mini|Fußball … mini|… Tennis … mini|… Rugby … mini|… und Cricket sind einige der Sportarten, die im Vereinigten Königreich entstanden sind

Sport spielt eine bedeutende Rolle im Vereinigten Königreich. Die beliebteste Mannschaftssportart ist mit großem Abstand Fußball. Es folgen Cricket, Rugby Union und Rugby League. Bedeutende Einzelsportarten sind Leichtathletik, Fechten, Golf, Motorsport und Pferderennen. Das Regelwerk vieler bedeutender Sportarten entwickelte sich im Vereinigten Königreich. Dazu gehören unter anderem Fußball, Tennis, Squash, Golf, Boxen, Rugby, Cricket, Snooker, Billard, Badminton, Curling, Polo.

Organisationsstruktur Die vier Teilstaaten England, Schottland, Wales und Nordirland besitzen in den meisten Mannschaftssportarten getrennte Mannschaften. Zu den Olympischen Spielen werden jedoch ausschließlich gemeinsame Mannschaften aller vier Home Nations entsandt. Diese starten formell unter der Bezeichnung „Great Britain and Northern Ireland“, was jedoch üblicherweise zu „Great Britain“ verkürzt wird. Wettkämpfe zwischen den vier Teilstaaten bildeten einst das Grundgerüst des britischen Sportgeschehens, doch haben diese in den letzten Jahrzehnten stark an Bedeutung verloren. So werden beispielsweise die British Home Championship im Fußball seit 1984 nicht mehr durchgeführt. Vereinsmeisterschaften werden in den meisten Mannschaftssportarten ebenfalls getrennt durchgeführt; „britische“ Meisterschaften sind deshalb sehr selten.

Die Bedeutung der Nationalmannschaften und der Vereinswettbewerbe ist von Sportart zu Sportart unterschiedlich. Im Fußball stehen die Vereinswettbewerbe klar im Vordergrund, da die Mannschaften während fast des gesamten Jahres Spiele bestreiten. Dies hat jedoch keinen negativen Einfluss auf die Spiele der Nationalmannschaften, da diese ebenfalls sehr rege besucht werden. Im Cricket genießen die Nationalmannschaften weitaus mehr Beachtung als die Spiele der Vereinsmannschaften, während es sich im Rugby League genau umgekehrt verhält. Im Rugby Union ist das Verhältnis in etwa ausgeglichen.

In den Einzelsportarten ist die Unterscheidung der vier „home nations“ von geringer Bedeutung und die Sportler werden in der Regel als Vertreter des gesamten Vereinigten Königreichs betrachtet; allerdings identifizieren sich beispielsweise schottische Sportinteressierte mehr mit einem schottischen Sportler als mit einem Sportler aus einem anderen Teilstaat. Im Gegensatz zu den Olympischen Spielen entsendet jede „home nation“ eigene Mannschaften zu den Commonwealth Games.

Sozialstruktur

Bei den einzelnen Sportarten sind teilweise deutliche regionale und soziale Unterschiede zu erkennen. In weiten Teilen der englischen und schottischen eher unteren sozialen Schichten (working class) ist Fußball mit deutlichem Abstand die beliebteste Mannschaftssportart, wohingegen in Wales und in mittleren und höheren sozialen Schichten (upper class) Englands und Schottlands Rugby Union meist der Mannschaftssport Nummer eins ist. Cricket und Polo sind ebenfalls traditionell eher sozial „elitärere“ Sportarten, während Rugby League als Sportart der Arbeiterklasse Nordenglands gilt.

Diese Gegebenheiten haben meist historische Ursachen. So war es in den englischen Arbeitervierteln der Großstädte ohne Rasenflächen nicht möglich, Rugby zu spielen, für Fußball dagegen bedurfte es nur eines Hinterhofs. Die höheren Schulen der upper class verfügten allesamt über Rasenplätze, auf denen man Rugby und Cricket spielen konnte. Im Laufe der Zeit wurde der jeweilige Sport auch eine Möglichkeit der Identifikation mit seiner „Klasse“. Gerade wenn man auf die Zuschauerränge eines Rugby- und eines Fußballspiels beispielsweise der englischen Nationalmannschaften schaut, erkennt man heute deutliche Unterschiede im Klientel. Gewalt unter und durch Fans war lange im englischen Fußball ein enormes Problem, hat im Rugby jedoch nie eine Rolle gespielt.

