mini|Silhouette zweier Walnussbäume im Winter mini|Rinde eines jüngeren Baumes mit beginnender Verborkung mini|Durch Nachtfröste geschädigte Walnussblätter mini|Geöffnete Walnuss mit freigelegtem Samen mini|Dreiteilige Walnuss mini|Weiblicher Blütenstand mini|Männlicher Blütenstand mini|Walnuss-Keimling

Die Echte Walnuss oder der Nussbaum (Juglans regia) ist ein sommergrüner Laubbaum aus der Familie der Walnussgewächse (Juglandaceae). Sie heißt meist umgangssprachlich einfach Walnussbaum oder Walnuss, regional auch Welschnuss (Österreich, Bayern) oder Baumnuss (was auch die schweizerische bzw. alte alemannische Bezeichnung der Frucht ist). Auf Englisch heißt sie Persian walnut, von altenglisch walhnutu (wealh + hnutu, „fremde Nuss“),etymonline.com: walnut. Abgerufen am 2. November 2011 daher auch deutsch gelegentlich Persische Walnuss, dänisch valnød, schwedisch valnöt.

Der Name „Walnuss“ (von mittelhochdeutsch welsch nuz) der Frucht von Juglans regia bedeutet ursprünglich „welsche (also von den Romanen her kommende) Nuss“,Helmut Carl: Die deutschen Pflanzen- und Tiernamen: Deutung und sprachliche Ordnung. Heidelberg 1957; Neudruck: Quelle & Meyer, Heidelberg/Wiesbaden 1995, ISBN 978-3-494-01230-8, S. 235 und 270.Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882; Neudruck in 2 Bänden, Amsterdam 1967, S. 194. da sie über Frankreich oder Italien ins Deutsche kam. Ihre Früchte sind die bekannten Walnüsse. Das Walnussholz gilt als das begehrteste und wertvollste des mitteleuropäischen Waldes.Schütt, Schuck, Aas, Lang: Juglans regia. In: Enzyklopädie der Holzgewächse, Handbuch und Atlas der Dendrologie. 2. Ergänzungslieferung 10/1995, ecomed Sonderdruck; (PDF; 4,3 MB).

Beschreibung

Vegetative Merkmale Der Walnussbaum wird 15 bis 25 m, in dichteren Baumbeständen auch bis 30 m hoch. Sein Höhenwachstum endet mit ca. 60 bis 80 Jahren. Er kann ein Alter von 150 bis 160 Jahren erreichen. Der Baum bildet ein tief wurzelndes Pfahl-Herzwurzelsystem und im Freistand eine breite Krone aus. Seine Rinde ist in der Jugend glatt und aschgrau, im Alter entwickelt sich eine tiefrissige, dunkel- bis schwarzgraue Borke.

Die wechselständigen Blätter sind unpaarig gefiedert mit 5 bis 9 (meist 7) Fiederblättchen und erreichen eine Länge von bis zu 40 cm. Die dunkelgrünen Fiederblättchen selbst sind 6 bis 15 cm lang und 2 bis 6 cm breit und gegenständig. Ihre Form ist elliptisch bis eiförmig, sie sind fast ganzrandig und bis auf die unterseitigen Achselbärte unbehaart. Im Frühjahr ergrünt die Walnuss als letzter Laubbaum noch nach der Eiche; die jungen Triebe sind empfindlich gegen Spätfrost, im Herbst wirft sie früh ab. Die Laubblätter verströmen beim Zerreiben einen aromatischen Duft. Die Substanzen der Walnussblätter wirken wachstumshemmend auf andere Pflanzen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 311.

