mini|hochkant|Georg Kegel Georg Karl Wilhelm Kegel (* 22. September 1857 in Kassel; † 26. Dezember 1912 ebenda) war ein deutscher Architekt des Historismus.

Leben Georg Kegel war das achte von elf Kindern des Fotografen und Lithografen Georg Kegel senior (1821–1884), der 1849 in Kassel eine Lithografie-Werkstatt eröffnet und ein Photographisches Institut für Lichtbilder auf Papier und Daguerreotypie-Portraits gegründet hatte. Der Vater wurde geboren auf der damaligen Staatsdomäne Ziehers (rund einen Kilometer östlich von Fulda), auf der der Großvater Pächter war.Erwin Sturm: Baumeister des Historismus: Georg Kegel. In: Buchenblätter (Beilage der Fuldaer Zeitung), 69. Jahrgang 1996, Nr. 28 (vom 8. Oktober 1996), S. 109–111.

Nach dem Besuch des Lyceums Fridericianum in Kassel studierte Georg Kegel von 1874 bis 1878 an der Technischen Hochschule Hannover bei Conrad Wilhelm Hase und wurde dort 1876 aktives Mitglied der katholischen Studentenverbindung AV Gothia im KV.

1887 wurde er nach bestandenem zweiten Staatsexamen zum Regierungsbaumeister (Assessor in der öffentlichen Bauverwaltung) ernannt. Von 1888 bis 1893 war er Lehrer an der Baugewerkschule KasselSiegfried Koß, Wolfgang Löhr (Hrsg.): Biographisches Lexikon des KV. 7. Teil (= Revocatio historiae. Band 9). Akadpress, Essen 2010, ISBN 978-3-939413-12-7, S. 74., schied aber dann aus dem Staatsdienst aus und arbeitete bis zu seinem Tod freiberuflich in Kassel, nach 1900 gemeinsam mit dem Architekten August Ernecke.Architekturbüro Kegel und Ernecke im Haus Adolfstraße 1 in Kassel – nach zeitgenössischen Adressbuch-Einträgen Zahlreiche Studienreisen führten ihn nach Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Italien und Österreich.

Ein Sohn von Georg Kegel war der Architekt und Stadtplaner Sturm Kegel.

Wirken Georg Kegel entwarf als Architekt 24 katholische Kirchen und Kapellen im Gebiet des Bistums Fulda sowie zahlreiche Profanbauten. Er bevorzugte neugotische und neuromanische Elemente, aber auch Formen der Neorenaissance. Typisch waren seine streng an der Nutzung orientierten Entwürfe und die souveräne Kombination von traditionellen, heimischen Materialien, wie Naturstein und Fachwerk. Zu seinen bedeutendsten Bauten gehören die beiden großen katholischen Pfarrkirchen St. Maria (gen. Rosenkranzkirche) und St. Familia in KasselHessische Niedersächsische Allgemeine vom 24. Dezember 2012, aber auch das Schloss Rothestein bei Bad Sooden-Allendorf.

Kegel war Mitglied im 1903 gegründeten Bund Deutscher Architekten (BDA) und fungierte mehrere Jahre als Vorsitzender der BDA-Ortsgruppe Kassel.

Über 25 Jahre hinweg leistete er Vorarbeiten für die Wiederherstellung des Doms St. Peter in Fritzlar. Er starb überraschend bei Beginn der Arbeiten.

Bauten (unvollständige Liste)Dokumentation zur Ausstellung anlässlich des 100. Todestags mini|hochkant|Pfarrkirche St. Peter in Hofgeismar mini|Pfarrkirche St. Georg in Hofbieber mini|hochkant|Pfarrkirche St. Marien, „Rosenkranzkirche“, in Kassel Sakralbauten 1886: Kapelle St. Antonius der Einsiedler in (Nüsttal-)Rimmels 1888: Filialkirche St. Odilia in (Nüsttal-)Silges 1888: Filialkirche St. Anna in (Nüsttal-)Gotthards 1890: Pfarrkirche St. Vitus und Anna in (Hofbieber-)Elters 1890–1891: St. Bonifatius in Bad Sooden-Allendorf (1959 abgerissen) 1891–1892: St. Nikolaus in (Petersberg-)Steinhaus 1892–1893: Filialkirche St. Wendelin mit Pfarrhaus in Höchst an der Kinzig (1963 abgerissen) 1894–1901: St. Cyriakus in (Geisa-)Spahl 1897: Pfarrkirche St. Peter in Hofgeismar 1897–1899: Pfarrkirche St. Familia in Kassel, Kölnische Straße 1899–1901: Pfarrkirche St. Georg in Hofbieber 1899–1901: Pfarrkirche St. Maria (Rosenkranzkirche) in Kassel, Kirchweg 1899–1909: St. Barbara in (Eichenzell-)Rothemann (1962 abgerissen) 1902: Vorhalle der Wallfahrtskapelle St. Rochus in (Fulda-)Kämmerzell 1903–1904: Ausbau der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk in Biebergemünd 1904: Ausbau der Pfarrkirche St. Martin in (Jossgrund-)Oberndorf 1904–1905: Pfarrkirche St. Elisabeth in Eschwege 1905–1907: Pfarrkirche St. Jakobus in (Eichenzell-)Büchenberg 1912–1914: Pfarrkirche St. Maria vom Berge Karmel (genannt „Rhön-Dom“) in (Hofbieber-)Schwarzbach 1912–1914: Kellmark-Kapelle (St. Mariæ Heimsuchung) in (Amöneburg-)Mardorf

Profanbauten 1891–1892: Villa Marx in Fulda (1969 abgerissen)Michael Mott: Aus der Gründerzeit. Die schöne Villa Marx. Ein Schmückstück in der Lindenstraße. 1892 erbaut, 1969 abgerissen. Als nachahmenswerte Architektur der Kaiserzeit gepriesen. In: Fuldaer Zeitung vom 23. September 1998, S. 14. (Serie: Fulda einst und jetzt) 1891–1894: Schloss Rothestein bei Bad Sooden-Allendorf 1897–1913: mehrere Bauteile des katholischen Lyzeums „Engelsburg“ (heutiges Engelsburg-Gymnasium) in Kassel (Zwischenbau mit Speisesaal und Kapelle, Neubau Akazienweg, Neubau Rektorhaus) 1898: Endstations-Gebäude der Straßenbahnlinie 1 in (Kassel-)Bad Wilhelmshöhe (heute Besucherzentrum der Museumslandschaft Hessen Kassel) ca. 1900: Straßenbahndepot in (Kassel-)Bad Wilhelmshöhe (abgerissen) 1900–1907: Kurhessen-Kaserne in Hannoversch Münden 1912–1913: Volksschule in Naumburg (Hessen) (heute als Rathaus genutzt)

Weblinks Datensatz zu Georg Kegel in der Datenbank Architekten und Künstler mit direktem Bezug zu Conrad Wilhelm Hase (1818–1902), abgerufen am 4. August 2014

Einzelnachweise

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