Verwaltung und finanzielle Unterstützung

Auf Regierungsebene für den Sport zuständig ist das Department of Culture, Media and Sport. Das Ministerium wird von einem Kabinettsminister geleitet, doch der ihm unterstellt Minister für Sport und Tourismus ist nicht Mitglied des Kabinetts. Für die Koordination der olympischen Sportarten zuständig ist die British Olympic Association.

Der Großteil der finanziellen Unterstützung des Spitzensports im Vereinigten Königreich kommt aus dem kommerziellen Erlös, doch ist dies auf wenige Sportarten beschränkt. Die Fußballmannschaften der FA Premier League erzielten in der Saison 2003/04 laut Deloitte Touche Tohmatsu einen Umsatz von 1,25 Milliarden Pfund, alle britischen Profi-Fußballmannschaften zusammen rund 2 Milliarden Pfund. Andere bedeutende Sportarten generieren einen Umsatz zwischen einigen Dutzend Millionen und wenigen hundert Millionen Pfund. So kosten beispielsweise die Fernsehrechte für Cricketspiele zwischen 2006 und 2009 jedes Jahr 55 Millionen Pfund.

Leichtathletik sowie die meisten anderen Sportarten, die in der Beliebtheitsskala außerhalb der Top 10 sind, sind in hohem Maße von der Unterstützung der öffentlichen Hand abhängig. Die staatliche Behörde, die dies koordiniert, ist UK Sports, die in jedem Teilstaat mit einer eigenen Unteragentur vertreten ist. Diese sind verantwortlich dafür, das von der National Lottery ausgeschüttete Geld zu verteilen. Einzelne Sportarten werden gesondert finanziert. So wird Tennis aus den Profiten der Wimbledon Championships finanziert, Pferderennen mit einer Gebühr auf Wetten.

Beliebtheit

Eine im März 2005 vom Meinungsforschungsinstitut MORI durchgeführte Umfrage über die beliebtesten Sportarten der Briten brachte folgendes Ergebnis: (PDF)

Sportart Fernsehzuschauer Aktive Teilnahme Fußball 46 % 10 % Rugby Union 21 % k. A. Tennis 18 % 3 % Leichtathletik 18 % 2 % Snooker 17 % 5 % Cricket 17 % 2 % Motorsport 16 % k. A. Rugby League 12 % k. A. Boxen 11 % k. A. Golf 11 % 6 % Darts 9 % 3 % Schwimmen k. A. 21 % Turnen k. A. 12 % Badminton k. A. 3 % Squash k. A. 3 % sonst. Wassersport k. A. 2 % Ski Alpin k. A. 1 %

Sportmedien

Die britische Medienlandschaft wird dominiert von landesweit erscheinenden Medien, lokale Medien haben eine sehr geringe Bedeutung. Traditionell spielte die BBC bei Fernsehübertragungen eine beherrschende Rolle und bot eine umfangreiche, qualitativ hochstehende und werbefreie Berichterstattung. Übertragungsrechte erhielt sie zu einem geringen Preis. In einem geringeren Maße betrieb auch ITV Sportberichterstattung. Diese festgefügten Strukturen wurden zu Beginn der 1990er Jahre mit der Einführung von Bezahlfernsehen erschüttert. Das Marketingkonzept in den Anfangsjahren von BSkyB beruhte hauptsächlich darauf, die Übertragungsrechte für die höchste englische Fußball-Liga zu sichern und ein umfassendes Programm zu bieten. In der Folge erwarb BSkyB die Rechte auch in anderen Sportarten. Allerdings neigt BSkyB dazu, sich auf Sportwettbewerbe zu konzentrieren, die regelmäßig viele Zuschauer an sich binden können. Insbesondere Sportereignisse, die nur einmal jährlich oder seltener stattfinden, wie z. B. das Tennisturnier von Wimbledon oder Olympische Spiele, sind weiterhin frei empfangbar. Es gibt auch von der unabhängigen Fernsehkommission erlassene Verordnungen, die verhindern, dass einzelne Sportereignisse ausschließlich von Bezahlsendern ausgestrahlt werden.

