mini|hochkant|Emblem von Rolls-Royce Motor Cars

Rolls-Royce Motor Cars Ltd. ist ein englischer Automobilhersteller in der Tradition des Unternehmens Rolls-Royce, dessen Wurzeln im Bau von Elektroanlagen, Kränen und den luxuriösen Rolls-Royce-Automobilen liegen. Der Automobilbau ist seit dem Jahr 2000 eine Tochtergesellschaft des BMW-Konzerns.

Unternehmensgeschichte Unternehmensgründung F.H. Royce & Co. und C.S. Rolls & Co. mini|Henry Royce 1884 gründete der Ingenieur Frederick Henry Royce gemeinsam mit Ernest A. Claremont das Unternehmen F.H. Royce and Co. zum Bau und zum Vertrieb von Elektroanlagen. 1894 wurde diese Firma in Royce Ltd. umgewandelt.

1902 ersetzte Henry Royce sein erstes Motorfahrzeug, ein Quadricycle, durch einen gebrauchten französischen Zweizylinder vom Typ Decauville 10hp. Das Auto wurde per Bahn geliefert. Royce persönlich holte das Fahrzeug ab. Es gelang ihm jedoch nicht, den Decauville zu starten. Er war mit der Qualität des Fahrzeuges so unzufrieden, dass er sich vom Verwaltungsrat seines Unternehmens die Erlaubnis holte, drei Autos nach eigenem Design zu bauen.

Am 1. April 1904 fuhr Henry Royce ohne Probleme mit dem ersten fertigen Prototyp, einem Royce 10 hp, als Test vom Firmengelände in Manchester zu seinem etwa 25 km entfernten Wohnhaus in Knutsford und zurück.

Entgegen der Legende, Royce wollte schon mit seinem ersten Auto ein besonders leises Fahrzeug schaffen, erinnerte sich F.D. Nawell, ein Firmennachbar des Royce-Werks in der Cooke Street, später an die Testfahrten des ersten Royce-Autos: „Everybody knew when it was coming.“ (dt.: „Jeder wusste, wenn es [das Auto] näherkam.“)

Einen der drei Prototypen behielt Royce selbst, den zweiten fuhr Claremont und der dritte wurde an einen Großaktionär von Royce, Mr. Henry Edmunds, übergeben. Edmunds besprach die positiven Erfahrungen mit dem Royce 10 hp mit seinem Freund Claude Johnson, der der Geschäftspartner von Charles Rolls war. Johnson gelang es, Rolls für Royce zu interessieren und über Edmunds wurde ein Treffen vereinbart.

Rolls hatte im Januar 1903 mit C.S. Rolls & Co. in Fulham einen der ersten Autohändler in Großbritannien gegründet. Sein Vater borgte ihm das Startkapital von £ 6.600, was heute £  entspricht.

1904, als sich Rolls und Royce kennenlernten, importierte und verkaufte Rolls Luxusautos der Typen Minerva (Belgien) und Panhard (Frankreich). Er war seit der Unternehmensgründung auf der Suche nach einer britischen Automarke, die er in sein Programm aufnehmen wollte, jedoch genügten die Fahrzeuge der damaligen Zeit seinen hohen Qualitätsansprüchen nicht.

Am 4. Mai 1904 trafen sich Royce und Rolls im Midland Hotel in Manchester erstmals. Bei diesem Treffen machte Rolls auch eine Probefahrt mit dem brandneuen Royce 10 hp und war von der Qualität des Fahrzeugs überzeugt. Ohne feste Verträge begann Royce mit der Serienproduktion des Royce 10 hp, der nun mit wenigen Modifizierungen als Rolls-Royce 10 hp vermarktet wurde: Der Kühler erhielt die typische „Tempel-Form“ und die Namensplakette wurde geändert. 1904/1905 wurden 17 Fahrzeuge dieses Modells gebaut. Auch der 20 hp wurde in dieser vertragslosen Zeit entwickelt und als Rolls-Royce in Serie gebaut und verkauft (1904–1906: 37 Stück).

Erst am 23. Dezember 1904 wurde vertraglich fixiert, was schon monatelang „per Handschlag“ praktiziert wurde: C.S. Rolls & Co. bekam die Alleinverkaufsrechte für alle Fahrzeuge, die Royce Ltd. baute. Verkauft werden sollten die Fahrzeuge unter dem Namen Rolls-Royce. Die Vertragsverhandlungen auf Seiten von Rolls und in der Folgezeit die Koordination zwischen Verkauf und Produktion der Rolls-Royce-Fahrzeuge oblagen dem Geschäftspartner von Rolls, Claude Johnson.

Auf dem Pariser Autosalon im Dezember 1904 präsentierte Rolls-Royce erstmals seine Modellpalette im Rahmen einer Messe.

