Als internationaler Zahlungsverkehr (auch Auslandszahlungsverkehr, AZV) wird im Finanzwesen der Teil des Zahlungsverkehrs bezeichnet, bei dem die Übertragung von Zahlungsmitteln über Staatsgrenzen hinweg erfolgt. Pendant ist der Inlandszahlungsverkehr.

Allgemeines Für Helmut Lipfert bildeten 1960 die mit dem Übergang von einer Währung zu einer anderen Währung verbundenen Zahlungen den internationalen Zahlungsverkehr.Helmut Lipfert, Nationaler und internationaler Zahlungsverkehr, 1960, S. 11 Da aber heute im Euroraum der Euro eine einheitliche Währung darstellt, würden Zahlungen von einem EU-Mitgliedstaat in einen anderen nicht vom Begriff des internationalen Zahlungsverkehrs erfasst. Deshalb ist jeder grenzüberschreitende Zahlungsvorgang als internationaler Zahlungsverkehr anzusehen.Oswald Hahn, Zahlungsmittelverkehr der Unternehmung, 1962, S. 53 Auch die ausschließlich auf Bargeld-Transaktionen beruhende Hawala gehört zum internationalen Zahlungsverkehr.

Geschichte Abgesehen von Bargeld spielte der Wechsel im Mittelalter als Zahlungsmittel des internationalen Zahlungsverkehrs eine überragende Rolle.Andreas Mann (Hrsg.), Herausforderungen der internationalen marktorientierten Unternehmensführung, 2011, S. 78 Die Geldwechsler () fungierten als Makler zwischen den Kaufleuten () und den Zahlungsempfängern (), die „von Ort zu Ort“ () auf Messen zogen, wobei schriftliche Anweisungen (; „Tausch“) ausgestellt wurden, aufgrund derer die Geldsumme am Messestandort an eine urkundlich bestimmte Person wieder ausgezahlt werden konnte.Wilhelm Hartmann, Das deutsche Wechselrecht, 1869, S. 30 Die Käufer auf internationalen Messen besaßen oft nicht das gesetzliche Zahlungsmittel des Messelandes und waren dann zum Geldwechsel bei einem Geldwechsler gezwungen.Georg Friedrich von Martens, Versuch einer historischen Entwicklung des wahren Ursprungs des Wechselrechts, 1797, S. 29 Einer der ersten Wechsel stammte wohl vom April 1207 aus Palermo, wo ein Wechsler () den Erhalt der Wechselsumme quittierte.Wilhelm Hartmann, Das deutsche Wechselrecht, 1869, S. 23 Im April 1250 tauchten in Genua erste formalisierte Urkunden auf, in denen sich ein Schuldner als zahlungsverpflichtet bekannte und eine spätere Rückzahlung versprach.Wilhelm Bernstein, Vorlesungen über das deutsche Wechselrecht, 1909, S. 3 f. Aus dieser Zeit stammt der Begriff des Wechselkurses, der sich lediglich auf den Tausch von Wechseln gegen eine bestimmte Fremdwährung bezog.Andreas Mann (Hrsg.), Herausforderungen der internationalen marktorientierten Unternehmensführung, 2011, S. 84

Beim im Mittelalter üblichen Kompensationshandel war Zahlungsverkehr nicht erforderlich, weil ein Tauschhandel „Ware gegen Ware“ stattfand. Beim grenzüberschreitenden Güterverkehr konnte der Zahlungspflichtige dem Zahlungsempfänger auch einen Scheck übersenden, mit dem die Rechnung bezahlt werden konnte. Wechsel und Schecks wurden erstmals ab 1770 in Londoner Clearinghäusern () verrechnet.Springer Fachmedien (Hrsg.), Gabler Wirtschaftslexikon, Band 1, 2004, S. 595 Hierbei handelte es sich um Banken, die durch Abrechnungssysteme nur die überschießenden Salden aus eingelösten Schecks und Wechseln regulierten. Sie mieteten im Jahre 1770 ein Gebäude in der Lombard Street,J J Pfau, Das Bankwesen der Schweiz und des Auslandes, 1875, S. 27 als Organisation entstand das Bankers' Clearing House erst im Jahre 1775, das 1810 bereits 46 Mitglieder aufwies.Hanns Belohlawek, Handbuch des Bank- und Börsenwesens, 2011, S. 39 f. Einen größeren Umfang erreichte der Clearingverkehr durch Beitritt der großen Aktienbanken im Jahre 1854 und der Bank of England (1864); die getätigten Umsätze erschienen in einem Clearing-Buch ().Georg Obst, Das Bankgeschäft, Band II, 1923, S. 137 Das erste US-amerikanische Clearing House entstand zeitgleich 1854 als New York Clearing House Association, 1856 folgte eines in Boston.

