mini|St. Pantaleon von Westen (Rhein) mini|Südseite von St. Pantaleon St. Pantaleon ist eine dreischiffige spätgotische Hallenkirche in Unkel im Bereich der Innenstadt, deren älteste Teile in die romanische Zeit zurückreichen.Neu, Weigert: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuwied. 1940, S. 402. Die römisch-katholische Kirche trägt das Patrozinium des heiligen Pantaleon und ist die Pfarrkirche der Pfarrei Unkel.

Geschichte Ein erstes Gotteshaus existierte vermutlich schon in der Pfalzgrafenzeit. Um 1200 wurde dann eine einschiffige, romanische Kirche mit einem flachen Dach erbaut. Das Mittelschiff war viel höher als die Ende des 13. Jahrhunderts angebauten, schmalen Seitenschiffe, deren Außenmauern etwa in der Mitte der heutigen lagen und ca. 1 m stark waren. Der Fußboden lag damals ca. 30 cm tiefer als der heutige und war mit quadratischen Tonplatten ausgelegt. Die Wände zwischen dem Mittelschiff und den Seitenschiffen waren aufgebrochen und wurden von Basaltsäulen getragen. Das östliche Säulenpaar ist davon erhalten, der Turm stammt, wenn auch mit einer anderen Haube, ebenfalls noch aus dieser Zeit und ragt in das westliche Joch des Mittelschiffs hinein.Neu, Weigert: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuwied. 1940, S. 403. Im 14. Jahrhundert wurde der romanische Chor durch einen dreiseitigen, frühgotisch überwölbten ersetzt. Hierbei wurde das Mittelschiff auch erstmals eingewölbt. Durch die angebauten Seitenschiffe entstand eine gotische Basilika.Kurzübersicht zur Baugeschichte der Pfarrkirche St. Pantaleon, abgerufen am 24. August 2019.

1502 erhielt die Kirche ihr heutiges Aussehen als dreischiffige, spätgotische Hallenkirche, als die Seitenschiffe verbreitert und erhöht wurden. Hierbei wurde ein Glockengeschoss auf den Turm aufgesetzt, der Chor um ein Joch verlängert und die Kirche, bis auf das nördliche Seitenschiff, eingewölbt. Die Empore, die bis zum westlichen Säulenpaar reichte, wurde hierbei verkleinert. Ebenfalls im 16. Jahrhundert wurde die südliche Sakristei, 1903 die nördliche angebaut.Neu, Weigert: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuwied. 1940, S. 404.

Bei einer Restaurierung von 1972–1975, wurde der Treppenaufgang, als bisher letzte bauliche Veränderung, umgestaltet.

Ausstattung mini|Innenraum mit Blick auf den Hochaltar Die Kirche beherbergt viele Kunstschätze aus mehreren Jahrhunderten.

Altäre Hochaltar Von 1705 stammt der barocke Hochaltar. Gestiftet vom Kölner Hofratspräsidenten Andreas Eschenbrender, zeigt er zwischen zwei gewundenen Säulenpaaren eine Wiederholung des Gemäldes des italienischen Künstlers Mattia Preti, der bei der Aufstellung des Altars schon verstorben war.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Rheinland-Pfalz, Saarland. 1984, S. 1090. Es zeigt eine Wunderheilung des Kirchenpatrons Pantaleon, der ein Kind wieder zum Leben erweckt, dass zuvor von einer Giftschlange gebissen worden war. Über dem Rahmen des nach oben hin gewölbten Bildes findet man das Familienwappen mit den drei Kleeblättern des Stifters.Neu, Weigert: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuwied. 1940, S. 409. Oberhalb des linken Säulenpaars befindet sich auf einer Hälfte eines gesprengten Segmentgiebels sitzend, eine Figur des heiligen Apostels Petrus, auf der entsprechenden rechten Seite des heiligen Apostels Andreas. Im Auszug des Hochaltares, der etwa die Breite des erwähnten Gemäldes einnimmt, befindet sich ein kleineres ovales Bild, das die Anbetung der Weisen, die Epiphanie, zeigt. Dieses Bild wird nur von je einer Säule pro Seite flankiert. Bekrönt wird der Altar von einem Halbbogen, über dem ein achteckiger Stern befestigt ist. Der Tabernakel wurde in der Rokokozeit dem eigentlichen Hochaltar vorgesetzt, oberhalb der Mensa, platziert. In seinem prächtigen Aufbau findet man eine Besonderheit: Hier befindet sich ein von Engeln, Früchten und Blattwerk eingerahmtes Kreuz. Dieser Teil ist drehbar. So erscheint bei Festtagen ein goldenes Kreuz, flankiert von prächtigem Blattwerk usw., und an den anderen Tagen ein eher schlicht gehaltenes Kreuz, eingerahmt von eher einfachen Putten, Blattwerk usw. Die Nische dieses Kreuzes ist in sich noch einmal drehbar, sodass man je nach Anlass zwischen zwei Farben wählen kann. Auf dem Tabernakel wiederum stehen drei Figuren zweier Engel, die das apokalyptische Lamm, auf dem Buch mit den sieben Siegeln liegend, flankieren.Hinweise auf einige der zahlreichen Ausstattungsstücke, abgerufen am 24. August 2019.