Zusammenschluss zur Rolls-Royce Ltd. mini|Rolls-Royce 10 hp (Modell 1905)

Am 15. März 1906 fusionierten C.S. Rolls & Co. und Royce Ltd. zur Firma Rolls-Royce Ltd. mit Sitz in Manchester. Im November 1906 wurde auf der Olympia Motor Show in London mit dem später als „Silver Ghost“ bezeichneten Rolls-Royce 40/50 hp das erste Modell dieser gemeinsamen Firma vorgestellt (1906–1928: 6173 Stück). Er kostete damals 305 Pfund – inflationsbereinigt entspricht das im Jahr 2025 etwa 47.000 Pfund oder 54.000 Euro. Das Fahrzeug verschaffte dem Unternehmen den Ruf, das beste Automobil der Welt zu bauen.

1907 wurden die Geschäftsbereiche bei Rolls-Royce Ltd. reorganisiert und neu aufgeteilt. Der Geschäftsbereich Auto wurde von den anderen Geschäftsbereichen (z. B. Elektroanlagen etc.) getrennt, indem die C.S. Rolls & Co. aus diesen anderen Geschäftsbereichen herausgekauft wurde.

Rolls war seit 1906 Technical Managing Director von Rolls-Royce, mit einem Jahresgehalt von £ 750 (etwa £ 110.00 im Jahr 2025) plus 4 % Prämie für alle Profite, die £ 10.000 überstiegen. Rolls steuerte zur Partnerschaft die finanzielle Ausstattung bei, während Royce die technische Expertise einbrachte. Ende 1909 – sein Interesse am Autogeschäft hatte sich abgekühlt – trat Rolls als Technical Managing Director zurück und wurde Direktor ohne Geschäftsbereich.

Am 10. Juni 1910 überquerte Charles Rolls mit seinem Flugzeug als erster Mensch in einem Nonstop-Hin-und-Rückflug den Ärmelkanal. Am 12. Juli 1910 starb er im Alter von 32 Jahren als erster Brite bei einem Flugunfall. Seinem Wright-Biplane war zwei Tage zuvor in Frankreich ein neues Heck angebaut worden, das nun im Flug abbrach. Rolls war zu diesem Zeitpunkt ein so bekannter und geehrter Mann, dass Lord Montagu of Beaulieu seine Rede im britischen Oberhaus unterbrach, um den Tod von Rolls bekannt zu geben. Sein Partner Henry Royce ist angeblich – auch als Konstrukteur von Flugmotoren – niemals selbst geflogen.

Seit 1911 trug der Silver Ghost als Kühlerfigur den legendären „Spirit of Ecstasy“, eine Frauengestalt mit einem im Wind wehenden Tuch.

Zwischenkriegszeit links|mini|Aktie der Rolls-Royce of America, Inc. vom 24. November 1925 mini|Rolls-Royce 40/50 hp (1923) Pall Mall Torpedo Tourer mit Karosserie von Brewster mini|links|alternativtext=Aktie der Rolls-Royce Limited über 23 £ des Stammkapitals, ausgegeben am 8. August 1934. Die Aktie stammt aus der Kapitalerhöhung im November 1918 von 200.000 £ auf 1.000.000 £. Die mit Abstand älteste bekannte Rolls-Royce Aktie.|Aktie der Rolls-Royce Limited über 23 £ des Stammkapitals, ausgegeben am 8. August 1934. Die Aktie stammt aus der Kapitalerhöhung im November 1918 von 200.000 £ auf 1.000.000 £.The Stock Exchange Year-Book 1937, Publishers Thomas Skinner & Co., London, p. 1760 Die mit Abstand älteste bekannte britische Rolls-Royce Aktie.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Produktion des Rolls-Royce 40/50 hp wieder aufgenommen. Dieses Modell blieb bis 1925 im Angebot. Ab 1922 wurde als weiteres Modell der Rolls-Royce 20 hp angeboten, der als „kleiner“ Rolls-Royce vorrangig die Selbstfahrer unter den Kunden ansprechen sollte.

Im Jahre 1921 begann Rolls-Royce, im Zweigwerk Springfield (Massachusetts) Chassis für den US-amerikanischen Markt zu bauen. Die Karosserien für diese bei Rolls-Royce of America gefertigten Fahrgestelle lieferte überwiegend Brewster & Co., ein alteingesessenes Karosseriebauunternehmen in New York, das ab 1914 Alleinimporteur der Marke gewesen war und 1926 mehrheitlich von Rolls-Royce übernommen wurde. Mehr als 400 – weitgehend standardisierte – offene Aufbauten lieferte zudem Merrimac. Die Fertigung in den USA endete 1931 im Zuge der Wirtschaftskrise.

