Die Friedrichstraße liegt in den Berliner Ortsteilen Mitte und Kreuzberg. Sie ist eine der bekanntesten Straßen im historischen Zentrum Berlins und wurde nach dem Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg benannt. Dieser regierte von 1688 bis 1701 als Friedrich III. und von 1701 bis 1713 als Friedrich I., „König in Preußen“.
Verlauf mini|links|Bahnhof Friedrichstraße mini|links|U-Bahnhof Kochstraße an der Ecke Koch-, Friedrich- und Rudi-Dutschke-Straße
Die mit 15–17 Metern relativ schmale Friedrichstraße ist die Hauptverkehrsverbindung der Friedrichstadt in Nord-Süd-Richtung. Sie beginnt am Oranienburger Tor, der Kreuzung mit der Hannoverschen Straße und der Torstraße. Auf der Weidendammer Brücke überquert sie die Spree, kreuzt am Bahnhof Friedrichstraße die Stadtbahn und weiter südlich den Boulevard Unter den Linden. Am ehemaligen alliierten Grenzübergang Checkpoint Charlie wechselt sie in den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und endet nach 3,3 Kilometern am Mehringplatz.
Seit den frühen 1980er Jahren war geplant, die Friedrichstraße wieder zu einem urbanen Boulevard auszubauen. Ein neuer Stadtplatz sollte entstehen (etwa auf Höhe des Schauspielhauses). Es gab auch Überlegungen, den kleinen Platz an der Ecke Unter den Linden zu bebauen (vor dem Hotel Unter den Linden). Im Jahr 1987 wurde das Grandhotel zwischen Unter den Linden und Behrenstraße eröffnet. Im selben Jahr begann der Bau der Friedrichstadt-Passagen zwischen der Französischen und der Mohrenstraße. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden 1992 die bis dahin errichteten Rohbauten abgerissen und bis 1996 die drei Parzellen mit dem Kaufhaus Galeries Lafayette (Quartier 207) sowie den beiden Geschäftshäusern Quartier 206 und Quartier 205 bebaut. Zu diesem Zeitpunkt und danach wurden im Bereich zwischen dem Bahnhof Friedrichstraße und der Leipziger Straße zahlreiche großzügige Geschäftsneubauten errichtet. In diesem Areal befinden sich in mehreren „Quartieren“ Luxusgeschäfte, Repräsentanzen namhafter – insbesondere hochpreisiger – Bekleidungsmarken und Ausstellungsräume von Autoherstellern wie dem Volkswagen-Konzern, Mini und Opel. Ebenso befindet sich dort das Kulturkaufhaus Dussmann.
Die Straße beheimatet im nördlichen Teil den Gartenbereich des ehemaligen Kunsthauses Tacheles, den Friedrichstadt-Palast und den Admiralspalast (1955–1997: Metropol-Theater). Der Bahnhof an der Kreuzung der Stadtbahn mit der unterirdischen Nord-Süd-S-Bahn ist mit dem ehemaligen Tränenpalast als früherer Grenzbahnhof nach West-Berlin bekannt. Südlich davon folgen das 25-geschossige Internationale Handelszentrum (1978 erbaut) und das Maritim proArte Hotel, das ehemalige Interhotel Metropol.
Weniger bekannt als der nördliche und mittlere Abschnitt ist das südliche Ende der Friedrichstraße hin zum Mehringplatz und dem Halleschen Tor. Dort befindet sich in einem Teil des Kreuzberger Kiezes eine Fußgängerzone mit verschiedenen Geschäften. Ein Denkmal aus beschrifteten Bodenplatten, der Pfad der Visionäre, soll der europäischen Verständigung dienen und diesen Bereich der Friedrichstraße für Besucher attraktiver machen.
Um sich die Querstraßen (von Nord nach Süd ab Unter den Linden) besser einprägen zu können, verbreitete sich seit den 1920er Jahren folgende Eselsbrücke: „Unter den Linden tanzen die Behren, → Unter den Linden; → Behrenstraße dann schießen französische Jäger → Französische Straße; → Jägerstraße die Tauben. Dann tragen die Mohren → Taubenstraße; → Mohrenstraße die Kronen nach Leipzig. → Kronenstraße; → Leipziger Straße Dann wirft Kraus Schütz → Krausenstraße; → Schützenstraße den Zimmermann Koch zum Tore hinaus!“ → Zimmerstraße; → Kochstraße; → Hallesches Tor
Geschichte
Anlage eines neuen Straßensystems
Bau der Dorotheenstadt mini|Straßenbild mit Kaisergalerie, 1875 mini|links|Friedrichstraße mit Blick nach Norden, um 1900 mini|Friedrichstraße Ecke Unter den Linden mit Café Bauer, um 1900
Am Ende des 17. Jahrhunderts erstreckten sich um die heute sehr belebte Straße Felder, Wiesen und Äcker, und am Ufer der Spree wurden Schiffe gebaut (Straße Schiffbauerdamm) bzw. Weiden verarbeitet. Durch einen Verkauf kurfürstlicher Äcker an Bauwillige und die Gewährung zahlreicher Vergünstigungen begann der Bau der damaligen Berliner Vorstadt: Straßen in regelmäßigen Rechtecken wurden abgesteckt, es entstand die Neustadt – nach ihrer Initiatorin Dorothea Sophie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, der zweiten Ehefrau von Friedrich Wilhelm, später auch Dorotheenstadt genannt.
