Tag Null () ist ein BBC-Fernsehfilm von Mick Jackson aus dem Jahr 1984 über einen nuklearen Angriff auf Großbritannien und die Folgen eines Atomkriegs allgemein. Die im März 2026 erschienene deutsche DVD/BD trägt den Titel Threads – Tag Null.

Der Film gilt als eine der realistischsten und schockierendsten Darstellungen über die Konsequenzen eines nuklearen Konflikts. Eine Eskalation zwischen den Supermächten im Nahen Osten führt binnen wenigen Wochen zum globalen Atomkrieg. Der Film schildert das Schicksal von zwei Familien einer durchschnittlichen englischen Industriestadt, kurz vor, während und über Jahrzehnte nach dem Angriff. Er behandelt Themen wie den „nuklearen Winter“, den totalen Zusammenbruch der Infrastruktur, die Strahlenkrankheit und die letztendliche Degeneration von Sprache und Kultur. Regisseur Mick Jackson nutzte einen semidokumentarischen Stil mit Informationstafeln und Erzählern, um die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen sachlich, aber auch sehr drastisch darzustellen.

Handlung Der Film versucht aufzuzeigen, wie durch eine große Katastrophe – hier einen Atomkrieg – die sensiblen Fäden (englisch threads), die eine moderne Gesellschaft zusammenhalten, zerstört werden.

Als Kulisse des Films dient die nordenglische Stadt Sheffield, im Mittelpunkt des Geschehens steht ein junges Paar, Ruth Beckett (dargestellt von Karen Meagher) und Jimmy Kemp (Reece Dinsdale), sowie deren Familien. Die (fiktive) Handlung setzt im März 1983 mit der Invasion der Sowjetunion im Iran ein. Hieraus entsteht rasch eine ernsthafte politische Krise zwischen den Supermächten UdSSR und USA, die den sofortigen Rückzug der sowjetischen Streitkräfte fordern.

Der Weg zum Atomkrieg Ruth merkt Anfang Mai, dass sie schwanger ist und erzählt dies Jimmy, der ihr daraufhin einen Heiratsantrag macht. Die beiden kaufen eine Wohnung und beginnen mit den Renovierungsarbeiten. Jimmy tut sich allerdings noch schwer mit dem Gedanken, bald verheiratet und Familienvater zu sein, da er den Verlust seiner Unabhängigkeit befürchtet. Zur selben Zeit verschärfen sich die weltpolitischen Spannungen, als bekannt wird, dass ein Schiff der US-Marine im Persischen Golf von den Russen versenkt worden ist. Im Gegenzug wird ein Schiff der sowjetischen Flotte angegriffen.

Der US-Präsident schickt daraufhin Bodentruppen in den Iran; der Bürgermeister Sheffields wird angewiesen, seinen Krisenstab zusammenzurufen. In den Supermärkten kommt es zu ersten Hamsterkäufen. Die Luftwaffenbasis RAF Finningley, 17 km von Sheffield entfernt, befindet sich im permanenten Alarmzustand (im Film ersichtlich über den BIKINI state).

Am 21. Mai stellen die USA der Sowjetunion ein Ultimatum, den Iran zu verlassen. In England demonstriert man gegen diesen Krieg. Die britische Regierung übernimmt die Kontrolle über British Airways, die Ölplattformen in der Nordsee werden von der Royal Navy gesichert. In der Bevölkerung befürchtet man, dass es zu einem großen Krieg kommen könnte, an einem Abend im Pub meint ein Arbeitskollege zu Jimmy, sie sollten noch einmal richtig ihre Freiheiten genießen, denn schon bald könnte wegen eines Atombombenangriffs alles vorbei sein. Jimmy lässt sich zunächst nur zögernd darauf ein, doch am Ende betrügt er seine Verlobte mit einer jungen Frau, die er im Pub kennengelernt hat – bei ihrem Schäferstündchen in Jimmys Auto werden die beiden aber durch eine vorbeifahrende Militärkolonne gestört.

