mini|Beispiel: „American Sign Language“ in SignWriting mini|Beispiele äquivalenter Darstellung von isolierten Hand-Formen
SignWriting (auch als Sutton SignWriting bekannt), eingedeutscht GebärdenSchrift (mit Binnenmajuskel zur Unterscheidung vom Oberbegriff), ist eine Gebärdenschrift. Sie ist ein internationales Schriftsystem für Gebärdensprachen und wird zum Beispiel genutzt, um Jugendliteratur zu veröffentlichen. Dadurch wird die Gebärdensprachkompetenz gefördert.
Das SignWriting-System ist visuell-ikonisch: Die Symbole stellen Hände, Gesicht und Körper eines Gebärdenden dar. Im Gegensatz zu den meisten linearen Schriftsystemen sind die SignWriting-Symbole zweidimensional geschrieben, um den Gebärdenraum darzustellen.
Sie wurde im Auftrag der Universität Kopenhagen 1974 von Valerie Sutton entwickelt, die bereits 8 Jahre zuvor eine Tanznotation namens Sutton DanceWriting designt hatte. Standardisiert wurde das Ganze mit Hilfe des International Sign Writing Alphabet (ISWA). Neben dieser Schrift hat nur noch Tanznotation zur Notation von Tänzen und Choreographien weitere Verbreitung gefunden.
Aus SignWriting sind die weiterentwickelten Schriftsysteme si5s und ASLwrite hervorgegangen.
Verbreitung In Deutschland wird bereits an einigen Orten, zum Beispiel im Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Osnabrück, SignWriting im Unterricht gehörloser Kinder eingesetzt. Gleiches geschieht auch in einer Schule für gehörlose Kinder in Ost-Nicaragua. Außerhalb des Bildungsbereiches wird die GebärdenSchrift eher nicht eingesetzt, da sie u. a. kompliziert zu erlernen scheint.
Digitale Unterstützung und Nutzung der GebärdenSchrift in Deutschland Vorgeschichte
1974 erfand Valerie Sutton SignWriting, eine Gebärdenschrift. Dazu gibt es einige Anleitungen und technische Programme.
1999 fand Stefan Wöhrmann den Kontakt zu Valerie Sutton. Er lernte dort die Grundlagen von SignWriting und stellte 2001 eine Mundbildschrift dafür vor. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit nutzte er SignWriting am Landesbildungszentrum in Osnabrück. 2005 stellte er eine Übersetzung des englischen Handbuchs ins Deutsche vor.
Einige erste Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die Gehörlosengemeinschaften Video- oder Schriftsysteme als vorherrschende Sprache bevorzugen. Diese Behauptung wurde jedoch durch die Arbeit von Steve und Dianne Parkhurst in Spanien widerlegt, wo sie anfangs auf Widerstand, später erneutes Interesse und schließlich Stolz stießen. „Wenn Gehörlose lernen, in ihrem eigenen Gebärdensystem zu lesen und zu schreiben, steigert das ihr Selbstwertgefühl“, sagt Dianne Parkhurst. Hopkins, Jason: Choosing how to write sign language: A sociolinguistic perspective in International Journal of the Sociology of Language 192. 2008. Doi:10.1515/IJSL.2008.036, Cid: 145429638.
Die in 2010 vorgestellte Version des ISWA gilt als die umfangreichste und somit als Gegensatz zum IPA. Zur internationalen Verständigung wird sie deshalb gerne eingesetzt.
Heute wird SignWriting in über 40 Ländern mehr oder weniger erfolgreich eingesetzt. Brasilien ist hierbei ein Positivbeispiel.
Delegs 2009 wurde das Projekt „Deutsch lernen mit Gebärden Schrift“ von der Workplace Solutions GmbH (WPS) und der Universität Hamburg mit Förderung durch das Integrationsamt Hamburg und den Europäischen Sozialfonds gestartet. Praktischer Ausgangspunkt dieses Projektes ist die hohe Quote gehörloser Menschen mit geringer Literalität – also sehr defizitärer Lese- und Schreibkompetenz. Experten schätzten diese Quote auf 50 %. Diese hohe Quote Gehörloser mit geringer Schreib-/Lesekompetenz wurde als schwerwiegendes Defizit für die berufliche Integration eingeschätzt. Die Antragsteller entwickelten zu der Bekämpfung dieses Defizits ein Konzept für einen verbesserten, berufsbegleitenden Schriftsprachunterricht für erwachsene gehörlose Menschen. Dieser moderne Schriftsprachunterricht basiert auf der kontrastiven Gegenüberstellung von Deutscher Gebärdensprache und Deutscher Schriftsprache. Hierzu werden z. B. ganze Sätze in DGS, verschriftlicht mittels der Gebärdenschrift, und Deutsch gegenübergestellt. Damit können grammatikalische Strukturunterschiede sichtbar gemacht werden. Der flüchtige Charakter der Gebärdensprache wird mit der Verschriftlichung überwunden. Die Unterrichtserfahrungen mit dieser Methode sind erstaunlich positiv. Gehörlose verstehen wichtige grammatikalische Unterschiede der beiden Sprachen in 60 – 80 Unterrichtsstunden mit gutem Ergebnis. Dies zeigen jedenfalls die praktischen Erfahrungen mit knapp 250 gehörlosen Kursteilnehmer zwischen 2014 und 2019 in zwei Projekten.