Ebenfalls von Bedeutung sind die Berichterstattungen im Radio. Der Sender BBC Radio Five Live berichtet von fast allen bedeutenden Sportanlässen. Er hat einen kommerziellen Rivalen namens talkSPORT, der jedoch bei weitem nicht die Anzahl exklusiver Verträge erwerben konnte wie BSkyB. BBC Local Radio konzentriert sich auf regionale Ereignisse und Berichte von Spielen unterer Ligen. Es gibt zwar keine einzige spezialisierte Sportzeitung, doch alle nationalen Zeitungen mit Ausnahme der Financial Times bieten eine umfangreiche Sportberichterstattung. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von wöchentlich oder monatlich erscheinenden Sportmagazinen.

Mannschaftsspitzensport

In vier Sportarten gibt es professionelle Ligen von hoher Bedeutung. Fußball ist die beliebteste Sportart und wird von August bis Mai gespielt. Ebenfalls in der kühleren Jahreszeit gespielt wird Rugby Union. Im Sommer, genauer von April bis September, werden Cricket und Polo gespielt. Rugby League ist traditionell ein Wintersport, doch in den späten 1990er Jahren wurde der Ligabetrieb in den Sommer verlegt, um die Konkurrenz zum Fußball zu verringern. Es gibt auch Profiligen im Basketball und Eishockey, doch fristen diese in den Medien eher ein Schattendasein. In den übrigen Sportarten gibt es Halbprofi- bzw. Amateurligen.

Fußball mini|Der FC Arsenal feiert den Meistertitel 2004

Der moderne Fußball entwickelte sich aus den traditionellen britischen Fußballspielen des 19. Jahrhunderts. Dieser Sport ist heute mit großem Abstand der beliebteste. So beliebt, dass dies oft als Bedrohung für andere Sportarten gesehen wird. Auf internationaler Ebene treten die vier britischen Teilstaaten getrennt an, lediglich zu Olympischen Sommerspielen gibt es eine britische Nationalmannschaft. Das allererste Länderspiel fand 1872 zwischen Schottland und England statt. Der einzige internationale Titel ist der Gewinn der Weltmeisterschaft 1966 durch England vor heimischem Publikum.

Jeder Teilstaat hat seinen eigenen Fußballverband; es sind dies die Football Association (England), die Scottish Football Association (Schottland), die Football Association of Wales (Wales) und die Irish Football Association (Nordirland). Sie sind verantwortlich für die Nationalmannschaften, den Breitensport und die Pokalwettbewerbe. Gegenüber den Profiligen haben sie allerdings an Einfluss eingebüßt. In jeder der vier „home nations“ gibt es separate Ligasysteme.

Das englische Ligasystem umfasst Tausende von Vereinen, an deren Spitze nicht weniger als vier professionelle Ligen stehen. Die höchste ist die FA Premier League mit 20 Mannschaften. Die drei darunter stehenden Ligen (League Championship, League 1, League 2) mit insgesamt 72 Mannschaften werden von der English Football League organisiert. Unterhalb der vier obersten Ligen gibt es einige wenige Profimannschaften sowie eine Vielzahl von halbprofessionellen Mannschaften. Somit hat England mehr als hundert Profimannschaften, mehr als jedes andere europäische Land. Die zwei wichtigsten englischen Pokalwettbewerbe sind der FA Cup und der League Cup.

Schottland besitzt eine ähnliche Struktur, aber in kleinerem Umfang. Die wichtigste Liga ist die Scottish Premier League (SPL) mit zwölf Mannschaften, die von den Glasgow Rangers und von Celtic Glasgow klar dominiert wird, sowohl finanziell als auch in Bezug auf die Anzahl der Fans. Unterhalb der SPL ist die Scottish Football League mit drei Ligen und insgesamt 30 Vereinen, von denen aber nicht alle vollprofessionell sind. Die zwei wichtigsten Pokalwettbewerbe sind der Scottish Cup und der Scottish League Cup.

Die höchste Liga in Wales ist die League of Wales. Deren Bedeutung ist allerdings relativ gering, da Rugby Union der walisische Nationalsport ist und die drei besten walisischen Mannschaften im englischen Ligasystem integriert sind. Der Welsh Cup und der FAW Premier Cup sind die wichtigsten Pokalwettbewerbe. Die oberste Liga in Nordirland ist die Irish Football League mit drei Klassen, die trotz ihres Namens nur nordirischen Mannschaften offensteht, dies im Gegensatz zur durchlässigeren League of Ireland aus der Republik Irland.

Cricket mini|Warwickshire gegen Worcestershire beim Twenty20 Cup in Birmingham (Juli 2006)