Der Tod kennt keine Wiederkehr (Originaltitel: The Long Goodbye) ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1973. Der Kriminalfilm unter der Regie von Robert Altman ist eine Verfilmung des Romans The long Good-bye (deutsch: Der lange Abschied) von Raymond Chandler. Elliott Gould spielt darin den Privatdetektiv Philip Marlowe, der von einem Freund, der sich als Mörder entpuppt, betrogen wird. Der Tod kennt keine Wiederkehr wird sowohl als Satire auf den Film noir als auch als Abgesang auf diesen angesehen.

Handlung

Philip Marlowe ist ein Privatdetektiv im Los Angeles der 1970er Jahre. Eines Nachts wird er von seinem Freund Terry Lennox besucht, der ihn bittet, ihn nach Mexiko zu bringen, da er Probleme mit seiner Frau Sylvia habe. Marlowe tut ihm den Gefallen und wird nach seiner Rückkehr nach Los Angeles von der Polizei festgenommen. Sylvia Lennox ist tot und Marlowe steht unter dem Verdacht, dem mutmaßlichen Mörder Terry Lennox zur Flucht verholfen zu haben. Nach drei Tagen wird Marlowe aus dem Gefängnis entlassen: Terry Lennox habe in Mexiko Selbstmord begangen und vorher ein schriftliches Geständnis abgelegt, der Fall sei somit für die Polizei erledigt.

Nach seiner Freilassung erhält Marlowe von Eileen Wade, die ebenso wie das Ehepaar Lennox in der exklusiven Malibu Colony lebt, den Auftrag, ihren Mann, den alkoholabhängigen Schriftsteller Roger Wade, der vermisst wird, zu suchen. Marlowe findet Wade in einer Entziehungsklinik und bringt ihn nach Hause. Der Gangster Marty Augustine sucht Marlowe auf und bedroht ihn: Terry Lennox sei mit 350.000 Dollar, die er von Augustine erhalten habe, um sie über die Grenze zu bringen, verschwunden. Marlowe soll dieses Geld für Augustine wiederfinden. Marlowe verfolgt den Gangster und seine Bande, nachdem sie ihn verlassen haben, und entdeckt, dass diese in die Malibu Colony fahren, um den Wades einen Besuch abzustatten. Marlowe reist nach Mexiko, findet jedoch keine Spur des Geldes. miniatur|Eine 5000-Dollar-Note wechselt im Film wie auch im Buch mehrfach ihren Besitzer Zurück in Los Angeles, erhält Marlowe einen Brief von Terry Lennox, in dem dieser sich bei ihm entschuldigt und dem eine 5000-Dollar-Note – das „Madison-Portrait“ – beiliegt. Lennox ist also anscheinend nicht tot. Marlowe besucht die Wades und landet mitten in einer Party, die vom betrunkenen Roger Wade abrupt abgebrochen wird. Marlowe bleibt auf Einladung von Eileen Wade im Haus, um mit ihr zu essen. Roger Wade begeht unterdessen Selbstmord, er ertränkt sich im Pazifik. Eileen Wade behauptet nach Rogers Tod, er sei der Mörder von Sylvia Lennox gewesen, mit der er ein Verhältnis gehabt habe.

Marty Augustine bedroht Marlowe abermals, lässt aber von ihm ab, als plötzlich die Tasche mit den 350.000 US-Dollar wieder auftaucht. Am nächsten Tag ist das Anwesen der Wades verlassen und wird für einen Verkauf vorbereitet, Eileen Wade sei nach Europa abgereist. Marlowe reist abermals nach Mexiko und erfährt, nachdem er die Beamten mit der 5000-Dollar-Note bestochen hat, dass Lennox tatsächlich noch am Leben ist und seinen Selbstmord mit Hilfe der örtlichen Beamten nur vorgetäuscht hat. Marlowe erfährt den Aufenthaltsort von Terry Lennox und sucht ihn auf. Lennox gesteht, dass er seine Frau umgebracht habe. Er habe ein Verhältnis mit Eileen Wade und habe Sylvia in der Nacht getötet, als Roger Wade von diesem Verhältnis erfahren und Sylvia Lennox aufgesucht habe, um ihr davon zu erzählen. Augustines Geld habe er nicht mehr gebraucht, da er ja nun seine reiche Freundin Eileen Wade habe. Lennox verhöhnt Marlowe als Verlierer. Daraufhin erschießt Marlowe seinen Freund Lennox, der ihn so betrogen und missbraucht hat. Befreit und fröhlich verlässt Marlowe den Tatort und bemerkt die ihm mit einem Auto entgegenkommende Eileen Wade kaum.

