Die türkischen Streitkräfte (, kurz TSK) umfassen die Teilstreitkräfte Heer, Marine und Luftwaffe sowie Gendarmerie und Küstenwache. Die Republik Türkei ist seit 1952 Mitglied der NATO und unterhält innerhalb der NATO die zweitgrößte Anzahl an aktiven Soldaten nach den USA. Die türkischen Streitkräfte können im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe der NATO mit taktischen Sprengköpfen der US-Streitkräfte nuklear bewaffnet werden. In der Türkei werden einsatzfähige Atomsprengköpfe am NATO-Stützpunkt Incirlik Air Base unter Kontrolle der United States Air Force dafür bereitgehalten.

Aktuell führen die türkischen Streitkräfte eine Vielzahl von Einsätzen aus: zum einen die Unterstützung multinationaler UN- und NATO-Missionen, aber auch eigenständige Invasionen und Besetzungen in mehreren Nachbarländern (Nordzypern seit 1974, Nordirak seit 1992, Nordsyrien seit 2016). Sie gelten aktuell als die schlagkräftigsten Streitkräfte im Nahen Osten. Gemäß dem Ranking Global Firepower 2024 haben die Türkischen Streitkräfte die achtstärkste militärische Kapazität weltweit.

Seit 2019 führen die türkischen Streitkräfte auf Wunsch der libyschen Übergangsregierung einen Einsatz in Westlibyen.

Auftrag Die TSK haben laut der türkischen Verfassung den Auftrag, auf Sicherheitsprobleme angemessen zu reagieren, auf Krisen vorbereitet zu sein und bei internen und externen Bedrohungen und Risiken die Sicherheit des Landes jederzeit zu gewährleisten.

Kommandostruktur mini|Türkische Wachsoldaten im Dienst am Anıtkabir

Der Oberbefehl über die türkischen Streitkräfte liegt beim Generalstabschef. Dieser wird vom Staatspräsidenten ernannt und ist dem Ministerpräsidenten gegenüber verantwortlich. Am 4. August 2011 wurde der bisherige Gendarmeriechef Necdet Özel von Staatspräsident Abdullah Gül zum Generalstabschef ernannt. Özel wurde am 18. August 2015 von Hulusi Akar abgelöst.

In Friedenszeiten unterstehen Gendarmerie und Küstenwache dem Innenministerium der Türkei, werden im Kriegsfall aber dem Heereskommando bzw. dem Marinekommando unterstellt.

Wehrdienst Der Wehr- bzw. sogenannte Vaterlandsdienst ist laut Art. 72 der türkischen Verfassung in Verbindung mit Art. 1 des Gesetzes Nr. 1111 über den Wehrdienst Recht und Pflicht jedes männlichen Staatsbürgers.

Nach Art. 2 des Gesetzes Nr. 1111 über den Wehrdienst beginnt die Wehrpflicht am 1. Januar des Jahres, in dem das 20. Lebensjahr vollendet wird. Die Wehrpflicht endet mit Beginn des Jahres, in dem der Wehrpflichtige das 41. Lebensjahr vollendet. Geschwister bzw. Kinder von im Dienst getöteten Soldaten sind nicht wehrpflichtig.

Seit 2014 dauert der Wehrdienst in der Türkei 12 Monate. Hochschulabsolventen dienen nur 6 Monate.

Im Jahr 2007 betrug der Anteil von freiwillig dienenden Frauen 3,1 Prozent.

Türkische Staatsbürger, die sich länger als drei Jahre (1095 Tage) im Ausland befinden und dort auch berufstätig sind, sind seit der gesetzliche Neuregelung vom 1. Januar 2012 komplett vom Wehrdienst befreit, wenn sie – unabhängig von ihrem Alter – im Gegenzug eine Zahlung von 30.000 türkischen Lira (damals etwa 10.000 Euro) leisten.deutsch-tuerkische-nachrichten.de Der Betrag der Ausgleichszahlung wird inflationsbedingt regelmäßig erhöht und liegt zur Zeit (April 2026) bei 333.089,04 TRY (ca. 6.500 Euro).

Militärbudget

Für das Jahr 2014 stand den Streitkräften ein Budget von etwa 22,5 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Die Türkei setzt bei ihren Waffensystemen zunehmend auf heimische Entwicklung und Produktion. So werden unter anderem Marschflugkörper, Drohnen, Panzerhaubitzen, Fregatten, Korvetten, Kampfhubschrauber und Kampfpanzer in Eigenregie und zum Teil in Lizenz produziert. Zudem gab die Türkei in den letzten Jahren hohe Summen für Kriegsgerät aus. Haupthandelspartner dabei war die Bundesrepublik Deutschland. Die Türkei kaufte 354waffenexporte.org Kampfpanzer des Typs Leopard 2 und bestellte sechs Einheiten der U-Boot-Klasse 214. Zudem kaufte die Türkei das russische Luftabwehrsystem S-400. Die vier Batterien wurden ab 2019 geliefert. Der Kaufpreis betrug 2,5 Milliarden Dollar. Im August 2024 wurde mit dem Projekt „Çelik Kubbe“ (türkisch: Stählerne Kuppel) ein mehrschichtiges Gesamtsystem für die türkische Luftverteidigung definiert, welches nahezu komplett auf einheimische Produkte setzt.