Am 22. Mai um 12 Uhr läuft das Ultimatum aus. Amerikanische B-52-Bomber greifen die sowjetische Basis bei Maschhad an. Zu ihrer Verteidigung setzen die Sowjets auch eine nukleare Abwehrrakete ein. Die USA antworten postwendend mit einem Atomschlag auf den sowjetischen Stützpunkt. Der atomare Schlagabtausch ist damit zunächst beendet. Im britischen Parlament wird rasch ein Notstandsgesetz beschlossen. Überall im Land kommt es zu Unruhen, die Menschen stürmen die Supermärkte und andere Geschäfte, um sich noch rechtzeitig mit Lebensmitteln einzudecken; obwohl die offiziellen Stellen immer wieder betonen, es gäbe diesbezüglich keine Engpässe, sind viele Waren schon bald ausverkauft. Nachschub kann wegen Treibstoffmangels und weil Transportfahrzeuge für die Armee beschlagnahmt wurden, nicht mehr ausgeliefert werden. Viele Stadtbewohner versuchen deshalb, aufs Land zu flüchten, obwohl die Regierung dringend davon abrät.

Am 24. Mai wird ein Flugzeugträger der US-Navy im Persischen Golf versenkt. Daraufhin verhängt die US-Regierung eine Seeblockade gegen Kuba. Auf den britischen Autobahnen kommt es zu kilometerlangen Staus durch Flüchtlinge, zudem werden viele Straßen gesperrt, um Militärtransporte zu ermöglichen. Die Tankstellen werden geschlossen. Patienten mit leichteren Beschwerden müssen die Krankenhäuser verlassen, um Platz für die zu erwartende hohe Zahl an Verwundeten zu machen. „Subversive Elemente“ werden vorsorglich inhaftiert. Private Telefonanschlüsse werden gesperrt. Aufgrund einer Nachrichtensperre weiß die britische Öffentlichkeit nichts über die Atomschläge im Iran.

Am 25. Mai bestätigen Wissenschaftler die beiden atomaren Explosionen, die durch Seismographen und der Messung radioaktiver Stoffe in der Atmosphäre nachgewiesen werden konnten. Die Gewerkschaften drohen mit einem Generalstreik. Kunstwerke werden ebenso wie Feuerwehrwagen an sichere Orte gebracht. Der Bürgermeister von Sheffield begibt sich mit seinem Krisenstab in den Bunker unterhalb des Rathauses. Mehrere eigentlich für diese Notverwaltung vorgesehene Mitarbeiter verweigern sich jedoch oder erscheinen einfach nicht zum Dienst. Vermutlich wollen sie ihre Familien nicht alleine zurücklassen. Auch der Bürgermeister nimmt nur schweren Herzens Abschied von seiner Frau. Sie bittet ihn inständig, nicht in den Bunker zu gehen.

Über Fernsehen und Radio wird die Bevölkerung über die nun anlaufenden Notfallmaßnahmen informiert. Ruth bricht während der Arbeit in ihrer künftigen Wohnung ob der ernsten weltpolitischen Lage in Tränen aus.

Am Morgen des 26. Mai schließlich kommt es zum ersten nuklearen Schlagabtausch. Um 8:30 Uhr, so erfahren wir, ist es 3:30 Uhr in Washington, D.C., zu diesem Zeitpunkt dürften der US-Präsident und seine Berater noch im Bett liegen. Die NATO würde daher erst mit einer gewissen Verzögerung auf einen Angriff reagieren.

Ruth fühlt sich nicht wohl und bleibt im Haus ihrer Eltern, die etwas außerhalb von Sheffield wohnen. Jimmy ist schon bei der Arbeit in seiner Tischlerei irgendwo in der Stadt, seine beiden jüngeren Geschwister dürfen zu Hause bleiben, da alle Schulen vorsorglich geschlossen wurden.

Der Angriff auf Sheffield

Um 8:32 Uhr wird in Sheffield roter Alarm ausgelöst. Der Krisenstab im Bunker aktiviert die Notstromversorgung und bereitet sich auf den bevorstehenden Atomschlag vor. In Sheffield heulen alle Sirenen. Auf den Straßen herrscht mittlerweile das blanke Chaos. Jimmy und seine Kollegen, ebenfalls davon überrascht, versuchen irgendwo Schutz zu finden.

Der erste Sprengkopf explodiert um 8:35 Uhr über der Nordsee. Durch den elektromagnetischen Effekt wird die gesamte Stromversorgung in Großbritannien und Nordwesteuropa außer Betrieb gesetzt.

