The Celluloid Closet – Gefangen in der Traumfabrik ist eine Dokumentation der Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman aus dem Jahr 1995 über Filme mit homosexuellem Inhalt beziehungsweise homosexuellen Andeutungen. Er basiert auf dem 1981 erschienenen filmhistorischen Buch The Celluloid Closet von Vito Russo.
Inhalt In der Dokumentation wird ein weiter Bogen über 100 Jahre Filmgeschichte gespannt und es werden diverse Persönlichkeiten mit Verbindungen zur Hollywood-Industrie gebeten, verschiedene Filmausschnitte zu kommentieren und von ihren persönlichen Erfahrungen im Umgang mit LGBT-Charakteren zu erzählen. Die Thematik erstreckt sich von Tunten (engl. sissy) über die Zensur anhand des Hays Codes, verschlüsselte homosexuelle Figuren und Stereotypen bis zum Fortschritt in den frühen 1990ern – beispielsweise durch das New Queer Cinema und das Aufgreifen des Themas in Blockbustern wie Philadelphia.
Bedeutung von Vito Russo Der Film basiert auf dem 1981 erschienenen und 1987 neuaufgelegten Buch The Celluloid Closet von Vito Russo, der historisch untersuchte, wie Filme – speziell aus Hollywood – Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender-Charaktere darstellen. Russo war mit seinem 1981 erschienenen Buch The Celluloid Closet einer der Ersten, der sowohl Homosexuelle als auch Heterosexuelle überzeugte, die Rolle, welche die Populärkultur bei der Bildung unserer Einstellung über Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität spielt, zu erforschen. Russo war in den 1970er-Jahren als junger Homosexueller und Filmhistoriker enttäuscht darüber, dass es kaum positive oder deutlich sichtbare Darstellungen von Homosexualität in Filmen gab – auch da diese bis in die 1960er-Jahre wegen der Zensur nur verschlüsselt im Kino gezeigt werden durfte. Er wollte daher LGTB-Figuren aus dem Schatten und Subext reißen und so eine positivere Identifikation von homosexuellen Figuren zu schaffen. Russos Arbeit startete eine Forschungsgattung, welche die Darstellung von LGBT-Menschen in Filmen, Fernsehsendungen, Comics, Videos und Computerspiele untersucht.
Rob Epstein und Jeffrey Friedman hatten Russo in ihrem 1989 erschienenen Dokumentarfilm Common Threads: Stories from the Quilt, der den Oscar gewann, interviewt. Russos Lebensgefährte war zu diesem Zeitpunkt bereits an Aids verstorben und er selbst auch bereits erkrankt. Es war Vito Russos Wunsch, dass aus seinem Buch eine filmische Dokumentation wird, konnte das aber mit Epstein und Friedman vor seinem Tod an Aids im November 1990 nicht mehr realisieren. Manche Kritiker merkten an, dass der Film weniger politisch war als das Buch und mit einem positiveren Tenor endet. Russo hatte sich jedoch gewünscht, dass die Dokumentation unterhalten und auch die positiven Veränderungen reflektieren sollte, die sich für die 1990er Jahre abzeichneten.
Die bekannte lesbische Schauspielerin Lily Tomlin, die eng mit Russo befreundet gewesen war und auch als Erzählerin des Films fungiert, startete eine Kampagne für die Finanzierung des Films. Unter anderem veranstaltete sie eine Benefizshow, bei der neben ihr unter anderem auch Robin Williams auftrat und Hugh Hefner einen großen Betrag spendete. Neben dem amerikanischen Fernsehsender HBO finanzierten auch ZDF und Arte Teile des Filmbudgets in Höhe von 1,4 Millionen US-Dollar mit, was unter anderem für die Genehmigung der Rechte an den Filmausschnitten verwendet werden musste.
Die Gay and Lesbian Alliance Against Defamation vergibt seit 2003 den Vito Russo Award an offen schwule und lesbische Personen innerhalb der Hollywood-Industrie, welche einen Fortschritt in der Bekämpfung von Homophobie darstellen.
