Das Scharnhorstgymnasium Hildesheim (SHG) ist ein staatliches Gymnasium in Hildesheim. Schulträger ist die Stadt Hildesheim. Es wird von 794 Schülern besucht, die von 73 Lehrern unterrichtet werden. Die Schule ist das einzige nach Gerhard von Scharnhorst benannte Gymnasium.

Profil Entsprechend der ursprünglichen Schulform des Realgymnasiums wird am Scharnhorstgymnasium traditionell den Realien, also der Mathematik, Naturwissenschaften und in einem weiteren Sinne auch den lebenden Sprachen, besonderes Gewicht eingeräumt. In der Hildesheimer Schullandschaft genoss es traditionell den Ruf als die mathematisch-naturwissenschaftliche Schule. Das Fremdsprachenangebot umfasste neben Englisch und Französisch aber stets auch Latein. Ferner wird Spanisch und als Arbeitsgemeinschaft auch Griechisch angeboten. Das SHG ist niedersächsische Modellschule für das Buddy-Projekt.

Geschichte mini|Das erste Schulgebäude am Dammtor auf einer Postkarte aus dem Jahr 1904

Entstehung als Ableger des Andreanums Infolge der Nachfrage der Wirtschaft bzw. des Bürgertums nach größerer Berücksichtigung unmittelbar „nützlicher, praktischer“ Fächer (also der sog. Realien) im Lehrplan wurde am Andreanum bereits zu Michaelis 1849 gesonderte „Realklassen“ für Quarta, Tertia und Sekunda eingerichtet. Die vom Direktor beantragte Einrichtung eines „selbständigen Realklassensystem“ wurde zum Schuljahr 1850/51 durch die Schulverwaltung des Königreichs Hannover genehmigt. 1864 folgten Realklassen für die Unterstufe und 1868 eine „reale“ Prima. Am 21. September 1868 genehmigte das königliche Provinzial-Schulkollegium Hannover die Erhebung dieser Realklassen zu einer „Realschule 1. Ordnung“. Deren Hauptfremdsprache war aber immer noch Latein. Da der an diesem Schulzweig erworbene Abschluss ohne Einschränkung dem Abitur am klassischen Zweig entsprach, war der Zustrom in die Realklassen so groß, dass das Andreanum 1869 in einem Neubau am Friesentor umziehen musste und der Schulleiter um die Genehmigung zur Errichtung von Parallelklassen in diesem Schulzweig einholte. Ab den frühen 1870er Jahren kam infolge der stetig wachsenden Raumnot der Ruf nach einer Trennung der Schulzweige auf, konnte sich aber gegen die erhobenen Bedenken – befürchtetes Absinken des Realienzweiges, Aufgabe des Zieles einer umfassenden Bildung, Förderung rein materialistischen Denkens – ein Jahrzehnt lang nicht durchsetzen. Erst 1883 setzte der preußische Staat diese Idee um und überführte die „Realschule“ in eine eigenständige Anstalt. Diese erhielt das Gebäude der ehemaligen Gewerbeschule am Dammtor, nachdem der Magistrat der Stadt Hildesheim dieses Grundstück vertraglich der preußischen Staatsregierung überstellt und für den erforderlichen Aus- und Umbau des Gebäudes gesorgt hatte. Die Eröffnungsfeier fand am 15. April 1885 statt. Am 23. April erhielt die Schule per Ministererlass den neuen Namen Königliches Andreas-Realgymnasium. Zum ersten Schulleiter des neuen Gymnasiums wurde am 10. Juni 1885 der Mathematiker und Naturwissenschaftler Gustav Adolf Kalckhoff ernannt.

Entwicklung bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges Am 1. Februar 1886 hatte die Schule 186 Schüler in neun Klassen, ganz überwiegend evangelischen Bekenntnisses und gut zur Hälfte in Hildesheim wohnhaft. Später in diesem Jahr veranstalten Schüler, Lehrer und Ehemalige eine Geldsammlung zwecks Anschaffung einer Schulfahne als Symbol der Zusammengehörigkeit. Diese Schulfahne ist eines der wenigen Zeugnisse der Gründungszeit, die bis in die Gegenwart erhalten geblieben sind und die nach wie vor im Gewahrsam der Schule sind. Ab 1887 fand ein eigenes jährliches Schulfest statt.