Gründe für das vergleichsweise hohe Militärbudget sind u. a. der jahrzehntelange Konflikt zwischen der Republik Türkei und der PKK (ab 1984 bewaffnet)Die Zeit: Die Nato-Militärausgaben sind nicht durchdacht. Abgerufen am 3. November 2014. und ungelöste territoriale Konflikte mit Griechenland und das daraus entstandene Wettrüsten.„Tibor Szvircsev Tresch: Europas Streitkräfte im Wandel: Von der Wehrpflichtarmee zur Freiwilligenstreitkraft 2005, S. 117“

Die Militärausgabensipri.org zwischen 2003 und 2025 (Die Zahlen sind in Mrd. US-Dollar angegeben, zu aktuellen Preisen, umgerechnet zum Wechselkurs des jeweiligen Jahres.)

+ Militärbudget   Türkei Jahr in Mrd. US-Dollar 202529,9871,91 %202425,0121,84 %202319,2331,69 %202215,0471,62 %202115,2401,81 %202015,8152,16 %201920,4702,64 %201819,6462,49 %201717,6102,04 %201617,8312,05 %201515,6691,81 %201417,5771,87 %201318,4281,92 %201217,6942,00 %201117,0062,01 %201017,6502,26 %200916,0482,45 %200816,8102,17 %200714,9882,19 %200613,0372,33 %200512,0812,38 %200410,9212,66 %200310,2783,26 %

Teilstreitkräfte Landstreitkräfte

60px|links|Logo der türkischen Armee

Das türkische Heer (TKK, türkisch: Türk Kara Kuvvetleri) gliedert sich wie folgt: Kommandantur des türkischen Heeres (KKK, türkisch: Kara Kuvvetleri Komutanlığı) in Ankara 4 Armee-Hauptquartiere: 1. Armee, mit Stab in Istanbul, an der Grenze zu Griechenland und Bulgarien 2. Armee, mit Stab in Malatya, an der Grenze zu Syrien, Irak und Iran 3. Armee, mit Stab in Erzincan, an der Grenze zum Kaukasus Ägäis-Armee, mit Stab in İzmir, an der türkischen Westküste 10 Armeekorps 2 Mechanisierte Infanteriedivisionsstäbe 14 Mechanisierte Infanteriebrigaden 14 Panzerbrigaden 11 Infanterie/Kommando-Brigaden

Nach dem Kauf von 354 Leopard 2A4 aus Beständen der Bundeswehr im Jahre 2007 entschied sich die Türkei zur Eigenproduktion eines auf dem südkoreanischen K2 Black Panther basierenden Kampfpanzers unter dem Namen Altay MBT. In einem ersten Produktionslos sind 250 Stück geplant.

Die türkische TAI (Turkish Aerospace Industries) entwickelte in Kooperation mit Aselsan und der italienischen AgustaWestland den Kampfhubschrauber TAI T-129 Atak (Advanced Attack and Tactical Reconnaissance Helicopter) für das türkische Heer. Im Frühjahr 2014 wurden die ersten drei Maschinen feierlich übergeben.

Die türkischen Streitkräfte führen zwei Mal im Jahr große Manöver durch, im Sommer das Efes-Manöver und im Winter das Sarıkamış-Manöver. Für das Sarıkamış-Manöver ist die 3. Armee zuständig.

Liste der Waffensysteme des türkischen Heeres

Luftstreitkräfte

60px|links|Logo der Luftstreitkräfte der Türkei

Die türkischen Luftstreitkräfte () wurden 1911 als Unterstützungstruppe innerhalb der Landstreitkräfte gegründet und am 31. Januar 1944 eigenständig.Die türkische Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. In: Flieger Revue Extra Nr. 12, Berlin 2006, S. 35 und 41 Sie sind mit 60.100 Mann die zweitgrößte Teilstreitkraft. Sie verfügen über zwei taktische Luftkommandos in Eskişehir und Diyarbakır, ein Trainingskommando und ein Unterstützungskommando. Das Hauptquartier befindet sich in Ankara.

