Der Mowag Eagle ist ein leichtes geschütztes militärisches Einsatzfahrzeug. Es wird in der General Dynamics European Land Systems-Mowag in Kreuzlingen im Schweizer Kanton Thurgau und in der General Dynamics European Land Systems – Germany in Kaiserslautern hergestellt.

Entwicklung Um ein leicht gepanzertes Aufklärungsfahrzeug zu entwickeln, griff Mowag 1990 auf das Fahrgestell des US-amerikanischen HMMWV zurück. Nachdem die Anforderungen an Minenschutz, Innenraum und Waffenturm stiegen, reichte das Fahrgestell des Humvees nicht mehr aus, da dessen Zuladung bereits ausgereizt war. So wurde 2003 das Fahrgestell des leichten Lastwagens Bucher (heute General Dynamics Europe) Duro angepasst.

Varianten Eagle I

Als Basis für die Typen Eagle I, II und III dient das US-amerikanische HMMWV-Fahrgestell, das eine Nutzlast von einer Tonne trägt. Der Eagle verfügt über eine Verbundpanzerung zum Splitterschutz und einen von Mowag konstruierten, von Hand zu schwenkenden Turm mit Stahlpanzerung. Im Turm befinden sich das Wärmebildgerät und ein Periskop, das mit dem außen lafettierten Mg 51/71 gekoppelt ist. Auf der Hinterseite des Turmes ist eine Nebelmittelwurfanlage angebracht.

Eagle II

Die bei der Schweizer Armee als Aufklärungsfahrzeug 93/97 benannte Variante ist auf einem neuen Fahrwerk mit einer Nutzlast von 1500 kg (Gesamtgewicht von 5,5 t) aufgebaut.

Eagle III mini|Mowag Eagle III

Der Eagle III ist eine leicht verbesserte Variante des Eagle I/II. Er verfügt über beschusshemmende Fenster und eine Klimaanlage mit ABC-Überdrucksystem. Die Kabine ist mit Panzerstahl und Kompositpanzerung geschützt. Ein zusätzlicher Minenschutz ist am Boden anzubringen. Das elektro-optische Zielsystem ist mit einem Navigationssystem gekoppelt. Der Eagle III bietet Platz für vier Personen. In: cdbizman.com. (PDF; 169 kB).

Eagle IV 4×4

Der Eagle IV basiert auf dem LKW Mowag Duro, da das HMMWV-Fahrgestell für das Gewicht von fast neun Tonnen der erweiterten Panzerung nicht mehr ausreichte. Er bietet – je nach Kabinenaufbau – Platz für bis zu sechs Personen und eine kleine Ladefläche sowie Schutz gegen Minen, ballistische Geschosse (Handwaffen) und Sprengsätze. Der Motor ist ein Dieseltriebwerk mit Turboaufladung, permanentem Allradantrieb mit Automatikgetriebe und kann Neigungen bis zu 60 % bewältigen. Der Fahrzeugführer wird über eine elektronische und optische Anzeige mit aktuellen Fahrzeugdaten und Kamerabildern versorgt; außerdem besitzt der Wagen ein Luftregulierungssystem für die Reifen sowie eine Nebelmittelwurfanlage.

Eagle IV 6×6

Der Eagle IV 6×6 entspricht grundsätzlich dem Eagle IV 4×4, basiert jedoch auf der 6×6 Version des LKW Mowag Duro. Der Eagle IV 6×6 wird als geschützter Truppentransporter und als Ambulanzfahrzeug angeboten. Es wurden einige Prototypen gebaut, aber bis jetzt ist es noch zu keiner Bestellung gekommen. Momentan verwendet die Schweizer Armee einen Mowag Eagle IV 6×6 mit der Autonummer M21763 für Versuche mit dem «Taktischen Aufklärungssystem» (TASYS).

Eagle V 4×4

Beim Eagle V wurde der Schutz gegen Minen und improvisierte Sprengfallen weiter verstärkt. In: gdels.com. Abgerufen am 8. September 2015. Die um eine Tonne erhöhte Zuladung trieb das Fahrzeuggewicht auf zehn Tonnen. Ein wesentlicher Teil (85 %) der Fahrzeugkomponenten sind identisch zum Vorgänger.Dutch Defence Press abgerufen am 8. September 2015 Auch die äußeren Abmessungen blieben nahezu gleich. Im Innenraum verfügt das neue Modell mit 6 m3 über deutlich mehr Platz.Jürgen K. G. Rosenthal: Protected Mobility – Eine Kernkompetenz von MOWAG, Hardthoehenkurier 2/2011Für den Einsatz …, Bundeswehr aktuell Nr. 28 2013

