Rennes (, gallo: Resnn, ) ist die Hauptstadt der französischen Region Bretagne und Präfektursitz des Départements Ille-et-Vilaine. Mit einer Bevölkerung von Einwohnern (Stand: ) ist Rennes die elftgrößte Stadt Frankreichs und die größte der Region Bretagne. Die Unité urbaine umfasst 335.092 Einwohner, ihre Aire urbaine 733.320 Einwohner, die zehntgrößte Frankreichs. Die große Studentenzahl (über 68.000) bestimmt den Alltag der Stadt.

Die Einwohner werden Rennais und Rennaises genannt.

Geografie Lage Rennes befindet sich im Westen Frankreichs, circa 308 Kilometer Luftlinie von der Hauptstadt Paris entfernt. Die Stadt liegt im Osten der Region Bretagne nahe zur Nachbarregion Pays de la Loire.

Die Ille mündet von Norden kommend im Zentrum von Rennes in die Vilaine, die Rennes zunächst von Ost nach West durchströmt, am südwestlichen Rand des Gemeindegebiets nach Süden schwenkt und bei Arzal an der Südküste der Bretagne in den Atlantik mündet. Der Canal d’Ille-et-Rance schließt sich in Rennes an die bis dahin schiffbare Vilaine an und verbindet die Stadt mit Saint-Malo am Ärmelkanal.

In Rennes erstrecken sich 28 Parks in Summe auf 860 Hektar und weisen 17 % der Gemeindefläche als Grünfläche aus.

Klima In Rennes herrscht ozeanisches Klima mit niedrigen Temperaturschwankungen sowohl zwischen den Tages- als auch den Jahreszeiten. Im Vergleich zu den Küstenregionen vor allem der Westbretagne ist der maritime Einfluss allerdings schon leicht abgeschwächt. So hat Rennes etwa 300 Sonnenstunden mehr als Brest und weist im Sommer etwa 3 Grad höhere Tageshöchsttemperaturen auf als die nur 70 km nördlich gelegene Hafenstadt Saint-Malo, wo Herbst und Winter im Schnitt wiederum deutlich milder sind als in der Hauptstadt der Bretagne.

Geschichte Frühzeit und Mittelalter mini|Stadtbefestigung Rennes war im römischen Reich unter dem Namen Condate („Zusammenfluss“, nach der Lage) bekannt, die Kelten nannten den Ort Resnn. Condate war der Hauptort der Civitas Redonum, also der Gegend der Redoner. In Rennes hat sich eine Inschrift erhalten, die einen Duumvirn Titus Flavius Postuminus nennt, also aus der Zeit der Flavier stammen dürfte. Die zunehmende Bedrohung durch Invasoren führte im Jahr 275 zum Bau einer Stadtbefestigung, zudem gewann die Stadt als Bischofssitz an Bedeutung. Nachdem in England die dortigen Briten seit Mitte des 5. Jahrhunderts von den Angelsachsen bedrängt wurden, wanderten einige Briten in die bis dahin Aremorica genannte Gegend im Nordwesten Galliens aus. Chlodwig I., dem Begründer des Frankenreiches, gelang es im Jahr 497 allerdings, eine, wenn auch lockere, Oberhoheit der Merowinger über die „Bretonen“ genannten Einwanderer zu etablieren. Karl der Große errichtete dann im Osten des Herzogtums Bretagne die Bretonische Mark, die die Grafschaften Rennes, Vannes und Nantes umfasste. Gegen die Bretagne selbst zog Karl in den Jahren 786 und 799, ohne sie seinem Reich einzuverleiben. Im Jahre 851 konnte sich Nominoë der Stadt und der Grafschaft Rennes bemächtigen und sie auch gegen den westfränkischen König Karl den Kahlen halten, der vergeblich versuchte, sie zu erobern. Während Nominoës Nachfolger immer wieder im Streit mit den Grafen von Nantes lagen, griffen seit etwa 875 auch die Loire-Normannen in diese Auseinandersetzungen ein, zumal sie in Noirmoutier vor der bretonischen Küste einen Stützpunkt besaßen. Um 880 kam Herzog Judicaël dabei in der Schlacht von Questembert gegen Alain I. ums Leben, der Graf von Nantes war und sich mit den Normannen verbündet hatte; durch diesen Sieg erlangte Alain die Herrschaft über die Bretagne. Nach dessen Tod 907 kam es erneut zu normannischen Eroberungsversuchen, 937 wurde dann Alain II. Herzog der Bretagne. 952 erlangten dann die Seine-Normannen die Herrschaft über die Bretagne, die allerdings 990 ihre Selbständigkeit unter Conan I. zurückerlangte, der außerdem einen Angriff des Grafen von Anjou abwehren konnte und der, als einziger der bretonischen Herzöge, in Rennes eine von Frankreich unabhängige Münzprägestätte durchsetzte. Auf dessen Dynastie folgte ab 1066 die ebenfalls in Rennes residierende Dynastie Cornouaille mit Hoël I.; dessen Sohn Alain IV. war der letzte bretonisch sprechende Herzog der Bretagne und ein Teilnehmer des 1. Kreuzzugs. Es folgte Conan III., nach dessen Tod 1148 es zu Erbfolgestreitigkeiten kam, die sein Enkel Conan IV. 1156 für sich entscheiden konnte. Allerdings war der Bretagne mittlerweile 1154 im Angevinischen Reich Heinrichs II. ein mächtiger Rivale entstanden.

