Die Eigentlichen Paradiesvögel (Paradisaea) sind eine Gattung aus der Familie der Paradiesvögel (Paradisaeidae) und umfassen sieben Arten. Alle Arten leben auf Neuguinea oder auf an Neuguinea angrenzenden Inseln. Allen Arten ist gemeinsam, dass die ausgewachsenen Männchen auffällig verlängerte, seidenartige Flankenfedern haben. Eigentliche Paradiesvögel sind langlebige Vögel, die in Gefangenschaftshaltung ein Alter bis zu 33 Jahren erreicht haben. Die Schmuckfedern und Bälge der Eigentlichen Paradiesvögel wurden und werden von den indigenen Ethnien Neuguineas zu traditionellem Kopf- und Körperschmuck verarbeitet. Die Schmuckfedern spielten außerdem in der westlichen Modeindustrie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts eine große Rolle. Sie wurden zur Dekoration von Damenhüten genutzt.
Die meisten der Arten der Paradiesvögel werden von der IUCN als ungefährdet eingestuft. Unter den Arten, die zu den Eigentlichen Paradiesvögeln gerechnet werden, finden sich jedoch nicht weniger als drei Arten, deren Bestandsstatus Besorgnis erregend eingestuft wird. Der Blauparadiesvogel und der Lavendelparadiesvogel, ein Inselendemit, dessen Verbreitung auf die Inseln Normanby und Fergusson im Südosten Neuguineas begrenzt ist, werden als gefährdet (vulnerable) eingestuft. Handbook of the Birds of the World zum Lavendelparadiesvogel, aufgerufen am 20. August 2017 Handbook of the Birds of the World zum Blauparadiesvogel, aufgerufen am 20. August 2017 Sie gehören damit gemeinsam mit dem Breitschwanz-Paradieshopf, der zur Gattung Epimachus gehört, zu den Arten innerhalb der Paradiesvögel, die am stärksten bedroht sind. Der Rote Paradiesvogel wird dagegen als potenziell gefährdet (near threatened) beurteilt. Handbook of the Birds of the World zum Roten Paradiesvogel, abgerufen am 20. August 2017.
Eigentliche Paradiesvögel gehören zu den Arten, die sich sowohl mit anderen Arten innerhalb der eigenen Gattung als auch anderen Arten der Familie der Paradiesvögel kreuzen. Zu den Gattungen, mit denen Hybride vorkommen, zählen Strahlenparadiesvögel, Reifelvögel, Sichelschwänze und der Fadenhopf. Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 438.
Beschreibung mini|Raggi-Paradiesvogel (Paradisaea raggiana), Männchen mini|Roter Paradiesvogel (Paradisaea rubra), Weibchen Körperbau und -maße Ohne das stark verlängerte mittlere Steuerfederpaar erreichen die Männchen eine Körperlänge zwischen 30Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 488. und 43 ZentimeterFrith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 448.. Die kleinste Art ist der Blauparadiesvogel, bei dem die Männchen ein Gewicht zwischen 158 und 189 Gramm erreichen. Die größte Körperlänge erreicht der Großparadiesvogel, bei dem für das Gewicht der Männchen jedoch keine Daten vorliegen.Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 449. Die Männchen sind durchschnittlich etwa 10 bis 15 Prozent größer als die Weibchen. Der Schnabel ist immer gerade und bis um etwa 20 Prozent länger als der Kopf. Die Nasenlöcher sind mit Federn bedeckt. Abgesehen von dem stark verlängerten mittleren Steuerfederpaar ist das Schwanzgefieder nicht gestuft, sondern leicht gerundet. Die Flügel sind lang.Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 439.
Männchen Allen ausgewachsenen Männchen der sieben Arten, die zu der Gattung der Eigentlichen Paradiesvögel gerechnet werden, weisen als Gemeinsamkeit lange, seidenartige Flankenfedern auf. Das mittlere Steuerfederpaar ist gleichfalls stark verlängert und hat nur an der Federbasis Außen- und Innenfahnen. Es geht dann in drahtartige Schäfte über, die das übrige Schwanzgefieder weit überragen. Sie haben außerdem vergleichsweise helle, häufig kalkig blaugrau wirkende Schnäbel. Bis auf den Kaiser-Paradiesvogel weisen haben sie entweder einen gelben Scheitel oder einen gelben Hinterkopf und diese Färbung setzt sich teils auf dem Mantel fort. Das Kinn und die Kehle ist irisierend grünlich und bei mehreren Arten durch ein schmales Halsband vom braunen Brustgefieder abgesetzt.
