblieben war. Aufgrund der enormen militärischen Überlegenheit des Gegners hätte sie ohnehin nichts ausrichten können.

Während des Krieges wurden 11.160 Luxemburger Zwangsrekrutierte (Zwangsrekrutéierten) völkerrechtswidrig zum Kriegsdienst in der Wehrmacht verpflichtet.Norbert Haase: Von « Ons Jongen », « Malgré - nous » und anderen - Das Schicksal der ausländischen Zwangsrekrutierten im Zweiten Weltkrieg. PDF, Vortrag an der Universität Strassburg am 27. August 2011. Von ihnen entzogen sich 3.510 dem Militärdienst, 2.848 wurden getötet und 96 blieben vermisst.

Viele junge Luxemburger schlossen sich den luxemburgischen, französischen und belgischen Untergrundbewegungen an. Die Aktionen beschränkten sich dabei hauptsächlich auf eine psychologische Kriegsführung und weniger auf bewaffneten Widerstand. Das Hauptverdienst der Bewegungen, welches nicht unterschätzt werden sollte, war die moralische Unterstützung der Bevölkerung etwa durch Verteilen von Flugzetteln oder Wandmalereien, aber auch das Verstecken von Wehrdienstverweigerern und anderen Verfolgten.

mini|Luxemburger Exil-Truppen beim Exerzieren, England 1943 Zudem gab es viele Luxemburger, die mithilfe von Schleusern außer Landes gebracht wurden und sich nach England durchschlagen konnten. Da Luxemburg keine eigenen Streitkräfte besaß, mit denen man gegen die Deutschen kämpfen konnte, schlossen sich die luxemburgischen Freiwilligen hauptsächlich der belgischen Brigade Piron an. Am 31. März 1944 wurde zudem ein extra für Luxemburger eingerichtetes Peloton geschaffen. Die 350 Luxemburger, die in britischer Uniform in der Brigade dienten und kämpften, beteiligten sich an der Befreiung Luxemburgs.

Auch der spätere Großherzog Jean nahm als Soldat an der Befreiung teil. Nachdem er an der kanadischen Universität Laval (Québec) studiert hatte, trat er am 29. November 1942 in das britische Regiment der „Irish Guards“ ein und war als aktiver Soldat an der Befreiung des Kontinents beteiligt. Am 11. Juni 1944 landete er in der Normandie und beteiligte sich an der Schlacht um Caen und der Befreiung Brüssels. Am 10. September 1944, dem Tag der Befreiung der Stadt Luxemburg, wurde Jean nach Luxemburg abkommandiert, wo er am Nachmittag von der Bevölkerung begeistert empfangen wurde. Kurz vor Ende des Krieges diente er in einer Einheit, die Arnheim befreite und in der Ardennenoffensive mitkämpfte.

Nachkriegszeit Die Wehrpflicht wurde in Luxemburg auf großherzoglichen Beschluss am 30. November 1944 eingeführt. In der Nachkriegszeit umfasste die Armee ca. 2.500 Soldaten, während im Kriegsfall eine theoretische Stärke von 25.000 Mann zur Verfügung stehen sollte. Sie bestand aus einer Infanterieabteilung mit fünf Infanteriebataillonen, einer Artillerieabteilung mit 24 Geschützen und der Großherzoglichen Garde. Luxemburg war Gründungsmitglied der NATO.

Zwischen 1950 und 1953 beteiligte sich Luxemburg mit 85 Freiwilligen am Koreakrieg. Das erste Freiwilligenkontingent nach Korea unter Joseph Wagener wurde am 2. Oktober 1950 vom luxemburgischen Prinz Félix im Rahmen einer feierlichen Zeremonie im Kasernenhof des Heilig-Geist-Plateaus verabschiedet. Rodolphe (Rudy) Lutty war der Kommandant des zweiten Luxemburger Kontingents (42 Mann).Claude Karger: , Webseite: journal.lu vom 23. Juni 2015. Der Koreakrieg war bislang der einzige Krieg, an dem die Luxemburger Armee nach dem Zweiten Weltkrieg aktiv teilgenommen hat., Webseite: cgfp.lu. In Dongducheon steht ein Kriegsdenkmal zu Ehren der belgischen und luxemburgischen Soldaten im Koreakrieg. Insgesamt sind von diesem belgisch-luxemburgischen Kontingent 97 Menschen gestorben, fünf werden vermisst und 350 wurden verwundet. Im August und September 1952 sind zwei Mitglieder des zweiten luxemburgischen Kontingents, Caporal Roger Stutz († 22. August 1952) und Sergeant Robert Mores († 26. September 1952), getötet worden. Insgesamt wurden 17 luxemburgische Soldaten im Koreakrieg verletzt.

Bis 1955 waren Luxemburger Soldaten als alliierte Besatzungstruppe in und bei Bitburg in Westdeutschland stationiert. Zum Jahr 1967 wurde der obligatorische Militärdienst abgeschafft und durch eine Freiwilligenarmee ersetzt, die bis heute besteht. Dabei wurde auch die Großherzogliche Garde am 28. Februar 1966 offiziell aufgelöst.Willy Bourg, André Muller: „Eis Garde“ Die Geschichte der Großherzoglichen Garde (1945-1966) im Rahmen der luxemburgischen Pflichtarmee. Sankt-Paulus-Druckerei A.G., Luxemburg, 1990.

Aktuelle Gliederung

Armee Die luxemburgische Armee besteht aus vier Kompanien, die einem Kommando namens Centre militaire unterstehen. Der Kommandeur der Armee führt trotz der geringen Truppenstärke seit dem 1. Februar 2013 den Rang eines Generals.

Die luxemburgische Armee verfügt über ein Infanteriebataillon, das in zwei Aufklärungskompanien (Compagnie A und Compagnie D) gegliedert ist. Mit einer dieser beiden Kompanien beteiligt sich Luxemburg am Eurokorps. Die Compagnie B umfasst Logistik, die Compagnie C bildet die Compagnie Commandement et instruction.

Luftkomponente Luxemburg verfügt nur über eine Armee und keine Luftwaffe. Lediglich 2 Airbus H145M der Polizei werden vom Militär mitgenutzt. Darüber hinaus sind die Aufklärungsflugzeuge des NATO Airborne Early Warning and Control Programme Management Organisation (NAPMO) vom Typ E-3A Sentry (AWACS) in Luxemburg registriert, weil Luxemburg sich an dem Projekt des Verteidigungsbündnisses beteiligen wollte.

Zusammenarbeit der Beneluxstaaten