mini|Erfinder Engelbert Zaschka mit seinem ersten Hubschraubermodell „Z I“, Berlin 1927 180px|rechts|Unterschrift zum Hubschrauber-Patent

Engelbert Zaschka (* 1. September 1895 in Freiburg im Breisgau; † 26. Juni 1955 ebenda)Geburtsdatum und -ort: Geburtsurkunde. Standesamt Freiburg im Breisgau Nr. 937/1895: Engelbert Zaschka; Sterbedatum und -ort: Stadt Freiburg im Breisgau, Eigenbetrieb Friedhöfe: Engelbert Zaschka, 24. Januar 2008. war ein deutscher Ingenieur, Konstrukteur und Erfinder. Zaschka zählt zu den deutschen Hubschrauberpionieren und war ein Pionier des Fliegens mit Muskelkraft sowie des Faltautos.

Zaschka entwickelte und konstruierte unter anderem mit seinem Rotationsflugzeug eine eigene Klasse der Drehflügelflugzeugsysteme,Engelbert Zaschka: Drehflügelflugzeuge. Trag- und Hubschrauber. C. J. E. Volckmann Nachf. E. Wette, Berlin-Charlottenburg 1936, S. 57. den ersten zerlegbarenHiriko Fold – An Electric Car That Folds for Easy Parking abgerufen am 4. Dezember 2012. und faltbaren Kleinwagen (Faltauto), ein frühes Muskelkraft-FlugzeugNational Air and Space Museum: Zaschka Human-Power Aircraft (1934). und eigene Motorsysteme. Er meldete zahlreiche Patente an.Vgl. The European Patent Office Homepage (EPO), abgerufen am 20. November 2009. Von 1921 bis 1925 war er Chefkonstrukteur des Motorrads Orionette der Orionette AG für Motorfahrzeuge. Er veröffentlichte das erste deutschsprachige Werk über Trag- und Hubschrauber und verfasste diverse technische Fachartikel.

Leben mini|Familie Zaschka in Freiburg im Breisgau im Jahr 1901 (von links): Die Eltern Wenzel und Emilie, Bruder im Kinderwagen, Schwester, Engelbert Zaschka, ein Kindermädchen.

Engelbert Zaschka stammte aus einer Musikerfamilie, sein Vater Wenzel. lehrte Zither und spielte im Freiburger Stadtorchester, seine Mutter Emilie, geborene Rombach, war Sängerin; er war das zweitälteste von vier Kindern.Alle Angaben zum Leben nach Tüftler Zaschka: ein Freiburger, der alles kleinkriegte. In: Badische Zeitung, 15. Mai 2016. Er wuchs in der Scheffel- und in der Bürgerwehrstraße auf, wo sein Vater 1910 das im Jugendstil erbaute Mietshaus Nr. 11 errichten ließ.Joanna Flawia Figiel: Jugendstil in Freiburg. Kore, Freiburg 1999, ISBN 3-933056-32-2, S. 317. Mit 14 Jahren meldete er sein erstes Patent an, gründete einen „Hobbyfliegerclub“ in Freiburg-Wiehre und machte angeblich erste Flugversuche am Freiburger Schlossberg.

Nach dem Besuch der Höheren Bürgerschule in Freiburg ging er zum Ingenieurstudium nach Altenburg. Danach arbeitete er als Ingenieur bei Rheinmetall in Düsseldorf und ging 1916 nach Berlin. Dort war er als Chefkonstrukteur bei der Orion Aktiengesellschaft für Motorfahrzeuge tätig. In den 1930er und 1940er Jahren war Zaschka bei den Henschel Flugzeug-Werken angestellt. In Berlin war er 1926 im Stadtteil Neukölln in der Lichtenrader Straße 59 gemeldet, 1929 in der Selchower Straße 15/16 nahe dem Tempelhofer Flugfeld, 1934 in der Flughafenstraße 21 und 1943 in der Weserstraße 34a.Ein Käpsele namens Engelbert Zaschka. In: Facetten Magazin Neukölln, 25. April 2015.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ er sich wieder in Freiburg im Breisgau nieder, wo er in der Türkenlouisstraße 47 eine Werkstatt (Fahrzeugfabrik. Familienfahrräder bzw. Zaschka-Fahrzeugfabrik) betrieb.Eintrag . In: Amtliches Einwohnerbuch der Stadt Freiburg im Breisgau und Umgebung 1950, S. 250. Zaschka starb am 26. Juni 1955 im Alter von 59 Jahren in seiner Geburtsstadt Freiburg im Breisgau.