Eagle V 6×6mini|hochkant|Seitenpanzerung des Eagle V

Der Eagle V 6×6 entspricht grundsätzlich dem 4×4. Die die ergänzte dritte Achse ist nicht nur angetrieben, sondern auch pneumatisch gelenkt. Dies ermöglicht eine Kurve von 180 Grad in einem Außendurchmesser von 15 m, wodurch er agiler ist als sein gepanzerter Bruder ähnlicher Größe dem Movag GMTF oder EAGLE IV 6×6, welche auf dem Duro Fahrwerk basieren. Neben dem Aufbau TaSys, welchen die Schweizer Armee einführt gibt es weitere Einsatzmöglichkeiten und Varianten, als Führungsunterstützungsfahrzeug, aber auch z. B. mit Mörserbewaffnung.

Bewaffnung Der Eagle I ist optional mit einem Panzerturm oder der fernbedienbaren Waffenstation Protector M151 erhältlich. Die Waffenstation ist zur Aufnahme eines Leichten Maschinengewehrs (LMG 5,56 oder 7,62 mm) oder auch eines Schweren Maschinengewehrs (SMG 12,7 mm) ausgelegt. Die Waffenstation verfügt zudem über bis zu 16 Nebelwerferbecher. Diese Waffenstation muss manuell/mechanisch bedient werden und ist nicht automatisch stabilisiert. Der Schweizer Waffenturm von Mowag (Beobachterkuppel MBK 2) ist mit einem Maschinengewehr Mg 51/71 (7,5 mm) und sechs Nebelwerfbechern ausgerüstet. Die für den Eagle IV verfügbare Waffenstation KMW FLW100/200 ist automatisch stabilisiert und für LMGs ausgelegt. Außerdem ist auch die Montage einer MG Station der Krongsberg-Reihe möglich. Der dänische Eagle IV ist mit der Lemur Overhead Weapon Station (OHW) ausgerüstet.

Das dänische Heer integriert derzeit zudem die Panzerabwehrlenkwaffe Spike LR2 in die Protector-Waffenstation.ES&T online: Eagle V bewaffnet mit Protector RS4 und integrierter Spike LR2, abgerufen am 11. Januar 2026.

Sensorik Während der Eagle I über ein Wärmebildgerät (WBG oder FLIR) verfügt, ist im Eagle IV das WBG mit einer TV-Kamera gekoppelt und im Waffenführungssystem der Krauss-Maffei Wegmann FLW (Fernbedienbare Leichte Waffenstation) 100/200 integriert. Weiter sind Störsender gegen Mobilfunktelefone und Funkzünder verfügbar.

Schutzausrüstung Ab dem Eagle IV ist der Fahrzeugboden schalenartig verkleidet, damit Insassen bei Treffern nicht von nach innen abplatzendem Material verletzt werden. Um die Wucht einer Sprengung abzumildern sind die Minenschutzsitze nicht direkt mit dem Fahrgestell verbunden, sondern an der Schutzzelle montiert. Ein ähnliches System ist im Konkurrenzprodukt Iveco LMV verbaut. Die Windschutzscheibe und die Seitenscheiben in den Türen sind aus dickem Panzerglas gefertigt. Die Türen werden mit einer Minenschutzverriegelung gesichert.Joachim Rubner: Eine Festung, die wie ein Geländewagen aussieht, Aachener Zeitung vom 18. Februar 2009. Abgerufen am 8. September 2015.Probefahrt im Panzerwagen. In: rp-online.de. Abgerufen am 8. September 2015.

Nutzer Dänisches Heer Für die dänische Armee wurden erstmals 1994 36 Eagle I bestellt. Die Spejdervogn M/95 bezeichneten Fahrzeuge wurden bis 1997 ausgeliefert und für Einsätze der KFOR eingesetzt. Im Jahr 2005 folgte eine Bestellung über 85 Eagle IV. Im Jahr 2017 schloss die dänische Beschaffungsbehörde Defence Acquisition and Logistics Organisation (DALO) mit General Dynamics European Landsystems (GDELS) wiederum einen Rahmenvertrag über die Lieferung von geschützten Mehrzweckfahrzeugen Eagle V in fünf Varianten (Patrouille, Aufklärung, offen und geschlossen, elektronischer Kampf, Logistik) ab. Die Laufzeit des Vertrages beträgt sieben Jahre; und der erste Abruf umfasste 36 Patrouillenfahrzeuge, die 2018 und 2019 geliefert wurden. Im Jahr 2020 folgte hieraus eine Bestellung über weitere 56 Patrouillenfahrzeuge und den Prototyp eines offenen Aufklärungsfahrzeugs, die in den Jahren 2021 und 2022 ausgeliefert werden sollen.

