Kartäuserkloster Frankfurt (Oder) Cœnobium Cauhuſianum (M) auf der Stadtansicht von 1548 aus der Cosmographia von Sebastian Münster Carthus Cl. (F) auf dem 1652 von Caspar Merian angefertigten Stadtplan Carthuis auf einem Stich von 1642, der die Schlacht von 1631 zeigt Das Kartäuserkloster Frankfurt (Oder) (auch Kartause bei Frankfurt, oder ; 1396–1404 ) war ein Kloster des Kartäuserordens bei Frankfurt (Oder), das von 1397 bis 1540 bestand.

Geschichte Gründung Die Kartause bei Frankfurt wurde 1396 von Bürgern der Stadt Frankfurt (Oder)Lorenz, S. 141 vor den südlichen Mauern der Stadt gegründet. Die Gründung erfolgte wohl ohne besonderen Anlass. Ein Zusammenhang mit den Kämpfen um den Lebuser Bischof Stephan II. von Lebus und den falschen Woldemar ist umstritten. Die Gründer waren der Rat der Stadt, die Gewerke Bäcker, Schuhmacher, Fleischer und Schneider und die Stadtgemeinde mit Unterstützung von deren Leutpriester Albert Konow. Auf Ansuchen der Frankfurter Bürgermeister Friedrich Belkow des Älteren, Johann Beyer, Hentze Jesar und Johann Renner bestätigte Bischof Johann III. von Lebus als Ordinarius am 12. August 1396 die Stiftung.

Zugleich hatten die Frankfurter eine Anfrage an das oberste Gremium des Karthäuserordens geschickt, das Generalkapitel. Zu der Zeit herrschte das Abendländische Schisma, eine Spaltung der lateinischen Kirche mit konkurrierenden Papstansprüchen in Rom und Avignon von 1378 bis 1417. Die deutschen Karthäuserklöster folgten der römischen Observanz. Somit waren Generalprior Christoph von Maggiani (im Amt 1392–1398) und das seit 1391 ständig in der Kirche St. Johann in der Kartause Seiz tagende Generalkapitel zuständig. Die spezielle Leitung der ober- und niederdeutschen Ordensprovinz war 1381 Johann Castaris, dem Prior der Kartause Mariengarten bei Prag übertragen worden.

Trotz der weiten Entfernungen trafen bereits 1397 Vorschriften vom Generalkapitel zu Seiz ein. Der Prior des Kartäuserklosters Grabow bei Stettin, Johann zu Stettin, bekam vom Generalkapitel den Auftrag, die Klostergründung bei Frankfurt zu unterstützen. Das neue Kloster erhielt bis zu seiner Inkorporation einen Rektor, den Stettiner Vikar Jakobini. Diesem konnten zwei Mönche und ein Konversen freiwillig nach Frankfurt folgen. Rektor Jakobini blieb dem Stettiner Prior Johann unterstellt. Bei allen Entscheidungen musste Jakobini mit Johann Rücksprache halten. Wenn die Gründung zustande gekommen sei und Mittel zum Unterhalt von 13 Mönchen vorhanden wären, sollte das dem Generalprior gemeldet werden. Erst wenn die Lebensfähigkeit des Klosters durch bestimmte Einnahmen gesichert wäre, könnte es in den Orden aufgenommen werden.

Die Frankfurter Kartause war eine Stiftung der Frankfurter Bürger. Andere Klostergründungen erfolgten überwiegend durch Landesherren, die den Klöstern ausreichende Güter zuwiesen. Diese kommunale Stiftung war auf die Spenden der Gemeinde angewiesen. Am 15. August 1396, drei Tage nachdem er die Klosterstiftung bestätigt hatte, schrieb der Lebuser Bischof Johann III. einen 40-tägigen Ablass auf drei Jahre für alle aus, die innerhalb der Zeit mit Spenden und guten Werken die Vollendung des Baus fördern und für den späteren Unterhalt der Mönche sorgen würden. Zahlreiche Bürger beteiligten sich. Besonders taten sich Bürgermeister Friedrich Belkow der Ältere und Peter Petersdorf hervor.

Friedrich Belkow (eigentlich Friedrich Schultze; 1335–1405) wird in den Totenbüchern der Grandre Chartreuse fast wie der Gründer des Klosters angeführt. Zu seinen Schenkungen gehörte sehr wahrscheinlich das Dorf Niederjesar. Nach seinem Tod wurde für ihn, wie für ein Mitglied des Ordens, im Kloster ein Tricenarium mit dreißig Messen an dreißig aufeinanderfolgenden Tagen gehalten. Als das Geschlecht der Belkow Generationen später verarmte, wurde es vom Kloster unterstützt.

