Höchberg ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Würzburg.
Geographie Lage Höchberg grenzt im Osten direkt an Würzburg, im Westen an Waldbüttelbrunn. Höchberg besteht aus zwei Siedlungen, dem Altort und dem sogenannten "Hexenbruch". Darüber hinaus sind Neubaugebiete, z. B. Mehle und Mehle II entstanden.
Gemeindegliederung Außer dem Hauptort Höchberg gibt es keine weiteren Gemeindeteile.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Höchberg. Sie hat eine Fläche von 7,546 km² und ist in 6342 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1189,86 m² haben.
Name Etymologie Der Name „Höchberg“ wird volksetymologisch auf die Lage des Ortes, eine „Ansiedlung auf einem hohen Berg“, zurückgeführt.
Die Schreibweise „huegbur“ des Ortsnamens im Jahr 748 ist zeitgenössisch nicht überliefert; sie basiert auf der Chronik des Lorenz Fries (1498–1550). Die erste schriftliche Erwähnung von Häusern auf heutiger Höchberger Gemarkung findet sich in der zweiten Würzburger Markbeschreibung aus dem Jahr 779/780.Norbert Wagner: Chistesbrunno und Huohhobura. Zu den althochdeutschen Würzburger Markbeschreibungen. In: Beiträge zur Namenforschung. Neue Folge, Band 12, 1977, S. 372–397. Der Germanist Norbert Wagner erläuterte huohhobura als Kompositum aus ahd. huohh<huoc (Haken) und bura (kleine Häuser, wohl Wachhäuser). Unter „Haken“ sind vermutlich die Wachleute zu verstehen. Demnach bedeutet huohhobura „kleine Häuser für die Wachhabenden“.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts sind die beiden Schreibweisen „Höchberg“ und „Hüchberg“ gängig. Die Einheimischen nennen ihren Ort bis heute „Hüchberch“.
Frühere Schreibweisen des Ortsnamens 1303/1304 Hoechbur 1340 Hoechebuer 1356 Huchbur ca. 1497 Hochbur 1547 Hüchberg 1547 HöchbergKirchenbuch. Vgl. Richard Bauer: Markt Höchberg. Heimatbuch und Chronik. Höchberg 1993, S. 14.
Geschichte Ortsgeschichte bis zum 20. Jahrhundert Seine Existenz verdankt Höchberg vermutlich der strategisch bedeutenden Lage an der Grenze des Hochstifts Würzburg. Bis zur Säkularisation 1803 bestimmte das Ritterstift St. Burkard in Würzburg als Grundherr und damit oberste Verwaltungsbehörde die Geschicke des Ortes. Im Frieden von Preßburg 1805 fiel das Hochstift Würzburg an Erzherzog Ferdinand von Toskana (Großherzogtums Würzburg), 1814 ging es an das Königreich Bayern über.
Aufgrund seiner topographischen Lage versorgte Höchberg jahrhundertelang die Würzburger Festung Marienberg mit Trinkwasser. Bis 1670 leitete das natürliche Gefälle über einen Höhenunterschied von 26 Metern das Wasser in den Innenhof der Festung.Paul Öhring: Die historische Wasserversorgung der alten Burg zu Würzburg aus den Höchberger Quellen, auf oehring.net
Vor allem im 17. und 18. Jahrhundert behauptete die Pfarrkirche „Mariä Geburt“ ihre Stellung als bedeutende Wallfahrtstätte im Umkreis von Würzburg.
Die jüdische Gemeinde Einen wesentlichen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens bildete seit ca. 1660 die jüdische Gemeinde. Zu nennen ist vor allem Leopold Sonnemann, der Begründer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der 1831 in Höchberg geboren wurde. 1828 wurde die Stelle eines bezahlten Ortsrabbiners eingerichtet, der erste Amtsinhaber war Lazarus Ottensoser.http://www.landjudentum-unterfranken.de/sites/files/seiten/pdf/spuren_juedischer_orte.pdf Zeugnisse der jüdischen Vergangenheit sind die Synagoge, errichtet 1721, ein barocker Gartenpavillon sowie der jüdische Friedhof, angelegt 1821. Die stattlichen Barockhäuser einiger jüdischer Einwohner prägen bis heute das Höchberger Ortsbild. Eines dieser Wohnhäuser, Sonnemannstraße 15, beherbergte von 1865 bis 1931 die 1861www.alemannia-judaica.de. begründete Israelitische Präparandenschule. Sie bereitete jüdische Schüler aus ganz Bayern auf den Lehrerberuf vor. Beim Novemberpogrom am 10. November 1938 brachen SA-Männer die Synagoge auf, zertrümmerten die Inneneinrichtung und zerrissen die Torarollen; nur eine Torarolle und einige zuvor versteckte Ritualien konnten gerettet werden. Ein Hinweisstein am Eingang des jüdischen Friedhofs nennt als Belegungszeit die Jahre 1821 bis 1942. Das Synagogengebäude wurde 1951 von der evangelischen Kirchengemeinde erworben und dient seither als evangelische Kirche. Hinweistafeln an der ehemaligen Synagoge und am jüdischen Friedhof sowie ein Gedenkstein an der ehemaligen Präparandenschule erinnern heute an die jüdische Geschichte des Ortes.