Die zweitwichtigste Straße in diesem Neubaugebiet – nach dem Boulevard Unter den Linden – war die große Querstraße, die auch einfach so genannt wurde. Sie reichte damals von der Weidendammer Brücke bis zur Behrenstraße und wurde mit zwei- bis dreigeschossigen Reihenhäusern bebaut; auf den Höfen gab es Ställe für Nutzvieh (Schweine und Kühe) und Feuerungsgelasse. Da es noch keinerlei Kanalisation in Berlin gab, belästigten Abfälle aller Art die Bewohner und Spaziergänger.
Friedrichstadt Kurfürst Friedrich III. berief eine Kommission zum Ausbau des neuen Stadtteils, und per kurfürstlicher Order beschied er, die Querstraße umzubenennen und zwar mit den Worten: „Was heißt hier Querstraße? Ein anständiger Name muss es sein – der meinige.“ Nach dieser Änderung wurde die Straße durch Zukauf weiteren Grund und Bodens nach Süden verlängert. Mit dem Bau weiterer Häuser wurden jetzt auch Architekten betraut, das waren hauptsächlich Johann Arnold Nering und die Firma Smid. So gehörten bis 1695 bereits 300 Häuser zu dem Stadtteil, der den Namen Friedrichstadt erhielt. In diese Gegend waren meist die Hugenotten gezogen, die durch hohe handwerkliche Fähigkeiten das Ansehen des Herrscherhauses und der Stadt Berlin mehrten. Nach dem Tode von Friedrich III. war Friedrich Wilhelm I. zwischen 1713 und 1740 preußischer König. Er forcierte den Ausbau der Friedrichstadt, sogar mit Militärgewalt. Die südliche Friedrichstraße wurde Anfang der 1730er Jahre bis zum Halleschen Tor und der nördliche Teil bis zum Oranienburger Tor verlängert.
Der Straßenabschnitt nördlich der noch hölzernen Weidendammer Brücke sah damals dörflich aus und hieß Dammstraße. Dort wurden viergeschossige Kasernen für das Husaren-Regiment Nr. 2 gebaut; Kontore und erste Manufakturen siedelten sich an.
Zwischen 1800 und dem Ende des Zweiten Weltkriegs mini|Friedrichstraße, Gemälde von Moritz Coschell, 1907 mini|hochkant|Blick von der Taubenstraße auf die Friedrichstraße, Aquarell von Wilhelm Georg Ritter, 1896 mini|Friedrichstraße mit Castans Panopticum, Film von 1896
Bei der Märzrevolution 1848 fanden auf der Friedrichstraße (vor allem an der Kreuzung mit der Jägerstraße) Barrikadenkämpfe statt, in deren Ergebnis der Abzug der königlichen Soldaten aus der Stadt erzwungen wurde. Eine Gedenktafel in der Friedrichstraße 180 erinnert heute an die Ereignisse.
Im 19. Jahrhundert gewann der Abschnitt zwischen Weidendammer Brücke und dem Halleschen Tor an Bedeutung: teure Hotels, Restaurants und Künstler-Etablissements eröffneten und zogen Gäste an. Eine langjährige Baulücke, wo zuvor das Hotel Monopol gestanden hatte,Historische Ansichtskarte von 1911 mit dem Hotel Monopol. Bei: zeno.org direkt an der Nordseite des Bahnhofs Friedrichstraße (Hausnummer 100), beherbergte von 1927 bis 1945 das Speiserestaurant Franziskaner. Eingerichtet und betrieben wurde dieses Bier- und Weinlokal mit bis zu 2500 Plätzen von Ernst Barthels, bis es bei einem alliierten Luftangriff durch einen Bombentreffer am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde. Im Jahr 2008 wurde die Fläche an einen Investor verkauft, der hier ein neues Hotel- und Bürohaus errichten ließ. Bei den Bauarbeiten kamen Keller und Fundamente des früheren Lokals zum Vorschein.Einst flogen Zigarettenkippen in die Suppe. In: Berliner Zeitung. 3. September 2008. Um das Jahr 1900 galt die Friedrichstraße als Handelsplatz für Edelsteine und Gold und war ein Zentrum der Prostitution.
