Die Rocky Mountain Fur Company wurde als Pelzhandelsgesellschaft im Jahr 1823 in St. Louis von William Henry Ashley und Andrew Henry gegründet und löste sich nach mehreren Wechseln der Gesellschafter 1834 hochverschuldet auf. Auch wenn das Unternehmen nur den kürzesten Teil seiner Existenz tatsächlich Rocky Mountain Fur Company hieß, hat sich diese Bezeichnung durchgesetzt. Das Unternehmen revolutionierte den Pelzhandel, seine Mitarbeiter erkundeten Teile des nordamerikanischen Kontinents, die zuvor kein Weißer betreten hatte; es konnte zeitweilig mit der führenden britischen Hudson’s Bay Company und der kapitalstarken American Fur Company mithalten.
Unternehmensgeschichte Anfang 1822 schafften die Vereinigten Staaten auf Betreiben von Senator Thomas Hart Benton das seit 1796 westlich des Mississippi Rivers bestehende factory system ab. Handelsposten der Regierung verloren das Monopol auf den Pelzhandel mit den Indianern und jedermann konnte unter Auflagen eine Lizenz erwerben. Zuständig war der Superintendent for Indian Affairs, William Clark, in St. Louis. Der Lokalpolitiker und nur mäßig erfolgreiche Unternehmer William Henry Ashley tat sich mit Andrew Henry zusammen, der mit der Missouri Fur Company von Manuel Lisa Erfahrung im Indianer-Handel gesammelt hatte, und sie beantragten bei Ashleys Freund Clark eine der ersten Lizenzen.
Ashley und Henry wollten das Pelzgeschäft neu aufziehen: Mit einer Lizenz für den Handel planten sie große Gruppen von Männern an den Oberlauf des Missouri Rivers zu bringen, die dort selbst Biber jagen sollten. Der Ankauf von Fellen der Indianer wäre nur noch ein Nebengeschäft.
Ab 13. Februar 1822 setzte das neue Unternehmen Ashley& Henry folgendes Inserat in die Zeitungen von St. Louis:
„FÜR unternehmungslustige junge Männer: Der Unterzeichnende wünscht EINHUNDERT Männer, die bis zur Quelle des Missouri River hinaufsteigen und dort für ein, zwei oder drei Jahre beschäftigt werden.“
Unter den Teilnehmern der ersten Expedition 1822 und der im folgenden Jahr waren fast alle Männer, die als Trapper und Mountain Men berühmt wurden und die Frühzeit des Wilden Westens prägten. Darunter unter anderen Jim Bridger, Jedediah Smith, Hugh Glass, Thomas Fitzpatrick, David E. Jackson, James P. Beckwourth, James Clyman und die Brüder Milton und William Sublette.
mini|hochkant=1.66|Die Routen Jedediah Smiths
Die Anfänge
Die erste Expedition ab Mai 1822 war ein Desaster. Eines der beiden Keelboats kenterte kurz nach dem Aufbruch, Ausrüstung und Proviant für über 10.000 Dollar gingen verloren und mussten von Ashley nachgekauft werden. Als die Teilnehmer im Spätsommer am Oberlauf des Missouri die Mündung des Yellowstone Rivers erreichten und dort ihr Fort errichteten, wurden ihnen kurz darauf von den Assiniboine fast alle Pferde gestohlen. Sie konnten nicht wie geplant in das ganze Gebiet ausschwärmen, sondern waren auf die nähere Umgebung beschränkt. Im Frühling 1823 fuhr vermutlich Jedediah Smith alleine über 1400 Kilometer den Fluss hinab, um Ashley zu bitten, für die geplante Versorgung der Trapper weitere Pferde zu beschaffen.
Die Versorgungsfahrt 1823 verlief ruhig bis zu den Arikaree, wo wie im Jahr zuvor Pferde gekauft werden sollten. Die Indianer griffen im Morgengrauen des 3. Juni trotz aller Vorsicht an, mit der ersten Welle von Pfeilen und Kugeln starben dreizehn Trapper, zehn oder elf waren ernsthaft verwundet. Die Überlebenden, darunter Smith und Jackson, schwammen zu den Booten. Die Boote mit den Überlebenden zogen sich ein Stück flussabwärts zurück, die Schwerverletzten wurden unter der Leitung von Smith mit einem der Boote über 700 km nach Fort Atkinson und weiter nach St. Louis gebracht. Von Fort Atkinson brachen Colonel Henry Leavenworth und alle sechs Kompanien des Sixth Regiment der US-Armee zum sogenannten Arikaree-Krieg auf. Der kleine Feldzug war die erste militärische Aktion der US-Armee gegen Indianer westlich des Mississippi.
