Das Dorf Ferch, wenige Kilometer südwestlich der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam gelegen, ist ein OrtsteilAuflistung als Ortsteil von Schwielowsee im Kommunalverzeichnis Brandenburg; abgerufen am 5. Mai 2026 der Gemeinde Schwielowsee im Landkreis Potsdam-Mittelmark.
Geografie Geografische Lage mini|Schwielowsee bei Ferch
Ferch liegt am Südende des Schwielowsees am Rand der Zauche, einer hügeligen, waldreichen Moränenlandschaft. Die höchste Erhebung Ferchs und gleichzeitig der Zauche bildet mit der Wietkiekenberg.
Geologie Das am Südufer des Schwielowsees liegende Gebiet erhielt während des „Brandenburger Stadiums“, der maximalen Ausdehnung des Inlandeises der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren, seine Oberflächenstruktur. Aufgrund der Vollständigkeit sämtlicher zu jener Zeit entstandener geomorphologischer Formentypen auf engstem Raum gehört es zu den elf unter Geotopschutz stehenden „hervorhebenswerten Glaziallandschaften“ Brandenburgs. So finden sich im Raum Ferch alle typischen landschaftlichen Elemente der flachwelligen Grundmoränenplatten (Glindower Hochfläche), der hügeligen Endmoränen (Kames, Fercher Berge), spätglazial aufgewehte Dünenpartien (Kaniner Tal) und schwach geneigte Sander- und Talsandflächen (Beelitzer Sander und Talsandterrassen des Kaniner Tals), die von Rinnen und Tälern unterbrochen werden. Durch die ausschürfende Wirkung des Eises wurde die südlich anschließende „Fercher Rinne“ mit den umgrenzenden Steilrändern ausgebildet. Der Schwielowsee selbst verdankt als glaziales Zungenbecken seine Entstehung diesem maximalen Eisvorstoß der Brandenburger Eisrandlage.
Der Wietkiekenberg 1,5 km südöstlich von Ferch ist eine gebietstypische Stauchmoräne und mit 125 m die höchste Erhebung Mittelbrandenburgs. Von den Bodentypen nehmen Braunerden aus eiszeitlichen Schmelzwassersanden auf dem „Beelitzer Sander“ und in den „Fercher Bergen“ die größte Fläche ein. Sandrohböden und Braunerden aus Dünen- und Talsanden sind im „Kaniner Tal“ weit verbreitet. Fahlerden und Parabraunerden aus Sanden über Geschiebelehm bzw. Geschiebemergel beschränken sich auf die „Glindower Platte“ und ihre Ränder. Die gering verbreiteten Nassböden kommen auf Flusssanden am Schwielowseeufer vor, auf Torfen im Bereich der Kessel- und Rinnenmoore.
Das Mühlenfließ, ein in der „Fercher Rinne“ verlaufender Bach natürlichen Ursprungs, erinnert an die einstmals betriebene Wassermühle an der Straße Mühlengrund. Die zahlreichen feuchten Senken und Moore in den hügeligen Partien des Gebietes, wichtige erdgeschichtliche Archive zur Rekonstruktion der Landschafts- und Vegetationsgeschichte, sind seit den 1970er Jahren durch die benachbarten Brunnen der Potsdamer Wasserversorgung zunehmend ausgetrocknet und in ihrem Pflanzen- und Tierbestand gefährdet. Der Schwielowsee gehört mit Ferch zum „Potsdamer Havel- und Seengebiet“, dessen landschaftliche Schönheit sich dem UNESCO-Weltkulturerbe der Potsdamer Schlösser und Gärten anschließt, ergänzt durch die bekannte Malerkolonie um 1900 und die zunehmende touristische Erschließung seit jener Zeit.
Vegetation Mehrere Natur- und Landschaftsschutzgebiete, Naturdenkmale und zahlreiche historische Kulturlandschaftselemente sowie ein breites Spektrum von Biotoptypen sind hier anzutreffen. Als Teil der Zauche (von slaw. such, das trockene Land, d. h. vor allem der „Beelitzer Sander“) wurde das Gebiet vergleichsweise spät besiedelt. Erst mit dem hochmittelalterlichen Landesausbau setzte die intensive Nutzung und Überformung ein. Eine hervorragende Datengrundlage (sechs Pollendiagramme sowie umfangreiche Daten zur Landschafts-, Siedlungs- und Nutzungsgeschichte aus verschiedenen Quellensammlungen und Einzelpublikationen) ermöglicht die Rekonstruktion der spät- und nacheiszeitlichen natürlichen Waldentwicklung und der Veränderungen unter menschlichem Einfluss. Sie werden mit Profilschnitten und Vegetationskarten zu Früh-, Hoch-, Spätmittelalter und mittlerer Neuzeit veranschaulicht. Die neuzeitliche Entwicklung Ferchs ließ sich u. a. anhand historischer Karten in mehreren eigens erstellten Landschaftszustandskarten nachvollziehen.