In diesem ersten Projekt „delegs I“ (2009–2011) wurde die erste Fassung des delegs-Editors programmiert. Dieser ist eine Onlineplattform zur Erstellung von Texten in Gebärdenschrift, die kostenfrei und ohne Installation nutzbar ist.
Im zweiten Projekt „delegs II“ (2014 – 2017) wurde die Unterrichtsmethode des kontrastiven DGS-Deutsch-Unterrichts entwickelt und erprobt. Bei der Methode lernen Teilnehmende mithilfe der Gebärdenschrift neue Wörter und Sätze sowohl in DGS (Deutscher Gebärdensprache) und in Deutsch. Die beiden Sprachen werden kontrastiv gegenübergestellt, um Unterschiede, z. B. in der Syntax, aufzuzeigen (siehe Schaubild oben). Ziel ist es, den Wortschatz der Teilnehmenden auf- und auszubauen und ein Sprachbewusstsein für beide Sprachen zu entwickeln. Für den Unterricht wurden insgesamt 378 Lern- und Lehrmaterialien zu den Bereichen Bekleidung, Bauzeichner/Bauwesen, Einzelhandel, Gärtnerei/Landschaftsbau, Gesundheit/Pflege, Hauswirtschaft, Koch/Lebensmittel, Maler, Spedition/Logistik, Tischler/Schreiner, Versicherung, Verwaltung und Zahntechnik erstellt. Für die technische Unterstützung wurde der delegs-Editor weiterentwickelt. Das Projekt wurde von der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW), der Universität Hamburg und der WPS durchgeführt.
GebärdenSchrift und digitale Fachgebärdenlexika
Während des dritten Projekts „delegs III“ (2018 – 2021) fand die Gebärdenschrift auch in der Lexikonarbeit Anwendung. In Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik in Halle und der WPS wurde das Sign2MINT-Lexikon mit über 5000 Fachgebärden aus den Bereichen Physik, Chemie, Mathematik, Biologie, Medizin, Geologie, Informatik und Astronomie erstellt. Die Fachgebärden wurden mittels der Gebärdenschrift verschriftlicht, wodurch die Funktion einer leistungsstarken GebärdenSuche angeboten werden kann. Wenn Nutzer eine MINT-Fachgebärde kennen oder in einem anderen Kontext gesehen haben, aber den deutschen Fachbegriff nicht kennen bzw. sich unsicher sind, wie er korrekt geschrieben wird, können sie die GebärdenSuche nutzen. Die GebärdenSuche umfasst folgende Suchkomponenten: Handform, Art der Zweihändigkeit (2-Hand), Lokation und Art des Kontaktes (mit anderen Körperteilen) sowie Bewegung. Die GebärdenSuche ist dabei an die Gegebenheiten der DGS angepasst. Sobald Nutzer einen Faktor eingrenzen, werden Gebärden, die diesem Faktor entsprechen, ausgewählt und in einer Ergebnisliste angezeigt. Für die innovative Lexikonarbeit und die GebärdenSuche wurde dem Projektnehmer WPS am 6. April 2022 der Hamburger Innovationspreis verliehen. Dieser würdigt Unternehmen, die sich in herausragender Weise für die Beschäftigung und/oder Ausbildung von Menschen mit Behinderungen einsetzen.