Interviewpartner Für die Dokumentation konnten teilweise sehr bekannte Gesprächspartner gewonnen werden. Es gab aber auch Absagen, unter anderem von Charlton Heston, der untersagte, den Film Michelangelo – Inferno und Ekstase zu zeigen, da der von ihm gespielte Maler heterosexuell gewesen sei. Michael Ontkean wollte nicht interviewt werden und das Zeigen von Szenen mit ihm im Film Making Love (1982) gerichtlich untersagen, war aber erfolglos damit.Trivia der Internet Movie Database
Besprochene Filme 1895 – Dickson Experimental Sound Film 1912 – Algie, the Miner 1914 – A Florida Enchantment 1916 – Hinter der Leinwand (Behind the Screen) 1922 – Frauen auf schiefer Bahn (de), Der Staatsanwalt (at) (Manslaughter) 1923 – The Soilers 1927 – Wanderer of the West 1927 – Wings, Fliegerfilm vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges, mit schwulem Subtext 1929 – The Broadway Melody 1930 – Marokko (Morocco) 1932 – Laurel und Hardy: Their First Mistake (Their First Mistake) 1932 – Call Her Savage 1933 – Ladies They Talk About 1933 – Our Betters 1933 – Ich tanze nur für Dich (de) – Tanzende Venus (at) (Dancing Lady) 1933 – Myrt and Marge 1933 – Königin Christine (Queen Christina) 1934 – Wonder Bar 1934 – Tarzans Vergeltung (Tarzan and His Mate) 1934 – Scheidung auf amerikanisch oder Tanz mit mir! (The Gay Divorcee) 1935 – Frankensteins Braut (Bride of Frankenstein) 1935 – Ich tanz’ mich in dein Herz hinein (Top Hat) 1936 – Draculas Tochter (Dracula’s Daughter) 1938 – Leoparden küßt man nicht (Bringing Up Baby) 1940 – Rebecca 1941 – Der Malteser Falke (The Maltese Falcon) 1945 – Das verlorene Wochenende (The Lost Weekend) 1946 – Gilda 1947 – Im Kreuzfeuer (de), Kreuzverhör (at) (Crossfire) 1948 – Cocktail für eine Leiche (Rope) 1948 – Red River, Panik am roten Fluß 1950 – Der Mann ihrer Träume (Young Man with a Horn) 1950 – Ein einsamer Ort (In a Lonely Place) 1950 – Frauengefängnis (de), Verlorene Frauen (at, de) (Caged) 1953 – Blondinen bevorzugt (Gentlemen Prefer Blondes), enthält eine Szene, in der eine Gruppe Bodybuilder Jane Russell keines Blickes würdigt 1953 – Schwere Colts in zarter Hand (Calamity Jane) (über Calamity Jane) 1954 – Johnny Guitar – Wenn Frauen hassen 1955 – … denn sie wissen nicht, was sie tun (Rebel Without a Cause) 1956 – Anders als die anderen (Tea and Sympathy) 1958 – Die Katze auf dem heißen Blechdach (Cat on a Hot Tin Roof), enthält Andeutungen, dass Brick (Paul Newman) homosexuell sei 1959 – Manche mögen’s heiß (Some Like It Hot) 1959 – Bettgeflüster (Pillow Talk), um seine Partnerin (Doris Day) ins Bett zu bekommen, posiert die männliche Hauptfigur (Rock Hudson) als Tunte 1959 – Ben-Hur 1959 – Plötzlich im letzten Sommer (Suddenly, Last Summer) 1960 – Spartacus, schwuler Subtext, der aber größtenteils herausgeschnitten wurde (zeigt die Liebe eines römischen Patriziers zu einem Sklaven (Tony Curtis)) 1961 – Boys Beware Aufklärungsfilm, welcher Burschen vor Homosexuellen warnt 1961 – Der Teufelskreis (Victim), zeigt erstmals in der britischen Filmgeschichte eine explizit homosexuelle männliche Figur 1961 – Infam (The Children’s Hour) 1961 – Ein Pyjama für zwei (Lover Come Back), mit der Nebenfigur eines effeminierten Mannes (Sissy-Typus) 1961 – Vu du pont, zeigt zwei Männer bei einem Kuss 1962 – Auf glühendem Pflaster (Walk on the Wild Side), Geschichte aus einem Bordell in Louisiana in den 1930er Jahren mit lesbischem Subtext 1962 – Sturm über Washington (Advise & Consent) 1967 – The Fox, die Geschichte eines lesbischen Paares, in deren abgeschiedenes Leben ein Mann eindringt 1968 – Der Detektiv (The Detective), Kriminalfilm über die Ermittlungen nach dem Mord an einem homosexuellen Mann 1968 – Das Doppelleben der Sister George (The Killing of Sister George) 1968 – Der Sergeant (The Sergeant), Geschichte aus dem Offiziersmilieu des Zweiten Weltkrieges mit zwei Männern, die sich auf den Mund küssen 1969 – Zwei Banditen (Butch Cassidy and the Sundance Kid) 1969 – Die Harten und die Zarten (The Boys in the Band), der erste Film in der US-amerikanischen Filmgeschichte, in dem homosexuelle Männer sympathisch