Solange im Lehrplan der Unterstufen noch keine Unterschiede bestanden, wechselten zunächst noch viele Schüler des Andreanums, die mit dem Griechischen haderten, in die Mittelstufe des Realgymnasiums. Ab 1893 wurde der Wechsel zwischen den Schulformen jedoch durch die Umgestaltung der jungen Schule zu einem Reform-Realgymnasium verbaut: Damit ging eine Änderung der Sprachenreihenfolge nach dem Altonaer System einher. Erste Fremdsprache am Realgymnasium ab Sexta war danach Französisch, gefolgt von Englisch ab Quarta. Neben dem Realgymnasium wurde zudem ab 1896 eine sechsjährige lateinlose Realschule errichtet, die bis zur Untersekunda (eingerichtet 1898) reichte. Die Unterstufe besuchten die Schüler beider Zweige gemeinsam. Lateinunterricht erhielten aber nur mehr die Schüler des Gymnasialzweigs ab Untertertia.

Bereits ab 1890 wurde der Raum in der neuen Schule wiederum knapp. Trotz der Zweckentfremdung von Fachräumen als Klassenräume und der totalen Ausnutzung jedes Raumes zu jeder Stunde waren die Verhältnisse um 1900 so beengt, dass von 80 Sextanern über die Hälfte abgewiesen werden musste. Konkrete Planungen zur Aufstockung des Schulgebäudes waren 1905 immerhin zwar abgeschlossen, wurden aber erst ab 1909 umgesetzt. 1910 war der Umbau schließlich beendet. Nunmehr hatte jede Klasse einen eigenen Raum und standen Fachräume wieder als solche zur Verfügung. Ungefähr um dieselbe Zeit erfolgte der Anschluss an die Elektrizitätsversorgung. Die Freude währte nur sehr kurz, schon 1911 ergaben sich erneut Raumprobleme.

Eine eigene Turnhalle erhielt die Schule 1895. 1908 wurde ein Gymnasial-Seminar für die pädagogische Ausbildung von Studienreferendaren eingerichtet, das bis 1931 bestand. 1909/1910 wurde das Schulgeld für die oberen Klassen von 130 auf 150 Mark pro Jahr erhöht. 1911 besuchten 435 Schüler die Anstalt, davon 73 in den oberen Realschulklassen. Die Zusammensetzung der Schülerschaft hatte sich nicht wesentlich geändert.

1912 erfolgte eine erneute Reform der Fremdsprachenreihenfolge nach dem Frankfurter Plan. Für die Schüler des Gymnasialzweigs wurde Latein zweite Fremdsprache ab Untertertia und Englisch erst als dritte Fremdsprache und erst ab Untersekunda unterrichtet. Ferner bewilligte das Provinzial-Schulkollegium in diesem Jahr einen Betrag von 2300 Mark für die Einrichtung einer Wasserspülung in der Abortanlage und genehmigte, dass der Unterricht in der Zeit vom 1. Mai bis zum 1. Oktober bereits um sieben Uhr beginnen durfte.

Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zum Ende der Weimarer Republik mini|Schülermütze der Oberprima, um 1930

Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldeten sich insgesamt 50 Schüler freiwillig zu den Waffen. Am 6., 7., 14. und 15. August 1914 fanden die ersten Notreifeprüfungen für 26 Ober- und sechs Unterprimaner statt. Solcherart Abschlussprüfungen wiederholten sich in immer kürzeren Abständen. Zuletzt gab es keine Oberprima mehr. Der Mangel an männlichen Lehrkräften konnte nur durch Lehrerinnen ausgeglichen werden. Die verbleibende Schülerschaft zeichnete insgesamt neunmal Kriegsanleihen – bei der vorletzten kamen 70.612 RM zusammen, bei der letzten nur mehr 36.922 RM – und beteiligte sich an Materialsammlungen. Aus dem Pfadfinderkorps der Schule wurde zu Kriegsbeginn eine „Jugendwehr“ gebildet, deren Angehörige unter anderem als Erntehelfer eingesetzt wurden. Das Pädagogische Seminar löste sich bei Kriegsbeginn umgehend auf, erst 1919 setzte es seine Arbeit fort. Das Ende des Krieges und damit der deutschen Monarchie brachte eine Änderung des Schulnamens, ab 1918 lautete dieser nur mehr Staatliches Andreas-Realgymnasium. Insgesamt ließen 164 Schüler in diesem Krieg ihr Leben, davon waren 150 Freiwillige.

Am 21. August 1920 gründete sich auf Initiative des Lehrers und früheren Schülers Wilhelm Tischbein der Verein ehemaliger Schüler des Andreas-Realgymnasiums mit Realschule, der als Verein der Ehemaligen und Freunde des Scharnhorstgymnasiums e. V. bis in die Gegenwart besteht. Noch im selben Jahr stiftete der Verein der Schule eine Gedenktafel mit den Namen der gefallenen Schüler. Diese wurde vom Architekten Küsthard, einem ehemaligen Schüler gestaltet und am Totensonntag 1922 nach einem Gottesdienst in der Michaeliskirche in der Aula enthüllt. Im selben Jahr gründete sich auch eine Schulgruppe des Vereins für das Deutschtum im Ausland, die unter anderem 1924 2000 Mark für das deutsche Schulwesen in Posen sammelte.

