mini|hochkant|Helmut Kutin nimmt stellvertretend für SOS-Kinderdorf den Preis beim Save the World Award 2009 entgegen.
Helmut Kutin (* 4. Oktober 1941 in Bozen, Südtirol, Italien; † 23. April 2024 in Bangkok, ThailandDer Reisejournalist Axel N. Halbhuber, der eine Romanbiographie über Kutin verfasst hat, widmete Kutin in der Zeitung "Kurier" (Printversion vom 28. April 2024) einen Nachruf (hinter einer Bezahlschranke; in der Printversion S. 16) und eine Würdigung (in der Printversion S. 38).) war ein österreichischer Sozialmanager und von 1986 bis 2012 Präsident von SOS-Kinderdorf International. Im Zuge des Bekanntwerdens von Missbrauch und Gewalt in SOS-Kinderdörfern wurden auch gegen Kutin schwere Vorwürfe erhoben.
Leben und Wirken Helmut Kutin war das fünfte Kind des Rechtsanwaltes Eduard Kutin und seiner Gattin Josefine. Kurz nacheinander starben seine älteste Schwester, als erstes Opfer des Serienmörders Guido Zingerle, und seine Mutter. Der Vater verlor aufgrund der politischen Situation die italienische Staatsbürgerschaft, die Familie wurde auseinandergerissen, und so kam Helmut Kutin als Halbwaise im Jahr 1953 in das erste SOS-Kinderdorf nach Imst in Tirol. Er wuchs im Haus „Frieden“, dem ersten SOS-Kinderdorf-Haus, auf. Kutin absolvierte die Pflichtschule in Imst, seine Jugendzeit verlebte er im SOS-Jugendhaus in Innsbruck. Er besuchte die dortige Lehrerbildungsanstalt, maturierte 1963 und begann danach ein Studium der Volkswirtschaft an der Universität Innsbruck. Er arbeitete bis 1967 im Tourismusbereich sowie als Erzieher, um sich das Studium zu finanzieren.
Nach Gesprächen mit Hermann Gmeiner und einer Sprachausbildung in Paris übernahm Helmut Kutin im Herbst 1967 seine erste Aufgabe im Rahmen von SOS-Kinderdorf International. Er begann mit dem Bau des ersten vietnamesischen SOS-Kinderdorfes in Saigon, dem heutigen Ho-Chi-Minh-Stadt. Im Jahr 1968 übernahm er die Leitung dieses Dorfes, das damals das größte SOS-Kinderdorf der Welt war. Er baute und betreute ein weiteres SOS-Kinderdorf und zwei Jugendeinrichtungen in Vietnam, ehe er 1976, ein Jahr nach Ende des Vietnamkriegs, das Land verlassen musste. Helmut Kutin verlegte seinen Arbeitsplatz für die Leitung der SOS-Kinderdörfer in Asien in das SOS-Kinderdorf Bangkok (Thailand). Im Dezember 1987 konnte mit der Regierung der Sozialistischen Republik Vietnam ein Vertrag über die Reaktivierung des SOS-Kinderdorfes in Ho-Chi-Minh-Stadt und die Errichtung eines zweiten SOS-Kinderdorfes in der Hauptstadt Hanoi unterzeichnet werden.
In Asien leistete Helmut Kutin, der in der Zwischenzeit zum stellvertretenden Generalsekretär von SOS-Kinderdorf International gewählt worden war, bahnbrechende Arbeit. Es ist ihm zu verdanken, dass in nicht einmal zehn Jahren über 50 SOS-Kinderdörfer und weitere 50 Zusatzeinrichtungen, wie Kindergärten, Hermann-Gmeiner-Schulen, Ausbildungszentren, Mutter-Kind-Einrichtungen und Krankenstationen errichtet werden konnten. Die SOS-Kinderdorf-Idee ist heute in zwölf Ländern Asiens fest etabliert, und ein ganz besonderes Ereignis war die Eröffnung von zwei SOS-Kinderdörfern in der Volksrepublik China im Frühjahr 1987.
