mini|Jakob Wassermann (* 1873; † 1934) Christoph Columbus. Der Don Quichote des Ozeans ist eine Biografie durch Jakob Wassermann, die 1929 erschien.
Biografie Häufig wird der Vergleich von Columbus mit Don Quichote dem spanischen Schriftsteller und Diplomat Salvador de Madariaga zugesprochen. Madariaga hat aber 1940 sein Vida del muy magnífico señor don Cristóbal Colón veröffentlicht. Der Vergleich Columbus/Don Quichote muss also älter sein, da Wassermanns Buch 1929 veröffentlicht wurde, vielleicht war er eine originelle Idee von Wassermann, dessen Biografie des Almirante als Quelle für Madariagas Buch dienen würde.
Eine Zahl in runden Klammern verweist auf die Seite in der Quelle.
Der Plan mini|180px|Christoph Columbus (* 1451; † 1506) Das Gold Der Plan heißt: Columbus will von Palos, einem ehemaligen, kleinen iberischen Atlantikhafen aus, zunächst zu den Kanarischen Inseln und von dort immer westwärts segelnd, auf direktem Wege „Qui(n)say“ erreichen, wie man im Bordbuch seiner 1. Reise im Eintrag zum 21. Oktober nachlesen kann.Robert H. Fuson (Hrsg.): Das Logbuch des Christoph Kolumbus. Die authentischen Aufzeichnungen des großen Entdeckers. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1989, ISBN 3-404-64089-6, S. 156. „Quinsay“ (Schreibweise bei Marco Polo: „Quin-sai“) ist die heutige Großstadt Hangzhou südwestlich des heutigen Shanghai in China.Heinrich Pleticha: Christoph Kolumbus. Der Beginn der Neuzeit. Manfred Pawlak Verlag, Herrsching 1987, S. 14.
Am 21. Oktober glaubte Kolumbus sich südlich von Cipango = Japan (andere Schreibweise: Zipangu) zu befinden und schrieb: „Jedoch habe ich mich entschlossen, das Festland und die Stadt Qui(n)say aufzusuchen. Dort werde ich dem großen Khan die Briefe Eurer Majestät überreichen, um eine Antwort ersuchen und damit zurückzukehren.“Diario de a bordo del primer viaje de Cristóbal Colón. Wikisource (spanisch).
Im Mittelalter hatten europäische Asienreisende – wie Marco Polo – den Weg ostwärts über die eurasische Landmasse genommen. Columbus besaß eine mit vielen eigenen Notizen versehene Abschrift von Marco Polos Reisebericht „Il Milione“. Die Abschrift wird heute in einem Museum in Sevilla aufbewahrt. Marco Polo schreibt: „Auf der Insel Zipangu gibt es ungeheure Mengen von Gold …“Pierre Marc, Stano Dusík: Marco Polos wunderbare Reisen. bohem press, Zürich / Kiel / Wien 1992, ISBN 3-85581-242-X, S. 97. Zur Finanzierung der enormen Reisekosten war es notwendig, dass die angestrebten Ziele für die Geldgeber so interessant waren, dass auch ein materieller Gewinn mit dem Handel von Gewürzen und Edelmetallen in Aussicht stand. Die Kugel Ptolemäos (*87; † 150) hatte im Almagest bereits an der Schwelle zur Spätantike den Europäern das Weltbild der Griechen überliefert: Die Erde ist kugelförmig. Zwar behauptet Columbus, die Erde gleiche mehr einer Birne – nach dem Stiel hin – als einer Kugel (143), aber für seine Idee laufen Birne oder Kugel auf ein und dasselbe hinaus: China und Zipangu müssen auf dem westlichen Seeweg erreichbar sein. Ein Hafen an der portugiesischen Küste wäre ein geeigneter Startpunkt. Der Irrtum Wo aber nimmt Columbus den Mut zur Fahrt ins Ungewisse her? Sein Landsmann und Zeitgenosse Toscanelli hatte Ptolemäos’ Theorie von der Kugelgestalt der Erde „präzisiert“: Die eurasische Landmasse erstrecke sich über 230 Längengrade (31). Also, rechnet Columbus, erstreckt sich der direkte westliche Seeweg nur über 130 Längengrade. Aus dieser Rechnung und aus der Erfahrung seiner vorher gemachten Seereisen nimmt Columbus seinen Mut, dass mit westlichen Winden die Hinreise und mit östlichen Winden auf dem Breitengrad der Azoren eine Rückreise mit den damaligen Segelschiffen möglich sei.