Erfinder und Ingenieur Trag- und Hubschrauber sowie Muskelkraft-Flugzeug mini|Bild und Text aus dem Bundesarchiv (1927), Fotograf: Georg Pahl: „Das Rotationsflugzeug der Zukunft! Das Rotationsflugzeug des deutschen Ing. Zaschka […] konnte auf dem Prüfstand senkrecht starten.“ mini|Engelbert Zaschka mit Rotationsflugzeug (1927), Aufnahme aus dem Bundesarchiv, Fotograf: Georg Pahl

Zaschka-Rotationsflugzeug „Z I“ (1926) In den Jahren 1926/27 konstruierte und präsentierte Engelbert Zaschka einen der ersten Vorläufer des Trag- und Hubschraubers. Der grundlegende Entwurf der Maschine ist in Zaschkas Patent Nr. 573 961, das am 18./19. Juni 1926 im Deutschen Reich eingereicht wurde, mit „Hubschraubenflugzeug“ betitelt. Seine Erfindung wurde in der Folgezeit auch in den USA, Großbritannien, Frankreich, Schweiz und Dänemark patentiert.The European Patent Office Homepage (EPO), abgerufen am 2. Juni 2011.

Bei Zaschkas Erfindung handelt es sich um einen Drehflügler, einen kombinierten Trag- und Hubschrauber. Die Besonderheit des Zaschka-Rotationsflugzeugs bestand darin, dass über dem Zweiblattrotor ein Speichenrad als horizontal rotierender Kreisel installiert war, der zur Stabilitätserhöhung im Flug diente und die Absturzgefahr bei Motorausfall mindern sollte. Der darunter eingebaute Motor war mit einer Welle über eine ausrückbare Kupplung mit dem über dem Rotor drehenden Speichenrad verbunden. Das auch als Energiespeicher fungierende Speichenrad trieb über ein Untersetzungsgetriebe den Hauptrotor an. Bei Ausfall des Motors konnte dieser vom Rotor abgekoppelt werden. Der Einstellwinkel der Rotorblätter sollte dann so verändert werden, dass der Rotor durch den entstehenden Fallwind weiter angetrieben werden wird (Autorotation) und die kinetische Energie im Kreisel gespeichert wird. In Bodennähe sollte schließlich der Blattwinkel wieder auf den für den Aufstieg gültigen Wert verändert werden, wodurch mit Hilfe der im Kreisel gespeicherten Energie Rotorschub nach oben erzeugt würde. So sollte auch bei Motorausfall eine gefahrlose Landung ermöglicht werden.Kyrill von Gersdorff, Kurt Knobling: Hubschrauber und Tragschrauber (Die deutsche Luftfahrt Band 3), Bernard & Graefe Verlag, München, 1982, S. 19 f. In Zaschkas Patentschrift „Hubschraubenflugzeug“ heißt es dazu:

Bei der im Jahr 1927 nach dem oben beschriebenen Konzept konstruierten Versuchsmaschine wurde eine Hubschraube mit 14 Metern Durchmesser auf einem Prüfstand montiert. Zaschka gelang es mit einer Motorleistung von 30 PS, den 360 Kilogramm schweren Apparat vom Erdboden starten zu lassen. Der Rotor drehte dabei mit 100 min−1, während der Kreisel eine Drehzahl von 1450 min−1 hatte. Wegen fehlender finanzieller Mittel konnte die Versuchsreihe nicht fortgesetzt werden.Engelbert Zaschka: Drehflügelflugzeuge. Trag- und Hubschrauber. C. J. E. Volckmann Nachf. E. Wette, Berlin-Charlottenburg 1936, S. 47.

mini|links|Zaschka-Rotationsflugzeug-Projekt: Kombinierter Trag- und Hubschrauber, 1928 mini|Flughafen Berlin-Tempelhof, Modell des Zaschka-Rotationsflugzeuges (1928), Aufnahme aus dem Bundesarchiv, Fotograf: Georg Pahl

Zaschka-Rotationsflugzeug „Z II“ (1928) Am Flughafen Berlin-Tempelhof führte Zaschka 1928 Experimente mit einem weiteren Modell durch, dem Zaschka Helikopter bzw. Rotationsflugzeug, das 7 Meter Spannweite hatte und mit einem 300 cm³ DKW-Motor ausgestattet war. Wenngleich sich diese ersten Versuchsmodelle nur in geringe Höhe erhoben, wurde doch deutlich, dass beim Abbremsen des Motors der Apparat langsam auf den Erdboden heruntersank und unbeschädigt aufsetzte.Rolf Besser: Technik und Geschichte der Hubschrauber: Von Leonardo da Vinci bis zur Gegenwart. Bernard & Graefe Verlag, Bonn 1996, S. 65.

Der Rotorantrieb dieses Geräts war bereits mit einem Gyroskop ausgestattet, das die Achse gegen Wind oder gegen Nebeneffekte der Steuerung stabilisierte. Andernfalls wäre das Fluggerät nur sehr schwer steuerbar gewesen. Zur Höhensteuerung konnten die Anstellwinkel der Rotorblätter vom Führersitz aus verstellt werden. Eine am Rumpfende sitzende Luftschraube sollte den horizontalen Vortrieb erzeugen, wurde jedoch nicht mehr praktisch erprobt, da die finanziellen Mittel für weitere Testläufe und Weiterentwicklungen fehlten.

Erst im Jahr 1936 gelang es Henrich Focke und Gerd Achgelis, mit dem Modell Focke-Wulf Fw 61 den ersten voll steuerbaren Hubschrauber zu entwickeln.

