Qysylorda (; ; bis 1997 Ksyl-Orda, auch Kysyl-Orda) ist eine Stadt im Süden Kasachstans. Sie ist das Verwaltungszentrum und mit Einwohnern (Stand ) zugleich größte Stadt des Gebietes Qysylorda. Sie liegt am Fluss Syrdarja inmitten der Wüste Kysylkum.

Die Stadt wurde 1818 durch den Khan von Kokand als Festung Aqmeschit am Syrdarja gegründet. 1853 wurde sie im Zuge der russischen Eroberung Zentralasiens von der kaiserlichen Armee eingenommen und zur Stadt ausgebaut. Von 1925 bis 1929 war Ksyl-Orda, wie die Stadt mittlerweile hieß, kurzzeitig Hauptstadt der Kasachischen ASSR. Nach der Verlegung der Hauptstadt nach Alma-Ata verlor die Stadt an Bedeutung, wurde aber ab 1938 Verwaltungssitz der gleichnamigen Oblast.

Geografie Geografische Lage mini|Luftaufnahme von Qysylorda Qysylorda liegt im Süden Kasachstans im gleichnamigen Gebiet. Die Stadt befindet sich rund 430 Kilometer nordwestlich von Schymkent im Tiefland von Turan am nordöstlichen Rand der Wüste Kysylkum. Sie liegt am rechten Ufer des Syrdarja, der die ansonsten trockene Kies- und Sandwüste durchfließt. Das Wasser des Flusses wird sowohl flussauf- als auch flussabwärts zur intensiven Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen genutzt.

Qysylorda bildet verwaltungstechnisch einen eigenen städtischen Bezirk der an die Bezirke Syrdarija und Schijeli grenzt. Das Territorium, das der Stadtverwaltung unterstellt ist, umfasst eine Fläche von rund 2.400 Quadratkilometer. Zur Stadt gehören unter anderem die größeren Siedlungen Belköl, Qysylscharma und Tasböget. Die Gesamtbevölkerung beläuft sich auf Einwohner (Stand ), von denen aber nur Menschen selbst in der Stadt leben.

Klima Qysylorda besitzt ein Steppenklima, was in der effektiven Klimaklassifikation BSk entspricht.climate.maresso.com, abgerufen am 7. April 2023. Es ist geprägt durch heiße und trockene lange Sommer und kurze aber dennoch kalte Winter. In den Sommermonaten liegen die Durchschnittstemperaturen bei über 25 °C, auch Werte weit über 30 °C sind keine Seltenheit.Klima Qysylorda. climate-data.org, abgerufen am 22. April 2020. Das ganze Jahr über gibt es in Qysylorda wenig Niederschläge, der meiste davon fällt im Winter und Frühling. Im Sommer hingegen fällt sehr wenig Regen, so beträgt die durchschnittliche Niederschlagsmenge im September lediglich drei Millimeter. Die jährliche Niederschlagsmenge summiert sich auf rund 150 mm.

Geschichte Gründung und russische Eroberung Entwicklung des Ortsnamens Aqmeschit 1818–1853 Fort Perowski 1853–1862 Perowsk 1862–1922 Aqmeschit 1922–1925 Ksyl-Orda 1925–1997 Qysylorda seit 1997 Qysylorda wurde 1818История города. kyzylorda.gov.kz, abgerufen am 22. April 2020 (russisch).On the Foundation of Kyzylorda: a history of 200 years. Qazaqstan Tarihy, abgerufen am 22. April 2020 (englisch).История города. kyzylorda.gov.kz, abgerufen am 23. April 2020 (russisch). als Festung und nordwestlicher Vorposten des Khanats Kokand unter dem Namen Aqmeschit (kas. Ақмешіт, rus. Ак-Мечеть; kasachisch für „weißes Minarett“) gegründet. Zu dieser Zeit begann Muhammad Umar Khan, Khan von Kokand, damit, eine Reihe von Festungen entlang des Syrdarja zur Verteidigung gegen das Russische Kaiserreich anlegen zu lassen. Aqmeschit wurde an einem strategisch wichtigen Punkt errichtet, an dem sich Handelsrouten von Taschkent, Buchara und Chiwa nach Orenburg und Westsibirien kreuzten. Die Festung bestand aus zwei Moscheen und etwa 50 Häusern, die von Mauern und einem Wassergraben umgeben waren. Die Bewohner von Aqmeschit überfielen oft Dörfer in der Umgebung. Sie stahlen das Vieh der lokalen kasachischen Bewohner und erhoben darüber hinaus Steuern bei der kasachischen Bevölkerung. Dies führte dazu, dass sie bei den ansässigen Kasachen nicht sehr beliebt waren und gegen die Festung kämpften.

