mini|rechts|Thasos (Ansicht von Westen)
Thasos ( [] , auch Thassos, türkisch Taşoz) ist eine Insel im Nordosten Griechenlands im Thrakischen Meer der nördlichen Ägäis, über 7 Kilometer (4 Seemeilen) von der ostmakedonischen Küste und etwa 11 Kilometer (6 Seemeilen) vom nächsten Hafen Keramoti entfernt. Sie ist die nördlichste bewohnte ägäische Insel. Die unbewohnte Insel Thasopoula liegt zwischen Thasos und dem Festlandhafen Keramoti, etwa 2,5 Kilometer (1,4 Seemeilen) vom Festland entfernt.
Die Gemeinde Thasos ist als Dimos Thasou eine der 22 Gemeinden der Region Ostmakedonien und Thrakien, dazu zählen außer der Hauptinsel mehrere kleinere unbewohnte Inseln. Gleichzeitig bildet sie in der Region den Regionalbezirk Thasos, der in den Regionalrat einen Abgeordneten entsendet. Hauptort und größter Hafen der Insel ist der Küstenort Limenas Thasou (auch einfach Limenas oder Thasos genannt) im Norden der Insel.
Geographie mini|Satellitenbild von Thasos und des nördlichen Festlands mit der kleinen Landzunge, in deren Schutz Keramoti liegt; oben links die Bucht von Kavala Geographisch zählt die Insel zum östlichen Teil der Region Makedonien. Mit einer Fläche von rund 383,672 Quadratkilometern ist sie die zwölftgrößte Insel Griechenlands.
Geographische Lage Die annähernd runde Insel Thasos liegt rund sieben Kilometer südlich der makedonischen Ägäisküste, etwa gegenüber dem Küstenort Keramoti und unweit des Nestos-Deltas. Die Hafenstadt Kavala in der nach ihr benannten Bucht befindet sich gut 20 Kilometer nordwestlich der Insel. Östlich von Thasos erstreckt sich das Thrakische Meer, im Westen der Strymonische Golf, im Süden die offene Ägäis. Die Hauptinsel umgeben kleinere Eilande: Thasopoula () im Nordosten, als relativ größtes mit 0,7 Quadratkilometern Fläche zwischen Thasos und dem Festland. Kinira () im Osten und Panagia () im Süden, mit Flächen von je etwa 0,4 Quadratkilometern und Erhebungen von 60 bis 80 Metern. Kleinere Inseln, wie Gramvousa (), Furni () und Diapori () östlich und Pelagos () nach Süden. Nächste größere Ägäisinseln sind Samothraki, Gökçeada (Imbros) und Limnos mit Entfernungen zwischen 60 und 90 km in südöstlicher Richtung.
Topographie mini|Physische Karte von Thasos Drei Bergzüge beherrschen die Insel: Der bedeutendste, das Ipsarion-Massiv, erstreckt sich im Nordostteil der Insel als imposantes, nahezu alpines Gebirgsmassiv zunächst in etwa östlicher Richtung vom Tsetsio Rachi (1078 m) über den Toumba (1129 m) und die Dio Kephales (1030 m) zum Profitis Ilias (1108 m), dann nach Südosten über den Spitoudi (1047 m) zum Ipsarion ( oder ) (1204 m), dem höchsten Berg der Insel, mit dem Tsouknida (1028 m), bis zum Kamenos Vrachos (1078 m) und dem Fanos (744 m). Im Nordwesten des Ipsarion-Massivs setzt das Kathares-Massiv an und erstreckt sich vom Spathi (810 m) über den Kathares (874 m) nach Südwesten bis zum Ais Matis (809 m). Hinzu kommt im Südosten der Insel das Trikorfo-Massiv mit dem Agios Dimitrios (705 m), dem Trikorfo (810 m) und dem Lofio (725 m).
Flora und Fauna Vegetation mini|Orientalische Hainbuche
Für die regionale Verteilung der Vegetation ist neben den beeinflussenden Faktoren Geologie, Relief, Wasserversorgung, Beweidung, Brände und Bodenerosion vor allem der Luv-Leeseiten-Effekt von herausragender Bedeutung. Unter diesen Gesichtspunkten teilen sich in Nordgriechenland nicht nur die Insel Thasos, sondern auch die Chalkidiki sowie das im Westen an den Thermäischen Golf angrenzende Ossa-Bergland in zwei deutlich unterscheidbare Hälften, wobei den Norden submediterrane Vegetation mit der Orientalischen Hainbuche (Carpinus orientalis) als Leitgewächs kennzeichnet und den Süden mesomediterrane Gewächse dominieren. Während in Westgriechenland die Westseite der Gebirge der Luvseite entspricht, zeigen die Verhältnisse in der nördlichen Ägäis die feuchteren Bedingungen an den Ostseiten.