Die ab 1950 aufkommenden Auslandsüberweisungen wurden erst möglich, nachdem sich inländische Kreditinstitute ein Netz von Korrespondenzbanken im Ausland aufgebaut hatten, mit denen sie Zahlungen in Inlands- oder Fremdwährung über Lorokonten verrechnen konnten. Innerhalb der weltweiten Kreditwirtschaft war damit der internationale Zahlungsverkehr bilateral organisiert. Im Mai 1973 gründeten 239 Banken aus 15 Ländern das beleglose und in Echtzeit durchgeführte, grenzüberschreitende und multilaterale Datenfernübertragungssystem SWIFT. Bei seiner Inbetriebnahme 1977 waren bereits mehr als 500 Banken angeschlossen,Jörg Etzkorn, Rechtsfragen des internationalen elektronischen Zahlungsverkehrs durch S.W.I.F.T., 1991, S. 1 heute gehören mehr als 10.000 Kreditinstitute in 212 Ländern dem SWIFT-Zahlungsnetz an.

Die Deutsche Bundesbank sorgt gemäß BBankG als Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland unter anderem für die bankmäßige Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Inland und mit dem Ausland und trägt zur Stabilität der Zahlungs- und Verrechnungssysteme bei.

Zahlungsformen Es gibt drei Arten der Zahlung im internationalen Zahlungsverkehr:Gerhard Müller/Josef Löffelholz (Hrsg.), Bank-Lexikon: Handwörterbuch für das Bank- und Sparkassenwesen, 1988, Sp. 1158 Der Zahlungspflichtige zahlt über sein Kreditinstitut an das Institut des Zahlungsempfängers (). Bei Export/Import: Zahlung durch Dokumenteninkasso „Kasse gegen Dokumente“ (). Bei Export/Import: Zahlung durch Dokumentenakkreditiv (). Dokumente sind Warenbegleitpapiere, die der Exporteur über sein Institut dem Importeur gegen Zahlung übersendet. Darunter befinden sich meist Traditionspapiere, ohne deren Vorlage der Importeur die Auslieferung der Ware nicht verlangen kann.

Zahlungsverkehrssysteme Innerhalb des Bankwesens werden Auslandsüberweisungen über Zahlungsverkehrssysteme abgewickelt.

Über SWIFT können im internationalen Zahlungsverkehr neben Auslandsüberweisungen auch dokumentäre Akkreditive und Dokumenteninkassi sowie Devisen- und Wertpapiergeschäfte (Zahlungen) abgewickelt werden. SWIFT führt Zahlungen in Euro oder Fremdwährung aus. Die Weiterleitung von Zahlungsaufträgen im grenzüberschreitenden Überweisungsverkehr erfolgt heute zum größten Teil über SWIFT.Kristin Wahlers, Die rechtliche und ökonomische Struktur von Zahlungssystemen inner- und außerhalb des Bankensystems, 2013, S. 85

TARGET2 ist die zweite Generation des Zahlungsverkehrssystems TARGET (). Es ist seit November 2007 das gemeinsame Echtzeit-Brutto-Clearingsystem des Eurosystems. Mit ihm können im Eurosystem Zahlungen ausschließlich in Euro durchgeführt werden.

Eine rechtliche Vereinheitlichung des Zahlungsverkehrs in den EU-Mitgliedstaaten erfolgte durch das Zahlungsdiensterecht vom Oktober 2009. Es führte zu europaweiten einheitlichen Zahlungstransaktionen, Zeitvorgaben für die Auftragsausführung oder Widerrufsrechten. Durch SEPA wurde ab Februar 2014 der Europäische Zahlungsraum, ein einheitlicher Zahlungsraum für bargeldlose Zahlungen ausschließlich in Euro, geschaffen.

Zahlungsmittel Bei Barzahlung wird Bargeld in Fremdwährung, so genannte Sorten, verwendet. Sie können vom Reisenden bei Kreditinstituten oder Wechselstuben erworben werden. Bei der Übertragung von Buchgeld in das Ausland oder vom Ausland in das Inland gibt es für den Euro in der Eurozone das SEPA-Standard-Überweisungsformular. Zahlungen außerhalb der Eurozone und/oder in Fremdwährung erfolgen mit demselben Vordruck über SWIFT, umgangssprachlich als Auslandsüberweisung bezeichnet.

