mini|450x600px|Erster bekannter Stadtplan Eckernfördes von Braun/Hogenberg, spätestens 1618 veröffentlicht
Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Stadt Eckernförde von der Urgeschichte bis in die Gegenwart.
Frühgeschichte mini|Moorleiche von Windeby I im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf
Archäologische Funde im heutigen Eckernförder Stadtgebiet belegen eine Besiedelung in zwei Epochen: in der Jungsteinzeit (etwa 5000–2000 v. Chr.) und in der Eisenzeit (ab etwa 500 v. Chr.). Während der Ausschachtungsarbeiten für das Gelände der Torpedoversuchsanstalt (TVA) Nord (Louisenberg) wurden 1936/37 Reste einer jungsteinzeitlichen Siedlung gefunden, darunter diverse Werkzeuge jener Tage (darunter eine verzierte Rosenaxt) und ein menschlicher Oberschenkelknochen.
Wichtigstes Zeugnis einer Besiedlung im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung ist der Fund der beiden Moorleichen von Windeby im Domslandmoor. Eine der beiden Leichen wurde lange Zeit als „Mädchen“ angesehen, ist tatsächlich jedoch männlichen Geschlechts. Die Untersuchung des dort entnommenen Torfprofils 1958 ergab unter anderem, dass an dieser Stelle seit der Eisenzeit Torf gestochen wurde. Daneben wurden rund um das Windebyer Noor weitere archäologische Funde gemacht, die auf Ansiedlungen in der Eisenzeit rund um den See schließen lassen. So wurden beispielsweise 1951 beim Bau der Eckernförder Umgehungsstraße an gleich mehreren Stellen auf Muschelschalenhaufen und Küchenabfälle gefunden, die mittels der Pollenanalyse der Eisenzeit zugerechnet werden konnten. Aus der Zeit um Christi Geburt stammen Reste eines Eisenverhüttungsplatzes.
Vermutet werden weitere Fundstellen jener zwei Epochen in der Ostsee und im Windebyer Noor, da der Wasserstand in diesen Zeiten um einige Meter unter dem heutigen lag. Diese Annahme wurde 1995 durch die Ortung zweier „fossiler Inseln“ im Windebyer Noor mittels eines Sedimentenecholots (siehe: Echolot, Abschnitt Echolote für die Forschung) verstärkt.
Für eine Besiedlung während der Völkerwanderungszeit (5./6. Jahrhundert n. Chr.) sprechen gefundene Urnenscherben.
Der Osterwall (auch: Ostwall) des Danewerks führte bis an das Windebyer Noor heran.
Entstehung der Stadt Eckernförde und der Siedlung Borby Die Herkunft des Stadtnamens Eckernförde ist nicht genau belegt und streitig. Der erste Namensteil Eckern weist möglicherweise auf Bucheckern hin, da Rotbuchen im heutigen Stadtgebiet früher ein geschlossenes Waldgebiet bildeten. Daher wohl das Eichhörnchen (dänisch egern, altdänisch ikorni) im Wappen, nach anderer Namensdeutung ist es das Eichhörnchen selbst, das zum ersten Namensteil geführt hat. Der zweite Namensteil -förde bezeichnet eine schmale Meeresbucht; dieser Namensbestandteil kann etymologisch als Furt gedeutet werden (– ursprünglicher zweiter Namensteil war -vorde – vgl. Voerde und Bremervörde, niederländisch: Voorde). Eine Furt existierte zwischen der Ostsee und dem noch mit ihr verbundenen Windebyer Noor. Der Eckernförder Historiker Jann Markus Witt nennt zwei Möglichkeiten der Namensdeutung: entweder „Förde bei der Eckernburg“ oder „Eichhörnchenfurt“. Zeitweise wurde der zweite Namensbestandteil durch -burg ersetzt, wie beispielsweise „Ykælænborg“ oder „Ykernæburgh“ = etwa „Eichhörnchenburg“. Hans Nicolai Andreas Jensen wies 1841 darauf hin, dass die Stadt nach ihrem ersten Siegel noch keinen bestimmten Namen trug, sondern die Einwohner nur als Bürger vor der Eckern-Burg (Si.Sivi:vor:de:ekerne:borgh)Abkürzung Si.Sivi für: Sigillum civium = Siegel der Bürger bezeichnet wurden, woraus sich dann der spätere Name zuerst (1288) über Eckerneuorde entwickelte.Hans Nicolai Andreas Jensen, Versuch einer kirchlichen Statistik des Herzogthums Schleswig, 3. Lieferung, Seite 1206; A.S. Kastrup Verlag, Flensburg, 1841 Demnach hätte bei Hinweglassung des Bestandteiles Burg eine Wortumkehrung stattgefunden, bei der -förde aus vor de(r) entstand.