Um 8:37 Uhr erfolgt die erste Angriffswelle, diese richtet sich vorwiegend gegen die militärischen Einrichtungen der NATO. Der Luftwaffenstützpunkt RAF Finningley wird durch eine Bodenexplosion vollkommen zerstört. Sheffield bleibt vorerst noch unversehrt; der Atompilz über Finningley ist jedoch in der ganzen Stadt zu sehen. Auf den Straßen herrscht eine unbeschreibliche Panik. Jimmy springt in sein Auto, in der Hoffnung, so dem ganzen Desaster noch entkommen zu können, die Technik seines Wagens wurde aber durch den elektromagnetischen Impuls irreparabel beschädigt und er springt nicht an, so dass er sich zu Fuß auf den Weg machen muss. Landesweit sterben 2,5 bis 9 Millionen Menschen in dieser ersten Angriffswelle mit 80 Megatonnen (TNT-Äquivalent).

Nur wenig später explodiert der erste Atomsprengkopf über Sheffield. Im Hypozentrum der Explosion wird alles Leben von einer Sekunde auf die andere ausgelöscht, durch die Detonation erreichen die Temperaturen dort kurzzeitig zwischen 60 und 100 Millionen Grad Celsius. Gebäude nahe dem Einschlagpunkt werden durch die Druckwelle dem Erdboden gleichgemacht, organisches Material verdampft innerhalb von Sekunden. Weiter entfernte Gebäude werden schwer beschädigt. Die Menschen verbrennen entweder bei lebendigem Leib oder sterben durch die hohe Gammastrahlung. Glas zerschmilzt aufgrund der Hitzeentwicklung von 5.000–7.000 Grad Celsius. Kurz darauf detoniert noch ein zweiter Sprengkopf über der Stadt.

Insgesamt werden in diesem Krieg von Ost und West 3.000 Mt atomares Sprengmaterial aufeinander abgefeuert, 210 Megatonnen davon werden über Großbritannien zur Explosion gebracht. Bis zu zwei Drittel aller Wohngebäude werden durch die überall ausbrechenden Großbrände vernichtet. Durch die Druckwellen sind im gesamten Land fast alle Fensterscheiben zertrümmert worden, auch viele Dächer sind abgedeckt. Dadurch sind die Menschen dem radioaktiven Niederschlag (Fallout) schutzlos ausgesetzt, der schon anderthalb Stunden nach den Explosionen auf das brennende Sheffield niederregnet.

Ruth und ihre Eltern haben den Angriff in ihrem Keller dennoch fast unversehrt überstanden. Die bettlägerige Großmutter, die infolge der Notstandsmaßnahmen das Krankenhaus hatte verlassen müssen, stirbt aber schon bald darauf. Als Ruths Eltern ihre Leiche nach oben tragen und im Gang ablegen, beschließt Ruth auf eigene Faust nach Jimmy zu suchen. Sie kann das Ausmaß des Elends und der Verwüstung, das sie in der weitgehend zerstörten Stadt sieht, kaum begreifen: Die Straßen sind mit Trümmern übersät, überall liegen verkohlte Leichen und Tierkadaver, die wenigen Überlebenden, auf die sie trifft, stehen entweder unter Schock, sind verwirrt oder vollkommen apathisch. Ihre Eltern werden nur wenig später von Plünderern ermordet.

Über Jimmys weiteres Schicksal erfährt der Zuschauer nichts; Ruth geht mittlerweile davon aus, dass er schon beim ersten Angriff ums Leben gekommen ist, denn einer seiner Arbeitskollegen der Ruth später zufällig über den Weg läuft, weiß nichts über seinen Verbleib. Auch seine Eltern sterben wenige Tage nach den Atomschlägen an der Strahlenkrankheit, da sie in ihrem provisorischen Schutzbau stark durch den radioaktiven Niederschlag kontaminiert wurden und die Mutter durch den Atomblitz schwere Verbrennungen erlitten hat. Unter den ersten Todesopfern der Angriffe sind auch Jimmys Bruder Billy und dessen Schwester: Billy stirbt im Garten seines Elternhauses, wo er nach Jimmys Vögeln sehen wollte, seine Schwester irgendwo auf der Straße, da man sie vorher noch zum Einkaufen geschickt hatte. Als Ruth endlich Jimmys Elternhaus erreicht findet sie in den Trümmern nur mehr die Leiche seiner Mutter vor, als Andenken an ihn nimmt sie ein angekokeltes Buch über exotische Vögel mit, die er gezüchtet hatte.