Der Scheck hat in den meisten EU-Mitgliedstaaten keine Bedeutung mehr. So ist er statistisch nicht mehr erfasst in Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Polen, Schweden, Slowenien, Slowakei, Tschechischer Republik und Ungarn.ECB Press Release 15. September 2017, Payment Statistics for 2016, S. 6 Insbesondere in Malta (17,8 % Anteil an allen Zahlungstransaktionen), Zypern (15,3 %) und Frankreich (10,2 %) ist der Scheck noch ein gängiges Zahlungsmittel. Dagegen hat der Scheck im überseeischen angelsächsischen Raum (USA, Kanada) heute noch große Bedeutung, Zahlungsverpflichtungen werden hier üblicherweise durch Übersenden eines Schecks beglichen. Deshalb können derartige Schecks auch an Zahlungsempfänger in der Eurozone gelangen. In den USA gab es 2015 insgesamt 17,9 Mrd. Scheckzahlungen mit einem Volumen von 28,97 Billionen US$, der durchschnittliche Scheckbetrag lag damit bei 1.618 US$.Board of Governors of the Federal Reserve System vom 25. Januar 2018, The Federal Reserve Payments Study: 2017 Annual Supplement Beim Volumen bedeutet dies einen Anteil von 36,5 % aller Transaktionen. Am häufigsten werden Schecks zur Begleichung von Nebenkosten benutzt (25,7 % aller Scheck-Transaktionen), es folgen Einkäufe im Einzelhandel (19 %) und Vergütungen von Firmen oder der Regierung gegenüber Verbrauchern (17,8 %); der Scheckverkehr von Konsument zu Konsument wird mit rund 11 % angegeben.Handelsblatt vom 14. Oktober 2006, Scheckzahlungen in den USA: Eine große Liebesaffäre Unter den „Vergütungen von Firmen“ ist der Gehaltsscheck () enthalten, den Arbeitnehmer aufgrund ihrer Lohnabrechnung () bekommen.Kai Blum, Alltag in Amerika: Leben und Arbeiten in den USA, 2014, S. 143 f.

Der Wechsel spielt im internationalen Zahlungsverkehr lediglich noch eine Rolle bei Akkreditiv und Dokumenteninkasso, den Reisescheck gibt es seit Dezember 2015 nicht mehr. Er wurde ersetzt durch international einsetzbare Zahlungskarten.

Aus Gründen der Meldevorschriften im Außenwirtschaftsverkehr zwecks Erhebung der Zahlungsbilanz und Außenhandelsstatistik haben der zahlungspflichtige Inländer (bei Zahlungen an Ausländer) und der inländische Zahlungsempfänger (bei Zahlungen von Ausländern) nach Abs. 1 AWV ab einer Meldeschwelle von mehr als 12.500 Euroauch SEPA-Zahlungen in Euro sind hiervon betroffen oder Gegenwert in Fremdwährung (§ 67 Abs. 2 AWV) ausgehende oder eingehende Zahlungen mit dem Vordruck „Zahlungsauftrag im Außenwirtschaftsverkehr“ (Z1/Z4) der Bundesbank zu melden (§ 67 Abs. 4 AWV). Ausgenommen von der Meldepflicht sind Exporterlöse, Importzahlungen und bestimmte Zahlungen für kurzfristige Kredite. Kreditinstitute weisen automatisch bei grenzüberschreitenden Zahlungen darauf hin, dass diese Meldepflichten vom Zahlungspflichtigen oder Zahlungsempfänger zu beachten sind.

Gebühren Da sich der Zahlungsverkehr in der Eurozone aufgrund der Euro-Währungsumstellung im Januar 2002 faktisch zu einem Inlandszahlungsverkehr entwickelt hat, dürfen die Kreditinstitute aufgrund der als Bankgebühren lediglich entsprechende Inlandsgebühren für Überweisungen in Euro berechnen. Alle Kreditinstitute sind hiernach verpflichtet (Art. 3), für Auslandsüberweisungen bis zu einem Betrag in Höhe von 50.000 Euro die Gebühren von Inlandsüberweisungen zu berechnen, so dass eine freie Gebührenvereinbarung erst ab diesem Betrag möglich ist.

Wirtschaftliche Aspekte Im Welthandel ist der internationale Zahlungsverkehr unentbehrlich. Ursache des internationalen Zahlungsverkehrs sind Export, Import und Transithandel von Gütern und Dienstleistungen, Geldanlagen zur Ausnutzung von Zins- oder Wechselkursdifferenzen (Differenzarbitrage), Kapitalex- oder Kapitalimport, Reiseverkehr oder Spekulation.Willi Albers (Hrsg.), Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft (HdWW), Band 9, 1982, S. 575 Internationale Zahlungsmittel sind Devisen und Sorten, aber auch die Inlandswährung.Willi Albers (Hrsg.), Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft (HdWW), Band 9, 1982, S. 575 Dagegen sind Schecks und Wechsel überwiegend und Reiseschecks völlig aus dem internationalen Zahlungsverkehr verschwunden.