mini|Typische Häuserzeile in Rennes

Dessen Sohn Gottfried heiratete Conans Erbtochter Konstanze, sodass die Plantagenets Herzöge der Bretagne werden. Gottfrieds Nachfolger Arthur geriet in die Auseinandersetzungen zwischen dem französischen König Philipp II. August und dem englischen König Johann Ohneland (Arthurs Onkel), in dessen Verlauf der profranzösische Arthur 1203 getötet wurde. Als eingezogenes Lehen gelangte die Bretagne nun unter die Oberhoheit Frankreichs, dessen König hier das Haus Thouars bzw. wenig später das Haus Dreux einsetzte. Mit Johann III. erlosch die Dynastie 1341. Zwischen den Erben Karl von Blois und Johann von Montfort kam es daraufhin von 1341 bis 1364 zum Bretonischen Erbfolgekrieg, unter dem auch die Stadt Rennes zu leiden hatte, eine Auseinandersetzung, die im Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Hundertjährigen Krieg zu sehen ist, da Johann als Kandidat der Engländer und Karl als der der Franzosen galt. Die Montforts setzen sich schließlich durch und regieren in Rennes für die nächsten anderthalb Jahrhunderte. Diese verfolgen eine zunehmend pro-französische Politik, zumal nachdem die Engländer vom Kontinent vertrieben wurden. Der letzte bretonische Herzog, Franz II. (1458–1488), allerdings betonte noch einmal die bretonische Eigenständigkeit, richtete als dessen Symbol in Rennes ein eigenes Parlament als Gerichtshof für die Bretagne ein und näherte sich den Habsburgern an, doch konnte er nicht verhindern, dass der französische König und dessen Heerführer La Tremouille nach seinem Tod seine Residenz Rennes angriffen und schließlich die Hochzeit der Erbtochter Anne mit König Karl VIII. erzwangen, wodurch dieser zum Erben des Herzogtums wurde und es 1491 der französischen Krone unterwarf. Das Gebiet wurde 1532 durch König Franz I. schließlich offiziell mit Frankreich vereinigt.

Neuzeit und 19. Jahrhundert miniatur|Historischer Stadtplan von Rennes aus dem Jahr 1726 Rennes prosperierte in der Folge durch den anwachsenden Überseehandel, die Tuchproduktion und die Landwirtschaft der Gegend. Unter Ludwig XIV. stiegen dann die Belastungen allerdings stark an und die bislang den Bretonen gewährte Steuerfreiheit auf Salz wurde aufgehoben; es kam auch in Rennes daraufhin 1675 zum Aufstand gegen die Papiersteuer, der blutig niedergeschlagen wurde. Im Jahre 1720 verwüstete ein Feuer große Teile der Stadt. Die heutigen großen Plätze verdanken ihre Gestalt dem Wiederaufbau nach der Katastrophe unter der Leitung des Architekten Joseph Abeille. 1789 zeigten sich zunächst deutliche Sympathien für die Revolution, als diese sich dann aber gegen die Kirche wendete, zeigte sich bei der traditionsverbundenen Bevölkerung (den Chouans) Widerstand, der von der Zentralregierung in Paris niedergeschlagen wurde. Um künftigen Unabhängigkeitsbestrebungen vorzubeugen, wurde daraufhin die Bretagne in fünf Départements aufgeteilt, Rennes wurde Sitz des Départements Ille-et-Vilaine.