Entstehungsgeschichte Bereits 1965 bestand Interesse an einer Verfilmung von Chandlers letztem noch nicht verfilmten Marlowe-Roman The long Good-Bye. Die Filmrechte lagen zuerst bei Warner und gingen dann auf MGM über, für die Stirling Silliphant ein erstes Skript basierend auf der Romanvorlage verfasste. Bereits in dieser frühen Drehbuchfassung spielte die Handlung nicht mehr in den 1940ern, sondern in der Gegenwart der frühen 1970er. United Artists kaufte das Skript und entschloss sich, das Projekt zu verwirklichen.Dieter Gaumann: Private eye und Menschenfreund – Die Literaturverfilmung THE LONG GOODBYE. In: Thomas Klein, Thomas Koebner (Hrsg.): Robert Altman – Abschied vom Mythos Amerika. Bender, Mainz 2006, ISBN 3-9806528-3-1, S. 144–155.

Leigh Brackett, die Drehbuchautorin, die bereits 1946 zusammen mit William Faulkner das Drehbuch zur Chandler-Verfilmung Tote schlafen fest von Regisseur Howard Hawks verfasst hatte, bekam den Auftrag zur Überarbeitung des Skripts. Sie strich einige Nebenfiguren und brachte wesentliche Änderungen gegenüber der Romanhandlung ein.G. Castelli, M. Marchesini: Robert Altman. 1978, S. 45–53.

Nachdem Howard Hawks und Peter Bogdanovich für die Regie nicht zur Verfügung standen, ging das Projekt an Robert Altman über. Altman verpflichtete Elliott Gould für die Rolle des Marlowe. Als Teil der sogenannten Repertory Company gehörte Gould zu Altmans Ensemble von Stammschauspielern, auf die er für seine Filme immer wieder zurückgriff.Judith M. Kass: Ein amerikanischer Neuerer. In: P. W. Jansen, W. Schütte (Hrsg.): Robert Altman. 1981, S. 9. Bei den Filmgesellschaften durch sein als neurotisch empfundenes Verhalten am Set als schwierig verschrien, kam Goulds Hang zu Improvisationen der Arbeitsweise Altmans entgegen, der in seinen Filmen immer wieder die Spontaneität der Schauspieler als Stilmittel einsetzte.

Für die Rolle des alkoholabhängigen, am Rande des Wahnsinns agierenden Roger Wade war ursprünglich Altmans Freund aus Bonanza-Zeiten Dan Blocker vorgesehen, der jedoch kurz vor den Dreharbeiten verstarb. Altman widmete Blocker den Film. Als Ersatz für Blocker sprang der Film-noir-Veteran Sterling Hayden ein; der Regisseur Mark Rydell spielte den Gangster Augustine. In einem kurzen Auftritt als Mitglied von Augustines Bande ist Arnold Schwarzenegger, in der Besetzungsliste noch als Arnold Strong geführt, zu sehen. Ironischerweise hat der spätere Gouverneur von Kalifornien seinen Auftritt direkt nach einer Szene, in der Marlowe behauptet, er werde jetzt Ronald Reagan, den damaligen Gouverneur, anrufen.

Synchronisation +RolleDarstellerSynchronsprecherPhilip MarloweElliott GouldKlaus KindlerEileen WadeNina van PallandtIlse KiewietRoger WadeSterling HaydenWolfgang LukschyMarty AugustineMark RydellJürgen ThormannDr. VerringerHenry GibsonFriedrich W. BauschulteTerry LennoxJim BoutonJoachim KemmerMorgan, TorwächterWarren BerlingerAndreas MannkopffJo Ann EggenweilerJo Ann BrodyMarianne LutzDaveDavid CarradineNorbert LangerDet. FarmerStephen CoitKlaus MiedelDoktorPancho CordovaFriedrich SchoenfelderDet. GreenJerry JonesEdgar OttHerbieHerb KernsErnst JacobiJefeEnrique LuceroToni HerbertColonie-WacheKen SansomRolf SchultSybil TooksburySybil ScotfordGisela FritschCopN. N.Thomas DannebergAssistentin der MaklerinN. N.Lola Luigi