Zaschka Muskelkraft-Flugzeug (1933–1934)

mini|Das Zaschka Muskelkraft-Flugzeug, Berlin 1934 Im Jahre 1934 präsentierte Zaschka das Zaschka Muskelkraft-Flugzeug,Morton Grosser: Gossamer Odyssey. The Triumph of Human-powered Flight. Zenith Press, 2004, S. 14–15. einen Eindecker mit Stahlrohrrahmen und einem schmalen Flügel von ungefähr 20 Metern Spannweite. Zum Starten wurde das Flugzeug von bis zu vier Männern auf die erforderliche Startgeschwindigkeit beschleunigt.

Bei Flugversuchen am 11. Juli 1934 konnte Engelbert Zaschka in Tempelhof damit ohne fremde Starthilfe Schwebeflüge von 20 Meter Weite erreichen.Bruno Lange: Das Buch der deutschen Luftfahrttechnik. Verlag Dieter Hoffmann, Mainz 1970, S. 361. Somit handelte es sich um einen muskelkraftgetriebenen Flug ohne Startgerät.Vgl. Der Deutsche Sportflieger, Bd. 2, Nr. 10, Oktober 1935, S.?.

Automobil- und Motorrad-Konstruktion Motorrad „Orionette“ (1921–1925)

In den Jahren 1921 bis 1925 war Engelbert Zaschka als Oberingenieur und Chefkonstrukteur der Orion Aktiengesellschaft für Motorfahrzeuge in BerlinKarl Reese: Motorräder aus Berlin. 2002, ISBN 3-935517-05-X, S. 103. maßgeblich am Bau des Motorrads Orionette beteiligt. Das auch unter dem Namen Orionette AG für Motorfahrzeuge bekannte UnternehmenOtto Meibes: Die Entwicklung der deutschen Automobilindustrie. Halle 1926, S. 166. war in den 1920er und 1930er Jahren im Industriehof Oranienstraße 6.Hier vollendete 1941 Konrad Zuse, der Erfinder des Computers, den ersten programmgesteuerten und frei programmierbaren Rechner „Z3“. in Berlin-Kreuzberg ansässig.

Die Orionette AG war eines der wichtigsten Berliner Unternehmen für Auto- und Motorradbau der 1920er Jahre.Kurt Doogs: Die Berliner Maschinen-Industrie und ihre Produktionsbedingungen seit ihrer Entstehung. Dissertation, TH Berlin, 1928, S. 78.

Faltbares Auto: Zaschka-Faltauto (1928–1929) mini|hochkant|1928/1929 präsentierte Engelbert Zaschka in Berlin das erste Faltauto. mini|links|Der zerlegbare Kleinwagen: Zaschka-Faltauto (1929). mini|hochkant|Zaschka erklomm 1928 mit seinem Faltauto die oberste Plattform des Berliner Funkturms.

Verkehrsraum- und Parkplatzprobleme in Großstädten zeigten sich bereits in den 1920er Jahren. 1928/1929 präsentierte Engelbert Zaschka in BerlinMarián Šuman-Hreblay: Automobile Manufacturers Worldwide Registry. McFarland & Company, London 2000, S. 311. das erste Faltauto, um dieses Problem zu lösen. Zaschkas Auto war zusammenklappbar und in drei Teile zerlegbar, benötigte also keine Garage, sondern konnte in der Wohnung abgestellt werden. Auf- und Abbau des Wagens sollten von zwei Personen jeweils innerhalb von fünf Minuten bewältigt werden.

An dem Rohrrahmen des Fahrzeugs war ein mit Stoff bezogenes Leichtbaugerippe befestigt. Die beiden Vorderräder waren einzeln aufgehängt, das Hinterrad wie bei einem Motorrad. Im Heck befand sich der luftgekühlte Einzylindermotor, der über ein Stirnradgetriebe das Hinterrad antrieb; die vordere Kühlermaske war lediglich eine Attrappe. Motor und Getriebe waren fest miteinander verblockt. Das Auto erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 40 bis 50 km/h.Come-Apart Auto Invented. In: The Massena Observer, New York State, 12. März 1931, S. 3.

Um die Transportabilität des Fahrzeugs zu demonstrieren, bestieg Zaschka mit seinem ersten Faltauto 1928 die oberste Plattform des Berliner Funkturms.

Eine Serienfertigung scheiterte an wirtschaftlichen und technischen Hindernissen. Mehr als 1000 Reichsmark (heute: ca. Euro) sollte der transportable Wagen nicht kosten. Dafür war schon die Herstellung des Rohrrahmens erheblich zu teuer. Eine selbsttragende Karosserie wäre ebenfalls zu aufwendig in der Herstellung gewesen und hätte durch das verwendete Stahlblech das Auto zu schwer gemacht. Zudem war zu jener Zeit fast keines der Bauteile genügend ausgereift.Claudia Franke-Brandau: Parken im Wohnzimmer: Der zerlegbare Kleinwagen des Berliner Erfinders Engelbert Zaschka von 1929. In: Oldtimer Markt, 1993, 7, S. 206 mit 3 Abb.

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