Im Jahr 1985 wurde Helmut Kutin, noch zu Lebzeiten Hermann Gmeiners, von diesem selbst zu seinem Nachfolger ernannt. Die Präsidentschaft übernahm Kutin nach dem Tod von Gmeiner im Jahr 1986. Seitdem war Kutin bis 2012 Präsident des Dachverbandes SOS-Kinderdorf International und gleichzeitig auch Präsident von SOS-Kinderdorf Österreich. In den Jahren 1988, 1993, 1998, 2003 und 2008 wurde er in diesen Funktionen bestätigt.
Im Jahre 2012 löste Siddhartha Kaul Kutin als Präsident von SOS-Kinderdorf International ab. sos-kinderdorf.at, ohne Autor, ohne Datum. Kutin wurde aus diesem Anlass zum Ehrenpräsidenten ernannt. Er blieb weiterhin Vorsitzender des Aufsichtsrats von SOS-Kinderdorf Österreich und hauptamtlicher Vorstandsvorsitzender des deutschen Unterstützungsvereins SOS Kinderdörfer weltweit – Hermann-Gmeiner-Fonds e. V.
Im April 2024 starb Kutin im Alter von 82 Jahren. Seine Urne wurde in Imst beigesetzt.
Unter Kutins Leitung wurden weltweit über 154 neue SOS-Kinderdörfer gegründet. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs mit der Öffnung des Ostens von Europa im Jahr 1989 lag der Schwerpunkt seiner Arbeit in diesem Bereich, womit es dadurch fast in allen Staaten Osteuropas heute zumindest ein SOS-Kinderdorf gibt.
Auszeichnungen 1972: Chung-My Medal II Class, Vietnam 1974: Chung-My Medal I Class, Vietnam 1981: Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik ÖsterreichListe der Träger des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. Abgerufen am 11. Dezember 2015. 1989: Nationaler Orden der Volksrepublik Benin 1990: Großes Bundesverdienstkreuz 1994: Commandeur de l’Ordre de Mérite des Großherzogtums Luxemburg 1999: Päpstlicher Orden „St. Gregorius Magnus“ 2002: Höchste Verdienstorden in Laos, Kambodscha, Guinea-Bissau, Kapverden 2004: Ritter des Ordens für Verdienste um Litauen 2008: Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich 1. Juli 2008, abgerufen am 9. Dezember 2011. 2011: Ring des Landes Tirol (2026 aberkannt)[https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/LgblAuth/LGBLA_TI_20260817_69/LGBLA_TI_20260817_69.pdf 69. Gesetz vom 2. Juli 2026 über die Aberkennung der Verleihung des Rings des Landes Tirol an Helmut Kutin.] Landesgesetzblatt für Tirol, 17. August 2026 2012: Bayerischer Verdienstorden Ehrenbürger verschiedener Städte, u. a. von Tehuacán und Campeche in Mexiko, Moosburg in Kärnten (Österreich), von Caicó in Brasilien und Lekenik in Kroatien, von Yantai und Lhasa in der VR China sowie von Managua in Nicaragua und Imst in Tirol (Österreich)
Kritik Während Helmut Kutin Präsident von SOS-Kinderdorf International war, geriet die Organisation in die Kritik, weil Fälle von körperlicher, sexualisierter und psychischer Gewalt in mehreren Kinderdörfern – unter anderem in Nepal, Afrika und Europa – nicht rechtzeitig aufgearbeitet wurden.
Laut Recherchen der Wochenzeitung Falter und Berichten von ORF, Der Standard und Die Presse wusste Kutin spätestens ab 2015 von schweren Missbrauchsvorwürfen gegen einen österreichischen Großspender, der in SOS-Einrichtungen in Nepal mehrfach Jungen sexuell missbraucht haben soll. Interne E-Mails aus 2014 und 2017 enthalten den Vermerk „Kutin weiß Bescheid“ und zeigen, dass er dem mutmaßlichen Täter trotz bestehendem Besuchsverbot Aufenthalte in einem SOS-Trainingslager genehmigte.
Kritiker werfen Kutin vor, Hinweise auf Missbrauch und strukturelles Versagen innerhalb der Organisation ignoriert oder vertuscht zu haben. Eine unabhängige Untersuchung (ICC-Report, 2021) bestätigte systemische Mängel im Kinderschutz während seiner Amtszeit, darunter unzureichende Aufsicht, fehlende Schutzmechanismen und mangelnde Reaktion auf interne Warnungen.
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