mini|Sitz in Bozen Die Rundfunk-Anstalt Südtirol (abgekürzt RAS; , ) ist eine Einrichtung der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol in Italien zur Verbreitung von Hörfunk- und Fernsehsendern. Die aus dem Südtiroler Landeshaushalt finanzierte RAS produziert dabei keine eigenen Inhalte, sondern ist in erster Linie für die Ausstrahlung ausländischer Programme aus dem deutschen und alpenromanischen Kulturraum zuständig. Südtirol ist damit die einzige italienische Provinz mit einer eigenen öffentlichen Rundfunkanstalt.
Geschichte Nachdem die RAI 1957 mit der regulären Ausstrahlung eines Fernsehprogramms in italienischer Sprache begonnen hatte, versuchten deutsch- und ladinischsprachige Südtiroler, deutsche Fernsehprogramme aus dem Ausland zu empfangen und auszustrahlen. Dies geschah weitgehend unabgesprochen und oft mittels illegal von privater Hand errichteter Umsetzer- und Kabelanlagen. Wegen des damaligen Monopols der RAI in Italien wurden viele dieser Sendeanlagen allerdings im Auftrag des Post- und Kommunikationsministeriums beschlagnahmt. 1962 nahm sich erstmals die Politik des Problems an.
Das Zweite Autonomiestatut schuf die Voraussetzung für die reguläre Ausstrahlung ausländischer Sender auf italienischem Staatsgebiet. Im Februar 1974 übernahm die Provinz Südtirol 284 private Anlagen und unterzeichnete dazu Vereinbarungen mit den Rundfunkanstalten ORF, ZDF, SRG und ARD, die fortan ihre Programme Südtirol kostenlos überließen. Nach Frequenzzuweisungen wurde die RAS am 5. März 1975 per Landesgesetz als öffentlicher Rundfunkdienst der Provinz Südtirol gegründet.
Von 1975 bis 1980 erfolgte der Aufbau eines ersten provisorischen Sendernetzes, das von 1981 bis 1994 mit dem Bau eines dritten Netzes für ORF 2, dem Bau von Richtfunkverbindungen und der Verstärkung der Sendeleistung ausgebaut wurde. Fürs Radio startete 1997 ein Pilotprojekt zur Einführung von DAB. Fürs Fernsehen begann die RAS 2007 mit der Umstellung auf DVB-T, welche im November 2009 abgeschlossen werden konnte.
Die RAS begann im Mai 2010 mit der Ausstrahlung von HDTV-Programmen über den MPEG-4-Codec (zunächst ORF 1 HD, ORF 2 HD und ZDF HD). Zusätzlich wurden über den 4. Mux Arte, 3sat sowie der italienischsprachige Sender RSI LA 1 empfangbar. Im November 2012 konnten der Sender ORF III sowie die HD-Ableger von SRF 1, SRF zwei und Das Erste ins Programmangebot aufgenommen werden.
Zum 31. Jänner 2017 stellte die RAS auch die letzten Digitalradio-Programme auf den neuen Standard DAB+ um. Somit endete der seit 2008 andauernde Parallelbetrieb von DAB und DAB+. Mit der steigenden Verbreitung des Digitalradios wird DAB+ nach und nach auch die alten UKW-Sender ersetzen, Ende des Jahres 2017 wurde mit der Abschaltung erster kleinerer Anlagen begonnen.
Nachdem die RAS schon seit Längerem private Radiosender über ihre Ensembles verbreitet, begann sie 2021 auch mit der Ausstrahlung kleinerer regionaler Fernsehsender über ihre Kanäle. Am 21. Oktober 2021 wurde die Übertragung der ausländischen Sender in SDTV eingestellt, wodurch nun die deutschen, österreichischen und Schweizer Programme – gleichzeitig um ORF Sport + ergänzt – ausschließlich in HD empfangbar sind.
Ausgestrahlte Programme Die RAS betreibt ein flächendeckendes Netz für UKW, DAB+ sowie DVB-T mit 140 Senderstandorten in Südtirol.
Mit der App „Live TV der RAS • Südtirol“ kann man in Norditalien deutschsprachige Fernsehsender auch auf dem Handy empfangen. Das wäre sonst wegen des Geoblockings nicht möglich.Gwynn Nissen: Wenn Grenzen blockieren. In: Der Nordschleswiger. 26. Oktober 2025.