Bis zum hochmittelalterlichen Landesausbau unterlag das Fercher Gebiet wie viele Teile Brandenburgs einer vorwiegend durch Böden, Klima und Relief geprägten nacheiszeitlichen Vegetationsentwicklung. Außerhalb der ur- und frühgeschichtlichen Siedlungsflächen herrschte die ursprüngliche natürliche Waldzusammensetzung. Nach Ausbreitung von Rot- und Hainbuche als letzten Einwanderern unter den einheimischen Baumarten herrschte in dieser laubholzreichsten Zeit des Frühmittelalters die Eiche in verschiedenen Waldtypen vor. Aufgrund von Nährstoffangebot und Wasserhaushalt der Böden und ihrer Reliefposition waren zehn verschiedene Waldtypen entstanden. Der Kiefern-Traubeneichen-Wald nahm auf den Talsand- bzw. Hochflächen, der Kiefernmischwald auf dem „Beelitzer Sander“ und im „Kaniner Tal“ den größten Flächenanteil ein. Auf bodensauren Standorten waren trockener und feuchter Stieleichen-Birken-Wald sowie Birken- bzw. Erlenbruchwald ausgebildet, letzterer insbesondere in der „Fercher Rinne“. Kühlfeuchte, nordwestlich exponierte Hänge und Hangfüße der „Fercher Berge“ besiedelte der Rotbuchen-Traubeneichen-Wald. Geringere Verbreitung hatten Wälder auf kalkhaltigen Standorten, vornehmlich trockener bis feuchter Eichen-Hainbuchen-Wald. Nur kleinflächig kam Erlen-Eschen-Wald in den gelegentlich überfluteten Niederungen vor.
Die heutige Vegetation ist dagegen ein Mosaik aus Forsten, Grünland und Mooren, jeweils in unterschiedlicher Ausprägung. Nach der aktuellen Biotoptypenkartierung wachsen auf den sandigen und trockenen Standorten, z. B. auf dem „Beelitzer Sander“, naturferne Kiefernforste mit unterschiedlicher Laubholzbeimischung aus Birke, Eiche, Robinie und selten Rotbuche, auf den nassen Standorten entlang der Wiesenniederung der „Fercher Rinne“ dehnen sich Erlenbruchwälder aus. Reste der Kiefern-Traubeneichen-Wälder gibt es z. B. in den „Fercher Bergen“. Dort zeugen außerdem noch erhaltene „Huteeichen“ von der ehemaligen Nutzung für Waldweide bzw. Schweinemast. Im Zuge eines Waldumbaus sind besonders im letzten Jahrzehnt kleinflächig verstärkt Laubholzarten wie Stieleiche eingebracht worden. Verschiedene nichteinheimische Baumarten sind heute in vielen Teilen des Gebietes am Waldaufbau beteiligt. Dabei tritt die ursprünglich für den Brandschutz an Waldrändern angepflanzte Robinie mittlerweile verstärkt als Mischbaumart auf. Die ebenfalls angepflanzte Rosskastanie besiedelt einige anspruchsvollere Standorte, z. B. in der „Fercher Rinne“, auf ehemals buchenfähigen Standorten. Teils aus Anpflanzung, teils aus deren Verjüngung kommen Lärche, Roteiche und Spätblühende Traubenkirsche vor. In jüngster Vergangenheit fand bei den Aufforstungen auch die Douglasie Verwendung.
Die nutzungsbedingten Veränderungen der Vegetation waren im 11. Jahrhundert noch auf den Umkreis der slawischen Siedlung Oberferch an der heutigen Ortslage „Alte Dorfstelle“ beschränkt. Nach der Gründung von Ferch und Kammerode hat die Waldnutzung bis zum Ende des Hochmittelalters um 1250 dagegen zu erheblichen Veränderungen in der Verteilung, Struktur und Zusammensetzung der Bestände geführt. Mit ausgedehnten Rodungen der vor allem als Haus- und Schiffsbauholz gefragten Eiche kam es zu großflächiger Verarmung des Kiefern-Traubeneichen-Waldes. Auch der Anteil der Rotbuche am Waldaufbau ging zurück, obwohl beide Baumarten in Form von freistehenden Einzelexemplaren mit ausladender Krone als Mastbäume für die Waldweide von Schweinen und Rindern dienten. Auf der „Glindower Platte“ war ein beträchtlicher Teil des Stieleichen-Hainbuchen-Waldes mit der intensiven Holznutzung und der Anlage von Äckern auf den Fahl- und Braunerden aus Geschiebelehm vernichtet worden. Im „Kaniner Tal“ und auf der westlich anschließenden Bliesendorfer Gemarkung führte die Freilegung der Böden zu Sandverwehungen größeren Ausmaßes (Jungdünenbildung) und zur Ausbildung von Sandtrockenrasen.