Mitte der 1920er-Jahre waren die Automobile von Rolls-Royce bereits ein Mythos; man assoziierte sie international mit Prominenz, Adel, Glamour und Reichtum. Die im Herbst 1924 erstmals erschienene deutsche Automobilzeitschrift Der Herrenfahrer – Das Blatt vom Auto und anderen Annehmlichkeiten des Lebens widmete Rolls-Royce unter dem Titel „Der Wagen der Könige“ eine mehrseitige Bilderstrecke.Der Herrenfahrer erschien im Almanach Kunstverlag, Berlin. Hier zitiert aus Heft 1, 1924, S. 4ff Die Fotos zeigten unter anderem „König Alexander von Jugoslawien und Königin Mary in ihrem neuen Rolls-Royce“, den „König von Schweden an der Riviera mit seinem Rolls-Royce“ und den „Maharadscha von JahoreGemeint ist hier Sultan Ibrahim. in Rolls-Royce“.

Im November 1931 kaufte Rolls-Royce für £125.175 den Konkurrenten Bentley, der im Juli des gleichen Jahres Konkurs angemeldet hatte. Die Marke Bentley war als Hersteller teurer Sportwagen bekannt geworden. Rolls-Royce pflegte diesen Ruf, indem sportlichere Modelle als Bentley, die großen Phantom-Limousinen nur als Rolls-Royce und die meisten Modelle sowohl als Rolls-Royce als auch als Bentley angeboten wurden, wobei sich diese doppelten Modelle im Wesentlichen nur durch Kühlergrill, Kühlerfigur und die Markenschriftzüge unterschieden.

Am 22. April 1933 starb Henry Royce.

Im Jahre 1938 wurde mit dem Wraith das letzte neue Modell vor Beginn des Zweiten Weltkriegs präsentiert. Kurz nach Kriegsbeginn wurde die Produktion dieser aus dem Rolls-Royce 25/30 hp abgeleiteten Variante – wie auch bei den anderen Modellen – bereits wieder eingestellt.

Rolls-Royce-Motoren vor dem Zweiten Weltkrieg wiesen zum Teil eine Gaswechselsteuerung per Knight-Schieber auf, um einen besonders ruhigen Lauf zu erreichen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Verlagerung der Automobilproduktion nach Crewe mini|Rolls-Royce Silver Wraith (1956), Karosserie: Hooper-Limousine mini|Rolls-Royce Silver Shadow II (1980)

1946 wurde die Automobilproduktion nach Crewe verlegt. Im selben Jahr wurde mit dem Silver Wraith die erste Neuentwicklung nach dem Krieg präsentiert, während der Phantom III nicht wieder angeboten wurde. Der ab 1949 angebotene Silver Dawn richtete sich vor allem an den amerikanischen Markt und war als „Selbstfahrerwagen“ gedacht. Auf Wunsch war ein automatisches Hydramatic-Getriebe von General Motors erhältlich. Als erstes Rolls-Royce-Modell wurde der Silver Dawn auch mit einer Werkskarosserie angeboten.Enzyklopädie des Automobils. Weltbildverlag, 1994, S. 355. Der Silver Wraith wiederum war ab 1952 auch mit verlängertem Radstand und Trennscheibe zum Fahrer erhältlich.

1950 erschien mit dem Phantom IV der Nachfolger der Repräsentationslimousine. Mit dem 5675 cm³ großen Achtzylindermotor war der Phantom „ausreichend“ motorisiert.

Der 1955 vorgestellte Rolls-Royce Silver Cloud war identisch mit dem gleichzeitig präsentierten Bentley S, nachdem sich die Vorgängermodelle technisch schon zunehmend angenähert hatten. Der Hubraum der Sechszylindermotoren war in den vergangenen Jahren zunehmend gewachsen und stieg von 4.257 cm³ (1946) über 4566 cm³ (1951) auf nunmehr 4.887 cm³. Im überarbeiteten Silver Cloud II, der ab 1959 angeboten wurde, kam ein 6230 cm³ großer V8-Motor zum Einsatz. Dieser Motor, seinerzeit der größte Personenwagenmotor Europas,Roger Gloor: Nachkriegswagen – Personenautos 1945–1960. S. 320 hielt im selben Jahr auch im neuen Phantom V Einzug und wurde nur noch in Verbindung mit dem 4-Gang-Hydramatic-Getriebe angeboten.

Zum Einsatz kam ab 1959 eine V8-Maschine mit 6250 cm³, die 1970 während der Produktion des Silver Shadow I auf 6,75 Liter Hubraum vergrößert wurde. Hintergrund war, dass Mercedes-Benz zunächst mit dem M 100 in dem „großen“ Mercedes 600 an Rolls-Royce vorbeizog, und man mit dem 6¾ Liter-Motor die Nase vorn haben wollte (Mercedes-Benz konterte aber zeitnah mit 6,9 Liter V8 Motor). Diese Motorbasis fand bis 2009 im Bentley Verwendung, wo dieses Aggregat entsprechend weiterentwickelt und turbogeladen sogar die jeweils aktuellen Abgasnormen erfüllte. Auch für den aktuellen Phantom wurde wieder ein 6,75-Liter-Motor entwickelt, um die lange 6¾-Liter-Tradition zu wahren.