Das kurze Gefecht verlief für die Soldaten enttäuschend, die Truppen wurden inkompetent eingesetzt, mit den Weißen verbündete Lakota-Indianer kamen nicht zum eigentlichen Einsatz. Am Abend desselben Tages kam es zu Verhandlungen, die Delegationen einigten sich auf die Rückgabe aller Schusswaffen und sonstigen Güter, die die Arikaree als Bezahlung für die später erschlagenen Pferde erhalten hatten, und die freie Passage aller Weißen auf dem Fluss.The Ashley-Smith explorations and the discovery of a central route to the Pacific, 1822–1829: with the original journals. Edited by Harrison Clifford Dale. Publisher: The Arthur H. Clark Company Cleveland (1918) Arthur H. Clark Company, Glendale 1941, Nachdruck der University of Nebraska Press, 1991, ISBN 0-8032-6591-3, S. 80 Alle Seiten rauchten daraufhin die Friedenspfeife. Für die Trapper war zwar erreicht worden, dass ihre Boote den Fluss befahren konnten, der Feldzug scheiterte aber völlig in Hinsicht darauf, die Indianer zu beeindrucken. Sowohl die Lakota wie die Arikaree hielten die Weißen für schwach und griffen in den kommenden Jahren immer wieder Gruppen von Jägern an.Edwin Thompson Denig: Five Indian Tribes of the Upper Missouri. University of Oklahoma Press, Norman, Oklahoma, 1961, S. 57
Nach dem Feldzug war die Saison weit fortgeschritten und auch dieses Jahr hatte das Unternehmen noch kein Geld verdient. Ein Teil der Männer unter Henry arbeitete sich von der Mündung des Grand Rivers am Fluss entlang ins Gebiet der friedlichen Crow- und Cheyenne-Indianer vor. Sie bauten an der Mündung des Bighorn Rivers in den Yellowstone einen Stützpunkt und schickten eine kleine Gruppe am Bighorn entlang auf die Jagd nach Biberpelzen. Ein zweiter Teil unter Jedediah Smith und Thomas Fitzpatrick ritt über Land direkt zum Oberlauf des Bighorn. Weitere Männer schickte Ashley nach seiner Rückkehr vom Arikaree-Feldzug aus St. Louis los, sie gingen weiter südlich im Gebiet der Pawnees zwischen Arkansas River und Platte River auf die Jagd. Henry gab im Laufe des folgenden Jahres auf. Er war fast 50 Jahre alt und das Unternehmen mit Ashley drohte nach zwei Jahren ohne Erträge zusammenzubrechen. Er ging vom Yellowstone River nach St. Louis, ließ sich seinen fast wertlosen Anteil auszahlen und zog sich aus dem Pelzgeschäft zurück.
South Pass und Rendezvous
Im Februar 1824 zogen Smith und seine Männer auf Anraten der Crow nach Westen, südlich der Wind River Range überschritten sie am South Pass den Hauptkamm der Rocky Mountains. Der Pass war flach und einfach, die Berge nicht, wie 1806 von Lewis und Clark behauptet, ein nur zu Fuß und ohne Lasten passierbares Hindernis, sondern es gab einen relativ bequemen Weg in das unerforschte Land hinter den Bergen und letztlich zum Pazifischen Ozean.
Der Hauptkamm war zugleich die Außengrenze der Vereinigten Staaten. Jenseits lag im Norden das Oregon Country. Nach dem Britisch-Amerikanischen Krieg von 1812 war 1818 zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien eine gemeinsame Nutzung vereinbart, doch bisher hatten die Briten der Hudson’s Bay Company es fast allein. Amerikaner waren nur auf Expeditionen und in kleinen Gruppen über die Berge vorgedrungen und hatten die Biberbestände bisher den Briten überlassen. Der Süden gehörte formal zum erst seit 1821 von Spanien unabhängigen Mexiko. In der Praxis reichte die Staatsmacht nicht über Santa Fe und Taos 500 km südlicher hinaus, so dass die Amerikaner sich frei bewegen und jagen konnten.
Für Ashley in St. Louis sah die Zukunft düster aus: Die Schulden des Unternehmens drückten, sein im Feld erfahrener Partner war ausgestiegen. Er selbst musste in die Berge, wo er sich als Politiker und Unternehmer nicht wohlfühlte.Berry, S. 99 Die Nachrichten über die Entdeckung des Passes konnte er noch nicht einordnen, sie waren die einzige Hoffnung. Er beantragte eine neue Lizenz für den Pelzhandel auf seinen Namen und brach mit Proviant und Tauschgütern für die kommende Saison im September auf. Im Oktober traf er unterwegs Thomas Fitzpatrick, der die wenigen Felle der Vorsaison zum Verkauf mitbrachte. Diese wurden mit einigen Männern nach St. Louis geschickt und Fitzpatrick ging mit Ashley Richtung Berge.