Nach der Eroberung durch die russischen Streitkräfte unter Generaladjutant Wassili Alexejewitsch Perowski am 28. Juli 1853 erhielt die Festung den Namen Fort Perowski (Форт Перовский). An der Stürmung von Aqmeschit waren rund 2300 russische Soldaten beteiligt, die von etwa 500 einheimischen Menschen unterstützt wurden. Die Bewohner der Festung waren der russischen Armee mit ihrer schlagkräftigen Artillerie unterlegen; sie verfügten nur über einige Kanonen. Für die Kasachen stellte dies die Befreiung von der Herrschaft des Khanats Kokand dar. Im Dezember desselben Jahres versuchte Kokand die Festung zurückzuerobern; die Belagerung scheiterte aber. Perowski begann 1854 mit dem Wiederaufbau des Forts, das Zentrum des Bezirks Perowski wurde. Dieser umfasste eine Fläche von 80.000 Quadratkilometern auf der etwa 180.000 Kasachen lebten.Кызылорда: Страны Истории., abgerufen am 23. April 2020 (russisch).

Ksyl-Orda als Hauptstadt 1867 wurde der Ort unter dem Namen Perowsk (Перовск) Verwaltungszentrum eines Kreises (Ujesd) der Oblast Syrdarja des Generalgouvernements Turkestan innerhalb des Russischen Reiches. Zugleich wurde Perowsk das Stadtrecht verliehen.Кызылорда. tarih-begalinka.kz, abgerufen am 23. April 2020 (russisch). Damit begann die Entwicklung von Perowsk, bei der man sich stark an der Architektur von Orenburg orientierte. Es wurde eine Schule eröffnet und Industriebetriebe gegründet. 1905 wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz der Trans-Aral-Eisenbahn angeschlossen; im darauffolgenden Jahr wurde der Betrieb auf der ganzen Strecke zwischen Orenburg und Taschkent aufgenommen. Zwischen 1922 und 1925 trug die Stadt wieder den alten Namen Aqmeschit.

Das kasachische zentrale Exekutivkomitee beschloss auf ihrer zweiten Sitzung eine Verlegung der Hauptstadt der Kirgisischen ASSR; zu diesem Zeitpunkt war dies Orenburg gewesen. Man entschied sich dabei für die Stadt Aqmeschit, da diese zum einen an einer wichtigen Eisenbahnlinie lag und zum anderen die Region mehrheitlich von ethnischen Kasachen bewohnt war. Zu diesem Zeitpunkt war die Stadt aber Bestandteil der ASSR Turkestan und man musste abwarten. Nachdem die Region der Kirgisischen ASSR zugeschlagen worden war, wurde im Februar 1925 mit der Verlegung der Hauptstadt begonnen. Nach Gründung der Kasachischen ASSR (aus der später die Kasachische SSR, Vorgänger des heutigen Kasachstan, hervorging) blieb Aqmeschit deren Hauptstadt.

Die Stadt war wenig entwickelt zu diesem Zeitpunkt, für die Regierung wurden aber Gebäude für insgesamt 49 Institutionen benötigt, damit die mehr als 1000 Mitarbeiter untergebracht werden konnten. Zudem war nicht genügend Wohnraum für diese zusätzlichen Menschen vorhanden. Im September 1925 wurde deswegen eine Kommission geschaffen, die sich mit der Entwicklung der Stadt beschäftigte. So wurden 50 Gebäude errichtet, darunter 15 Wohngebäude. Zudem gab es auch kommunale Probleme, mit denen die neuen Regierungsmitarbeiter in der Stadt konfrontiert wurden. Es gab kein funktionierendes Wirtschaftsleben, keine Straßenbeleuchtung in der ganzen Stadt und keine Wasserversorgung. Die Stadt sollte in zwei Gebiete aufgeteilt werden: der eine Teil sollte die bisherige Stadt umfassen und der neue Teil der Stadt die Regierungsgebäude und die Unterkünfte der Angestellten. Mit der Erhebung zur Hauptstadt war gleichzeitig auch eine Umbenennung verbunden. Ab 1925 hieß die Stadt Ksyl-Orda (kasachisch für „rotes Heer(lager)“). Nur vier Jahre später wurde die Hauptstadt nach Alma-Ata verlegt.