Generative Merkmale Die Echte Walnuss ist einhäusig (monözisch) und heterodichogam,P. Pollegioni, K. Woeste, A. Major et al.: Characterization of Juglans nigra (L.), Juglans regia (L.) and Juglans x intermedia (Carr.) by SSR markers: a case study in Italy. In: Silvae Genetica. 58, 1–2, 2009, S. 68–78, doi:10.1515/sg-2009-0009. auf einer Pflanze gibt es also weibliche und männliche Blüten. Die männlichen Blüten sitzen zu vielen in hängenden, männlichen Blütenständen (Kätzchen), die weiblichen Blüten in wenigblütigen Blütenständen. Die Blüte erfolgt zwischen April und Juni, wobei die männlichen Blüten meist vier Wochen früher erscheinen (Proterandrie). Die Bestäubung erfolgt durch Wind (Anemophilie). Die grünlich-gelben männlichen Blüten sitzen in einem Blütenstand, der die Form eines hängenden Kätzchens hat. Diese sind als dicke, walzenförmige Blütenstände recht auffällig. Sie werden sechs bis zwölf Zentimeter lang und entwickeln sich aus den Achselknospen der vorjährigen Laubblätter. Eine männliche Einzelblüte besteht aus 3 bis 6 Perigonblättern,Ruo-Zhu Lin, Rui-Qi Li, An-Ming Lu et al.: Comparative flower development of Juglans regia, Cyclocarya paliurus and Engelhardia spicata: homology of floral envelopes in Juglandaceae. In: Botanical Journal of the Linnean Society. 181(2), 2016, S. 279–293, doi:10.1111/boj.12413. zwei Vorblättern und einem Tragblatt. Diese umhüllen die innen liegenden, bis zu 30–40 Staubblätter. Die weiblichen Blüten haben ein unscheinbares vierteiliges Perigon mit zwei auffälligen, federigen Narbenlappen an einem kurzen Griffel und sie treten zu 2 bis 5 in senkrechten Ähren an den Enden der diesjährigen Triebe auf. Der zweiteilige Griffel dient dazu, die zwei Narbenlappen für die Befruchtung in die richtige Position zu bringen. Die Narben sind anfangs glänzend grün und nachher rötlich. Die Blüten erreichen eine Länge von ca. 10 bis 15 mm und eine Breite von 5 bis 10 mm. Der unterständige, zweiblättrige Fruchtknoten ist mit dem Perigon sowie mit Trag- und Vorblättern verwachsen, die eine anfangs haarige Hülle bilden. Im Alter von 15–20 Jahren tritt zum ersten Mal die Blüte ein. Es werden 4 bis 6 cm große, ellipsoide bis rundliche Früchte gebildet. Die Fruchthülle ist fleischig-faserig, springt bei der Reife auf und entlässt den runzeligen, hellbräunlichen Kern (Endokarp). Das hellbraune Perikarp ist stark verholzt und seicht gefurcht und besteht aus zwei verwachsenen Hälften.

Die Früchte und ihre Kerne sind als „Walnüsse“ (auch „Baumnüsse“) bekannt und werden als Lebensmittel verwendet. Traditionell galten die Früchte der Walnussgewächse in der Botanik als Steinfrüchte. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass sie zu den Nussfrüchten zu zählen sind.Michael Markowski: Morphologische und morphogenetische Untersuchungen an Blüten und Blütenständen ausgewählter Vertreter der Fagales s.l. Mitteilungen der Deutschen Dendrologische Gesellschaft. Bd. 92, 2007, S. 49–61.J. König: Die Hülle beweist: Die Walnuss ist wirklich eine Nuss. In: Informationsdienst Wissenschaft. vom 21. Juli 2006. Entgegen früheren Meinungen ist die grüne, nussumgebende Hülle nicht Bestandteil des Perikarps, sondern wird aus anderen Organen (Perigon, Deckblätter) gebildet. Die Nuss selbst variiert in ihrer Form und Größe stark. Sie kann rund, oval walzenförmig, eiförmig oder schnabelförmig sein, ist 2,5 bis 8 cm lang und 2,5 bis 5 cm breit. Die Schalendicke beträgt 1,8 bis 2,2 mm. Der Embryo besitzt große, wulstig gefurchte Speicherkotyledonen. Die Ovarhöhle ist durch eine unvollständige falsche und eine echte Scheidewand im Querschnitt vierfächerig. Die echte Scheidewand entsteht hier durch synkarpe Verwachsung zweier Karpelle, wobei der Fruchtknoten in zwei Fächer geteilt wird. Durch die hinzukommende unvollständig gebildete falsche Scheidewand erscheint die Fruchtknotenhöhle vierfächrig.

Nicht selten sind dreiteilige Nüsse, bei denen die Scheidewände und Fruchtknoten entweder annähernd gleich groß sind oder Abweichungen in deren Dimensionen aufweisen. Auch vierteilige Walnüsse oder Nüsse mit nur einer oder sogar keiner Schalenteilung kommen vor, sind aber deutlich seltener als die dreiteilige Variante.

Taxonomie Die Familie der Walnussgewächse (Juglandaceae) umfasst acht Gattungen mit etwa 60 Arten, darunter überwiegend Bäume und nur vereinzelt Sträucher. Die Echte Walnuss (Juglans regia) gehört hierbei mit über 20 weiteren Arten zur Gattung der Walnüsse (Juglans). Weitere bekannte Vertreter dieser Gattung sind die Schwarznuss (Juglans nigra) und die Butternuss (Juglans cinerea), die aus Nordamerika nach Deutschland eingeführt wurden. Wie auch die verwandten Arten ist die Echte Walnuss genetisch sehr variabel. So wurden in Asien schon vereinzelt Unterarten beschrieben, die aber bisher nicht allgemein anerkannt werden.