Peter Petersdorf reiste im Auftrag Frankfurts 1397 zu Markgraf Jobst nach Prag und erwirkte die Erlaubnis, 60 Schock ewigen Zins für das Kloster zu erkaufen. Er tat dies, indem er dem Kloster Güter im Gesamtwert der genannten Summe übereignete oder kaufte.

Zu den weiteren Schenkungen gehörte ein Weinberg am Heiligengeistberg. Er war ein Geschenk des Frankfurter Bürgers Nicolaus Damen (auch: Nicolaus Daam) und seiner Frau Elisabeth Damen, Witwe des Frankfurter Bürgers Peter Quentin. Der Weinberg gehörte dann den Kartausen Frankfurt und Stettin je zur Hälfte.

Das Kloster erhielt zunächst den Namen . Die Klostergebäude wurden an der Straße nach Guben nahe dem Ufer der Oder im Bereich des heutigen Carthausplatzes errichtet.Lorenz, S. 137 Die ersten Mönche ließen sich 1397 in Frankfurt nieder.Analecta Cartusiana, abgerufen am 22. April 2018 Als Gründungsdatum gilt der 2. Juli 1397, das Fest der Heimsuchung Marias.

Entwicklung Um 1400 wurde Johannes Schilp Rektor des Klosters. Er war zuvor erster Rektor im 1396 gegründeten Kartäuserkloster Marienehe bei Rostock gewesen. 1403 wurde Schilp beim Generalkapitel wegen schwerer Verfehlungen gegen die Ordensregeln angeklagt. Er und sein Prokurator hatten mehrmals innerhalb des Klosters mit weltlichen Personen an demselben Tisch gesessen. Einem Konversen Michael hatte er gestattet, in einem Vorwerk mit Frauen und Mädchen zu wohnen. Nachdem Schilp seine Vergehen nicht einsehen wollte, wurde er schwerer Geißelung für schuldig befunden. Aufgrund seines Alters wurde Schilp von der Strafe befreit. Man enthob ihn lediglich für zwei Monate seines Sitzes im Konvent. Dem geständigen Prokurator wurde lediglich ein Psalterium auferlegt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Johannes Schilp einige Jahre später erster Prior des Klosters wurde.

1404 wurde das Kloster vom Generalkapitel des Kartäuserordens inkorporiert und erhielt den Namen „Haus der Barmherzigkeit Gottes“ (). Wegen der unsicheren Zeiten ließ sich das Kloster 1405 von Erzbischof Sbinko von Prag, Konservator des Karthäuserordens, eine Ausfertigung des 1356 von Papst Innozenz VI. dem Kartäuser-Orden gewährten Schutzbriefes ausstellen. 1406 wurde das Kloster zum ersten Mal visitiert. Wegen der Wichtigkeit dieser erstmaligen Prüfung des innerlichen klösterlichen Lebens wurde sie nicht vom zuständigen Visitator der Provinz Sachsen durchgeführt, sondern auf ausdrücklichen Befehl des Generalkapitels und des Generalpriors Stephan von Maconi durch Prior Hermann und Mönch Gilbert aus der Kartause Mariengarten bei Prag.