Toscanelli aber hatte sich geirrt. Ein Blick auf den heutigen Globus zeigt, der direkte Weg von den Kanarischen Inseln (Gran Canaria: 16°W) nach Westen beträgt nach Hangzhou (122°E = 238°W): 238°W -16°W = 222° westliche Längengrade (und nicht 130). Aber das weiß in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts noch niemand. Was die vorherrschenden Windrichtungen auf den gewählten Reiserouten angeht, hat sich Columbus nicht geirrt! Noch heute starten Segelschiffe auf den Kanarischen Inseln und segeln mit östlichen Winden nach Westen und mit westlichen Winden über die Azoren wieder zurück.
Portugal Christoph Columbus wurde nach Jakob Wassermann zwischen 1436 und 1446 in Genua geboren (19). Nach Wassermann ist Columbus frühestens 1477 nach Portugal gekommen (32), und ein Großteil der Vita des italienischen Seefahrers vor 1477 sei Legende. Columbus heiratet die adlige Portugiesin Donna Filippa Muniz di Perestrello. In der Ehe wird Diego geboren. Wahrscheinlich verschafft die Familie Perestrello Columbus Zugang zum königlichen Hofe. König Joan gewährt dem Italiener Audienz (35). Columbus legt seine Pläne vor.
Nach einiger Zeit verlässt Columbus den portugiesischen Hof und flieht nach Spanien. Vermutlich ist ein Vertrauensbruch König Joans die Ursache. Es wird gemunkelt, Joan ließ heimlich einen Kapitän mit den Plänen des Columbus westwärts lossegeln. Stürmische See versperrte den Weg. Der Kapitän kehrte unverrichteter Dinge um.
Spanien mini|180px|Isabella I. von Kastilien (* 1451; † 1504) Columbus nennt sich in Spanien Cristóbal Colón und kommt im Franziskanerkloster La Rábida unter. Der dortige Prior Juan Perez, ehemals Beichtvater der Königin, ermutigt Columbus, sein Glück bei Isabella zu versuchen (36). Columbus dringt zunächst zur spanischen Regierung (37) vor. Die beruft als Sachverständigen u. a. Alonso Pinzon. Die Sachverständigen halten den Plan für ausführbar und geben Columbus ein Empfehlungsschreiben an Hernando de Talavera, den jetzigen Beichtvater der Königin Isabella, mit. Bittgänge und wahnwitzige Forderungen (40) Die Königin hört Columbus zu und beruft eine Junta. Diese tritt Ende 1486 zusammen. Die kirchlichen Würdenträger in der Junta sind gegen Columbus. Der genuesische Fremdling, durch König Joans Betrügerei vorsichtig geworden, deckt die Karten in Spanien nicht mehr auf. Als nach der Junta auch noch eine andere Ratsversammlung den Plan des Columbus verwirft, glaubt Königin Isabella immer noch an den Bittsteller. Isabella hofft, Columbus wird indisches Gold bringen. Das will die Königin zur Eroberung des Heiligen Grabes verwenden (48).
Columbus verliebt sich in Doña Beatriz Henriquez. Aus der Liebesbeziehung geht 1488 der uneheliche Sohn Hernando Colón hervor.
Ein Ereignis im Dezember 1491 kommt dem Bittsteller zu Hilfe. Spanien ist frei von den Sarazenen. Denn der maurische König Mohamed Boabdil wurde in Granada ausgehungert. Hernando de Talavera wird Erzbischof von Granada und muss wider Willen auf Befehl von Isabella mit Columbus verhandeln. Die überspannten Forderungen des Columbus hören sich lächerlich an: Vizekönig will er werden über alle entdeckten Gebiete und noch Admiral des Weltmeers dazu. Ein Zehntel von den erbeuteten Schätzen und Gütern beansprucht dieser Italiener. Bei Hofe erregen die unerhörten Forderungen ärgerliches Staunen und Hohn. Trotzdem hat Columbus noch als Fürsprecher den Erzbischof von Toledo Alonzo de Quintanilla, den Schatzkanzler Santangel und den Marquise de Moya, einen Freund der Königin Isabella. mini|180px|Ferdinand II. von Aragón (* 1452; † 1516) Am 17. April 1492 erhält Columbus vom spanischen König Ferdinand II. und der Königin Isabella einen Vertrag, in dem alle seine Bedingungen akzeptiert werden und er vorab den Titel Don führen darf.