Liste der Waffensysteme der türkischen Luftstreitkräfte

Marine 60px|links mini|Türkisches U-Boot der Preveze-Klasse

Die Marine ist in vier Kommandos eingeteilt, die seit dem großen Erdbeben bei Gölcük/İzmit im August 1999 ihr Hauptquartier in Izmir haben. Die Marine hat eine Stärke von 52.700 Mann. Sie verfügt über moderne bzw. modernisierte Fregatten, Korvetten, U-Boote (sowohl in Deutschland als auch mit deutscher Lizenz in der Türkei gebaute Typ 209/1200, 1400, U-214), meist moderne Schnellboote (Rüzgar-, Kılıç-I-, Kılıç-II-, Yıldız-, Doğan-, Kartal-Klasse), Minensuch- bzw. -jagdboote, amphibische Landungsschiffe und Patrouillenboote. Die türkischen Marineflieger verfügen über Flugzeuge verschiedener Typen (CASA CN 235D/K, ATR72 ASW sowie TB-20-Ausbildungsflugzeuge) und Hubschrauber (Agusta Bell AB-212 und Sikorsky S-70 Sea Hawk).türkische Marine

Im September 2011 nahm die Marine die erste eigenständig entwickelte Korvette Heybeliada der Ada-Klasse in Dienst. 2012 wurde das zweite Schiff Büyükada in Dienst gestellt.trtdeutsch.com

Die Sedef-Werft baut das erste amphibische Angriffsschiff für die türkische Marine basierend auf der spanischen Juan Carlos I. Der Zulauf fand im Jahre 2019 statt.Sedef Werft baut Flugzeugträger TRT Deutsch vom 26. März 2018.

Liste von Schiffen der türkischen Marine

Gendarmerie Die 203.100 Mann starke Gendarmerie (Jandarma) ist neben ihren Aufgaben als Militärische Polizei auch für innere Sicherheit, Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, Strafverfolgung und Grenzschutz, insbesondere in den ländlichen Regionen zuständig. Sie ist jedoch in Friedenszeiten dem Innenministerium unterstellt und nicht direkt dem Militär.

Küstenwache Die türkische Küstenwache (Türk Sahil Güvenlik Komutanlığı) umfasst 5563 Mann. Sie ist in vier Kommandos eingeteilt (Schwarzes Meer, Marmarameer, Ägäis und Mittelmeer). Sie war von 1982 bis 1995 der Gendarmerie unterstellt, seit 1995 dem türkischen Innenministerium. Zu ihrer Ausrüstung gehören Schnellboote und Küstenschutzboote sowie Hubschrauber.

Spezialeinheiten Neben den fünf regulären Teilstreitkräften verfügt das türkische Militär über mehrere Spezialkräfte. Hierzu gehören folgende Spezialeinheiten: Bordo Bereliler: Die Bordo bereliler (dt. bordeauxrote Barettträger) haben Korps-Status (zuvor Brigade und Division) und gelten als die Eliteeinheit zu Land. Deniz-Kommando: Die SAT (Su Altı Taarruz; dt. Unterwasser-Offensive) und SAS (Su Altı Savunma; dt. Unterwasser-Abwehr) sind als Kampftaucher-Einheiten im Deniz-Kommando zusammengefasst. Sie gelten als die Eliteeinheiten der türkischen Marine. Die Mitglieder bestehen ausschließlich aus Marineunteroffizieren (Astsubay). Ihre Aufgabenbereiche liegen in der amphibischen Spionage, Sabotage und Befreiung. Ein bekannter Einsatz war 1996 bei der sogenannten Kardak-Krise.

Militärpolizei Für die Aufrechterhaltung der Sicherheit innerhalb des Militärs, die Bewachung von Offizieren in Kriegszeiten und die Verfolgung von Fahnenflüchtigen ist die türkische Militärpolizei Askeri İnzibat zuständig. Sie bildet keine Teilstruktur des Militärs und hat daher lediglich eine einheitliche Uniform. Das wichtigste Erkennungsmerkmal der türkischen Militärpolizei ist die Aufschrift „AS.İZ“ (für Askeri İnzibat) auf einer roten Armbinde und auf dem Helm. Zur türkischen Militärpolizei werden nur ausgewählte Soldaten berufen. Es ist nicht möglich, durch das Losverfahren (wie bei den Teilstreitkräften) zum Dienst bei der Militärpolizei beordert zu werden.

Medizinisches Personal Medizinisches Personal und Ärzte für die türkischen Streitkräfte werden von der Gülhane Askerî Tıp Akademisi (Militärische Medizinakademie Gülhane) ausgebildet und zur Verfügung gestellt. Die Akademie ist außerdem die wichtigste Beraterin der türkischen Streitkräfte in medizinischen Fragen.

Einsätze UN- und NATO-Einsätze

mini|Die Türkei ist seit 1945 Mitglied der UN. mini|Die Türkei ist seit 1952 Mitglied der NATO.

Die Türkei ist seit dem 18. Februar 1952 Mitglied der NATO.

Vergangene Einsätze mini|Türkische ISAF-Truppen in Afghanistan, 2006

An folgenden Auslandseinsätzen beteiligten sich die türkischen Streitkräfte: Koreakrieg (1950–1953) UNIMOG, 1988–1991Generalstab der türkischen Streitkräfte: abgerufen am 16. November 2011. Operation Maritime Monitor, 1992–1996 UNITAF, 1993–1994 UNOSOM II, 1993–1994 Operation Deny Flight, 1993–1995 UNMIS, 1993–1994 UNPROFOR, 1993–1995 UNOMIG, Georgien, 1994–2009 IFOR, 1995–1996 SFOR, 1996–2004