Bedingt durch die große innerartliche Heterogenität werden auch zahlreiche Varietäten und Sorten beschrieben, die sich phänologisch insbesondere im Wuchsverhalten und im Aussehen der Früchte unterscheiden. Am bekanntesten in China sind die Yanbian-Walnuss aufgrund der guten Erträge und die Xinjiang-Walnuss, der eine hohe Krankheitsresistenz zugeschrieben wird. Auch im künstlichen Anbau werden zahlreiche Sorten unterschieden. Allein in Deutschland gibt es im Deutschen NusskatalogAID: Deutscher Nußkatalog 1960 – Richtlinien für den Wal- und Haselnußanbau, Land- und Hauswirtschaftlicher Informationsdienst, Bonn/Bad Godesberg, 1960 über 100 Sorten, die sich durch Nussform, Ertrag, Frostresistenz oder andere Eigenschaften unterscheiden.

Verbreitung mini|300px|Verbreitungskarte von Juglans regia L. (Echte Walnuss), einschließlich ihrer eingeführten und eingebürgerten (synanthropischen) Gebiete. Die Echte Walnuss ist bereits für das Tertiär belegt. Es wird vermutet, dass sie in Syrien sowie im westlichen und südlichen Kleinasien die Eiszeiten überstand. Ihre natürliche Verbreitung im Quartär hat sie im östlichen Mittelmeerraum, auf der Balkanhalbinsel sowie in Vorder- und Zentralasien. Sie ist in feuchten Schluchtwäldern der Gebirge zu finden und wächst im Himalaya in Höhen bis 3300 m.

Bekannt sind die Nussbaumwälder in Kirgisistan im Tian-Shan-Gebirge. Kirgisistan ist mit nur 4 % Waldfläche eines der waldärmsten Länder Asiens, beherbergt aber die größten Nussbaumbestände der Welt. In einer Höhenzone von 1000 bis 2000 m werden die Bäume insbesondere an Nordhängen bis zu 30 m hoch und erreichen ein Alter von bis zu 150 Jahren. Im Mittelstand dieser Wälder wachsen verschiedene Kern- und Steinobstarten; die Bestände werden agroforstlich genutzt.

Es gibt einzelne umstrittene Hinweise auf die Ausbreitung der Art nach Mitteleuropa bereits in der Vorgeschichte;Julian Wiethold: Die Pflanzenreste aus den Aschengruben. Ergebnisse archäobotanischer Analysen. In: André Miron (Hrsg.): Archäologische Untersuchungen im Trassenverlauf der Bundesautobahn 8 im Landkreis Merzig-Wadern. Arbeit und Kultur Saarland, Saarbrücken 2000, ISBN 978-3-927856-05-9, S. 144; Stefanie Jacomet, Urs Leuzinger, Jörg Schibler: Die jungsteinzeitliche Seeufersiedlung Arbon-Bleiche 3: Umwelt und Wirtschaft (= Archäologie im Thurgau. Band 12). Departement für Erziehung und Kultur des Kantons Thurgau, Frauenfeld 2004, ISBN 3-905405-12-1, S. 138–140 (PDF-Download). mit Sicherheit wurde sie seit römischer Zeit in weiten Teilen Süd-, West- und Mitteleuropas kultiviert. So ist ihre jetzige Verbreitung stark durch den Anbau als Fruchtbaum geprägt. In Mitteleuropa kommt sie in der Regel in kultivierter Form auf Bauernhöfen, in Gärten oder als Einzelbaum in der Feldflur vor. Gelegentlich findet man sie verwildert, vor allem in Auwäldern des Rheins und der Donau.

In Oberösterreich findet man in den Auwäldern der Flüsse Alm, Enns und Traun kleinfrüchtige, ziemlich frostharte Wildformen. Diese werden Spitz-, Schnabel- oder Steinnuss genannt. Es ist nicht geklärt, ob es sich dabei um eine autochthone mitteleuropäische Sorte handelt. Obwohl die Echte Walnuss in den Alpen bis etwa 1200 m zu finden ist, wächst sie selten auf Standorten über 800 m Meereshöhe. Die Echte Walnuss wird auch in Nordamerika wegen ihrer wohlschmeckenden Früchte großflächig angebaut, insbesondere in Kalifornien.

Da sie gegen Winterkälte und Spätfröste sehr empfindlich ist, findet man sie häufig in wintermilden, nicht zu niederschlagsarmen Lagen wie in den Weinbaugebieten. Sie wächst besonders gut auf tiefgründigen, frischen, nährstoff- und kalkreichen Lehm- und Tonböden.