mini|Waldbrände auf Thasos (1984–1989) mini|Waldbrand um Kalirachi, Blick aus Potos (2013) Fast alle bisherigen vegetationskundlichen Erforschungen auf der Insel Thasos sind vor der Mitte der 1940er Jahre erschienen. Seit dieser Zeit haben großflächige Waldbrände sowie nachfolgende Aufforstungsmaßnahmen das pflanzengeographische Gesicht der Insel völlig verändert. Erst in jüngster Zeit (1984, 1985, 1989 und 2016) haben Waldbrände einen Großteil der Vegetation der Insel vernichtet. Etwa 70 % der Inselfläche waren von diesen Bränden betroffen, ca. 60 % der Wälder wurden eingeäschert. Die Prozentangaben sind Schätzungen, die auf der Interpretation des Satellitenbildes von Thasos vom 23. August 1985 sowie auf Beobachtungen in den Folgejahren beruhen. Die Brandgebiete von 1984 und 1985 werden im Osten und Süden weitestgehend von der Küstenlinie begrenzt. Im Norden verläuft die Grenze des Flächenbrandes vom Rücken des Klisidi (581 m) im Osten über die Ortschaft Theologos bis auf 1000 m westlich unterhalb des Ipsarion. Von hier aus biegt die Grenze nach Südwesten ins Tal von Maries ab und reicht bis in den Raum nördlich von Kalivia und Limenaria. Der Waldbrand von 1989 erfasste schließlich das westlich von Limenaria gelegene Tertiärgebiet sowie den gesamten Ais-Matis-Höhenzug. Damit war einerseits auch beinahe das gesamte Tal von Maries betroffen, andererseits auch die nach Nordwesten gerichteten Rücken und Abhänge. Erst knapp südlich von Kap Pachys endet die Nordgrenze des Brandgebietes. Nach Augenzeugenberichten begann der Brand im Norden und wurde durch die stetig wehenden und sich durch die Hitze verstärkenden Nordostwinde im August des Jahres weiter nach Südwesten getragen. Ohne Waldbrandschäden verblieb somit nur noch der Nordostteil der Insel. 400 Hektar Wald und Buschland verbrannten vom 16. bis 17. August 2013 in der Umgebung von Kalirachi.
mini|links|Olivenbäume im Mariestal mini|links|Edelkastanie über dem Ort Panagia mini|Kalabrische Kiefern, im Vordergrund Baumheiden, über den Marmorklippen nahe dem antiken Steinbruch Fanari Die nachfolgend beschriebenen vegetationsgeographischen Verhältnisse beruhen auf Aufnahmen vor 1989 und stimmen, zumindest was den Südwestteil der Insel betrifft, nur noch bedingt mit den derzeitigen Verhältnissen überein. Im Südwesten der Insel ist neben den nun größtenteils verbrannten Waldbeständen von Kalabrischer Kiefer (Pinus brutia) die weitgespannte Macchienbedeckung auffallend, die etwa im Bereich des Tertiärgebietes Skepasto (westlich von Limenaria), aber auch an den Westabhängen des Ais Matis verbreitet ist und hier bei etwa 600 m in einen jungen Föhrenwald übergeht. Taleinwärts, im Tal von Maries stellen sich intensiv bewässerte Ölbaumhaine ein, die bis in eine Höhe von ca. 400 m reichen. Die Ölbaumkulturen oberhalb des Ortes Maries (330 m) sind allerdings aufgelassen und von Macchie überwuchert. mini|Blick von oberhalb Potamia zum Spitoudi: Kalabrische Kiefer im Vordergrund, Adlerfarne als Unterwuchs, rechts hinten vor dem Marmorabbruch Schwarzkiefer-Bestände mini|Blick von oberhalb Potamia auf das Ipsarion-Massiv mit Kalabrischen Kiefern, rechts im Vordergrund die Morgenländische Platane Echter Ölbaum (Olea europea) spielt auf Thasos nicht nur als eumediterrane, küstennahe Zeigerpflanze eine Rolle, sondern hat auch eine große wirtschaftliche Bedeutung. Unterhalb von 150 m Seehöhe sind in meernahen Bereichen des Tales von Maries die Macchie und die Strauchheidenformation (Garrigue) vergesellschaftet. In der Vegetationszone bis Maries finden sich wesentliche eumediterrane Florenelemente wie der Westliche Erdbeerbaum (Arbutus unedo), der Östliche Erdbeerbaum (Arbutus andrachne), die Steineiche (Quercus ilex), der Oleander (Nerium oleander), der Echte Ölbaum, die