Little Britain war eine britische Sketch-Show von Matt Lucas und David Walliams. Der Titel ist eine Mischung der Begriffe „Little England“ und „Great Britain“. Die Show wurde erstmals 2001 auf BBC Radio 4 als Radiosendung ausgestrahlt, 2003 wurde die erste Staffel mit acht Folgen auf dem digitalen TV-Sender BBC 3 gesendet. Bislang sind weitere zwei Staffeln mit je sechs Folgen und zwei Folgen eines Specials namens Little Britain Abroad erschienen. Alle Folgen sind auch auf DVD veröffentlicht. In Deutschland wurde die Serie seit 2006 auf Comedy Central und seit 2016 auch bei One ausgestrahlt. In Österreich übernahm der ORF die Ausstrahlung, in der Schweiz SRF zwei.

Konzept Die Sendung besteht aus einer Ansammlung kurzer Sketche über die alltägliche Exzentrik der Briten, die durch den Erzähler lose miteinander verbunden sind. Hierfür wird beispielhaft eine Reihe verschiedener Figuren grotesk überzeichnet dargestellt. Diese Figuren verkörpern zumeist soziale Randgruppen und die Abartigkeiten des „kleinen Mannes“. Die Kommentare des Off-Sprechers bestehen häufig aus absurden, in ernsthaft-wissenschaftlicher Manier vorgetragenen Nonsens-Informationen über Großbritannien. In den dargestellten Szenen macht man sich oft über „Political Correctness“ lustig. Ein weiteres Markenzeichen der Sketche ist, dass diese aus Serien mit immer wiederkehrenden Darstellern bestehen und die Pointen stets nach ähnlichen Mustern aufgebaut werden, wobei durch leichte Variationen des Ablaufs für Auflockerung gesorgt wird.

Die Kommentare werden in der Originalfassung von Tom Baker gesprochen, der von 1974 bis 1981 den Doktor in der britischen Kultserie Doctor Who spielte und daher zu den Größen der britischen Fernsehgeschichte zählt. Einige seiner Kommentare beziehen sich auch auf diese Rolle.

Autoren Das Autoren- bzw. Schauspieler-Duo waren David Walliams und Matt Lucas. Beide waren schon im Jahr 2000 als Autoren für Sacha Baron Cohens Ali G. Show tätig und des Weiteren im Spielfilm Shaun of the Dead zu sehen.

Außerdem lieh Matt Lucas seine Stimme der Figur „Cardinal One“ aus der kontrovers diskutierten Zeichentrick-Serie Popetown und spielte Tweedlede und Tweedledum in Tim Burtons Alice im Wunderland.

Figuren mini|hochkant=1.1|Lou und Andy Lou Todd und Andy Pipkin Auftreten: Staffel 1 bis 3

Zitate: „Ja, ich weiß!“, „Ich will das da!“, „Ich find’s scheiße!“ (Andy), „Was für ein Geraffel!“, „Ich dachte, du magst …“ (Lou)

Der besonders fürsorgliche und freundliche Lou lebt mit dem im Rollstuhl sitzenden und mental beeinträchtigten Andy in Herby. Die Sketche der beiden Figuren folgen fast immer zwei verschiedenen Variationen:

In der ersten Variante wird der starr und etwas dumm wirkende Andy vor eine Wahl gestellt und entscheidet sich meist für das Gegenteil einer ursprünglich (vor der Szene) getätigten Aussage, auf der er jetzt aber beharrt. Während ihrer Diskussionen zitiert Lou diese frühere Aussage Andys in eloquenter Ausdrucksweise, die in keiner Relation zu dessen sonst dumpfer kurz angebundener Sprechweise steht. Lou beugt sich dieser Entscheidung nach erfolglosem Widerspruch. Kurz darauf revidiert Andy jedoch stets seine Entscheidung und Lou muss die Folgen wieder in Ordnung bringen.

Das zweite Schema der Andy-und-Lou-Sketche besteht darin, dass Lou Andy in eine Situation bringt, auf die Andy wenig Lust hat. Während Lou kurz abgelenkt ist, erhebt sich Andy und setzt seinen Willen durch eigenmächtiges Handeln oder Gewaltanwendung gegen Sachen oder Personen durch, und kehrt fast immer in seinen Rollstuhl zurück, bevor Lou sich ihm wieder widmen kann. Meist kommentiert Lou die veränderte Situation beiläufig, kann sich aber nie erklären, wie es dazu kommen konnte.

Vor allem in den späteren Staffeln der Serie kommt immer mehr ans Tageslicht, dass Andy gar nicht gehbehindert ist (sondern Lou nur ausnutzt) und er tatsächlich auch viel intelligenter ist, als es den Anschein hat.

