Die Megalithanlagen von Grundoldendorf (auch Bliedersdorf 1–4 genannt) liegen westlich des Ortes Grundoldendorf in der Gemeinde Apensen im Landkreis Stade. Sie stellen in Niedersachsen ein allenfalls mit der Oldendorfer Totenstatt zu vergleichendes Ensemble dar. Die Anlagen tragen die Sprockhoff-Nummern 664 bis 667.
Beschreibung mini|links|Querlieger wie in Grundoldendorf rechts – und Längslieger links mini|links|Grab 1 mini|links|Grab 2 mini|Grab 3 Der Komplex liegt in einem lichten Buchenhain und besteht aus vier großen Hünenbetten, die jeweils einen zur Längsachse quer gestellten erweiterten Dolmen enthalten. Ein fünftes Hünenbett war im 19. Jahrhundert noch präsent. Die Form ist sehr alt und hat entwicklungsgeschichtlich nur den längs gestellten, meist zugangslosen Urdolmen als Vorläufer.
Die vier Betten von mittlerer Länge befinden sich westlich des Dorfes, (Richtung Bliedersdorf) im Landschaftsschutzgebiet Im Dohrn. Ihre Einfassungen sind noch weitgehend komplett. Die erweiterten Dolmen hatten ursprünglich zwei Decksteine, die aber nur noch bei Kammer I und IV vorhanden sind. Von Kammer II fehlt einer und von Kammer III fehlen beide, so dass fünf von ursprünglich acht (oder neun) vorhanden sind. Bei der Anlage III deutet das Tragsteinmuster darauf, dass hier eventuell drei Decksteine aufgelegt waren. Die Betten I bis III liegen in einer Nordwest-Südost ausgerichteten Reihe, während Nr. 4 um 30 Meter parallel versetzt südöstlich daneben liegt. Die Dreierformation hat zusammen ca. 120 Meter Länge. Die Zugänge zu Kammer III und IV liegen im Nordosten die beiden anderen im Südwesten.
Die Anlage I ist mit 51 Meter die längste und auch am besten erhalten. 75 Findlinge bilden ihre Einfassung. Nur die Kammer in Bett I liegt auf die Bettlänge bezogen nahezu mittig. Die drei anderen sind mehr oder minder stark zu den Enden hin versetzt. Der Boden war mit einer Pflasterung aus rundlichen Geröllsteinen versehen und lag auf einer Ascheschicht, die eine Datierung auf 2845 v. Chr. (unkalibriert) ermöglichte. Die gefundenen Knochen und Beigaben sind Nachbestattungen und stammen aus der Bronzezeit. Einige Decksteine zeigen Schälchen. Bei der Grabung im Jahre 1905 fand Carl Schuchhardt innerhalb der Anlagen I und II Steinpflaster von etwa 2,5 Quadratmeter Ausdehnung ohne weitere Befunde. Kammer III barg einen Becher der Schnurkeramik und einen Tonlöffel.
Seit 2017 war der Zugang zum Waldgebiet mit den Megalithanlagen gesperrt, da mehrere der bis zu 250 Jahre alten Buchen umzustürzen drohten.Jörg Dammann: Buchen bergen Gefahren - Landkreis sperrt Zugang zu Grundoldendorfer Hünenbetten Kreiszeitung, 8. August 2017. Im August 2026 erfolgten Pflegemaßnahmen mit dem Fällen von Bäumen. Seitdem sind die Anlagen für die Öffentlichkeit wieder zugänglich. Es sollen Infotafeln zu den Großsteingräbern aufgestellt werden.Älter als die Pyramiden: Diese Großsteingräber im Kreis Stade sind wieder zugänglich in Nordsee-Zeitung vom 21. August 2026
Siehe auch Nordische Megalitharchitektur Großsteingräber in Nordost-Niedersachsen
Literatur Jürgen Deichmüller: Die Hünenbetten bei Grundoldendorf. In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Band 30. Das Elb-Weser-Dreieck. 2: Forschungsplobleme – Exkursionen: Stade · Zeven· Bremervörde· Buxtehude. Philipp von Zabern, Mainz 1976, ISBN 3-8053-0145-6, S. 149–155. Ernst Andreas Friedrich: Die Hünenbetten von Grundoldendorf. In: Ernst Andreas Friedrich: Wenn Steine reden könnten. Aus Niedersachsens Geschichte. Band 3. Landbuch-Verlag, Hannover 1995, ISBN 3-7842-0515-1. Daniel Nösler: Von Hünen errichtet? In: Daniel Nösler, Andreas Schäfer (Hrsg.): Fundsache. Archäologie zwischen Oste und Elbe. MCE-Verlag, Drochtersen 2013, ISBN 978-3-938097-29-8, S. 38–39. Heinz Schirnig (Hrsg.): Großsteingräber in Niedersachsen (= Veröffentlichungen der Urgeschichtlichen Sammlungen des Landesmuseums zu Hannover. 24). Lax, Hildesheim 1979, ISBN 3-7848-1224-4.
Weblinks
Älter als Pyramiden: Großsteingräber werden zugänglich gemacht bei ndr.de vom 19. August 2026 Uwe Ruprecht: Ort mit Aura. Die Megalithanlage von Grundoldendorf
Einzelnachweise
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