1415 wurde der spätere brandenburgische Kurfürst Friedrich I. Verwalter der Mark Brandenburg. Bei seinem ersten Besuch in Frankfurt baten ihn die Mönche um Bestätigung ihrer Besitzungen und Privilegien. Dies wurde ihnen am 28. Oktober 1412 gewährt. Zugleich erhielten sie die Erlaubnis, dreißig Schock Grundzins innerhalb der Mark Brandenburg zu erwerben. Im selben Dokument verbot er Lehen zu erwerben, die auf zwei Augen stehen, das heißt, deren Fortbestand von dem Leben eines Menschen abhing. Diese Lehen sollten nach dem Tod der begünstigten Person an Friedrich I. und sein Haus zurückfallen. Zu dieser Zeit (um 1412) gehörten dem Kloster die Dörfer Niederjesar, Döbberin und Manschnow . In der Folge versuchten die Mönche, diesen Streubesitz durch Zukauf in größere zusammenhängende Ländereien auszubauen. Zwischen 1412 und 1415 kauften sie Kunersdorf ( heute Wüste Kunersdorf, Lebus). Das ganze Kunersdorf tauschten die Mönche mit den Brüdern Hake 1415 gegen einen Hof in dem in der Großen Heide gelegenen Jacobsdorf . Dadurch hatten sie mit der den Herrenhöfen zustehenden freien Holzungsgerechtigkeit ein Mitbenutzungsrecht an der Großen Heide erlangt. Die Große Heide ist ein Heide- und Waldgebiet am rechten Ufer der Drahendorfer Spree, das sich bis in die Niederlausitz und bis in die Herrschaft Beeskow erstreckt. Bereits im Dezember 1415 erstanden die Mönche von Otto Lossow den größten Teil Jacobsdorfs. Nur ein geringer Teil des Dorfes blieb in Besitz der Familie Petersdorf. Die Geldmittel hierfür und für weitere Erwerbungen gewannen sie durch den Verkauf von Manschnow, das die Mönche für 10 Schock Geld und eine Tonne Heringe an den Frankfurter Bürger Paul Grosse gaben. Im Juli 1416 konnten die Mönche mit Hans von Lossow einen Vertrag über den Erwerb des Dorfes Biegen und der halben Großen Heide abschließen, vorbehaltlich der Zustimmung des Landesherren. 1420 erschien Landesherr Friedrich I. wieder in der Mark. Er verweigerte die Übereignung Biegens und der Heide an die Kartäuser, so dass der Kauf wieder rückgängig gemacht werden musste. Als Entschädigung erhielten die Mönche das große Dorf Arensdorf „mit dem Holze Ganyn“, frei von Lehnsdienst und Abgaben zugesprochen, das ebenfalls Otto von Lossow gehört hatte. 1421 kauften die Mönche den Rest Jacobsdorfs. In der Folge machten sie kleinere Erwerbungen und kauften weitere Teile Arensdorfs hinzu. Zu den kleineren Erwerbungen gehörte der Hof Wiedenhagen (oder Kam) bei Rathstock, den die Mönche auf Vermittlung von Friedrich Belkow dem Frankfurter Bürger Otto von dem Gasthofe gegen eine lebenslange Rente von 7 Schock Groschen abkauften. Um 1424 scheint die finanzielle Lage des Klosters zeitweilig schlecht gewesen zu sein. Der Visitator Johann vom Marienkloster bei Hildesheim musste die Veräußerung von Hebungen und Einkünften genehmigen.

Bei der Visitation von 1425 wurde festgestellt, dass die 1406 festgelegte Klausur zu klein geworden war. Sie wurde auf die Gartengrundstücke zwischen Kloster und Oder ausgedehnt.

Zwischen 1425 und 1430 gab es einen schweren Konflikt mit dem Lebuser Bischof Christoph von Rotenhagen. Dieser hatte den Bauern von Niederjesar ihnen zustehende Rechte mit Gewalt verwehrt.

1430 erwarben die Mönche vom Nonnenkloster Guben den von Jacobsdorf zu leistenden Heidezins. mini|hochkant|Johannes de Indagine, Prior der Kartause 1461 bis 1464 1432 wurde die Kartause durch die Hussiten zerstört. Nach dem Einfall der Hussiten in das nahegelegene Kloster Neuzelle 1429 wussten die Mönche, das ihnen keine Gnade zuteilwerden würde. Dort waren die Mönche gemartert, ermordet oder verschleppt worden. Da das Kloster außerhalb der Stadtmauern Frankfurts lag, zogen sich die Mönche mit ihren Geldern, Wertsachen und Urkunden in die Stadt zurück. Am 6. April 1432 näherte sich ein Vortrupp der Hussiten von Süden. Sie waren zu schwach, die Stadt anzugreifen. So steckten sie die verlassene Gubener Vorstadt und das leerstehende Kloster in Brand. Alle Altäre wurden zerschlagen, die Häuschen der Mönche zerstört, die Kirche angezündet und der Friedhof verwüstet. Die Frankfurter versorgten die Mönche, das Kloster wurde wieder hergerichtet und spätestens 1437 war es wieder bezogen.

Am 9. September 1438 erwarben die Mönche von Ritter Hans von Lossow zu Friedland das halbe Dorf Briesen und Lossows Teil der Große Heide, was diesmal von Markgraf Friedrich II. bestätigt wurde.

Am 14. Juni 1439 konnte Bischof Peter von Lebus die neuerbaute Klosterkirche einweihen.

1440 kauften die Mönche einen Teil der wüsten Feldmark Jahnswalde zum Vorteil ihrer Untersassen in Döbberin, die so eine ausgedehntere Viehwirtschaft betreiben konnten. 1442 belehnte Markgraf Friedrich II. das die Mönche mit dem Rest von Briesen, der noch dem Geschlecht der Strantz gehörte. Nach deren Aussterben sollte der Besitz an die Mönche fallen. Im selben Jahr erhielten die Mönche den Pfandbesitz der Dörfer Brieskow und Lindow an der Schlaube. Damit war der Besitz des fischreichen Brieskower Sees und von Busch- und Waldbeständen verbunden, die über die Schlaube-Oder-Wasserstraße leicht verwertet werden konnten. 1494 gingen Brieskow und Lindow in den ständigen Besitz der Mönche über.