Die Ortsbezeichnungen Eckernfördes begannen in der Vergangenheit überwiegend mit dem Anfangsbuchstaben E, außerdem auch mit den Anfangsbuchstaben ÆÆckernførde, Æckelnførde bei Nicolay Jonge: Kongeriget Danmarks chrorografiske Beskrivelse, Kopenhagen 1777, S. 927., HHekelsuorrde, Karte Schleswig-Holsteins von Giovannis Francesco Camocio, 1588., NNysted im Angeldänisch und Angelner Platt. und Y (s. o.).
Das genaue Gründungsdatum der Siedlung Eckernförde ist unbekannt; als der Dänenkönig Erich v. Pommern angeblich die Stadt 1416 im Krieg gegen die Grafen von Holstein niederbrannte, gingen angeblich alle Urkunden verloren. Ob dieser Stadtbrand jedoch überhaupt stattgefunden hat, ist strittig; dieses Ereignis sei, so beispielsweise Eckernförder Historiker Henning Unverhau, „einzig der Phantasie eines tendenziösen Geschichtsschreibers entsprungen“. Zu den vielen fachlichen Streitpunkten über die Anfänge der Stadt Eckernförde gehört die Frage, ob Eckernförde direkt als Stadt gegründet wurde (so Horst Slevogt) oder ob vor der Stadtgründung bereits eine Siedlung – ein Fischerdorf an gleicher Stelle oder ein nördlicher gelegenes Bauerndorf (so vermutet Unverhau) zum Beispiel – bestand. Der Name Ekerenvorde wurde zuerst im Jahr 1197 im Zusammenhang mit den beiden Eckernförder Rittern Godescalcus de Ekerenvorde und Nikolaus de Ekerenvorde erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits die Borbyer Kirche auf der gegenüberliegenden Seite in Borby wohl spätestens ab 1190.Die Angaben über den Baubeginn schwanken, z. B. Baubeginn zwischen 1150 und 1180 nach Angabe der Kirchengemeinde Borby , Entstehung der Borbyer Kirche laut Karl Friedrich Schinkel von 1185 bis 1190 - in K. F. Schinkel: Eckernförde – ein Spaziergang durch die Stadtgeschichte. Manfred Goos, Horn-Bad Meinberg 2002, 2. Auflage, Seite 154 Ende des 12. Jahrhunderts errichteten die Dänen am Ende der Eckernförder Bucht eine Burg, die 1231 im Erdbuch von König Waldemar II. als Ykernæburgh (Eichhörnchenburg) erwähnt wurde. Hierauf weist noch der Stadtteil Borby hin (dänisch Borreby von borg, Burg), dessen Gründung heute mit „um 1150“ datiert wird. Über den genauen Standort der Burg – unterhalb Borbyer Kirche versus Burgwall/Gasstraße – setzen wieder die unterschiedlichen Meinungen historischer Betrachtung ein; der Historiker Jann Markus Witt enthält sich einer abschließenden Festlegung, ob die Burg überhaupt auf einem dieser beiden Plätze stand („wahrscheinlich auf dem nördlichen Fördeufer“), während der ebenfalls aus Eckernförde stammende Historiker Henning Unverhau ganz auf die Burgwall-Variante setzt. Bereits im Städteansichtsbuch von Georg Braun und Frans HogenbergGeorg Braun/Frans Hogenberg: Civitates Orbis Terrarvm Liber, Antwerpen, 1572 bis 1618 Ende des 16./Anfang des 17. Jahrhunderts wurde von zwei nicht mehr existierenden Schlössern berichtet (die Bezeichnungen Schloß und Burg wurden seinerzeit synonym verwendet), von der der Borbyer Kirche nahe gelegen 'Ekernborch', „welchs obs wol in den Dänischen kriegen zerschleifft“ und von einem zweiten: „Nicht weit von dieser Brucken“, gemeint die Lange Brücke über den Hafen, . Von diesem sei „nit so viel, als von dem vorigen vorhanden.“zitiert nach Stefan Deiters, Die Stadt an der Eichhörnchenfurt Überliefert ist ein Henneke Molteke als Befehlshaber der Burg im Jahre 1349.Hans Nicolai Andreas Jensen, Versuch einer kirchlichen Statistik des Herzogthums Schleswig, 3. Lieferung, Seite 1217; A.S. Kastrup Verlag, Flensburg, 1841
Um 1210 wurde mit dem Bau der zunächst einschiffigen, nach dem Heiligen Nicolaus benannten Kaufmannskirche begonnen; der Baukörper dieses ersten Kirchenbaus besteht teilweise noch als integrierter Teil der heutigen Sankt-Nicolai-Kirche.