Markt Am 27. Juli 1990 verlieh das Bayerische Staatsministerium des Inneren der Gemeinde die Bezeichnung Markt.
Hexenbruch Im heutigen Ortsteil Hexenbruch wurde am 21. Juni 1749 der enthauptete Leichnam von Maria Renata Singer von Mossau, der letzten vermeintlichen Hexe Frankens, in einem aufgelassenen Steinbruch nahe dem Höchberger Wald an der Stadtgrenze von WürzburgClaudia Sussmann-Hanf: Maria Renata Singer von Mossau, die letzte Hexe von Würzburg. In: Frankenland. Band 47, 1995, Heft 1, S. 25–36. Friedrich Merzbacher: Die Hexenprozesse in Franken. 1957 (= Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte. Band 56); 2., erweiterte Auflage: C. H. Beck, München 1970, ISBN 3-406-01982-X, S. 176. verbrannt (Vgl. auch Hexenprozesse in Würzburg). Sie war eines der letzten Opfer der Hexenverfolgung auf deutschem Boden. In den 1950er Jahren begann die Bebauung des Ortsteils. Vorher wurde das Gebiet militärisch genutzt. Außerdem wurde in mehreren mittlerweile zugeschütteten Steinbrüchen bis Anfang des 20. Jahrhunderts Muschelkalk abgebaut. Der Name Hexenbruch wird erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts verwendet.
Ausgliederung Am 1. Mai 1978 wurde ein Gebiet von etwa 155 ha Größe im hinteren Steinbachtal an die Stadt Würzburg abgetreten. Die dort befindliche Roßbergsiedlung hatte zu dem Zeitpunkt 470 Einwohner.Richard Bauer: Markt Höchberg. Heimatbuch und Chronik. Höchberg, 1993. S. 7 und 281 f. In den amtlichen Ortsverzeichnissen wird dieses Gebiet als Gemeindeteil Steinbachtal geführt.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner159528 Grundbesitzer 1698 ca. 300172390 Familien 1811 7111861125918741327 1898 1.60819042780 1939 3.093 1945 4.28119464480 1950 4.545Horst-Günter Wagner: Die Stadtentwicklung Würzburgs 1814–2000. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 396–426 und 1298–1302, hier: S. 425 (gemäß Bayerisches Landesamt für Statistik, Gemeindedate). 1961 4.935 Jahr Einwohner 1970 5.437 1987 8.761Horst-Günter Wagner: Die Stadtentwicklung Würzburgs 1814–2000. 2007, S. 425. 1991 9.224 1995 9.393 2000 10.029Horst-Günter Wagner: Die Stadtentwicklung Würzburgs 1814–2000. 2007, S. 425 (nach Gebietsstand 1999). 2005 9.370 2010 9.440 2015 9.329 2018 9.361
Politik Gemeinderat Die Gemeinderatswahl am 15. März 2020 führte zu folgendem Ergebnis für die Zusammensetzung des Marktgemeinderates von Höchberg:, abgerufen am 7. April 2017 Parteien und Wählergemeinschaften2020AnteilSitzeCSUChristlich-Soziale Union in Bayern26,215GrüneBündnis 90/Die Grünen25,775SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands23,215UWGUWG Höchberg12,342FWHöchberger Mitte – Die Freien Wähler8,582FDPFreie Demokratische Partei3,891Gesamt100,020Wahlbeteiligung in %69,0
Aktuelle Bürgermeister Seit 2020 ist Alexander Knahn (* 23. Juli 1975; parteilos) Erster Bürgermeister. Bei der Bürgermeisterwahl am 15. März 2020 wurde er mit 58,48 % der gültigen Stimmen gewählt. Das Amt des Zweiten Bürgermeisters hat seit 2020 Sven Winzenhörlein (Bündnis 90/Die Grünen) inne. Dritter Bürgermeister ist seit 2008 Bernhard Hupp (SPD).https://www.alexander-knahn.de/index2.php AmtNamePartei1. BürgermeisterAlexander KnahnParteilos2. BürgermeisterSven WinzenhörleinDie Grünen3. BürgermeisterBernhard HuppSPD
Ehemalige Erste Bürgermeister mini|Rathaus Höchberg|250x250px AmtszeitNamePartei1912 – 1933Andreas SeubertSPD1945 – 1964Ernst KeilSPD1964 – 1970Alois MedonSPD1970 – 1994Werner HilleckeSPD1994 – 2020Peter StichlerSPD