Marienaltar Der rechte Seitenaltar stammt ursprünglich von 1690. Er war zunächst dem heiligen Nikolaus geweiht, wurde jedoch bereits um 1700 zu einem Marienaltar. 1880 nahm eine Nachbildung der Lourdes-Madonna den Platz der bisherigen Madonna ein, die dann in der Kapelle in Unkel-Scheuren aufgestellt wurde. Bereits 1930 trat allerdings eine neu geschaffene Madonna eines Düsseldorfer Künstlers an deren Stelle. Passend dazu fanden auch zwei neue Assistenzfiguren ihre Aufstellung, und die vorherigen fanden einen neuen Platz auf den Beichtstühlen. Die Lourdes-Madonna wurde in einer Grotte im Garten des Christinen stiftes aufgestellt, wo sie bis heute steht. 1990 wurde der Altar schließlich wieder in seine ursprüngliche Fassung gebracht: Die Madonna und die Assistenzfiguren von 1930 wurden in die Scheurener Kapelle gebracht, und die alte Madonna kam wieder zurück in die Kirche. Auch kamen die beiden Assistenzfiguren des heiligen Laurentius und der heiligen Maria Magdalena zurück an den Altar. Bekrönt wird der Altar von einer Figur des heiligen Josef mit dem Kind.

Herresdorf-, Kreuz- oder Annenaltar Der linke Seitenaltar aus der Renaissance stammt von 1630 und wurde von den Brüdern Adam und Bertram der Patrizierfamilie Herresdorf als Votivaltar gestiftet. Er ist ein Reliefaltar aus feinkörnigem Import-Kalkstein. Im Hauptteil ist ein Relief mit dem Motiv des Tempelgangs Mariens abgebildet.Neu, Weigert: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuwied. 1940, S. 410. Darunter befinden sich in einem waagerechten Streifen kniend und betend dargestellt, Familienmitglieder der Familie Herresdorf. Flankiert wird das Relief von zwei korinthischen Säulen. An den Außenseiten befindet sich links als Assistenzfigur die Darstellung der Schule Mariens, rechts der heilige Pantaleon. Unterhalb der Figurensockel befinden sich ebenfalls noch Familienmitglieder, insgesamt, mit dem erwähnten waagerechten Streifen, ist an diesem Altar die ganze Familie mit ihren 18 Kindern abgebildet. Im Auszug des Altares trägt ein weiteres Relief das Motiv der Anbetung der Hirten. Links und rechts davon sind jeweils Figuren der heiligen Maria und des heiligen Johannes aufgestellt, die nach oben schauen, denn der Altar wird bekrönt von einem hölzernen Kruzifix, links daneben Maria kniend, aus Holz. Diese Figurengruppe, datiert von 1577, stammt vermutlich von einem Kreuzaltar, der vorher an dieser Stelle stand. Insgesamt weist der Altar viele Gestaltungsmerkmale der Epoche der Renaissance auf.

Pantaleonsaltar Aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt dieser ehemalige Hochaltar. Das Retabel und die Seitenflügel sind verloren gegangen. Übrig sind die Figuren des Mittelteils. Sie zeigen 10 Szenen aus dem Leben des heiligen Pantaleons und stehen unter kunstvoll geschnitzten Baldachinen und drei Heiligenfiguren: Die Muttergottes mit Kind, die heilige Maria Magdalena und eine dritte Heilige. Heute haben diese Figuren in einem neuen Retabel an der Nordwand der Vierzehn-Nothelfer-Kapelle ihre Aufstellung gefunden.

Sonstige Einrichtungsgegenstände Südliches Seitenschiff Das Gemälde „Ecce homo“ datiert um 1618 und wurde es vom Linzer Schultheißen Gottfried Salzfaß und seiner Frau gestiftet, die als Stifter auch auf dem Gemälde verewigt sind.

Die beiden Beichtstühle stammen aus der Barockzeit und werden durch die Figuren der Pestheiligen Sebastian und Rochus bekrönt.