Rezeption und Nachwirkung Der Kinostart im März 1973 brachte verheerend schlechte Besucherzahlen. Beworben wurde er mit einer Kampagne, die eher zu einem James-Bond-Film gepasst hätte. Altman erklärt: „Auf dem Werbeplakat war Elliott mit einer Katze auf seiner Schulter zu sehen, einer rauchenden .45er-Knarre in der Hand und einer Zigarette im Mund, mit Nina als gerissener Blondine an seiner Seite. Das hat überhaupt nicht funktioniert.“D. Thompson (Hrsg.): Altman on Altman. 2006, S. 75–81. Die Zuschauer waren enttäuscht vom als schlecht konstruiert empfundenen Plot, der angeblich mangelhaften Charakterzeichnung der Figuren und der scheinbar fehlenden Werktreue zum Chandler-Universum. Altman machte damit seinem Ruf als „Genre-Killer“, den er spätestens seit McCabe & Mrs. Miller innehatte, alle Ehre. Der Film wurde eilig aus den Kinos genommen und ein halbes Jahr später mit einer neuen Werbekampagne, die mehr die satirischen Aspekte des Films betonte, erneut herausgebracht, ohne sich jedoch vom Kassenerfolg her sehr viel besser zu entwickeln.

Die damalige Kritik sparte nicht mit Häme über den Film. Charles Champlin urteilte: „Sie müssen kein Fan von Raymond Chandler sein, um diesen Film bedauernswert zu finden, aber es hilft.“ Altmans Marlowe sei ein „verdreckter, unrasierter, halbgebildeter, verblödeter Tölpel, der keinen verschwundenen Wolkenkratzer wiederfinden könnte und der nicht einmal eine Anstellung an einem Hot-Dog-Stand bekäme“. Charles Gregory kritisierte den respektlosen Umgang mit dem Mythos Marlowe in Film Quarterly. Man könne „ein Heldenbild nicht zum Objekt von Satire machen oder gar zerstören, bevor man es nicht definiert hat“. Altman äußerte sich zur Kritik an Goulds Marlowe-Darstellung: „Einige […] Kritiker mochten es nicht, dass Elliott Gould Philip Marlowe spielte. […] Jeder sagte, Elliott sei nicht Marlowe und es wäre nicht werkgetreu, aber was sie wirklich meinten war, dass Elliott Gould nicht Humphrey Bogart war.“

Aus heutiger Sicht urteilt die Kritik deutlich milder. Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz bewerten ihn in ihrem Lexikon „Filme im Fernsehen“ (1990) immerhin mit 2½ von 4 möglichen Sternen als „überdurchschnittlich“ und meinen: „Philip Marlowe als kauziger Kasper, der sich für die Katze mehr als für seinen Auftrag interessiert. Bis zur Unkenntlichkeit veränderte Altman […] den Roman Chandlers […] und überzog ihn mit epischer Erzählweise und dem nivellierenden Gehabe der zeitgenössischen Gesellschaft.“Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“. (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 822. Roger Ebert kommt 2006 zu dem Schluss: „Der Tod kennt keine Wiederkehr sollte weder der erste Film noir sein, den Sie sehen, noch ihr erster Altman-Film. Seine größte Wirkung erzielt er dadurch, wie er sich gegen das Genre auflehnt und die Art, wie Altman die Voraussetzungen aller Detektivfilme unterläuft, nämlich dass der Held sich gegen das Verbrechen behaupten und […] Gut von Böse unterscheiden kann. Der Ehrenmann von 1953 ist verloren im dunstigen Narzissmus von 1973, und es geht ihm nicht gut dabei.“Filmkritik von Roger Ebert

Jamie Gillies urteilt: „Leider kam dieser Film aufgrund einer idiotischen Marketingstrategie niemals richtig in die Gänge und blieb ein unterschätzter Klassiker […] Er mag nicht exakt so sein wie der Roman, aber so einen Philip Marlowe haben Sie noch nie gesehen.“

Der Tod kennt keine Wiederkehr diente mit seiner Methode, die Handlungsstrukturen der Hard-Boiled-Krimis und des Film noir in die Jetztzeit zu transportieren, als Vorbild für Filme wie The Big Lebowski.

Auf der Kritiker-Website „Rotten Tomatoes“ erzielte der Film mit 53 positiven und drei negativen Bewertungen ein Ergebnis von 95/100.

Filmanalyse

Chandlers Romanvorlage

Raymond Chandler gilt neben Dashiell Hammett als Begründer der Hard-Boiled-School, einem Genre von Kriminalgeschichten, für die der Typus des hartgesottenen Detektivs kennzeichnend ist. Brutalität wird in anschaulicher und drastischer Weise dargestellt, oft jedoch auch ironisch gebrochen. Neben Hammetts Sam Spade war Philip Marlowe die populärste der Detektivfiguren. Bald nahm Hollywood die beliebten Romane als Stoff für Spielfilme auf. Humphrey Bogart spielte den Marlowe 1946 in Tote schlafen fest und wurde in diesem Film noir zur Verkörperung der Figur, an der sich die Erwartungshaltung des Publikums für weitere Verfilmungen orientierte.