36 × Eagle I 85 × Eagle IV 36 × Eagle V (57 weitere bestellt)

Deutsche Bundespolizei Für Einsätze in Afghanistan hat die Bundespolizei 2011 zehn Eagle IV beschafft. Diese waren bis 2014 in Afghanistan im Einsatz und wurden im Jahr 2015 nach Deutschland zurückgeführt, um moderne gepanzerte Fahrzeuge zur Verfügung zu haben. Die Fahrzeuge wurden überarbeitet, unter anderem erhielten sie eine neue Lackierung, Funk und eine Sondersignalanlage, außerdem werden sie bis Mitte 2019 mit einem MG5A1 von Heckler & Koch auf der Waffenstation FLW 100 ausgerüstet. Seit dem Sommer 2017 ersetzen sie die Sonderwagen 4 auf einigen Flughäfen, so sind je drei Fahrzeuge am Münchener Flughafen, am Frankfurter Flughafen und am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) sowie ein Fahrzeug am Stuttgarter Flughafen stationiert. Die Bundespolizei plant jede der ca. 80 Bundespolizeiinspektionen mit jeweils einem gepanzerten Fahrzeug auszustatten.

10 × Eagle IV

Deutsche Bundeswehr mini|Mowag Eagle IV BAT (Beweglicher Arzttrupp) der Bundeswehr mini|Mowag Eagle V des Panzergrenadierbataillons 33 der Bundeswehr mini|Eagle V 6×6 als mittleres geschütztes Sanitäts-Kraftfahrzeug

Im Dezember 2007 wurde bekannt gegeben, dass auch die Bundeswehr den Eagle IV im Rahmen des Beschaffungsprojektes Geschützte Führungs- und Funktionsfahrzeuge (GFF), Klasse 2 in einer Stückzahl von voraussichtlich 486 Fahrzeugen einführt. Er füllt die Lücke zwischen dem kleineren ESK Mungo und dem größeren Dingo 2. Die Fertigung der Eagle IV für die Bundeswehr erfolgt nicht ausschließlich bei Mowag, sondern teilweise auch bei der in Kaiserslautern ansässigen General Dynamics European Land Systems - Germany., abgerufen am 17. März 2010. Im Juli 2008 bestellte die Bundeswehr 25 Eagle IV (aus einem ersten Los über 198), mit der Option auf weitere 474 Fahrzeuge.Quelle: Mowag, Nachrichtenarchiv, (englisch) Die Auslieferung begann im November 2008.Info (PDF; 126 kB) auf bundestag.de Am 5. November 2008 genehmigte der Haushaltsausschuss die Beschaffung des gesamten ersten Loses von 198 Fahrzeugen im Wert von 105,7 Mio. Euro.Quelle: Mitteilung d. Bundeswehr, November 2008 Die Vormontage erfolgt in der Schweiz, die Endmontage in Kaiserslautern. Die ersten drei Fahrzeuge (von 70 für das Jahr 2009 geplanten) wurden am 13. Mai 2009 per Lufttransport nach Afghanistan (ISAF) verlegt, um dort als Aufklärungs- und Führungsfahrzeuge eingesetzt zu werden. Im März 2010 unterzeichneten General Dynamics European Land Systems (GDELS) und das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) einen weiteren Auftrag über 20 Fahrzeuge in der Ausführung als Beweglicher Arzttrupp (BAT). Quelle: Hardthöhenkurier, März 2010 Laut „Financial Times Deutschland“ bestellte die Bundeswehr im April 2010 im Eilverfahren 60 gepanzerte Fahrzeuge. auf ftd.de Die Kosten für die 60 Eagle IV und zusätzliche Spezialausrüstung wie Waffenstationen, Störsender, Funktechnik und beheizbare Seitenspiegel würden sich auf 61,5 Millionen Euro belaufen. Am 20. Dezember 2010 bestellte das BWB erneut ein Los von 195 Fahrzeugen. Die Montage erfolgte bei GDELS-Mowag und GDELS-Germany unter Einbeziehung weiterer deutscher Unternehmen. Der Vertragswert dieser Lieferung belief sich auf 125 Millionen Euro.Quelle: MOWAG Pressemitteilung vom 20. Dezember 2010 auf mowag.ch Am 6. April 2011 unterzeichneten das BWB und GDELS einen Vertrag über die Lieferung weiterer 22 Fahrzeuge in der Variante als BAT. auf gdels.com Hierdurch erhöht sich die Anzahl der bisher bestellten Eagle IV auf 495 Stück. Im Juni 2013 folgt eine weitere Bestellung über 100 Eagle V als Führungsfahrzeuge mit einer Option auf weitere 76 Fahrzeuge. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) bestätigte diese Option im Februar 2014. Die Auslieferung der insgesamt 176 Eagle V wurde bis Ende 2015 abgeschlossen.