Die wertvolle Stickerei des Antependiums von 1601 zeigt die Wurzel Jesse,Neu, Weigert: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuwied. 1940, S. 416. also den Stammbaum Jesu, und wurde früher an hohen Festtagen vor die Mensa des Hochaltares gehängt. Sie wird heute liegend aufbewahrt.

Die Heiligenfigur „St. Pantaleon“ ist an einer Säule im Seitenschiff befestigt. Diese spätgotische Plastik zeigt den heiligen Pantaleons als Arzt. An einer anderen Säule wiederum ist die dunkle Holzplastik des Schmerzensmanns aus dem 14. Jahrhundert befestigt. Vor Ostern steht sie, mit einem roten Mantel bekleidet, auf dem Altartisch des Herresdorfsaltars. Die Nachbildung einer spätgotischen Kölner Pietà ist in einem modernen, geschmiedeten Gehäuse unter der Empore aufgestellt.

Hauptschiff Das lebensgroße Kruzifix von 1540 hängt an der Westwand des Hauptschiffes. Ursprünglich hing es an der Choraußenwand. Ebenfalls an der Westwand ist ein schmiedeeiserner Wandleuchter angebracht, der aus der Werkstatt des Tillmann von Unkel stammt. Verziert ist er mit Weinmotiven. Vor dem Übergang zum Chor hängt ein etwa 3 Meter hoher, siebenarmiger Leuchter von 1527, der kunstvoll geschmiedet, geschnitzte Engel aufweist, die einerseits Leidenswerkzeuge Jesu, andererseits Kerzenständer tragen. Sie weisen noch ursprüngliche Farbfassung auf. Drei Engel am oberen Ende des Leuchters tragen eine Krone, am unteren Ende ist auf die Leuchterschale die Inschrift „O mater Dei nostri miserere anno 1572“ (O Mutter unseres Herrn, erbarme dich) aufgemalt.

Die barocke Kanzel von 1714 zeigt am Kanzelkorb in Muschelnischen die vier Evangelisten mit ihren Attributen. Auf dem Schalldeckel sind die vier großen Kirchenväter, Augustinus, Ambrosius, Hieronymus und Gregorius als Figuren dargestellt. Auf einer durch Voluten gestützten Erhebung steht eine Figur Jesus als Weltenrichter. Mit ihren ebenfalls gewundenen Säulen und Verzierungen ist sie dem Hochaltar angepasst.

Die Kommunionbank stammt ebenfalls von 1714. Sie ist aus Holz geschnitzt und in sechs Felder unterteilt, von denen jeweils zwei links außen und rechts außen fest verankert sind, und die beiden in der Mitte geöffnet werden können. Sie dienen als Durchgang zum Altarraum. Von links nach rechts finden sich folgende Motive: Christi Leib und Blut; der Prophet Elija erhält von einem Engel himmlische Speise; „Wie ein Hirsch nach Wasserquellen, so dürstet meine Seele nach dem Herrn“; das Wasser bricht aus der Wand des Tempels; das Osterlamm; der Pelikan. Links und rechts an der Chorwand befindet sich hölzerne Chorbänke von 1714 mit je vier Sitzen. Auch sie sind dem Hochaltar angepasst. Sie sind reich verziert. Kommunionsbank und Chorgestühl sind Stiftungen von Gottfried Eschenbrender, worauf dessen Wappen weist.Neu, Weigert: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuwied. 1940, S. 411.

Vor dem Hochaltar hängt eine reich verzierte silberne Ewig-Licht-Ampel, die 1696 in Augsburg entstanden ist und heute das ewige Licht trägt.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Rheinland-Pfalz, Saarland. 1984, S. 1091.

Nördliches Seitenschiff mini|hochkant|Bleiglasfenster mit dem hl. Philippus und dem hl. Pantaleon (rechts) an der nördlichen Chorseite An der Nordwand der Kirche hängt ein großes Ölgemälde von 1714, das die vierzehn Nothelfer zeigt. Das Gemälde mit der Beweinung Christi aus dem 17. Jahrhundert wird in das Umfeld Rubens eingeordnet. Parallel zu der Pantaleonsfigur im südlichen Seitenschiff ist hier eine spätgotische Plastik der Schule Mariens an einer Säule zu finden.

14-Nothelfer-Kapelle Die 14-Nothelfer-Kapelle ist im westlichen Joch des nördlichen Seitenschiffs untergebracht, gleichzeitig Taufkapelle und durch ein Gitter von der Kirche abgetrennt.Neu, Weigert: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuwied. 1940, S. 408.