1857 erhielt die Stadt einen Eisenbahnanschluss. Hier fand 1899 der Revisionsprozess in der Affaire Dreyfus statt.

20. Jahrhundert und Zweiter Weltkrieg Bretonischer Nationalismus: Bombenterror und Kollaboration Im 20. Jahrhundert erlebte der bretonische Nationalismus eine Erneuerung. Rennes spielte dabei eine wichtige Rolle, denn die Organisationen, die ihn vorantrieben, hatten alle ihren Sitz in der Stadt.

Der bretonische Nationalismus manifestierte sich in kulturellen Initiativen, etwa der Wiederbelebung der bretonischen Sprache, aber auch in gewaltsamen Aktionen. Am 7. August 1932 zerstörte ein Bombenangriff das 1911 eingeweihte Denkmal an der Fassade des Rathauses von Rennes. Es zeigte die vor Karl VIII., dem König von Frankreich, kniende Anne de Bretagne und sollte die Vereinigung der Bretagne mit Frankreich symbolisieren. Die Nationalisten der Gwenn ha Du (bretonisch für weiß und schwarz, den Farben der bretonischen Flagge) empfanden Annas kniende Haltung als demütigend und sprengten deshalb das Denkmal, das nie wieder aufgebaut wurde. Am 13. April 1936 verübten Aktivisten der Gwenn ha Du Brandanschläge auf die Präfekturen in Rennes, Saint-Brieuc, Quimper und Nantes. Der Anschlag auf die Präfektur in Vannes scheiterte.

Während des Zweiten Weltkriegs kollaborierten Teile der nationalistischen Bewegung offen mit dem Vichy-Regime und den deutschen Besatzern. Das führte seitens der Résistance auch zu Anschlägen gegen Einrichtungen nationalistischer Gruppen.

Die bekannteste Gruppe der mit den Nazis kollaborierenden bretonischen Nationalisten war die Parti National Breton (PNB), die 1939 aufgelöst wurde, worauf ihre Führer nach Deutschland flüchteten. Sie kehrten nach der Niederlage Frankreichs 1940 wieder zurück, um ihre Unabhängigkeitspläne für die Bretagne weiterzuverfolgen.Christian Bougeard: La collaboration en Bretagne Obwohl Bougeard darauf hinweist, dass die Deutschen derartige Bestrebungen „aus offensichtlichen strategischen Gründen nicht wollten“, konnte die PNB eine antisemitische, antikommunistische und rassistische Zeitung gründen und 1941 mit dem Bagadoù Stourm eine eigene Miliz aufbauen.

Nach Bougeard sei die PNB auf Ablehnung in weiten Kreisen der bretonischen Bevölkerung gestoßen, und die Deutschen hätten im Dezember 1940 bereits eine gemäßigtere Führung innerhalb der Partei durchgesetzt. Doch auch unter der arbeiteten weiterhin Agenten für die Besatzer, und es gab auch massive Bestrebungen, eine kulturelle Hegemonie herzustellen.

Ab 1943 gingen gemäßigte PNB-Kreise allmählich auf Distanz zu den Deutschen. Das führte Ende des Jahres zur Abspaltung des militanten Flügels, der eine „bretonische Armee“, die Bezen Perrot, aufbaute. „70 bis 80 Männer des Bezen, die in die Waffen-SS integriert wurden und deutsche Uniformen trugen, gingen bis zum Äußersten der militärischen Kollaboration, beteiligten sich an der Zerstörung des Maquis im Sommer 1944, flohen ins Elsass und nach Deutschland und suchten schließlich Zuflucht in Irland.“ Bougeard warnt allerdings davor, die bretonische Geschichte während der Zeit der Besatzung auf die Betrachtung der Aktivitäten der PNB zu reduzieren. „Die Ablehnung der Besatzer, die Anglophilie und der Gaullismus der Bretonen sowie die zahlreichen Engagements in den Forces françaises libres, in Netzwerken und Widerstandsbewegungen sollten jedoch nicht vergessen werden.“„Il ne faudrait toutefois pas oublier le rejet de l’occupant, l’anglophilie et le gaullisme des Bretons, ainsi que les nombreux engagements dans les Forces françaises libres, dans les réseaux et les mouvements de résistance.“ (Christian Bougeard: La collaboration en Bretagne)

Spanische Bürgerkriegsflüchtlinge in Rennes