mini|Dagie Brundert (2015) Dagie Brundert (* 1962 in Ostwestfalen) ist eine deutsche Super-8-Kurz- und Experimentalfilmerin. Sie ist mit ihren Filmen auf internationalen Filmfestivals vertreten. Im Jahr 2006 wurde sie mit dem Lifetime Achievement Award für Super 8 Filme beim Images Festival Toronto ausgezeichnet und 2026 erhielt sie für ihren Film Audry Lornacle or 14 Days in DJ’s House den Hauptpreis im Deutschen Wettbewerb der 72. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen.

Leben und Werk Dagie Brundert wuchs in Bielefeld auf und studierte Visuelle Kommunikation und experimentelle Filmgestaltung an der Hochschule Niederrhein in Krefeld und an der Hochschule der Künste Berlin.Kathryn Ramey: Experimental Filmmaking. Break the Machine, Focal Press-Routledge, 2013, ISBN 978-0240823966, S. 211Luc-Carolin Ziemann: Dagie Brundert: Leben und Filmen im Super-8 Paralleluniversum, Shortfilm.de. Kurzfilm Magazin (Bundesverband Deutscher Kurzfilm), 25. Juni 2007

Sie arbeitet seit 1987 ausschließlich mit einer Nizo Super-8-Schmalfilmkamera, mit der sie um die 50 experimentelle Filme unterschiedlicher Länge schuf (Stand 2021). Ihre Filme entwickelt sie in Substanzen wie Caffenol, Seetang, Rotwein, Bier, Erdbeer- oder Holunderblüten.Yum Yum Soups: Zu Gast bei Dagie, Filmkorn, 19. August 2015; Patrick Müller: Kunst kommt von Kaffee, Filmkorn, 21. September 2015; Diese Technik vermittelt sie auch in Workshops. Mittlerweile entwickelt sie auch als eine von drei Menschen weltweit als Dienstleistung alte, abgelaufene Super-8-Filmrollen, da dies kein Labor mehr übernimmt.

Ihre erste Produktion von 1988, der Animationsfilm 23 Barbiepuppen kippen um, wurde auf dem Internationalen Filmfestival in Rotterdam aufgeführt. Er gelte heute als Klassiker des experimentellen Super-8-Films, so Niko Kappel 2021 in der taz. 1994 gründete Brundert das Filmemacherinnen-Kollektiv „Freie Berliner Ischen“ (FBI), mit dem sie Super-8 Filmshows veranstaltete und Performances zeigte. Zusammen mit Gabriele Kahnert drehte sie 2007 ihren ersten langen Dokumentarfilm, Calexico Next Exit, ein Roadmovie, das einer Gruppe leidenschaftlicher Fans der amerikanisch-deutschen TexMex-Band Calexico folgt. Im Mittelpunkt steht laut Wilfried Hippen nicht die Band, sondern „es wird versucht, der Wirkung ihrer Songs nachzuspüren“. 2017 wurde der Film auf dem Hamburger Musikfilmfestival Unerhört! im Wettbewerb präsentiert.

Dagie Brundert war Mitgründerin und Betreiberin des Berliner Comic-Verlags Jochen Enterprises, zusammen mit Torsten Alisch und Dirk Baranek. Unter dem Titel Der Jochen gaben sie zunächst im Rahmen der Hamburger No-Budget-Filmtage eine unabhängige Festivalzeitung heraus. Daraus entstand der Comic-Verlag Jochen Enterprises, bei dem Berliner Zeichner wie TOM, Lillian Mousli, OL, Phil, Rattelschneck, Anke Feuchtenberger und Katz & Goldt verlegt wurden, sowie amerikanische Underground-Comics von Künstlern wie Chester Brown, Michael Pearlstein und Jim Woodring. Der Verlag stellte im Jahr 2000 seine Aktivitäten ein.

Dagie Brundert wurde mit zwei Preisen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet und im Jahr 2023 mit einer umfassenden Retrospektive im Berliner Kulturquartier Silent Green geehrt, bei dem rund 40 ihrer Kurzfilme neben groß aufgezogenen Lochkamerafotografien gezeigt wurden. In einer eigens eingerichteten „Hexenküche“ zeigte sie täglich einen frisch entwickelten Überraschungs-Super-8-Film als „Loop du Jour“.

Dagie Brundert lebt in Berlin.

Filme (Auswahl) 1988: 23 Barbiepuppen kippen um, mit Gesine Jochems 1998: Ja ja die schönste auf der Welt ist meine Bar 2002: Die Salzfrösche vom Hiddensee 2007: Calexico Next Exit, mit Gabriele Kahnert (Dokumentarfilm) 2008: Die Selbstheilung meines Fahrrades 2015: Bin ich reich? Bin ich reich? Bin ich reich? 2017: Katzenlotto 2017: Widerstand 2021: Feeding the Birdies 2026: Audry Lornacle or 14 Days in DJ’s House Preise 1998: Erster Preis der Jury in der Kategorie ‚No Budget‘ für Schmetterlingsküsse, Internationales Kurzfilm-Festival Hamburg 1999: 3sat-Nachwuchspreis für Ja ja die schönste auf der Welt ist meine Bar (Did you Happen to See the most Beautiful Bar in the World), Internationale Kurzfilmtage Oberhausen 2006: Lifetime Achievement Award für Super 8 Filme, Images Festival Toronto 2017: Filmhirsch für das Lebenswerk beim 41. Open Air Filmfest Weiterstadt 2021: Dritter Platz im Wettbewerb um die Goldene Kurbel für Die Selbstheilung meines Fahrrades auf dem 16. International Cycling Film Festival 2026: Hauptpreis im Deutschen Wettbewerb für Audry Lornacle or 14 Days in DJ’s House, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Stipendien 2008, 2013 und 2019: Artist in Residence im Echo Park Film Center, Los Angeles 2012: Artist in Residence der Liaison of Independent Filmmakers of Toronto (LIFT) und des Goethe-Instituts in Toronto

Ausstellungen (Auswahl) 2023: Kiss the Moment – Von Wurmlöchern und Swingchronizitäten im Bilderuniversum Dagie Brunderts, Betonhalle im Silent Green, Berlin 2026: Das öffentliche Grün, Kunstmuseum Bochum, Bochum

Weblinks

Dagie Brundert Website

Lochkamerafotografie von Dagie Brundert

Einzelnachweise

Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1962 Kategorie:Frau