Weitere Wahlen In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse von Bundestags-, Landtags- und Europawahlen in Höchberg dargestellt. Jahr Wahl Wahlbeteiligung Sonst.2025Bundestagswahl89,735,2020,0015,505,4010,2013,702024 Europawahl75,936,50 18,20 12,20 6,00 7,70 19,402023 Landtagswahl79,737,60 24,70 12,10 3,60 8,50 13,502021 Bundestagswahl85,830,10 21,60 22,00 10,70 4,80 10,802020 Kreistagswahl68,8 29,90 31,59 16,41 4,69 3,95 13,46
Wappen
Partnergemeinden Höchberg unterhält Partnerschaften mit der französischen Gemeinde Luz-Saint-Sauveur (seit 1977) und mit der italienischen Gemeinde Bastia Umbra (seit 1990).Website Gemeinde Höchberg – Partnerstädte, abgerufen am 7. April 2017
Kulturdenkmale mini|hochkant|Brunnen in der Ortsmitte
Die Gestaltung der Brunnengasse macht den Verlauf der früheren mittelalterlichen Wasserleitung zur Festung sichtbar. Die unterirdischen Quelle sind als Verbindung von oberem und unterem Brunnen oberirdisch geführt.
Katholische Pfarrkirche Mariä Geburt. mini|Barockes Wohnhaus in der Sonnemannstraße, erbaut um 1750. Ab 1863 war in diesem Haus die israelitische Präparandenschule untergebracht Im oberen Bereich des Wasserlaufs der Brunnengasse befindet sich ein stattliches barockes Wohnhaus, das viele Jahre lang als israelitische Präparandenschule genutzt wurde.
Neben der Präparandenschule und dem Geburtshaus von Leopold Sonnemann (Begründer der Frankfurter Zeitung, dem Vorläufer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) gibt es als weiteres Zeugnis der früheren jüdischen Bevölkerung Höchbergs den jüdischen Friedhof Am Trieb.
Kirchen mini|Mariä Geburt mini|Kirche St. Norbert am Hexenbruch mini|Ehemalige Synagoge, heute evang.-luth. Kirche St. Matthäus Katholische Pfarrei Mariä Geburt Kath. Pfarrgemeinde St. Norbert Evangelische Kirchengemeinde „St. Matthäus“; gleichzeitig die ehemalige Synagoge. Das Synagogengebäude wurde 1951 von der evangelischen Gemeinde Höchberg übernommen.https://www.alemannia-judaica.de/hoechberg_synagoge.htm#Zur%20Geschichte%20der%20Synagoge Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Arbeitsplätze 2017 gab es in der Gemeinde 2156 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 3251 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Auspendler um 1095 Personen größer als die der Einpendler. 81 Einwohner waren arbeitslos.
Verkehr Durch Höchberg führen die Bundesstraßen 8 und 27, teilweise als ortsumgehende Ausbaustrecke. Nächste Autobahnanschlussstelle ist Würzburg-Kist an der A 3.
Außerdem ist Höchberg von Würzburg aus gesehen der zweite Ort an der Romantischen Straße. Durch Höchberg führen der Fränkische Marienweg, der Radweg Romantische Straße sowie der Aalbach-Radweg, der Würzburg mit Wertheim verbindet.
An der Haltestelle Karwinkel, die an der Hauptstraße liegt, halten viele Buslinien, die in den westlichen und südlichen Landkreis Würzburg fahren. Nach Höchberg selbst fahren vom Würzburger Busbahnhof die Buslinien 17 und 18, die im Taktverkehr von 20 bzw. 30 Minuten verkehren.
Schulen Höchberger Volksschule Leopold-Sonnemann Realschule am Rudolf-Harbig-Platz Mittelschule Höchberg am Rudolf-Harbig-Platz Förderschule des Landkreises Würzburg „Drei-Linden-Schule“
Kindergärten Katholische Kindertagesstätte Mariä Geburt St. Norbert St. Matthäus Kindergarten im Wiesengrund Kinderkrippe im Wiesengrund Kinderkrippe Pusteblume Kindertagesstätte auf der Frankenwarte
Persönlichkeiten Ehrenbürger 2014: Adolf Ullmann (1942–2014), Verbandsfunktionär
Sonstige Persönlichkeiten Lazarus Ottensoser (* 1798 in Weimarschmieden/Lkr. Rhön-Grabfeld; † 1876 in Höchberg) war der erste Ortsrabbiner in der Marktgemeinde Höchberg.