mini|350px|Karte der Welt mit den von den USA (in Blau) als „Vorposten der Tyrannei“ (in Grün) bezeichneten Staaten

+ „Vorposten der Tyrannei“

20px Myanmar

„Vorposten der Tyrannei“ () ist ein politisches Schlagwort. Es wurde von Condoleezza Rice in ihrer Anhörung zur Ernennung zur Außenministerin der USA vor dem United States Senate Committee on Foreign Relations zur Beschreibung einer Reihe von Ländern verwendet, deren Regierungen die Menschenrechte missachten.

Definition Vor dem Senatsausschuss am 18. Januar 2005 merkte Rice in einer vorbereiteten Rede an: foreign.senate.gov; abgerufen am 4. November 2006

Dabei erläuterte Rice auch im Folgenden näher, anhand welcher Kriterien sie solche Länder so kategorisierte. Ihre augenfälligste Gemeinsamkeit sind die in den jährlich vom State Department herausgegebenen Country Reports on Human Rights Practices und International Religious Freedom Report angemahnten Menschenrechtsverletzungen der Regierungen dieser Länder. Unterschwellig kritisierte sie aber auch andere Länder:

Verwendung Im Laufe ihrer Rede konkretisierte Rice ihre Vorwürfe gegenüber sechs Ländern:

Die Nationale Sicherheitsstrategie vom März 2006 hob diese sechs Länder unter Hinzunahme von Syrien erneut gegenüber anderen Staaten, die Menschenrechtsverletzungen begehen, hervor. In ihr heißt es: 2006; abgerufen am 6. September 2006.

Vergleich mit anderen politischen Schlagwörtern Der Ausdruck „Vorposten der Tyrannei“ wurde vielfach mit Bushs Schlagwort „Achse des Bösen“ verglichen. Bei genauerer Betrachtung ist ein Vergleich trotz der ideologischen und politischen Nähe von Rice zu Bush allerdings nicht so ohne Weiteres möglich: Mit „Achse des Bösen“ verdächtigte Bush in seiner Rede zur Lage der Nation am 29. Januar 2002 die Staaten Nordkorea, den Iran und den Irak, maßgeblich für die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen beizutragen und Terroristen entweder aktiv zu unterstützen oder ihnen Unterschlupf zu gewähren. Rice hingegen bezog sich direkt auf die Innenpolitik der von ihr genannten Länder. Der Begriff der „Achse des Bösen“ wurde 2003 obsolet, da die irakische Regierung unter Saddam Hussein von den USA gestürzt wurde.

Auch mit der Liste der von den Vereinigten Staaten der Unterstützung des Terrorismus verdächtigten Länder sind die „Vorposten der Tyrannei“ nicht völlig kongruent: Gelistet sind zwar Kuba, der Iran und Nordkorea, aber nicht die anderen „Vorposten“.

Reaktionen Die nordkoreanische Regierung nahm starken Anstoß an der Klassifizierung und erklärte, den Sechs-Nationen-Gesprächen fernbleiben zu wollen, solange sich die USA nicht entschuldigen würden. Darüber hinaus verlangte sie Sicherheitsgarantien.Unterstützung für Japan – Druck auf Nordkorea. In: Die Welt. 21. März 2005. Am 21. Juni verwendete die Staatssekretärin für weltweite Angelegenheiten, Paula Dobriansky, den Begriff ein weiteres Mal in einer Rede am Hudson Institute: Han Song Ryol, Botschafter Nordkoreas bei den Vereinten Nationen, erklärte daraufhin:

Der damalige südkoreanische Außenminister Ban Ki-moon zeigte sich besorgt über die Implikationen, die die Verwendung des Ausdrucks für die intrakoreanischen Gespräche hätte bergen können:

Ähnlich unerfreut zeigte sich der Präsident Südafrikas, Thabo Mbeki, der einen versöhnlichen Kurs gegenüber dem benachbarten Simbabwe fährt. Dieser beinhaltet u. a. die Vermeidung öffentlicher Kritik an der Person und Vergangenheit Robert Mugabes. Mbeki sagte, die Verwendung des Begriffs .

Mugabe selbst reagierte im Wahlkampf ausfallend auf die Titulierung durch Rice:

Der Iran wies einige Tage nach der Rede die Bezeichnung des Landes als „Vorposten der Tyrannei“ zurück. Präsident Mohammed Chatami lehnte sie implizit als unvernünftig ab und bezeichnete die USA im Gegenzug als Unruhestifter. In: Die Welt. 27. Januar 2005. Der Sprecher des Außenministeriums, Hamid Resa Asefi, deutete die Bezeichnung als „psychologische Kriegsführung“.DW: Iran spricht von „psychologischer Kriegsführung“ der USA. In: Die Welt. 20. Januar 2005.

Das belarussische Außenministerium bewertete Rices Äußerungen als realitätsfern und als .Manfred Quiring: Moskau warnt vor Rückfall in den Kalten Krieg. In: Die Welt. 20. Januar 2005.

Einige Beobachter verdächtigten die US-Regierung einer Doppelmoral in ihrer Außenpolitik, was die Vergabe der Bezeichnung angeht, besonders wegen des von den USA in der Guantánamo-Bucht betriebenen Internierungslagers. Amitabh Pal von der pazifistisch orientierten Monatszeitschrift The Progressive schrieb, dass Rice die Anwendung des Begriffs amerikanischen Interessen strategischer und ökonomischer Natur untergeordnet habe. Dies zeige sich daran, dass äußerste Zurückhaltung bei der Etikettierung einiger Staaten geübt worden sei, indem man Länder wie Saudi-Arabien, Äquatorialguinea oder Aserbaidschan ausgelassen habe.

Die Washington Post veröffentlichte eine Reihe von Interviews und Artikeln die Länder, die Rice erwähnte, betreffend.

Siehe auch Schurkenstaat Reich des Bösen

Literatur Achse des Bösen, Schurkenstaaten und Tyranneien. In: Die Welt. 21. Januar 2005 Rice Stays Close to Bush Policies In Hearing. In: Washington Post; über die Anhörung (englisch)

Weblinks (auf archive.org) Netzeitung Vorposten der Tyrannei. In: FAZ Rice names ‘outposts of tyranny’. BBC über die Anhörung (englisch) Auf einen Blick: Die „Vorposten der Tyrannei“ im Profil bei der BBC (englisch) Länderprofile: Iran: BBC, Washington Post (englisch) Kuba: BBC, Washington Post (englisch) Myanmar: BBC, Washington Post (englisch) Nordkorea: BBC Washington Post (englisch) Simbabwe: BBC Washington Post (englisch) Belarus: BBC Washington Post (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Außenpolitik (Vereinigte Staaten) Kategorie:Politik 2005 Kategorie:Politisches Schlagwort