Fernsehen Die im Standard DVB-T mit der Kodierung MPEG-4 ausgestrahlten Programme erreichen 99,8 % der Südtiroler Bevölkerung. In der Liste unberücksichtigt bleiben die privaten Regionalsender. Nur in den unterversorgten Randgebieten werden für den Satellitenempfang ORF-Smartcards von der RAS vermittelt.Empfang der Fernsehprogramme des ORF. ras.bz.it
Logo Fernsehprogramm Übertragung Ausstrahlung in Südtirol seit Ausstrahlung in HD seit 60px 3sat DVB-T 2010 2021 70px Arte DVB-T 2010 2021 40px BR Fernsehen Süd DVB-T 2009 2021 90px Das Erste DVB-T 1988 2012 60px KiKA DVB-T 2009 2021 70px ORF 1 DVB-T 1975 2010 70px ORF 2 Tirol DVB-T 1988 2010 65px ORF III DVB-T 2012 2021 85px ORF Sport + DVB-T 2021 2021 60px RSI LA 1 DVB-T 2010 2021 60px ServusTV DVB-T 2023 2023 40px SRF 1 DVB-T 1988 2012 50px SRF zwei DVB-T 2005 2012 45px ZDF DVB-T 1975 2010 40px ZDFneo DVB-T 2009 2021
Radio Die DAB-Ensembles und UKW-Ketten erreichen 99,1 % (Ausnahme: Radio Rumantsch 12 %) der Südtiroler Bevölkerung. In der Liste unberücksichtigt bleiben die privaten Regionalsender.DAB Ensembles Alto Adige - Südtirol
Logo Radioprogramm Übertragung Ausstrahlung in Südtirol seit 120x40px Bayern 1 DAB+ 2003 120x40px Bayern 2 DAB+ 2004 120x40px Bayern 3 DAB+ 1997 25px BR Heimat DAB+ 2015 55px BR-Klassik DAB+ 1997 120x40px BR24 DAB+ 1997 100px Deutschlandfunk Kultur DAB+ 2008 100px Deutschlandfunk Nova DAB+ 2017 65px Die Maus DAB+ 2019 40px FM4 DAB+ 2004 30px Österreich 1 DAB+ / UKW 1980 75px Ö2 – Radio Tirol DAB+ / UKW 1976 40px Ö3 DAB+ / UKW 1976 75px Rai Radio 1 DAB+ 1997 75px Rai Radio 2 DAB+ 1997 75px Rai Radio 3 DAB+ 1997 75px 75px Rai Südtirol Rai Ladinia DAB+ 1997 80px Radio Rumantsch DAB+ / UKW 1989 30px Radio Swiss Classic DAB+ 2013 30px Radio Swiss Jazz DAB+ 2004 30px Radio Swiss Pop DAB+ 2013 40px RSI Rete Due DAB+ 2013
Mitbenutzung Die von der RAS errichteten Antennenträger und Sendeanlagen sollen ausdrücklich auch von anderen Rundfunkbetreibern sowie privaten und öffentlichen Funkdiensten mitgenutzt werden. Damit soll u. a. ein sogenannter „Mast-Wildwuchs“ vermieden werden.
Andere Tätigkeiten Die RAS wurde zeitweise auch mit anderen Projekten betraut, die zur Verbesserung der Grundversorgung durch Medien beitrugen. Dabei arbeitete sie mit anderen lokalen Telekommunikationsunternehmen zusammen.
Bisherige Projekte: Errichtung des Bevölkerungs-Informations-System (BIS) zur raschen Information der Bevölkerung in Katastrophenfällen Breitband 1. Los (Breitbandanbindung von 14 Gemeinden) Broadband 44 (Breitbandanbindung weiterer 44 Gemeinden) Mi-friends (Forschungsprojekt der EU zur Förderung von DMB) Abdeckung abgelegener Gebiete mit Mobil- und Datenfunk, die noch unterversorgt sind
Sendeanlagen mini|Eine Anlage der RAS auf dem Kronplatz mini|Eine Anlage der RAS bei Lajen Die RAS betreibt mit der RAI ein größtenteils flächendeckendes DAB+-, UKW- und DVB-T-Netz in Südtirol. Nachfolgend die Anlagen, die das Gebiet von Brixen zum Brenner abdecken: Sender Plose, Sender Albeins, Sender Franzensfeste, Sender Flans, Sender Freienfeld, Sender Eisacktal, Sender Gossensass, Sender Brenner Grundnetzsendeanlagen der RAS: Sender Plose, Sendeanlage Penegal (Hauptsender der RAS), Sender Mut, Sender Sankt Martin am Kofel, Sender Obervinschgau, Sender Freienfeld, Sender Kronplatz, Sender Luttach, Sender Meransen, Sender Innichen, Sender Sarnthein, Sender Kematen, Sender St. Gertraud, Sender St. Pankraz, Sender Grödental, Sender Grödnerjoch, Sender Abtei, Sender Enneberg, Sender Laag, Sender St. Leonhard in Passeier, Sender Hohe Scheibe Weitere Sendeanlagen Sender Welschnofen, Sender Kardaun, Sender Tiers, Sender Graun, Sender Langtaufers, Sender Melag, Sender Aberstückl, Sender Antholz Mittertal, Sender Asten, Sender Auen, Sender Durnholz, Sender Rosskopf, Sender Hühnerspiel
EU-geförderte Sendeanlagen Sender Schwemmalm, Sender Fennberg, Sender Matsch, Sender Rabenstein, Sender Jaufental, Sender Pfunders, Sender Schlinig, Sender Blossenberg
Literatur Bernhard Dorfmann: 25 Jahre Rundfunk-Anstalt Südtirol 1975–2000. Edition Rætia, Bozen 2000 (online).
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Einzelnachweise
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