porträtiert werden 1971 – Fluchtpunkt San Francisco (Vanishing Point), als Nebenfiguren erscheinen zwei schwule Anhalter 1971 – Sunday, Bloody Sunday, Dreiecksbeziehung zwischen einem homosexuellen Mann, einem bisexuellen Mann und einer Frau 1972 – Cabaret, gilt als einer der ersten US-amerikanischen Filme, der Homosexualität feiert 1974 – Die Letzten beißen die Hunde (Thunderbolt and Lightfoot), zeigt einen Mann, der einen anderen küsst 1974 – Der Superschnüffler (Freebie and The Bean), mit einem bösartigen Transvestiten 1976 – Ein Haar in der Suppe (Next Stop, Greenwich Village), mit einer schwulen farbigen Nebenfigur 1976 – Car Wash – Der ausgeflippte Waschsalon (Car Wash), mit einer schwulen farbigen Nebenfigur 1978 – 12 Uhr nachts – Midnight Express (Midnight Express), schwuler Film 1978 – Ein Käfig voller Narren (La Cage aux Folles) 1979 – Die Warriors (The Warriors) 1979 – Die Bullen von Dallas (North Dallas Forty) 1980 – L ist nicht nur Liebe (Windows) 1980 – Cruising 1980 – Fame – Der Weg zum Ruhm (Fame) 1980 – Die Schulhofratten von Chicago (My Bodyguard) 1981 – Der Fanatiker (The Fan) 1981 – Zwei wie Katz und Maus (Continental Divide) 1982 – Personal Best, lesbischer Film 1982 – Making Love 1982 – Victor/Victoria 1982 – Zwei irre Typen auf heißer Spur (Partners) 1982 – Ein Offizier und Gentleman (An Officer and a Gentleman) 1982 – Nightshift – Das Leichenhaus flippt völlig aus (Night Shift), Film mit schwulen Motiven 1982 – Nur 48 Stunden (48 Hrs.) 1983 – Lianna, lesbischer Film 1983 – Begierde (The Hunger), lesbischer Film 1983 – Silkwood 1984 – Repo Man 1984 – Another Country 1985 – Die Himmelsstürmer (Heaven Help Us) 1985 – Teen Wolf – Ein Werwolf kommt selten allein, Film mit schwulen Motiven 1985 – Desert Hearts, lesbischer Film 1985 – Mein wunderbarer Waschsalon (My Beautiful Laundrette) 1985 – Die Farbe Lila (The Color Purple) 1986 – Abschiedsblicke (Parting Glances), schwuler Film 1988 – Hairspray 1988 – The Chocolate War 1988 – Das Kuckucksei (Torch Song Trilogy), schwuler Film 1989 – Dream a Little Dream 1989 – Heathers 1989 – Freundschaft fürs Leben (Longtime Companion) 1990 – Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula 1991 – Poison 1991 – Das Schweigen der Lämmer (The Silence of the Lambs), zeigt eine Person mit weiblichen Genitalien und männlichem Oberkörper 1991 – Thelma & Louise, etwas verdeckte Liebesgeschichte zweier Frauen 1991 – The Hours and Times 1991 – Edward II 1991 – My Private Idaho (My Own Private Idaho) 1991 – Grüne Tomaten (Fried Green Tomatoes), Film mit stark verdecktem lesbischen Subtext 1992 – Swoon 1992 – Basic Instinct 1992 – Mo’ Money – Meh’ Geld (Mo’ Money) 1992 – The Living End 1992 – Glengarry Glen Ross 1992 – The Crying Game 1993 – Das Hochzeitsbankett (The Wedding Banquet), offen schwule Filmkomödie 1993 – Mrs. Doubtfire – Das stachelige Kindermädchen (Mrs. Doubtfire) 1993 – Philadelphia 1994 – Priscilla – Königin der Wüste (The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert) 1994 – Go Fish 1995 – Kaffee, Milch und Zucker (Boys on the Side), lesbischer Film
Auszeichnungen Festival/PreisAuszeichnungLandJahrSundance Film FestivalFreedom of Expression AwardDocumentary: Grand Jury Prize (nom.)USA1996GLAAD Media AwardsVito Russo Film AwardUSA1996Teddy AwardBester Dokumentar-/Essayfilm(Zusammen mit I’ll Be Your Mirror)DBerlinale 1996EmmyOutstanding Individual Achievement – Informational Programming (3*)Outstanding Informational SpecialPresident’s Award(alles Nominierungen)USA1996National Educational Media NetworkGold AppleUSA1996Peabody AwardsPeabody AwardUSA1997Independent Spirit AwardsTruer Than Fiction Award (nom.)USA1997
Kritik
DVD-Ausgabe Im Jahr 2001 erschien die DVD der Dokumentation auf Englisch mit einem extra Audiokommentar der Produzenten, und einer weiteren Audiospur mit einem Interview, welches Russo 1990 gab. Weiters gibt es einen Link zur Gay and Lesbian Alliance Against Defamation und einige im Film nicht gezeigte Interviews sind zu einer zweiten Dokumentation zusammengeschnitten worden.
Siehe auch Homosexualität im Film Homosexualität im Fernsehen
Literatur