mini|hochkant=0.67|Gerhard Wimberger, 1962
Gerhard Wimberger (* 30. August 1923 in Wien; † 13. Oktober 2016 in SalzburgMichael Schmidt-Salomon: Ein musikalischer Freigeist: Nachruf auf Gerhard Wimberger. Giordano Bruno Stiftung, 17. Oktober 2016, abgerufen am 18. Oktober 2016.) war ein österreichischer Komponist, Dirigent und Hochschullehrer.
Leben Wimberger studierte von 1940 bis 1947, unterbrochen durch Arbeits- und Militärdienst, am Mozarteum Salzburg Komposition bei Cesar Bresgen und Johann Nepomuk David sowie Dirigieren bei Clemens Krauss und Bernhard Paumgartner.
Am 21. Jänner 1948 wurden erstmals Werke des jungen Komponisten im Rahmen eines Kompositionsabends uraufgeführt. In den Jahren 1947 bis 1951 wirkte Wimberger als Korrepetitor und Kapellmeister an der Wiener Volksoper und am Salzburger Landestheater. Er war von 1949 bis 1953 Mitarbeiter der Salzburger Festspiele und von 1953 bis 1981 als Leiter der Dirigentenklasse am Mozarteum tätig. Dort leitete er zudem von 1968 bis 1991 eine Kompositionsklasse. Bedeutsam war sein Engagement für die Salzburger Festspiele, deren Direktorium er von 1971 bis 1991 angehörte. Er bemühte sich intensiv um die Verankerung zeitgenössischer Musik im Festspielprogramm.
Wimberger war ab 1977 korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Von 1990 bis 1998 stand er der Verwertungsgesellschaft AKM als Präsident vor. Als Dirigent und als Jurymitglied war Wimberger lange Jahre international tätig. Am 30. November 2003 führte das Mozarteum Orchester aus Anlass seines 80. Geburtstages das Oratorium Quaestio Aeterna – Deus. Fragen nach Gott unter Ivor Bolton erstmals auf. Ab 2006 war Wimberger Mitglied des Beirates der Giordano-Bruno-Stiftung. Der christlichen Religion stellte Wimberger eine „agnostisch-atheistische Religiosität auf dem Boden des Humanismus“ gegenüber. Wimberger verfasste zahlreiche Essays, Aufsätze und andere Schriften und hielt viele Vorträge über Musik und Probleme der Neuen Musik sowie über philosophisch-theologisch aktuelle Fragen.
Seine Werke wurden in vielen Ländern durch namhafte Orchester, u. a. Wiener Philharmoniker, Berliner Philharmoniker, Münchner Rundfunkorchester, unter bekannten Dirigenten wie Herbert von Karajan und von hochrangigen Solisten und Ensembles aufgeführt.
Gerhard Wimberger, Vater des Schauspielers Andreas Wimberger, starb im Oktober 2016 im Alter von 93 Jahren.
Stil In einer Selbstcharakteristik schrieb Gerhard Wimberger: „Geistige, stilistische und handwerkliche Ehrlichkeit setze ich bei jeder künstlerisch-kreativen Arbeit voraus. Darüber hinaus ist mir die Ausgewogenheit zwischen Emotionalität des klingenden Ergebnisses und Rationalität der zugrundeliegenden konstruktiven Ordnung stets höchstes Ziel gewesen. Für die Realisierung meiner Ideen benütze ich das gesamte klingende Material, das traditionelle Instrumentarium ebenso wie elektronische Praktiken. Ich bemühe mich dabei, Vorurteile und Ideologien möglichst auszuschalten und mich nur von kreativer Neugierde leiten zu lassen, jede kompositorisch-stilistische Einseitigkeit zu vermeiden und mir ein weites Feld verschiedener Verfahrensweisen verfügbar zu halten, wie aus Material Musik wird. Ich halte viel von unprätentiöser Handwerksgesinnung und plädiere immer wieder für eine gesellschaftliche Funktion der Musik. Der Sinn jeder Komponistentätigkeit liegt ja – je nach Aufgabenstellung – irgendwo innerhalb des Dreiecks, das durch die Punkte markiert wird: ‚Verwirklichung eigener Komponistenträume‘, ‚Bereicherung‘ und ‚Unterhaltung‘ des Hörers.“Österreichische Musikzeitschrift, 1983, S. 163–165
Als sein künstlerisches Credo formulierte er ferner:
„Ich komponiere stilistisch unorthodox und versuche die auf mich einwirkenden Kräfte von Tradition, Gegenwart und Fortschritt auszubalancieren und meine Arbeit frei von modischen Attitüden zu halten, meine musikalischen Gedanken selbst so klar zu denken, dass sie auch von anderen verstanden werden, im weiten Feld der künstlerischen Inhalte zwischen Ernst und Heiterkeit ein breites Gebiet zu bestellen, solcherart die kompositionstechnischen und stilistischen Möglichkeiten unserer Zeit zu einer persönlichen Synthese zu verschmelzen.“
Werke Bühnenwerke Heinrich und Kleist, Musik-Theater-Szenen, Kammeroper, 2004 Fürst von Salzburg – Wolf Dietrich, Szenische Chronik für Musik, Buch: Gerhard Wimberger, 1985/1987 Paradou, Oper in 14 Bildern nach La faute de l’abbé Mouret von Émile Zola, Buch: Gerhard Wimberger, 1981/1985 Die goldenen Schuhe, Ballettmusik, 1983 Lebensregeln – Katechismus mit Musik, 1970/1972 Das Opfer Helena, Kammermusical für Schauspieler, 1967 Dame Kobold, Musikalische Komödie nach dem Lustspiel des Calderon in der freien Übersetzung von Hugo von Hofmannsthal, 1963/1964 Hero und Leander, Tanzdrama nach einer alten Legende von Imre Keres, 1962/1963 La Battaglia – oder Der rote Federbusch. Opernkomödie in 8 Bildern von Eric Spiess, 1959/1960 Der Handschuh, Kammerballett, 1955 Schaubudengeschichte, Heitere Oper in 6 Bildern von Eric Spiess nach einer Novelle von Valentin Katajew, 1952/1953