Der Kaiser-Paradiesvogel ist die Art, die das am stärksten abweichende Gefieder aufweist. Kopf und Mantel sind schwarz, dagegen sind die Flügel und die Unterseite der Flankenfeder blau. Die Oberseite ist dagegen rötlichbraun. Bei den anderen Arten sind die seitenartigen Flankenfeder weiß, gelblich, orangerot bis karmesinrot.
Junge Männchen haben zunächst ein Gefieder, das dem der Weibchen gleicht. Das vollständige Gefieder der Männchen tragen sie erst, wenn sie mehrere Jahre alt sind.
Weibchen Der Geschlechtsdimorphismus ist bei allen Arten ausgeprägt, die geringsten Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen finden sich beim Blauparadiesvogel. Im Vergleich zu den Männchen sind die Weibchen generell deutlich unscheinbarer gefiedert. Bei ihnen dominieren Brauntöne. So ist zum Beispiel bei dem Weibchen des Raggi-Paradiesvogels der Hinterkopf, der Nacken und ein schmaler vorderer Nackenkragen braungelb. Das Gefieder ist ansonsten braun, wobei der Bauch etwas heller ist. Grummt & Strehlow (Hrsg.): Zootierhaltung Vögel. S. 750. Die Weibchen der Eigentlichen Paradiesvögel sind auf der Körperunterseite weisen entweder keine oder eine nur in geringfügig ausgebildete Querbänderung auf. Im Vergleich zu dem Gefieder anderer Paradiesvogelarten ist es dadurch insgesamt etwas auffälliger.
Verbreitungsgebiet und Lebensraum Die Eigentlichen Paradiesvögel kommen überwiegend auf Neuguinea vor. Die einzelnen Arten kommen dabei in unterschiedlichen Regionen Neuguineas vor, ihr Verbreitungsgebiet überlappt sich nur teilweise. Neuguinea, die nach Grönland größte Insel der Welt, stellt daher den Verbreitungsschwerpunkt der Gattung dar. Zum Verbreitungsgebiet der Gattung gehören jedoch auch auf Inseln, die der Küste von Neuguinea vorgelagert sind. Paradiesvögel kommen auf folgenden Inseln vor: mini|Großparadiesvogel (Paradisaea apoda), Männchen in einem Vogelpark auf Bali Misool: Die 2041 km² große Insel ist eine der vier Hauptinseln des Archipels von Raja Ampat vor der Küste Westneuguineas. Hier kommt der Kleine Paradiesvogel vor. Waigeo, Gemien, Saonek, Gam und Batanta: Die Inseln zählen alle zum Raja Ampat-Archipel: Waigeo ist mit 3155 km² die größte der vier Hauptinseln des Archipels. Auf diesen Inseln ist der Rote Paradiesvogel vertreten. Yapen: Die 2.278 km² große Insel liegt in der Cenderawasih-Bucht. Hier kommt gleichfalls der Kleine Paradiesvogel vor, der ansonsten einen Schwerpunkt auf Neuguinea hat. Aru-Inseln: Die indonesische Inselgruppe liegt etwa 150 km südlich von Neuguinea in der Arafurasee. Hier kommt der Großparadiesvogel vor, dessen Verbreitungsschwerpunkt ansonsten der Südwesten von Neuguinea ist. Fergusson und Normanby: Beide Inseln gehören zu den D’Entrecasteaux-Inseln, einer Inselgruppe, die in der Salomonensee östlich von Neuguinea liegt. Sie sind das ausschließliche Verbreitungsgebiet des Lavendelparadiesvogels.
Anders als die meisten Paradiesvögel sind die Eigentlichen Paradiesvögel auch häufiger in den Tiefebenen anzutreffen. Es sind grundsätzlich Waldvögel, die Tiefland bis Mittelgebirgswälder besiedeln. Lediglich der Blauparadiesvogel besiedelt ausschließlich Hochregionen. Weibchenfarbige Individuen sind grundsätzlich häufiger auch am Waldrand zu sehen sind, während die Männchen tendenziell eher im Waldesinneren anzutreffen.
Nahrung Eigentliche Paradiesvögel leben von Früchten sowie Insekten, die sie in der Regel in der Baumkronenschicht finden.
Fortpflanzung mini|Balzendes Männchen des Großparadiesvogels Die Männchen der Eigentlichen Paradiesvögel sind polygyn, das heißt, sie paaren sich mit einer möglichst großen Anzahl von Weibchen. Die Partner gehen nach der Paarung keine eheähnliche Gemeinschaft ein, sondern trennen sich danach sofort wieder.