Die Namen sind eine Anspielung auf Andy Warhol und Lou Reed.

Andy: Matt Lucas; Lou: David Walliams

Daffyd Thomas Auftreten: Staffel 1 bis 3

Zitate: „Ich bin der einzige Schwule im Dorf!“, „Eine Bacardi Cola, Myfanwy.“

Der übergewichtige Daffyd ist der Meinung, der einzige Homosexuelle im walisischen Dorf Llandewi Breffi zu sein, doch in jedem Sketch wird er mit der Tatsache konfrontiert, dass in der Ortschaft zahlreiche Menschen seiner sexuellen Orientierung leben, die er jedoch nicht akzeptiert bzw. demonstrativ ignoriert, bzw. er „outet“ sich bei jeder dieser Erkenntnisse selbst als homophob und bekundet seine einschlägigen Vorurteile. Außerdem ist er der strikten Überzeugung, von allen und jedem aufgrund seiner sexuellen Orientierung verachtet und benachteiligt zu werden, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Sein Markenzeichen ist meist knappe, transparente, extravagante und klischeebehaftete Kleidung, die meist aus grellbuntem Latex oder ähnlichen Synthetikstoffen besteht.

Viele Sketche spielen im Pub von Daffyds einziger Freundin Myfanwy. Ein wiederkehrendes Muster ist hierbei, dass Myfanwy trotz der häufig herablassenden Behandlung durch Daffyd großen Enthusiasmus zeigt, Daffyd mit anderen schwulen Dorfbewohnern zu verkuppeln, was Auslöser für Daffyds oben genannte Reaktionen ist. Obwohl Myfanwy lesbisch ist und in einer Folge sogar eine Frau heiratet, wird vereinzelt angedeutet, dass sie insgeheim romantische Gefühle für Daffyd hegt.

Daffyd: Matt Lucas; Myfanwy: Ruth Jones

Vicky Pollard Auftreten: Staffel 1 bis 3

Zitate: „Aber ja, aber nein, aber ja, aber nein …“, „Oh mein Gott, ich kann nicht glauben, dass du das gesagt hast!“, „Halt die Fresse!“, „Bin ich jetzt wieder schuld oder was?“

Vicky ist ein vorlautes, übergewichtiges und stets genervtes Mädchen, das in Darkley Noone lebt. Sie repräsentiert das typische Abbild einer englischen Chavette und ist dementsprechend auch immer im Jogginganzug anzutreffen. Vicky hat mehrere Kinder von unbekannten Vätern (Anspielung auf die hohe Jugendschwangerschaftsrate in Großbritannien), ist meistens mit ihrer Gang unterwegs und über die intimen Details des Privatlebens sämtlicher Mitmenschen der „Szene“ bestens informiert. Diese Geschichten nutzt sie als Ablenkung, wenn sie irgendeiner Ordnungswidrigkeit oder Straftat beschuldigt wird. Markenzeichen ist dabei ihr überaus schneller Redefluss, gepaart mit ihren szenespezifischen Floskeln.

Vicky: Matt Lucas

Sebastian Love und Premierminister Michael Stevens Auftreten: Staffel 1 bis 3

Zitat: „Was auch immer!“ (Sebastian)

Sebastian ist jung, homosexuell, ausdrucksstark und der Sekretär von Premierminister Michael Stevens, in den er sich vom ersten Moment an verliebt hat. Obwohl der Premierminister bereits mit einer Frau verheiratet ist, tauchen bei diesem immer wieder Anzeichen einer latenten Homosexualität auf, die jedoch nie Sebastian, sondern anderen Politikerkollegen offenbart werden. Sebastian selbst ist daher überaus eifersüchtig und versucht auf äußerst penetrante Art und Weise, jegliche Treffen zu verhindern, zu verkürzen oder zu sabotieren, indem er seine Liebe offensichtlich und wiederholt gesteht. In Little Britain USA hat Sebastian die Rolle des Premierministers eingenommen und macht dem Präsidenten der Vereinigten Staaten schöne Augen.

Sebastian: David Walliams, Michael: Anthony Head

Kenny Craig Auftreten: Staffel 1 und 2

Zitate: „Sieh mir in die Augen, sieh mir in die Augen, direkt in meine Augen, in die Augen, nicht daran vorbei, in die Augen (schnippst mit den Fingern)! Du bist in Trance.“ „3-2-1, du bist wieder hier!“

Kenny Craig ist ein Hypnotiseur, der in verschiedensten Situationen Leute hypnotisiert, um sich damit einen persönlichen Vorteil zu verschaffen. In den meisten Sketchen erzielt er immer wieder die absurd-komischsten Erfolge, verbunden mit einer sehr dahingeschluderten Hypnotisiertechnik, die er bei seinen sich oft wiederholenden Hypnosen immer schlampiger durchführt und die eigentlich gar nicht funktionieren dürfte.