Mit dem Bau der Eisenbahn von und nach Berlin und der damit verbundenen Errichtung des Bahnhofs Friedrichstraße (1882 eröffnet) wuchs die Bedeutung dieser Straße für das Leben in Berlin. Alle Bilder und Fotos aus dem beginnenden 20. Jahrhundert zeigen eine belebte engbebaute Straße.
Im südlichen Teil der Friedrichstraße befanden sich um die Jahrhundertwende und vor dem Ersten Weltkrieg mehrere Unternehmen der Stummfilmindustrie. Am 21. Juni 1918 ereignete sich im Gebäude Friedrichstraße 235, dem Filmhaus, in dem viele Filmfirmen und -verleihe untergebracht waren, ein Brand, bei dem das vierstöckige Vordergebäude völlig zerstört wurde. Es gab 15 Tote und 27 Verletzte.Zeitungsviertel.de: Das Filmhaus brannte Die Filmleute vor und hinter den Kameras trafen sich im „Klub der Filmindustrie“ in der Friedrichstraße 223. In der Friedrichstraße 224 richtete die Luna-Film-Industrie Berlin in einem neuen Bürohaus 1913 ihr Atelier ein. Dort saßen noch eine ganze Reihe weiterer Filmfirmen: Film-Verleih-Institut M. Christensen, Eiko-Film GmbH, Lloyd-Filmgesellschaft mbH, Filmfabrik Rosenblum GmbH und Terra Glashaus GmbH. In der Friedrichstraße 226 residierte die Filmgesellschaft Deutsche Bioscop mit Asta Nielsen als Star.Zeitungsviertel.de: Asta Nielsen als Star
Die Kreuzung mit dem Boulevard Unter den Linden entwickelte sich zu Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer der belebtesten der Stadt überhaupt. Unzählige Pferdebahnen, Droschken, Kraftfahrzeuge, Handwagen, Omnibusse, Radfahrer und Fußgänger teilten sich die Straße. Im November 1925 wurde an der Kreuzung mit der Leipziger Straße eine der ersten Berliner Ampeln aufgestellt. Um 1933 existierten auf der Friedrichstraße bereits fünf Ampeln.BZ-Karte (Sonderkarte) B Groß-Berlin, herausgegeben von der B.Z. am Mittag, digitalisiert auf Landkartenarchiv.de; laut Jahresangabe ungefähr von 1938, wegen Straßennamen wie Reichskanzlerplatz und Platz der Republik, die bereits im Frühjahr 1933 geändert wurden, eindeutig älter. An der Straßenecke zur Taubenstraße befand sich das Hotel Nürnberger Hof (Hausnummer 180). An der Straßenecke zur Kochstraße befand sich das Hotel Friedrichshof mit dem Café Friedrichshof
Im Juli 1918 berichtete der Philosoph Martin Heidegger seiner Frau in einem Brief von seinen Erfahrungen in Berlin:
Wiederaufbau ab 1945 und Folgen der Aufteilung in vier Sektoren mini|links|Zerstörungen in der Friedrichstraße, Frühjahr 1945 mini|Die Friedrichstraße am U-Bahnhof Stadtmitte, 1959 mini|Ehemaliges Hotel Unter den Linden, dahinter das Internationale Handelszentrum
Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg begannen parallel die Trümmerbeseitigung und Aufbaumaßnahmen in der DDR.
An der Friedrichstraße Ecke Am Weidendamm wurden das Haus der Tschechoslowakischen Kultur (1955) und das Haus der Polnischen Kultur (1956) mit Veranstaltungsräumen und Läden für Bücher, Schallplatten und landestypische Artikel in Pavillonform errichtet. Beide wechselten 1978 bzw. 1972 an andere Standorte.
Unter den Linden an der Ecke zur Friedrichstraße (alte Kranzler-Ecke) wurde 1966 ein Appartementblock mit Läden im Erdgeschoss errichtet. 1987 wurde an dieser Stelle das Grand Hotel eröffnet. An der Stelle des ehemaligen Café Bauer entstand 1966 das Lindencorso. Das Gebäude reichte von Unter den Linden bis zur Rosmarinstraße. Im unteren Bereich waren verschiedene gastronomische Einrichtungen untergebracht, in den oberen Etagen befanden sich Büros. Zur Friedrichstraße hin lag die Terrasse des Café Espresso, davor eine Freifläche mit Springbrunnen und Blumenbepflanzung. An der nordöstlichen Ecke der Kreuzung, also etwa an der Stelle des alten Café Viktoria, entstand das Hotel Unter den Linden (ebenfalls 1966 fertiggestellt). Das Gebäude war zur Friedrichstraße etwas zurückgesetzt, sodass ein kleiner Platz entstand.