Die erste Fahrt Reise ins Ungewisse Am Morgen des 3. August 1492 sticht Columbus mit seiner Flottille vom andalusischen Hafen Palos de la Frontera (58) in See. 120 Mann befinden sich an Bord der drei Schiffe. Kapitän der Caravelle Pinta ist Alonso Pinzon. Das zweite Schiff, die Niña, führt Alonso Pinzons Bruder Vincente Yañez. Das Flaggschiff, die Nao Santa Maria, befehligt der Admiral des Weltmeers selber. Juan de la Cosa, einer der Besitzer der Santa Maria, nimmt an der Reise auf seinem Schiff als Mastmeister teil. Weil die meisten Matrosen aus Furcht vor der Fahrt ins Ungewisse nicht angeheuert haben, besteht die Mannschaft laut königlicher Ordre aus Zuchthäuslern. Zudem sind die drei Schiffe alt und schlecht ausgerüstet (64). Als das Steuerruder der Pinta bricht, muss die Flottille Lanzerot anlaufen. Die darauf folgende Fahrt in die unbekannte Wasserwüste hinein kann Jakob Wassermann nicht zweifelsfrei rekonstruieren. Einerseits soll Columbus, beeinflusst von der abergläubischen Besatzung, wankelmütig geworden sein und an Umkehr gedacht haben. Andererseits soll es für Columbus das Wort Umkehr nicht gegeben haben. Meuterisches Schiffsvolk will den Admiral in der nächsten Nacht, wenn er wieder, berauscht von den Sternen, auf dem Deck steht, ins Meer werfen, denn die Reise nimmt kein Ende und die Vorräte schrumpfen. mini|180px|Columbus landet auf Guanahani mini|180px|Westindische Inseln Die Entdeckung Doch am 12. Oktober 1492 geht Columbus endlich auf der Insel Guanahani, die zu den Bahamas gehört, an Land. Die Bahamas sind Teil der Westindischen Inseln in der Karibik. Jakob Wassermann schreibt: Schwerlich hat irgendein Sterblicher jemals einen erhabeneren Augenblick erlebt als Columbus (73). Er zieht sein Schwert und entfaltet das kastilische Banner. Die Mannschaft muss ihm als Vizekönig den Treueid leisten (74). Die Insel nennt Columbus San Salvador (der Erlöser, also Gott) und die Ureinwohner Indios, weil er überzeugt ist, sich in Indien zu befinden. Da der neue Vizekönig auf seiner Insel keine Goldberge vorfindet, wendet er sich weiter und entdeckt eine Insel, die er Santa Maria de la Concepcion (die Mutter Gottes) nennt. Die nächsten Inseln nennt Columbus dann folgerichtig nach seinen Majestäten Fernandina und Isabella. Die Indios erblicken in den Spaniern Halbgötter.
Auf Haiti wird Columbus von einem Kaziken mit einem handgroßen Stück Gold beschenkt (80). Columbus ist ab dem Zeitpunkt auf der Suche nach den Goldminen (81). Der große Entdecker nennt Haiti Española – die Spanische (84), preist das paradiesische Eiland und segelt weiter nach Baracoa auf Cuba.
Der Admiral rüstet schließlich zur Heimreise auf der Niña. Sein Flaggschiff war durch eine Unachtsamkeit der Besatzung auf Grund gelaufen. Columbus muss einen Teil der Besatzung auf Española zurücklassen. Die 38 zurückgelassenen Kolonisten stehen unter dem Schutz des Kaziken Guacamari (88), einem „Freund“ des Columbus und werden die Stadt Navidad erbauen, die erste Ansiedlung der Europäer in Amerika (91).
Am 4. Januar 1493 segelt Columbus ostwärts los. Sturm kommt während der Heimfahrt auf. Columbus, kleinmütig geworden, soll gelobt haben, nach glücklicher Landung eine Pilgerfahrt nach Santa Maria de Guadalupe zu machen (91). Im März 1493 läuft Columbus mit zerrissenen Segeln und durchlöcherten Wanten in den portugiesischen Hafen Cascaes an der Tejo-Mündung ein (92). Triumphale Rückkehr Am 15. März 1493 landet Columbus vor Palos am Rio Tinto. Das spanische Herrscherpaar hält sich in Barcelona auf. Der Weg des Columbus dorthin wird ein Triumphzug. Indios mit Kopfschmuck aus Vogelfedern (94) begleiten ihn. Das Königspaar begrüßt Columbus als Vizekönig der Neuen Welt. Die Auszeichnung lässt den Entdecker erstarren vor Glück (95). Columbus bringt Batatas, Yamswurzel, Pfeffer, Yukawurzel, Korn, Bohnen, Bananen, Baumwolle, Tabak, Mastixharz, Kokosnuss, Kürbis, Palmöl und Gold mit (96). Der Triumph ruft Neider auf den Plan.
Spanien will sich von Papst Alexander VI. mit den neu entdeckten Ländern belehnen lassen und schickt von dem „indischen“ Gold nach Rom. Damit werden Gesimse der Kirche Santa Maria Maggiore vergoldet. König Joan hält nicht still. Im Vertrag von Tordesillas teilt der Papst die Welt in eine spanische und eine portugiesische Einflusssphäre.
Die zweite Fahrt