Er hypnotisiert beispielsweise sein gesamtes Publikum, lässt es glauben, die sagenhafteste Show seines Lebens erlebt zu haben, und liest dann für den Rest der Vorstellung in einem Buch. Oder er lässt Augenzeugen vergessen, dass sie ihn als Unfallverursacher gesehen haben. Später besteht der Witz auch darin, dass ein Komiker so schlecht ist, dass Kenny seinem Opfer zwar völlig paradoxe Erinnerungen einpflanzen kann, nur nicht, dass dieser eine Komiker lustig gewesen sei. Bei seiner Mutter stellt es sich wiederum teilweise so dar, als sei er gar nicht in der Lage, jemanden wirklich zu hypnotisieren.

Kenny Craig: Matt Lucas

Ray McCooney Auftreten: Staffel 1

Zitate: „Jaaaaa!“ „Möglicherweise ja, möglicherweise nein!“

Ray McCooney besitzt ein Hotel in Schottland, das er mit „seinen Kindern“ (ein paar Kleinwüchsigen) leitet. Er ist ein wenig exzentrisch und verwirrt regelmäßig seine Besucher, zum Beispiel, indem er in Rätseln antwortet oder seine Aussagen mit skurrilen Block- oder Panflötenmelodien unterstreicht. Außerdem stellt sich in manchen Situationen heraus, dass er sich auch normal verhalten kann und sich nur verrückt anstellt. Jeweils vor den Sketchen wird etwas über Schottland gesagt, etwa: „If you want to make holidays and the Arctic is fully booked, why not try Scotland?“ Gezeigt werden dann ein Mann und eine Frau in Badekleidung im schottischen Regen.

Ray McCooney: David Walliams

Marjorie Dawes Auftreten: Staffel 1 bis 3

Zitate: „Hallo Fatties!“ „Staub?“ „Sie ist fett, weil sie Kuchen liebt!“ „Was sagst Du, Liebes?“ „O Mann, ich liebe Kuchen!“ „Es ist nicht einfach, was?“

Marjorie ist Leiterin der Selbsthilfegruppe „Fat Fighters“, einer Parodie auf die „Weight Watchers“, die selbst übergewichtig ist. Sie beleidigt regelmäßig die Teilnehmer der Gruppe, verschmäht aber selbst üppiges Essen nicht. Sie scheint die Kurse der „Fat Fighters“ hauptsächlich nur aus dem Motiv heraus zu leiten, um sich selbst von ihrem eigenen Übergewicht abzulenken, indem sie sich über andere übergewichtige Mitmenschen erhebt.

Beispielsweise tut sie so, als könnte sie die Inderin Meera nicht verstehen, obwohl diese zwar einen starken indischen Akzent hat, jedoch verständlich Englisch (bzw. Deutsch) spricht und sich abgesehen von ihrer traditionellen indischen Kleidung völlig an die britische Lebensweise angepasst hat. Zum Beispiel schreibt Marjorie als Antwort auf die Frage nach Heißhunger auslösenden Nahrungsmitteln auf ihre Flipchart „Curry“ anstatt der eigentlichen Antwort von Meera (Fish and Chips) und kommentiert dies mit: „Muss irgendwas sein, was wir hier nicht haben …“.

Ein weiteres Opfer von Marjorie ist Pat, einer der Härtefälle der Selbsthilfegruppe. Marjorie erniedrigt Pat in jedem Sketch, weil diese immer zunimmt, und rät ihr des Öfteren, Staub zu verzehren. Als Pat in einem Sketch dann abgenommen hat, füttert Marjorie Pat mit Éclairs, damit sie wieder zunimmt. Pat geht mit der Zeit eine Beziehung mit Paul ein und wird schwanger, was weitere pseudo-fürsorgliche Ratschläge von Marjorie zur Folge hat. Die etwa 50-jährige Tanya wird von Marjorie zusätzlich wegen ihres Alters herabgesetzt.

Ein Running Gag ist auch, dass Marjorie immer sagt, man solle Staub essen, weil er wenige bis keine Kalorien enthalte und man folglich trotz des übermäßigen Verzehrs von Staub nicht an Gewicht zunehmen könne.

Marjorie: Matt Lucas. Marjories Opfer: Paul: Paul Putner; Pat: Joann Condon; Meera: Charu Bala Chokshi; Tanya: Leelo Ross

Emily Howard und Florence Auftreten: Staffel 1 bis 3

Zitate: „Ich bin eine Lady!“ „Ich mache Ladysachen … und so’n Scheiß.“