Dort am Green River jenseits des Kammes waren im Jahr 1824 alle berühmten Männer des Unternehmens tätig. Smith, Jackson, Clyman, die Sublettes und Bridger fanden ergiebige Biberbestände vor und machten die Fänge ihres Lebens. Von den Indianern lernten sie über das Leben in der Wildnis und die Feinheiten der erfolgreichen Biberjagd. Im Juni trafen sie alle am Oberlauf des Sweetwater Rivers zusammen, holten Nachschub aus einem vergrabenen Lager und feierten die erfolgreiche Saison. Bei dem Treffen kam ihnen die Idee, daraus für das nächste Jahr eine Methode des Handels zu machen.
Im Herbst zog Smith Richtung Nordwesten entlang dem Snake River, traf mit Alexander Ross von der Hudson’s Bay Company zusammen und begleitete ihn zum Flathead Post, wo er Peter Skene Ogden kennenlernte. Von den beiden lernte Smith mehr über die Operationen der Engländer im Nordwesten. Im Winter jagte Smith allein in den von Jim Bridger kurz zuvor entdeckten Bibergebieten am Großen Salzsee und sammelte die für einen Mann außergewöhnliche Zahl von 668 Pelzen.Kuegler, S. 98 Zusammen erjagten die Männer des Unternehmens in dieser Saison Felle im Gewicht von über 9000 amerikanischen Pfund (etwa 4000 kg oder 6000 Pelze).
Nach einem Zusammentreffen mit dem südlichen Team des Jahres 1823/24 und einem Winter im Camp erreichten auch Ashley und Fitzpatrick im April 1825 den Green River. Sie erkundeten den südlichen Teil des Flusses per Boot und brachen dann nach Norden zum Henrys Fork auf, wo ab 1. Juli das erste der künftig jährlichen Rendezvous der Pelzjäger stattfand. Ashley brachte Vorräte für die nächste Saison in die Berge, versorgte seine Trapper mit Tauschgütern für den Handel mit den Indianern und nahm die Felle des vergangenen Jahres in Empfang, um sie nach St. Louis zu bringen. Es kamen nicht nur 91 Jäger des eigenen Unternehmens, sondern auch Trapper der britischen Hudson’s Bay Company, die vertragsbrüchig wurden und ihre Felle den Amerikanern anboten. Die Treffen entwickelten sich schnell zu großen Zusammenkünften, bei denen auch Indianer der näheren und weiteren Umgebung eintrafen und ihre Felle zum Tausch anboten. Sie wurden mit verdünntem Whiskey, Glasperlen und bunten Textilien „bezahlt“. Außerdem wurden die Rendezvous zu orgienartigen Festen, die maßgeblichen Anteil an der Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten, besonders der Syphilis, unter den Mountain Men und den Indianern hatten.Dee Brown: Im Westen ging die Sonne auf. (Originaltitel: The Westerners, übersetzt von Kurt Heinrich Hansen) Hoffmann und Campe, Hamburg 1974, ISBN 3-455-00723-6, S. 61 Der Fellhandel war einträglich, ein Pelz, der in den Bergen mit $3 bezahlt wurde, erbrachte in St. Louis mindestens 5 $. Bei Transport- und anderen Kosten von etwas über einem Dollar blieben rund 20 % Gewinn. Der größte Profit erwuchs aber daraus, dass alle Trapper und Indianer Ausrüstungsteile, Tabak, Alkohol und alle weiteren Güter zu den vom Unternehmen festgesetzten Preisen kaufen mussten.Berry, S. 110–112
Als Ersatz für Henry stieg Captain Jedediah Smith ein, der zum Leiter der Pelzjäger aufgestiegen war, er wurde Juniorpartner von Ashley im jetzt Ashley & Smith genannten Handelshaus. Ashley, Smith und einige andere zogen mit den gesammelten Pelzen über den Kamm zurück nach Osten, bauten sich Boote und fuhren den Bighorn und den Yellowstone zurück zum Missouri, wo sie eine Expedition der US-Army trafen, die sie auf ihren Schiffen mit nach St. Louis nahm. Smith brach sofort mit neuen Männern und Proviant zur Herbstjagd in die Berge auf, Ashley übernahm nach über einjähriger Abwesenheit wieder die Führung der Geschäfte in der Stadt.
Smith, Jackson & Sublette