Immergrüne Rose (Rosa sempervirens), die Schmalblättrige Steinlinde (Phillyrea angustifolia), der Echte Lorbeer (Laurus nobilis), der Gewöhnliche Judasbaum (Cercis siliquastrum) und natürlich die omnimediterrane Kermeseiche (Quercus coccifera). Als submediterranes Element ist die Manna-Esche (Fraxinus ornus) eingestreut. Etwa ab 360 m bereichern Erica manipuliflora, der Wacholder Juniperus deltoides, Breitblättrige Steinlinde (Phillyrea latifolia) sowie die Flaumeiche (Quercus pubescens) die Artenvielfalt. Bei 380 m nimmt der Anteil an Kalabrischer Kiefer stark zu, den Unterwuchs dominieren die Baumheide (Erica arborea) und der Östliche und Westliche Erdbeerbaum. Bei 420 m enden die Bestände von Erdbeerbaum, Steineiche und Steinlinde. Die Grenze des Hartlaubwaldes am Ipsarion wird in einer Höhe von 400 bis 500 m angenommen. Ab ca. 500 m wird die Schwarzkiefer (Pinus nigra subsp. pallasiana) bestandsbildend, der zunehmend artenärmere Unterwuchs wird dominiert von Baumheide und Quirlblättriger Heide (Erica manipuliflora). Bei 600 m werden die Heiden im Unterwuchs durch Adlerfarn (Pteridium aquilinum) ersetzt. Die Bulgarische Tanne (Abies borisii-regis) tritt in Höhen über 800 m nur vereinzelt auf. Früher scheint sie auf Thasos deutlich stärker verbreitet gewesen zu sein. Bis auf den höchsten Grat des Ipsarion-Massivs (über 1000 m) finden sich noch mächtige, flachwachsende Schwarz-Kiefern. Entlang der Bäche und Rinnen finden sich ohne deutliche Verbreitungsamplitude die feuchtigkeitsliebende Edelkastanie (Castanea sativa) sowie die Morgenländische Platane (Platanus orientalis) in vielen prächtigen Exemplaren.
Der Nordostteil der Insel ist nicht nur durch die Luvposition hygrisch begünstigt. Aufgrund der Wechsellagerung von wasserstauenden und wasserdurchlässigen Schichten am Nordostabfall des Gebirges sind Quellsäume gegeben, die zusätzlich für eine andauernde Befeuchtung entlang der Kerben sorgen. Der Küstenhof der Bucht von Potamia wird von einer ausgedehnten Ölbaumflur dominiert, die bei Panagia bis auf 200 m, bei Potamia bis auf 250 m den Hang hinaufzieht. Allerdings werden auch hier die höchsten Bereiche teilweise nicht mehr genutzt. Kermeseiche, Immergrüne Wildrose und Gewöhnlicher Judasbaum sind in diesen Höhenlagen typische Macchienvertreter. Daneben fällt auf, dass Flaum-Eiche, Europäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) und Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus) bereits bei 60 m auftreten. Daneben reicht auch die Steineiche tief in den Küstenhof hinein und verzeichnet ein oberes Verbreitungsende bei 470 m. Zwischen 150 und 220 m stellt sich eine besondere Häufung von immergrünen und sommergrünen Eichen-Arten ein, die durch Orientalische Hainbuche (Carpinus orientalis), Sommerlinde (Tilia platyphyllos) und Edelkastanie ergänzt werden. Ab 200 m nehmen die Waldflächen stark zu, und die Heidekrautgewächse sowie Steineiche und Kermeseiche sind nur noch im Unterwuchs der teilweise lockeren Kiefernbestände vorhanden.
Im Südwesten der Insel ist im Gegensatz dazu der Mastixstrauch (Pistacia lentiscus) in der Macchie verbreitet, so dass in einem Gürtel von bis zu 150 m die Assoziation Oleo europaeae-Pistacietum lentisci vorliegt, der die im Nordosten vorhandenen submediterranen Elemente fehlen. Somit zeigt sich eine sehr deutliche Gegensätzlichkeit zwischen den beiden Inselbereichen, wobei, ausgedrückt durch die Unterschiede in der Vegetation, die Südwestseite die trockeneren, die Nordostseite die humideren Verhältnisse aufweist. Abgesehen von den Unterschieden in den eumediterranen Gehölzen, werden durch das Fehlen von malakophyllen Eichenvertretern und anderen laubwerfenden Arten im Südwesten der Insel die trockeneren Verhältnisse der Leeseite ebenfalls bestätigt.