Aktuelle Erweiterung der Gebärdenschriftnutzung
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales fördert seit 2021 bis 2025 erneut ein Projekt zur Förderung der beruflichen Eingliederung gehörloser Menschen durch digitale Hilfen. Es soll das Lexikon Sign4All mit beruflichen Fachgebärden erstellt werden. Das neue erweiterte Fachgebärdenlexikon wird in Zusammenarbeit mit betrieblichen Partnern und Partnern im Berufsbildungssystem erarbeitet. So besteht z. B. mit Airbus Hamburg eine Kooperation für einen Lexikonteil „Luftfahrtindustrie“. Im neuen Lexikon sind ähnlich wie bei Sign2MINT Gebärdenvideos und Verschriftlichungen aller Gebärden enthalten. Auf dieser technischen Basis wird auch die Funktion der GebärdenSuche weiterhin etabliert. Im Rahmen dieses Projekts „Digitale Unterstützung der beruflichen Eingliederung gehörloser Menschen“ (2021–2025) wird auch die Gebärdenschrift modernisiert. Ziel ist es, die Gebärdenschrift moderner und ikonischer zu gestalten, damit sie besser lesbar und von der tauben Gemeinschaft mehr verwendet wird. Außerdem werden die Deutschkurse mit dem kontrastiven DGS-Deutsch Unterricht von der Fortbildungsakademie der Wissenschaften (FAW) weiterentwickelt. Das Projekt wird von der Firma malt|harms GmbH, der Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, der IT-Firma Open Mind Software GmbH, Workplace Solutions (WPS) GmbH und der FAW mit Förderung durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) durchgeführt. Das BMAS setzt dafür Mittel des Ausgleichsfonds (§ 161 SGB IX) ein, die von den Arbeitgebern nach § 160 SGB IX zu entrichten sind, die ihre Beschäftigungspflicht nach § 154 SGB IX nicht oder nicht voll erfüllen.
Signshare Seit Oktober 2025 betreiben die Firmen Open Mind Software GmbH und manimundo GmbH die Plattform Sign4All auf der neuen Plattform signshare für die Dauer angelegt weiter.
Piktogramme SignWriting nutzt zur Darstellung der Gebärden eine große Menge Kombinationen räumlich abstrakt dargestellter, genau definierter ikonischer Piktogramme (Symbole, Logos) für Handformen und Mimik, Orientierung, Kontakte, sowie für Arme, Beine oder Schultern, falls sie für die Gebärde relevant sind, und verschiedene zusätzliche Symbole wie unterschiedliche Pfeile, Sterne, Wellen und Ähnliches zur Beschreibung der Bewegung. Thiessen, Stuart: A Grammar of SignWriting (MA-Arbeit). Grand Forks ND: University of North Dakota 2011. Abgerufen am 1. April 2013. Everson, Michael; Slevinski, Stephen; Sutton, Valerie: „Vorschlag zur Kodierung von Sutton SignWriting im UCS“ (PDF). Abgerufen am 1. April 2013. Wegen des Piktogrammcharakters der Zeichen ist das Erkennen der Schrift vergleichsweise einfach, da die tatsächliche physische Form von Gebärden und nicht deren Bedeutung dargestellt wird.That is, SignWriting characters represent the physical parameters of signing (handshape, location, motion, etc.), not the meanings of the signs, in a manner that is analogous to what has traditionally been argued for hangul. Zum Schreiben einer Gebärdensprache ist deshalb keine Analyse oder Vorwissen zur Sprache erforderlich. Eine Person, die das System erlernt hat, kann ein unbekanntes Zeichen auf die gleiche Weise „ertasten“, wie z. B. eine englischsprachige Person ein unbekanntes Wort in lateinischen Buchstaben „aussprechen“ kann, ohne überhaupt wissen zu müssen, was das Wort bedeutet.
SignWriting stellt also demnach die Positionen und Bewegungen eines Körpers dar. Daher können die SignWriting-Symbole zum Schreiben jeder Gebärdensprache und sogar nicht-gebärdensprachlicher Gesten verwendet werden. mini|Geschlossenes Lächeln
Die Anzahl der Symbole ist sehr umfangreich und bietet oft mehrere Möglichkeiten, ein einzelnes Zeichen zu schreiben. Wörter können aus der Sicht des Gebärden oder des Betrachters geschrieben werden. Fast alle Veröffentlichungen verwenden jedoch die Sicht des Gebärden und gehen davon aus, dass die rechte Hand dominiert. Sutton entwarf die Schrift ursprünglich so, dass sie wie Englisch horizontal (von links nach rechts) und aus der Sicht des Betrachters geschrieben wurde. Später änderte er sie jedoch in vertikal (von oben nach unten) und aus der Sicht des Gebärden, um den Wünschen gehörloser Autoren zu entsprechen.
SignWriting umfasst 652 Symbole, die in 7 Symbolklassen gruppiert sind: Hände, Bewegung, Dynamik, Kopf und Gesichter, Körper, Zeichensetzung und detaillierte Ortsangaben. mini|Hello in ASL
SignWriting enthält so viele Symbole, weil es für alle Gebärdensprachen und nicht nur für eine einzige Gebärdensprache konzipiert ist. Beispielsweise verfügt SignWriting über 261 Handsymbole, ASL verwendet jedoch nur 83 davon.