1302 wurde Eckernförde erstmals zweifelsfrei als Stadt erwähnt: In jenem Jahr kam es zu einer Korrespondenz zwischen Lübeck und Eckernförde über ein aufgefundenes Schiff; im mit Eckernförder Stadtsiegel versehenen Schreiben vom 6. Mai 1302 bestätigte der Bürgermeister und die Gemeinde der Stadt Eckernförde (consules et universitas civitatis Ekorenforde) ihrem Bürger Eskil Lille (auf Deutsch: Eskil der Kleine) das Eigentum an diesem Schiff. Der Zusammenhang macht deutlich, dass 1302 Eckernförde als Stadt schon bestand und nicht erst 1302 die Stadtrechte bekam. Diverse Eintragungen und Formulierungen in Urkunden seit 1197 (beispielsweise die explizite zusätzliche Nennung von Ykærnæburgh im Gebiet Fræzlæt im Steuerbuch von 1231) wurden und werden teilweise als Beleg dafür gewertet, dass Eckernförde als Stadt schon zu diesen Zeitpunkten bestand. Karl Friedrich Schinkel sieht Anlass, die Verleihung der Stadtprivilegien auf das Jahr 1215 zu datieren. Vor allem wird eine Mitteilung der dänischen Königswitwe Mechthild von Holstein an die Eckernförder Stadtbevölkerung (oppidani) aus dem Jahre 1288 über Eigentumsänderungen im Raum zwischen Eider und Schlei von mehreren Historikern dahingehend interpretiert, dass Eckernförde als Stadt schon 1288 bestand, obwohl das Wort cives gegenüber oppidani eindeutiger wäre. Das Stadtrecht wurde 1543 erneut(?) schriftlich fixiert und war an das der mächtigen Nachbarstadt Schleswig angelehnt.
Eckernförde war die südöstlichste Stadt im Herzogtum Schleswig, das seit 1231 unter eigenen Herzögen aus einer Nebenlinie des dänischen Königshauses stand (Nachfahren von Herzog bzw. König Abel). Rein rechtlich besaß nach dem Jütischen Recht (dänisch: Jyske Lov) Eckernförde eine Sonderstellung deswegen, weil es direkt auf dem Küstenstreifen entstanden war: Es gehörte direkt zum Privatbesitz des dänischen Königs und nicht zum dänischen Staat – ein Sachverhalt, der sich erst 1721 direkt auf Eckernförde auswirken sollte. Im Gegensatz zu den anderen schleswigschen Fördestädten kam das Umland im Spätmittelalter fast vollständig in die Hände adeliger Großgrundbesitzer. Die Hafenstadt war vor allem als Umschlagplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse wichtig.
15. Jahrhundert Ende des 14. Jahrhunderts und Anfang des 15. Jahrhunderts war Eckernförde ein gefürchtetes Piratennest. Aus den damaligen Auseinandersetzungen um den Einfluss auf den Landesteil Schleswig zwischen der dänischen Herrscherin Margarethe I. und ihren Nachfolgern auf der einen Seite und den holsteinischen Herzögen auf der anderen Seite profitierten die Piraten und wurden dabei auch direkt von den holsteinischen Herzögen unterstützt. Überliefert sind vor allem Ereignisse aus den Jahren 1386, 1409, 1416 und 1421. Seeräuber unter den Eckernförder Einwohnern waren im Jahre 1421 Peter Gold, Klaus Schütte und Klaus Mertens.Henning Unverhau: Anfang und frühe Entwicklung der Stadt Eckernförde, In: Heimatgemeinschaft Eckernförde, Jahrbuch der Heimatgemeinschaft Eckernförde e. V. 1995, S. 151 ff., 171 f.
Am 10. Oktober 1481 erhielten die Rendsburger durch Dorothea von Brandenburg, durch Heirat mit dem dänischen König Christian I. (Dänemark, Norwegen und Schweden) als Königin von Dänemark betitelt, kurz nach dem Tode ihres Gatten das Privileg verliehen, in Eckernförde und Kiel kaufen zu dürfen.Friedrich Schröder: Rendsburg als Festung, Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1939, Seite 21
16. Jahrhundert Bei der großen Landesteilung 1544 kam Eckernförde an Adolf I., den Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf, und lag damit sehr isoliert. Die adeligen Distrikte verblieben unter der gemeinsamen Regentschaft der drei, ab 1581 zwei Landesherren. Kurz vor dem Durchbruch der Reformation stiftete der letzte katholische Bischof von Schleswig, Gottschalk von Ahlefeldt, ein Hospital in Eckernförde, in das jedoch keine Stadtarmen, sondern Bedürftige von den umliegenden Adelsgütern aufgenommen werden sollten. Dieser Goschenhof stand nicht unter der Aufsicht des Magistrats. Ein Teil der Stiftungseinnahmen kam von den Untergehörigen der ebenfalls von einem Ahlefeldt gestifteten und 1541 mit dem Goschenhof vereinigten Marianerkapelle in Hadersleben. Patron war der jeweilige Gutsherr auf Gelting.