Konzertwerke (Auswahl) Passion Giordano Bruno – für Bassbariton, Sprecher, gemischten Chor und Orchester, Oratorium, 2007 Musica cellissima – für Solovioloncello und Orchester, 2003 QUAESTIO AETERNA – DEUS – Fragen nach Gott, Texte und Gesänge aus 2000 Jahren für Bariton, Sprecher, gemischten Chor und Orchester, Oratorium, 2001 Paradou, Gesänge und Zwischenspiele aus der Oper, 2000 Musica tranquilla – für Orchester, 2000 Klangwege – für großes Orchester, 1999 Seltsamabendmusik – für Kammerorchester, 1999 Strömungen – für Streichsextett, 1997 Ahnungen – für Orchester, 1994 Szenerie – für Violine und Klavier, 1993 Im Namen der Liebe – Liedzyklus nach Gedichten von Peter Turrini, 1992 Disegni – für Klavier, 1991 Tagebuch 1942 – Jochen Klepper – für Baritonstimme, Chor und Orchester, 1990/1991 Konzert für Synthesizer und Orchester, 1989 Wir hören zu atmen nicht auf – Liedzyklus nach Gedichten von Ulla Hahn für mittelhohe Frauenstimme und Klavier, 1988 Nachtmusik Trauermusik Finalmusik – für Orchester, 1987/1988 Phantasie für acht Spieler, (Oktett), 1982 Concertino per orchestra, 1981 Zweites Klavierkonzert, 1981 Sonetti in vita e in morte di Madonna Laura von Petrarca – für Chor a cappella, 1979 Streichquartett (1978) Ausstrahlungen W.A.Mozart’scher Themen – für Orchester, 1978 Programm – für großes Orchester, 1978 Konturen – für Klavier, 1977 Motus – für großes Orchester, 1976 Plays – für 12 Violoncelli soli, Bläser und Schlagzeug, 1975 Short Stories – für 11 Bläser, 1974/1975 Memento vivere – Gesänge vom Tod nach Texten von Kurt Marti, Abraham a Sancta Clara, Paul Fleming, Andreas Gryphius u. a., Oratorium, 1973/1974 Multiplay – Kanonische Reflexionen für 23 Spieler, 1972/1973 Chronique – für Orchester, 1968/1969 Ars amatoria – Kantate nach Ovid für Sopran- und Baritonsolo, Chor, Combo und Kammerorchester, 1967 Risonanze – für drei Orchestergruppen, 1965/1966 Stories – für Bläser und Schlagzeug, 1962 Kästner-Liederbuch – Sieben Chansons für mittlere Singstimme und Klavier, 1961 Drei lyrische Chansons nach Gedichten von Jacques Prévert – für eine Singstimme und Kammerorchester, 1957 Heiratspostkantate – für gemischten Chor, Cembalo und Kontrabass, 1957 Figuren und Phantasien – Drei Sätze für Orchester, 1956 Allegro giocoso aus dem Divertimento für Mozart – für Orchester, 1956 Konzert für Klavier und Kammerorchester, 1955
Bücher … nicht nur Musik. Musikerleben – Festspieljahre – Begegnungen – Gedanken. Müller, Salzburg/Wien 1997. ISBN 3-7013-0964-7. Kreuz-Weg. Quellen des Christentums – Fakten – Hypothesen – Fragen. Edition Va Bene, Wien/Klosterneuburg 1999. ISBN 3-85167-085-X. Glauben ohne Christentum. Eine Vision. Tectum Wissenschaftsverlag, Marburg 2013. ISBN 978-3-8288-3044-8.
Auszeichnungen 1967 Österreichischer Staatspreis für Musik (Förderungspreis)Rudolf Flotzinger: Preise/Preisträger. In: Oesterreichisches Musiklexikon online; abgerufen am 18. Februar 2021. 1968 Republik Österreich: Staatspreis für Musik für 1967 im Bereich Orchesterwerke 1977 Österreichischer Staatspreis für Musik (Würdigungspreis) 1979 Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur: Würdigungspreis für Musik 1983 Republik Österreich: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse 1991 Republik Österreich: Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 1992 Universität Mozarteum Salzburg: Ehrenmitglied 1994 Internationale Stiftung Mozarteum: Silberne Mozart-Medaille 1998 Internationale Stiftung Mozarteum: Ehrenmitglied 2003 Amt der Salzburger Landesregierung: Ring des Landes Salzburg Amt der Salzburger Landesregierung: Goldenes Ehrenzeichen des Landes Salzburg
Literatur Harald Goertz: Gerhard Wimberger. Verlag Lafite und Österreichischer Bundesverlag, Wien 1991, ISBN 978-3-85151-062-1, S. 126.
Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 8282. online
Weblinks
www.musikzeit.at Werkanalysen mit Faksimiles vom Verlag Lafite
Biografie im Salzburg Wiki
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Komponist (Oper) Kategorie:Komponist (Ballett) Kategorie:Komponist (Kirchenmusik) Kategorie:Komponist (Österreich) Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:Dirigent Kategorie:Hochschullehrer (Universität Mozarteum Salzburg) Kategorie:Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse Kategorie:Träger des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich Kategorie:Ehrenringträger des Landes Salzburg Kategorie:Träger des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Salzburg Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste Kategorie:Person (Giordano-Bruno-Stiftung) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1923 Kategorie:Gestorben 2016 Kategorie:Mann