Die seit ca. 1230 an der Havel und später auch am Fercher Bach angelegten Mühlenstaue verursachten einen Grundwasseranstieg um etwa einen Meter, örtlich verstärkt durch den vermehrten Oberflächenabfluss auf den entwaldeten Standorten. In den Mooren nahm daher die Torfbildung zu, und in den Randzonen dieser und anderer Kleinsenken sowie der Gewässer verschoben sich die Übergänge hin zu grundwasserbeeinflussten Standorten und Waldtypen. So wandelte sich am Schwielowsee, am Fercher Bach und an den Mooren der feuchte Stieleichen-Birken-Wald zum Birken- oder Erlenbruchwald bzw. der trockene zum feuchten Stieleichen-Birkenwald. Als Folge der Agrarkrise (1350–1450), der Pest und des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) entstanden auf den nicht beweideten Bereichen der durch Ackerbau und Streunutzung nährstoffverarmten Böden Sekundärwälder, vorrangig aus Kiefer und Birke. Besonders gefördert wurden Eichen in dem zunehmend aufgelichteten Bestand des aus Kiefern-Traubeneichenwald entstandenen Hutewaldes während der mittleren Neuzeit (1650–1750). In den kiefern- und birkenreichen Sekundärwäldern trugen Köhlerei und Teerschwelerei bis in das 18. Jahrhundert zur flächenhaften Waldnutzung bei. Das Ergebnis dieses vom Menschen innerhalb eines Jahrtausends verursachten Vegetationswandels wurde deutlich.
Kulturlandschaft Für den Ort Ferch können zwei bedeutende Bauphasen ausgemacht werden: die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Dreißigjährigen Krieg und die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Tourismus in Ferch zunahm. Für die bauliche Substanz stellte der Dreißigjährige Krieg offenbar so etwas wie eine „Stunde Null“ dar. Die Huteeichen in der Ortslage Ferch und in den Fercher Bergen weisen ein Alter bis 500 Jahren auf. Sie stellen historische Kulturlandschaftselemente dar, die bereits vor den Kriegshandlungen des 17. Jahrhunderts existierten. Die Wiesennutzung in den Niederungsbereichen des Mühlengrunds und bei Mittelbusch hat es vermutlich ebenfalls bereits vor den Verwüstungen des Krieges gegeben.
Auch die Wegeführungen dürften schon vor dem Krieg bestanden haben und nach der Wiederbesiedlung weiter genutzt worden sein. Die Hohlwege gehören zu Wegverläufen, die bereits auf Kartenwerken vor 1839 verzeichnet sind. Einige sind eiszeitliche Abflussrinnen, die später als Wegstrukturen aufgegriffen wurden. Jedenfalls kommen Hohlwege in einer Häufigkeit vor, die sie zu einer typischen Erscheinung der Fercher Landschaft machen.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts nahm der Betrieb von Wind- und Wassermühlen, eine verstärkte Entwässerung von Niederungsgebieten, der Obstanbau und der Betrieb von Ziegeleien einen Aufschwung. Fast alle dieser Nutzungen haben Spuren in der Landschaft hinterlassen. Nur die Windmühle in der Nähe der Kirche an der Beelitzer Straße wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgerissen, und auch den Teerofen an der Dorfstraße gibt es nicht mehr. Die Gräben im Mühlengrund sind erhalten geblieben, auch wenn ihre ursprüngliche Funktion durch die abgesenkten Grundwasserstände der Potsdamer Wasserwerke nicht mehr gegeben ist. Das Gebäude der Wassermühle ist wie der Mühlengraben und der Mühlenteich erhalten geblieben. Auch steilrandige Tongruben der Ziegeleien gibt südlich des Ortsteils Neue Scheune (der Name bezieht sich auf die Ziegelscheune) und der Ortslage Ferch.
Der hohe Laubwaldanteil in den Fercher Bergen ist im Umkreis des Schlosses Caputh mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das 18. bzw. den Beginn des 19. Jahrhunderts zurückzuführen. Eine Verschönerung der Landschaft durch gezielte Anpflanzungen von Laubholzgruppen, insbesondere Eichen, wurde durch Peter Joseph Lenne vorgenommen, der 1820 den Garten des Schlosses Caputh im Zuge der Umsetzung des „Verschönerungsplans der Gegend um Potsdam“ umgestaltete. Aber schon im 18. Jahrhundert waren in vielen Waldgebieten die Eichenbestände so zurückgegangen, dass Friedrich II. (1740–1786) eine Wiederanpflanzung veranlasste.