Balz Die Gruppenbalz der Männchen findet an sogenannten Leks statt. Die Leks bestehen über mehrere Jahre, zum Teil über Jahrzehnte. Im Varirata Nationalpark wird ein Lek des Raggi-Paradiesvogels seit mehr als 20 Jahren zur Balz genutzt.Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 463. Neben diesen langjährigen Leks gibt es bei dieser Art aber auch solche, an denen sich Männchen nur über kurze Zeit einfinden. Sie befinden sich in der Nähe von reichen Nahrungsgründen und haben gewöhnlich nur über einen Zeitraum von 14 Tagen Bestand. Für den Kleinen Paradiesvogel sind Leks bekannt, die noch deutlich länger als die beim Raggi-Paradiesvogel Bestand haben.Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 444. Mitglieder indigenen Ethnien hielten fest, dass sie an einzelnen Balzplätzen mindestens drei Generationen lang die Männchen in ihrem Prachtgefieder gejagt hätten. Damit bestünden einzelne Balzplätze dieser Art mindestens 60 bis 100 Jahre.
Die Männchen präsentieren sich auf einzelnen Ästen, die Balz durchläuft dabei einzelne, immer intensiver werdende Phasen. Bei einzelnen, besser untersuchten Arten wie dem Großparadiesvogel und dem Raggi-Paradiesvogel unterscheidet die Literatur dabei Balzphasen wie „Convergence Display“, „Static Display“ und „Copulation Display“. Beim Raggi-Paradiesvogel beginnt beispielsweise die Balz damit, dass die Männchen ihre verlängerten Flankenfedern sträuben und mit halbgeöffneten Flügeln schlagen (Convergence Display). Im zweiten Teil der Balz (Static Display) nehmen die Männchen eine starre Pose ein, bei der nur die Flügel immer wieder angehoben und der Kopf abgesenkt wird. Die Flankenfedern treten dabei besonders in Erscheinung und die Weibchen können die einzelnen Kandidaten „inspizieren“. Während dieser Balzphase geben die Männchen durch schnelles Schließen des Schnabels auch Klicklaute von sich oder reiben die Schnäbel an Ästen. Hier kann die Balz enden oder es folgt die Phase der Kopulation (Copulation Display). Mit sich steigernden, vor- und zurückhüpfenden Bewegungen entlang des Astes nähert sich das Männchen dem Weibchen und äußert klickende Laute. Es umschirmt das Weibchen mit den Flügeln, um es schließlich zu bespringen und zu kopulieren.
Nest, Gelege und Aufzucht der Nestlinge Die Weibchen bauen allein das Nest, brüten allein und ziehen allein die Jungen auf. Sie brüten in napfförmigen Baumnester. Das Gelege besteht aus ein bis zwei ockerfarbenen Eier, die die für die Unterfamilie der Eigentlichen Paradiesvögel typischen länglichen Flecken und Haarlinien aufweisen. Die Brutdauer beträgt zwischen 17 und 21 Tagen, die Nestlingszeit 14 bis 27 Tage.
Lebenserwartung mini|Raggi-Paradiesvogel, Neuguinea Da viele Arten der Eigentlichen Paradiesvögel in abgeschiedenen Regionen vorkommen, sind bislang vergleichsweise wenige Individuen beringt und anschließend wiedergefunden worden. Grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass Paradiesvögel vergleichsweise alt werden. Darauf weisen auch die wenigen Wiederfunde beringter Vögel hin sowie die Erfahrungen aus Gefangenschaftshaltung hin: Den Altersrekord für einen frei lebendes Männchen des Raggi-Paradiesvogels hält ein am Mount Missim am 1. September 1980 beringter Vogel. Er trug zu diesem Zeitpunkt noch das für subadulte Männchen typische weibchenähnliche Gefieder. Er wurde im Juli 1997 wieder gefangen und trug zu diesem Zeitpunkt das vollständige adulte Gefieder eines Männchens. Er war zu diesem Zeitpunkt mindestens 16 Jahre und 10 Monate alt.Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 469. Ein von handaufgezogener männlicher Raggi-Paradiesvogel lebte im Baiyer River Sanctuary 25 Jahre lang. Ein im Taronga Zoo, Sydney gehaltenes Männchen, paarte sich noch in einem Alter von mindestens 33 Jahren mit einem Weibchen. Aus der Paarung wurden erfolgreich zwei Jungvögel großgezogen. Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 468.
Systematik mini|Kaiser-Paradiesvogel Die Gattung umfasst sieben Arten, deren Verbreitungsgebiet weitgehend überlappungsfrei ist.