1923 wurde die Sprachenreihenfolge erneut geändert, Englisch wurde erste Fremdsprache ab Sexta, gefolgt von Französisch ab Untertertia und für die Gymnasiasten Latein ab Untersekunda.

Nachdem 1921 dem an Schülerschwund leidenden Andreanum erneut ein eigenes Realgymnasium angegliedert worden war, trug ein Ministerialerlass 1925 der Hildesheimer Forderung nach einer Oberrealschule Rechnung und ordnete die Umwandlung der Schule in eine solche – ohne Latein als Pflichtfremdsprache – an. Diese konnte trotz des Protestes aller am Schulleben beteiligten Gruppen nicht verhindert, sondern nur um ein Jahr hinausgeschoben werden, begann Ostern 1926 und war 1929 abgeschlossen. Damit verbunden war eine neuerliche Umbenennung der Schule, nunmehr hieß sie Staatliche Andreas-Oberrealschule. Lateinunterricht wurde weiterhin als Wahlfach ab Obersekunda angeboten. Ab 1926 betrug der Schulgeldsatz 200 Mark im Jahr.

1928 wurden auch die oberen Klassen zweizügig und wegen Raummangels vier Klassen der Unterstufe in das Gebäude des Gymnasial-Seminars am Pfaffenstieg ausgelagert. Nach der Einrichtung moderner Fachräume für Biologie, Physik, Chemie und Kunst im Hauptgebäude wurden 1931 fünf weitere Klassen dorthin umgesiedelt. In den 1920er Jahren lag die Zahl der Schüler durchschnittlich bei 550 in 15 Klassen.

Zeit des Nationalsozialismus Nach der Machtergreifung wurde der dem Nationalsozialismus kritisch gegenüberstehende Schulleiter Scherwatzky am 16. Oktober 1933 an eine andere Schule versetzt. Beschwerden einer spontan gebildeten Delegation von Primanern beim Reichskultusministerium blieben ohne Erfolg. 1934 nahmen nur zwei Lehrkräfte an einem „Lehrgang zur Umschulung der Lehrerschaft für den neuen Staat“ teil. Einer dieser Lehrer leitete allerdings im Folgejahr selbst den ersten Lehrgang dieser Art in Einbeck.

Nach der Einführung des Staatsjugendtags und einer dritten Turnstunde wurde 1935 der Unterricht in einigen Fächern gekürzt. Im selben Jahr erhielten Offizierbewerber Gelegenheit zu einer vorgezogenen Reifeprüfung, in der Folge gehörten Notreifeprüfungen wie bereits nach Beginn des Ersten Weltkriegs wieder zum Alltag. Wie damals wurden auch jetzt wieder Schüler zu Sammlungen und zu Arbeiten in der Landwirtschaft herangezogen, zuletzt aber auch im „Kriegshilfsdienst“ in der Industrie, beispielsweise in den Boschwerken.

Verstärkt wurden Schülerlager in den Unterricht integriert, die Lehrer in Lehrerlagern geschult. Für Referendare wurde die Teilnahme an einem Referendarlager verbindlich. In diesen Lagern fanden unter anderem Schießübungen mit den der Schule zur Verfügung stehenden beiden Kleinkalibergewehren statt. Die Feierlichkeiten zum fünfzigjährigen Schuljubiläum finanzierte und organisierte unterdessen der Ehemaligenverein. 1937 wurde die Schule in eine Oberschule umgewandelt. Die Oberprima fiel weg, das Abitur wurde also nunmehr ein Jahr früher abgelegt. Französisch wurde nicht mehr erteilt, dafür eine vierte und fünfte Turnstunde eingeführt. Neuer Schulname war Andreas-Oberschule. Am 1. Februar 1938 hatte die Schule 461 Schüler, fünf davon jüdischen Glaubens. Fast alle „arischen“ Schüler gehörten den nationalsozialistischen Jugendverbänden an, mit Ausnahme lediglich derer, die noch nicht alt genug fürs Jungvolk waren. Fast ein Drittel waren Jungvolk- oder HJ-Führer. Die außerschulische Beanspruchung dieser Schüler und das damit verbundene Absinken ihrer Leistungen führten zu Klagen aus der Elternschaft beim Schulleiter. Spannungen zwischen HJ und Schulleitung entstanden, als die Schule in der Folge weniger großzügig bei der Beurlaubung zu Führerlagern verfuhr. Ab Ostern 1938 trug die Schule nach Gerhard von Scharnhorst den Namen Scharnhorstschule – Oberschule für Jungen. Zuletzt 1939 wurde Religionsunterricht erteilt, dafür wurde eine mündliche Reifeprüfung im Fach „Rassenkunde“ obligatorisch.