Stadtentwicklung seit den 1930er Jahren Ende der 1930er Jahre wurde Ksyl-Orda von einem regionalen Zentrum zum Verwaltungssitz einer Oblast. Am 15. Januar 1938 wurde die Stadt zum Zentrum der neu gegründeten Oblast Ksyl-Orda. Die Bevölkerung nahm stark zu, vor allem bedingt durch die Deportation von Personen aus anderen Teilen der Sowjetunion nach Zentralasien. Darunter waren vor allem Deutsche, Koreaner, Polen und Ukrainer. Ab den 1960er Jahren setzte die schnelle Entwicklung der Industrie ein. Dies umfasste vorwiegend die Lebensmittelindustrie, Papierherstellung und die Herstellung von Bekleidung und Schuhen. Um den steigenden Energiebedarf zu decken, wurde im Westen der Stadt ein Wärmekraftwerk errichtet.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1897¹ 5.058 1939¹ 46.750 1959¹ 65.902 1970¹ 122.373 1979¹ 156.128 1989¹ 151.791 Jahr Einwohner 1999¹ 157.364 2004 157.719 2005 158.592 2006 161.539 2007 164.103 2008 166.818 Jahr Einwohner 2009¹ 188.682 2010 193.106 2011 198.389 2012 201.719 2013 207.721 2014 212.918 Jahr Einwohner 2015 219.967 2016 227.460 2017 235.355 2018 236.115 2019 239.070 2020 242.462 ¹ Volkszählungsergebnis

Politik und Verwaltung Äkim (Bürgermeister) Derzeitiger Bürgermeister (Äkim, kas. Әкім) von Qysylorda ist seit Januar 2024 Serik Qoschanijasow. Während sowjetischer Zeit stand der Stadtverwaltung der Vorsitzende des Exekutivausschusses vor. Nachfolgend die Bürgermeister der Stadt seit 1992:Акимы города Кызылорда. kyzylorda.gov.kz, abgerufen am 23. April 2020 (russisch).

Städtepartnerschaften Arvada, Colorado (Vereinigte Staaten) Bursa (Türkei)

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Die Aitbai-Moschee ist heute das älteste noch erhaltene Baudenkmal der Stadt Bauwerke Aitbai-Moschee Kirche der Gottesmutter-Ikone von Kasan

Museen und Theater Historisches Museum Qysylorda Regionales kasachisches Bekeschanow-Dramatheater Palast der Kultur

Sport In der Stadt ist der Fußballverein Qaisar Qysylorda beheimatet.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Bahnhof von Qysylorda Verkehr In der näheren Umgebung der Stadt befindet sich der Flughafen Qysylorda. Qysylorda liegt an der Trans-Aral-Eisenbahn, die von Orenburg nach Taschkent führt.

Durch die Stadt verläuft die M32, die im Westen Kasachstans ihren Anfang hat und nach Schymkent führt. In Qysylorda beginnen die A17, die die Stadt mit Pawlodar verbindet, sowie die E 004 über Uchquduq nach Buchara, beide in Usbekistan, führt.

Bildung Staatliche Qorqyt Ata-Universität Qysylorda

Söhne und Töchter der Stadt

Äbdilda Täschibajew (1909–1998), Schriftsteller Schaqyp Assanow (* 1963), Jurist Ghalymschan Qoischybajew (* 1968), Diplomat Wladimir Kostin (* 1976), Eisschnellläufer Mihhail Kõlvart (* 1977), estnisch-koreanischer Sportler und Politiker Andrei Kaschetschkin (* 1980), Radrennfahrer Maqsat Baischanow (* 1984), Fußballspieler Almat Bekbajew (* 1984), Fußballspieler Schassulan Muchtarbekuly (* 1984), Freistilringer Daurenbek Taschimbetow (* 1985), Fußballspieler Schanar Dughalowa (* 1987), Popsängerin Wiktor Leptikow (* 1987), Hürdenläufer Ilja Iljin (* 1988), Gewichtheber und Olympiasieger Asqat Taghybergen (* 1990), Fußballspieler Robert Gainejew (* 1994), Radsportler

Weblinks

Offizielle Website der Stadt Qysylorda (kasachisch und russisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemalige Hauptstadt (Kasachstan) Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1867